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Möbelhaus in Stettin öffnet zum 60.IKEA-Jubiläum in Polen

Foto: IKEA

Der schwedische Möbel-Riese IKEA hat diese Woche in Stettin (Szczecin) sein 12. und – in diesem Größenformat letztes – Möbelhaus Polen eröffnet. Die Eröffnung wurden dem 60jährigen Firmen-Jubiläum von IKEA in Polen gewidmet, dem Land, das beim Aufstieg des schwedischen Möbel-Händlers zum Weltkonzern eine besondere Rolle gespielt hat.
Es war Firmen-Gründer Ingvar Kamprad selbst, von dem die Aussage entstand: ,,IKEA ist in Polen entstanden“, heißt es in der vom schwedischen Möbelkonzern herausgegebenen Broschüre zum 60jährigen Jubiläum in Polen.

Seinen Anfang nahm die enge IKEA-Verbindung mit Polen im Januar 1961, als Kamprad die Famag-Möbelfabrik in Radomsko (südlich von Łódź) besuchte. Die erste Bestellung in Polen, die er damals aufgab, passte in einen Bahn-Waggon. Dazu gehörten 500 geschwungene Stühle aus Buchen-Holz, die sich bei IKEA unter der Marke ÖGLA als Design-Klassiker einen Namen machten. Der Wert der ersten Bestellung in Polen betrug nur 69 000 Schwedische Kronen. Das sind umgerechnet gerade 7000 Euro. Mit der Produktion in Polen, begann der Aufstieg von IKEA außerhalb von Schweden auf dem internationalen Parkett.

20 Prozent aller weltweit verkauften IKEA-Produkte stammen aus Polen 

Die nachfolgenden Bestellungen von IKEA bei der polnischen Famag-Möbelfabrik erreichten jedoch bald im Laufe der Jahre eine Höhe von umgerechnet 200 Mio. Euro. Dies ist im Vergleich zum heutigen Produktions-Potenzial in Polen nur ein Bruchteil. 20 Prozent der Produktion, die IKEA heute weltweit in seinen über 430 Einrichtungs-Häusern verkauft, stammt aus Polen.
Wie hoch der Stellenwert Polens für das IKEA-Geschäft ist, unterstrich Firmen-Gründer Kamprad vor zehn Jahren bei der Eröffnung des IKEA-Museums im schwedischen Älmhult mit den Worten: ,,Polen ist für uns eine zweite Heimat“. Beleg dafür sind die 18 Produktionswerke im polnischen IKEA-Verbund, darunter die größte Möbelfabrik der Welt in Zbąszynek. Das Werk befindet sich in der Grenzregion zu Deutschland, unweit an der Autobahn A-2, die in westlicher Richtung nach Berlin führt. Täglich verlassen 130 mit Möbeln beladene Sattelschlepper die Fabrik-Tore, berichtet Wojciech Waligóra, Geschäftsführer von IKEA Industry Polska.
Insgesamt beschäftigt IKEA 16 000 Mitarbeiter in seinen acht polnischen Gesellschaften , die in vier Unternehmensbereiche gegliedert sind, und die gesamte Lieferketten abdecken: von den Sägewerken über die Spanfaserplatten-Produktion bis hin zu den Möbelfabriken. Zählt man noch die 90 polnischen Zuliefer-Fabriken hinzu, dann sind es 75 000 Beschäftigte in Polen, die in den weltweiten Absatz der IKEA-Produkte integriert sind Zu IKEA gehört auch die Matratzen-Fabrik von IKANO Industry in Rogoźno (nördlich von Poznań) , die im vergangenen Jahr knapp 2,5 Mio. Bett-Matratzen produzierte.
Das jetzt in Stettin eröffnete IKEA-Haus ist das letzte neue Einrichtungs-Haus in diesem Größen-Format, teilte der schwedische Möbel-Gigant mit. Es befindet sich im Stadtteil Gumieńce, südwestlich des Altstadt-Zentrums in der Nähe des Zentral-Friedhofs (Białowieska) und ist direkt in der Verlängerung der Autobahn-Abfahrt Kołbaskowo erreichbar.

© Magda Szulc / infopol.PRESS

Online-Gebrauchtwagenhandel aus dem Osten startet in Deutschland

Deutschland Autohändler bekommen starke Konkurrenz. Der Eigentümer der AAA-Group, größtes Vertriebsnetz für Gebrauchtwagen im östlichen Mitteleuropa – wird im Sommer mit der neuen Gebrauchtwagen-Plattform Driverama in Deutschland starten.
Durch die Covid-19-Pandemie sei die Umstellung des Kaufs und Verkaufs von Gebrauchtwagen auf den Online-Handel in den entwickelten Märkten beschleunigt worden. Driverama werde deshalb im Sommer zunächst mit seinen Einkaufsaktivitäten starten und dem bis zum Winter eine Online-Verkaufsplattform hinzufügen, teilte das Unternehmen mit. Ab Anfang kommenden Jahres folgen dann die Niederlanden, Belgien und Luxemburg. Ziel ist es, bis 2025 das Konzept in 11 Ländern Europas einzuführen und damit Europas erste internationale Online-Automobilplattform zu werden.

Foto: PL-Agentur

Die E-Commerce-Plattform bietet den Kunden die Möglichkeit, ein Auto vollständig online zu kaufen, zu verkaufen, umzutauschen oder zu finanzieren sowie Zusatzprodukte und -dienstleistungen wie eine z.B. Garantiezu erwerben. Dies unterscheidet Driverama noch nicht wesentlich von anderen Händler-Plattformen in Deutschland. Unser entscheidender Wettbewerbsvorteil ist die konsequente Ausnutzung von internationalen Unterschieden in der Beschaffung und der Preisbildung, die vollständig von den Algorithmen der von uns entwickelten Software bestimmt wird, heißt es bei Driverama. ,,Wir bewerten jedes Auto für jedes Land unserer Geschäftstätigkeit und prüfen, wo der Preis am höchsten ist, sodass wir dem Verkäufer den besten und wettbewerbsfähigsten Preis bieten können“.

Driverama: Gebrauchtwagenkauf- und -verkauf ohne zwielichtige Händler-Taktiken

Den Kunden von Driverama werde es dadurch möglich gemacht, Autos überall in Europa zu kaufen oder zu verkaufen – immer zum bestmöglichen Preis – durch Live-Daten und Preisunterschiede von Land zu Land. So könne z.B. ein Kunde in München ein Auto in Amsterdam kaufen und es in Deutschland an ihn liefern lassen. Der Anspruch von Driverama ist es, mit diesem Konzept Gebrauchtwagen auf faire Weise und ohne zwielichtige Händler-Taktiken zu kaufen und zu verkaufen.
Für die technologische Vorbereitung, die insbesondere auf die Erarbeitung einer eigenen Programmierung beruht, hat das Unternehmen bereits 75 Mio. Euro investiert, berichtet Stanislav Gálik, Geschäftsführer von Driverama. Für den Aufbau der Infrastruktur in Deutschland und den weiteren Schlüssel-Ländern sind in den nächsten Monaten Investitionen in Höhe von 100 Mio. Euro vorgesehen. Für die Expansion in Europa bis 2025 sind insgesamt Investitionen in Höhe bis zu 400 Mio. Euro geplant.
Driverama ist Teil der Aures Holdings, deren Eigentümer der polnisch-britische Investitionsfonds Abris Capital Partners ist. Die Aures Holding ist aus der AAA Auto Group hervorgegangen, deren Unternehmen zu einer internationalen Fusion zusammengeführt wurden. Der Hauptsitz wurde daraufhin nach Prag verlegt.
Das Unternehmen betreibt gegenwärtig 45 Niederlassungen mit durchschnittlich 16 000 Fahrzeugen im Angebot. Im ersten Quartal dieses Jahres wurden nach Angaben der Aures Holding insgesamt 15 200 Gebrauchtwagen im Vertriebsnetz von AAA Auto verkauft, darunter 8 700 in Tschechien und 3 850 in Polen.

© André Jański / infopol.PRESS

Kaczyńskis Goldener Reiter mit schmutziger Weste

,,Er ist die Hoffnung. Nicht nur unseres politischen Lagers, sondern die Hoffnung von ganz Polen und aller Polen, die das Wohl unseres Volkes wollen. Er hat hervorragende Möglichkeiten, eine ungewöhnliche Entschlossenheit und etwas, was Gott gibt und schwer zu definieren ist, eine Aura, die ihm gestattet, Menschen zu mobilisieren und um ein Ziel zu vereinen“.

Mit diesen Worten lobpreiste PiS-Parteichef Jarosław Kaczyński noch vor einigen Wochen in einem Fernseh-Interview Daniel Obajtek, nachdem dieser als Vorstandschef von PKN Orlen einen großen Traum von Kaczyński erfüllt hatte. Mit staatlichem Geld wurde von der bayrischen Verlagsgruppe Passau deren in Polen geschaffenes Medien-Konglomerat PolskaPress mit 20 Regionalzeitungen gekauft.

Kaczyński ist nun alles andere als ein Politiker unbedachter Äußerungen. Jede seiner Aussagen sind als politische Botschaft zu werten. Sein Loblied auf Obajtek wurde daher noch vor einigen Wochen in der Öffentlichkeit als Signal verstanden, dass der große Steuermann des nationalkonservativen Lagers auf Daniel Obajtek als neuen Ministerpräsidenten setzt, der künftig Regierungschef Morawiecki ersetzen soll. Im Unterschied zum politischen Überläufer Morawiecki (war früher Berater von Ex-Ministerpräsident Donald Tusk) ist Obajtek ein langjähriger treuer Partei-Soldat der PiS-Partei.

Aufstieg vom Dorf-Bürgermeister zum Konzern-Chef

Noch vor einigen Jahren war der 45jährige Gemeinde-Vorsteher einer kleinen Gebirgs-Gemeinde mit knapp 5000 Einwohnern. Als Vorzeige-Figur in den Wahlkämpfen der PiS-Partei bewährt, wurde er von der PiS-Führung nach deren Wahlsieg 2015 sofort auf den Chefposten der staatlichen Landwirtschaft-Agentur gehievt. Die Agentur ist für die Auszahlung der EU-Direktsubventionen für die Bauern zuständig, beschäftigt 11 000 Mitarbeiter und verwaltet einen Haushalt von 27 000 Mrd. Złoty (ca 6 Mrd. Euro).
Den Posten übte Obajtek nur für kurze Zeit aus, er erfüllte jedoch konsequent die Aufgabe, die ihm von PiS-Parteichef Kaczynski als ,,politischer Kommissar” zugedacht war: die personelle Säuberung der Agentur. 1600 Beamte mussten gehen.
Unmittelbar danach wurde er mit der Führungs-Position beim nordpolnischen Stromversorger Energa betraut. In dieser Zeit erwarb er sich in Branchenkreisen den Ruf als ,,Totengräber der Windenergie” in Polen. 150 Verträge zum Kauf von Grünen Zertifikaten, die Energa im Zeitraum von 2007 bis 2013 mit den Betreibern von Windkraft- Anlagen abgeschlossen hatte, wurden in seiner Amtszeit für ungültig erklärt.
2018 wurde schließlich der ehemalige Ortsvorsteher mit einem abgebrochenen Studium an einer kleinen privaten Provinz-Hochschule in Radom als ,,geschätzten Manager und Unternehmer“ auf den Posten des Vorstands-Vorsitzenden von Polens größten Unternehmens gesetzt.
PKN Orlen ist mit Erdöl-Raffinerien in Polen, Litauen und Tschechien und Tankstellen-Ketten in Polen und im Ausland das größtes polnische Unternehmen mit 22 000 Beschäftigten und einem Umsatz von 111 Mrd. Złoty (2019). Der Konzern ist an der Börse notiert. Das entscheidende Stimmrecht liegt beim Mehrheits-Aktionär, dem Staat und damit unter den gegebenen politischen Verhältnissen bei der PiS-Partei und ihrer Regierung, die den Konzern politisch steuern. Zu dem Konzern gehören 2500 Tankstellen, darunter 600 in Deutschland. Damit wird der Konzern quasi auch von deutschen Autofahrern mitfinanziert, die an den Tankstellen von PKN Orlen (,,Star“ und ,,Orlen“-Tankstellen) zwischen Hamburg und München tanken.

Mit Polens Beitritt zur EU 2004 übernahm PKN Orlen rund 500 Tankstellen in Deutschland. Da anfänglich die Umsätze nicht den Erwartungen entsprachen, entschieden die damaliger Manager ein umfassendes Neu-Branding. Nach 2006 wurden die Orlen-Tankstellen umbenannt und unter die Marke ,,Star“ gestellt, was dem Geschäft dienlich war. Auf Anweisung von Obajtek werden seit dem vergangenen Jahr die Tankstellen nun wieder als nationale Symbolstätten in Orlen-Tankstellen umbenannt. Orlen heißt zu deutsch Adler. Der weiße Adler auf rotem Hintergrund ist das polnische Nationalsymbol. Fotos: PL-Agentur / PKN Orlen

Als der Ex-Ortsvorsteher Obajtek auf den Vorstands-Posten von PKN Orlen gesetzt wurde, machte er sich sofort an die ihm zugedachte Aufgabe, den ebenfalls vom Staat kontrollierte Mineralölkonzern Lotos mit PKN Orlen zu einem staatlichen Quasi-Monopol zusammenzuführen.
Nun ist die Geschichte von dem rasanten Aufstieg des Daniel Obajtek nicht neu. Zahlreiche Medien haben darüber in den vergangenen Jahren berichtet. Sie hat jetzt jedoch neue Brisanz gewonnen. Seit Ende Februar veröffentlicht die liberale Tageszeitung Gazeta Wyborcza in nahezu täglicher Abfolge Berichte aus der Zeit vor dem Karriere-Aufstieg Obajteks, die das Persönlichkeits-Profils des ,,politischen Saubermanns“ von Recht und Gerechtigkeit (in polnisch Prawo i Sprawiedliwość – Name der PiS-Partei) in einem anderen Licht darstellen.
Nach seinem hingeschmissenen Studium wurde Obajtek (Jahrgang 1976) von seinen beiden Onkeln in ihren auf die Herstellung von Elektroinstallations-Materialien spezialisierte Familien-Unternehmen ,,Elektroplast“ aufgenommen. Nicht ungewöhnlich und nachvollziehbar – Mit familiärer Unterstützung wurde er bald mit der Produktionsleitung betraut.

,,Mit schmutzigen Geschäften“

Mit seiner Wahl zum Ortsvorsteher der Gemeinde Pcim im Jahre 2007, Obajtek war zu diesem Zeitpunkt bereits PiS-Partei-Mitglied, gab er die Tätigkeit in der Firma seiner Onkel auf. Die Gazeta Wyborcza (GW) hat nun zweistündige Tonband-Aufzeichnungen aus dem Jahre 2009 veröffentlicht, die nach Auffassung der Zeitung belegen, dass Obajtek nach seiner Wahl quasi als ,,stiller Gesellschafter“ die Firma TT Plast dirigierte, um die mit ihr in Konkurrenz stehende Firma seines Onkels zu zerstören. Aus den Gesprächs-Mitschnitten geht hervor, dass Obajtek dem Vertriebs-Chef von TT-Plast interne Firmen-Daten zuspielte, Umsätze und Gewinn-Margen diktierte und auch andere Anweisungen zur Tätigkeit von Mitarbeitern gab.,, Er hat vom Rücksitz aus die Konkurrenz –Firma geführt“, schreibt die Zeitung, obwohl laut polnischer Gesetzgebung Amtsträgern eine geschäftliche Tätigkeit bei Androhung einer Haftstrafe verboten ist. Später hat Obajtek – so die Zeitung – vor Gericht unter Eid gelogen, dass er jemals geschäftliche Verbindungen mit der Firma TT-Plast hatte.
Obajtek war in seiner Amtszeit als kommunaler Amtsträger bis 2015 dreimal mit Vorwürfen in staatsanwaltschaftlichen Ermittlungsverfahren belastet. So soll er 50 000 Złoty Schmiergeld für die Vergabe eines öffentlichen Auftrags genommen haben. In anderen Verfahren warf ihn die Staatsanwaltschaft vor, das Unternehmen seiner Onkel um rund 1,5 Mio. Złoty (rund 350 000 Euro) geschädigt zu haben und sich rund 800 000 Złoty erschlichen zu haben.
Nach der Regierungs-Übernahme durch die PiS-Partei 2015 wurden alle Verfahren eingestellt. Parteichef Kaczyński selbst, mit dem Obajtek in vorhergehenden Wahlkämpfen posierte, setzte sich persönlich für seinen Partei-Soldaten ein: Die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft seien politisch motiviert gewesen. Auch ein 2018 vom Sejm-Abgeordneten der Oppositions-Partei Nowoczesna Marek Sowa gestellter Antrag bei der Antikorruptions-Behörde CBA, die Richtigkeit der Vermögens-Erklärung des Vorstands-Chef von PKN Orlen zu überprüfen, verlief im Sande. Der Sejm-Abgeordnete hatte in Obajteks Vermögenserklärungen von 2011/2012 eine Differenz von 800 000 Złoty zwischen den offiziell deklarierten Einnahmen und neuen Vermögenswerten festgestellt.
Obajtek soll auch nach seinem Karriere-Aufstieg einen schlossartigen Landsitz gekauft haben, für dessen Renovierung er über 1 Mio. Złoty Zuschüsse vom Kultur-Ministerium und weitere Zuschüsse von den Stiftungen des Kupferkonzerns KGHM und der Bank PKO erhalten hat. KGHM und die PKO werden wie PKN Orlen vom Staat kontrolliert.

Verwandte und Bekannte im Karriere-Sog

In ihrer täglichen Artikel-Serie hat die Gazeta Wyborcza auch die persönlichen Beziehungs-Geflechte von Daniel Obajtek aufgehellt.

Zofia Paryła Fotos: Lotos

So ist sein Bruder vom Forstarbeiter in der Staatlichen Forstverwaltung, die in Polen ein ,,Staat im Staate“ ist, zum Direktor der Forstverwaltung Nord in Danzig (Gdańsk) aufgestiegen.

Noch spektakulärer verlief der Aufstieg von Zofia Paryła, einer Buchhalterin, mit der Obajtek einst in der Firma seines Onkels zusammengearbeitet hatte und die später in der von Obajtek geführten Dorf-Gemeinde ,,Hauptbuchhalterin“ des Zentrums für Sozialhilfe war. Paryła wurde mit einer leitenden Funktion im Energiekonzern Energa betraut, als Obajtek dessen Vorstandschef war. Heute ist die Buchhalterin Vorstandsvorsitzende des staatlich kontrollierten Mineralölkonzerns Lotos, der in Danzig einen großen Erdöl-Raffineriekomplex betreibt , Haupt-Lieferant von Flugzeugbenzin, Asphalt und anderen Erdölverarbeitungsprodukten in Polen ist sowie Eigentümer einer Tankstellen-Kette. Zwei miteinander seit Jahrzehnten bekannte Personen aus dem Gebirgs-Dorf Pcim verhandeln also heute über die Bedingungen des Zusammenschlusses der beiden staatlich kontrollierten Mineralkonzerne in einem für den polnischen Staat strategisch wichtigen Bereich der Energie-Sicherheit.
Erwartungsgemäß hat Obajtek alle gegen ihn erhobenen Vorwürfe abgestritten. Die von der Gazeta Wyborcza publizierte Inhalte und die von ihr zitierten Personen seien nicht glaubwürdig und die aufgezeichneten Gesprächs-Protokolle aus dem Zusammenhang gerissen und montiert. Es sei kein Zufall, dass gerade zum jetzigen Zeitpunkt eine Kampagne gegen ihn eröffnet wird, da die Übernahme von Lotus durch PKN Orlen vor dem finalen Abschluss steht, so Obajtek.
Zumindest was den Zufall betrifft, dürfte Obajtek nicht unrecht haben. Die Genehmigung zur Fusion der beiden Staatskonzerne macht die EU davon abhängig, dass 30 Prozent der Anteile der Danziger Lotus-Raffinerie verkauft werden. Dies bringt ausländische Unternehmen ins Spiel . Und das ruft auch in einigen Kreisen des Regierungslagers Unruhe hervor, die vor diesem Hintergrund keinen Sinn in der von Obajteks forcierten Fusion sehen.
Die seit Tagen anhaltende Artikel-Serie zu einem Zeitpunkt, da der PiS-Parteichef Obajtek als neuen ,,Goldenen Reiter“ präsentierte, lässt Parallelen zu ähnlichen Enthüllungs-Affären mit in den Medien veröffentlichten Gesprächs-Aufzeichnungen aus der Vergangenheit erkennen. Es liegt daher die Vermutung nahe, dass die der Gazeta zugespielten Aufnahmen, die staatsanwaltliches Beweis-Material waren, aus dem Regierungslager stammen.

In Verdacht stehen dabei die Umgebung von Ministerpräsident Mateusz Morawiecki, dem mit dem ,,politischen Tod“ von Obajtek ein Konkurrent vom Hals gehalten wird, und Justizminister Zbigniew Ziobro. Der Vorsitzende der nationalen Rechts-Außenpartei Solidarna Polska im Regierungsbündnis sieht sich als einzig wahrhaften ,,Rechter“ im Regierungslager und potenzieller Nachfolger des 72jährigen Kaczyński. Seit ihm Kaczyński auf dem Parteikongress 2019 dazu kategorisch eine Absage erteilt hat, arbeitet Ziobro und seine Fraktion, ohne die die Regierungskoalition ihre Mehrheit im Parlament verlieren würde, systematisch daran, die Führungsrolle von Kaczyński zu untergraben. Die Obajtek-Enthüllungen dürften also PiS-Parteichef Kaczyński, der Obajtek auf das goldene Tableau gehoben hat, noch vielmehr treffen.

Politisch ist Obajtek durch die Enthüllungen auf jedem Fall ,,verbrannt“. Und in seiner Position als Vorstands-Vorsitzender von PKN Orlen?

Ex-Ministerpräsident Donald Tusk, ehemaliger EU-Ratsvorsitzender und heute Chef der Europäischen Volkspartei gab dazu im privaten Fernseh-Sender TVN zu dessen ,,grundsätzlich Qualifikationen“ zu bedenken, ob man ,,Herrn Obajtek nicht mit der  Führung einer Tankstelle“ beauftragen sollte anstatt mit der des Mineralölkonzerns PKN Orlen.

© Andreas Höfer /infopol.PRESS

Northvolt in Danzig: 160 Mio. Euro in Batteriesysteme

Der vom ehemaligen Tesla-Manager Peter Carlsson gegründete schwedische Batteriehersteller Northvolt wird in Danzig (Gdańsk) 160 Mio. Euro in die Fertigung von Lithium-Ionen-Batteriesystemen investieren. Die Produktion soll im kommenden Jahr mit einer anfänglichen Jahresleistung von 5 GWh aufgenommen werden, die später auf 12 GWh erhöht werden soll.

So soll die neue Fertigungsstätte von Northvolt auf dem ehemaligen Gelände der Danziger Werft aussehen Foto: Northvolt

Nahezu die halbe polnische Regierung unter Führung ihres Ministerpräsidenten Mateusz Morawiecki war wie zu einem Staatsakt angetreten, um die Investition als Erfolg ihrer Politik zu verkünden. Dabei ist das schwedische Unternehmen bereits in einer vom Immobilien-Entwickler Panattoni angemieteten Halle auf dem ehemaligen Gelände der Danziger Werft ansässig, wo es im Jahre 2018 gemeinsam mit dem US-Unternehmen South Bay Solutions die Prototypenfertigung von Batterie-Modulen aufgenommen hatte. Derzeit sind dort 100 Mitarbeiter beschäftigt. Die neue Investition soll ,,mindestens 500 neue Arbeitsplätze“ schaffen, verkündete Regierungs-Chef Morawiecki.

Montage der in Schweden gefertigten Batteriezellen

Nach Angaben von Northvolt werden in Danzig allerdings keine Batterie-Zellen hergestellt, sondern Batteriesysteme. Die Batteriezellen-Produktion, für die riesige Energiemengen benötigt werden, erfolgt im schwedischen Skellefteå, wo der Strom zu niedrigen Preisen günstig aus Wasser- und Windkraft erzeugt wird. Polen wäre hier mit seinen hohen Stromkosten für industrielle Abnehmer überhaupt nicht wettbewerbsfähig. Rund 25 Prozent der in Schweden produzierten Batteriezellen sollen dann in den Northvolt-Betrieb in Danzig überführt werden, wo sie unter Nutzung der niedrigeren Arbeitskosten im Rahmen eines mechanischen und elektromechanischen Montageprozesses zu Batteriesystemen komplementiert werden. Das Northvolt-Projekt in Danzig wird damit ein wichtiger Bestandteil zum Aufbau europäischer Lieferketten. Bisher waren es vor allem asiatische Hersteller, die Batterien für Elektroautos liefern.

,,Polnischer“ Export von  Batterien für E-Autos bereits 3 Mrd. Euro

Polen ist dabei ein wesentlicher Produktionsstandort. So hat der südkoreanische Konzern LG Chem bereits 2016 in Kobierzyce bei Breslau (Wrocław) ein Werk für die Herstellung von Traktions-Batterien für Elektroautos aufgebaut. Das Werk befindet sich bereits in der dritten Ausbaustufe und wird dieses Jahr über eine Jahreskapazität von 35 GWh verfügen, womit jährlich 500 000 Elektroautos bestückt werden können. ,,Polen wird immer mehr zu einem Hub für die Produktion von Batterien für Elektro-Autos“, erklärte heute der für das Wirtschafts-Ressort zuständige Vize-Regierungschef Jarosław Gowin. Im vergangenen Jahr habe der Export von Batterien und Komponenten bereits 2,9 Mrd. Euro betragen.

Foto Volkswagen

Siehe auch: Polen bei Elektroautos weiter in den ,,Kinderschuhen“

 

 

Neben Polen und Schweden nimmt das schwedische Unternehmen Northvolt gemeinsam mit VW ab 2024 die Batteriezellen-Produktion in Salzgitter auf. Der VW-Konzern selbst ist als Investor an Northvolt beteiligt (900 Mio. Euro). Zu den weiteren Investoren gehören u.a. auch BMW, Goldman Sachs und der Gründer des Musikstreamingdienstes Spotify, Daniel Ek. Die Investoren stellen inzwischen mit insgesamt 3,6 Mrd. Dollar die Finanzierung des schwedischen Unternehmens sicher.

© André Jański / infopol.PRESS

 

 

InPost mit Paket-Automaten hoch im Kurs

InPost ist ein polnischer Betreiber von Paket-Automatenanlagen. Der größte in Polen und in Europa. Die internationale Nachfrage nach seinen Aktien war so groß, dass das Order-Buch bereits zwei Tage vor dem heutigen Start an der Euronext-Börse in Amsterdam ausgeschöpft und geschlossen wurde. Für den amerikanischen Finanz-Investor Advent International ist der Börsengang des polnischen Paketdienstleisters damit eines seiner vorteilhaftesten Geschäfte.
Der Advent-Fonds hatte vor vier Jahren Inpost und deren Holding Integer für insgesamt 320 Mio. Zloty (rund 75 Mio. Euro) übernommen. Mit den zum Verkauf angebotenen InPost-Aktien nimmt Advent jetzt zwischen 2,8 Milliarden Euro ein. Allein die Investoren Blackrock, Capital World und GIC hatten sich verpflichtet, Papiere im Wert von bis zu 1,03 Milliarden Euro zu kaufen. Nach dem Börsenstart mit 16 Euro pro Aktie stieg der Wert in den ersten Stunden der Notierung auf 19 Euro. Damit kommt das polnische Unternehmen mit den 175 Mio. Aktien im Börsengang, die 35 Prozent des Kapitals ausmachen, auf einen Börsenwert von über 8 Mrd. Euro.

Höchste Schließfachdichte in Europa

Die große internationale Nachfrage nach den InPost-Aktien sind in dem Fakt begründet, dass Polen die höchste Schließfach-Dichte in Europa hat. Nach Angaben von Source Company betrug sie 239 pro Mio. Einwohner (Stand 2019) Der größte Anteil davon entfällt auf Inpost. Der Paketdienstleister hatte Ende Dezember 10 770 Paket-Automaten in Polen, über die 249 Mio. Sendungen im Jahre 2020 abgewickelt wurden. Dazu betreibt er 1100 Automaten in Großbritannien und 350 in Italien.
Zum Vergleich: In Deutschland beträgt die Schließfachdichte dagegen laut Source Company lediglich 69 pro Mio. Einwohner (Stand 2019). Hier wird noch die Bequemlichkeit des deutschen Kunden bedient und der Großteil der Paketlieferungen vom Kurier an der Haustür zugestellt. Dabei ist schon jetzt absehbar, dass bei dem Mangel an Kurierfahrern, den hohen Kosten der Paket-Zustellung auf der sogenannten letzten Meile und den rasanten Zuwachs-Raten im Online-Handel diese Entwicklung nicht mehr lange durchzuhalten ist. Von den Verkehrsbelastungen insbesondere in dichtbesiedelten Gebieten ist dabei noch gar nicht die Rede.
In Polen werden laut Experten-Schätzungen bereits in diesem Jahr mehr Pakete über Automaten-Anlagen und Paket-Abholstationen abgefertigt als durch den Kurier an der Haustür zugestellt. DHL, DPD und die anderen Logistik-Dienstleister betreiben dazu eigene Paket-Abholstationen oder in Zusammenarbeit mit Einzelhändlern und Dienstleistungsfirmen. Allerdings sind auch hier die Grenzen absehbar. Immer weniger Einzelhändler sind bereit, als Nebengeschäft ihre Ladenflächen für die immer größer werdende Pakete-Flut und deren Abwicklung bereitzustellen. Die Corona-Krise und ihre Folgen trägt zur Forcierung dieses Prozesses bei.

Nicht nur Abholung, auch Paket-Aufgabe erfolgt digital

Die meisten Abholpunkte in Polen mit rund 12 000 hat gegenwärtig die Staatspost Poczta Polska. Doch bei der Polnischen Post ist es ähnlich wie bei der Deutschen Post. Für die Paketannahme und –abgabe muss der Kunde anstehen und verschwendet bei der dort üblichen Arbeitspraxis mit der Warterei viel Zeit.
Bei den Paket-Automatenstationen von InPost werden dagegen alle Prozesse digital abgewickelt – rund um die Uhr ohne Schließzeiten. Im Unterschied zu den meisten Paket-Automaten werden bei InPost nicht nur Pakete abgeholt. Der Kunde kann auch Retouren einlegen oder generell über die Automaten Pakete ohne Strichcode-Aufkleber verschicken. Der Kunde lädt sich dafür einfach nur ein QR-Code über eine App herunter.

,,Europas führende Automatisierungslösung für den elektronischen Handel“

Zu den größten Kunden von InPost gehört Polens führendes Online-Handelsportal Allegro, das knapp ein Drittel des Umsatzes von InPost ausmacht. Das Loyalitäts-Programm Allegro Smart, das gegen Zahlung eines Monats- oder Jahresabos kostenlose Paket-Sendungen von Allegro an die Inpost-Paketstationen ermöglicht, nutzen gegenwärtig über 2 Mio. Allegro-Kunden. Auch Amazon hat kürzlich einen Vertrag mit InPost abgeschlossen: Für Paket-Sendungen aus Deutschland.
Mit dem Börsengang von InPost gibt dessen Vorstandschef Rafal Brzoska auch das Ziel vor: ,,Wir wollen Europas führende Automatisierungslösung für den elektronischen Handel werden”, sagte Vorstandschef Rafal Brzoska. Das Unternehmen will dazu die Anzahl seiner Paket-Automatenstationen in Polen und Europa um jährlich 2000 bis 2500 erhöhen.

© André Jański / infopol.PRESS

Robert Lewandowski geht unter die Bauern – Geschäftlich!

Noch fließen die Millionen. Völlig ungewiss ist aber, ob der Fußball-Commerz nach Corona wieder den gleichen Stellenwert einnehmen wird wie vordem. Bayern-Star Robert Lewandowski baut jedenfalls mit weiteren Investitionen seinem Karriere-Ende vor. Der Kapitän der polnischen Fußball-Nationalmannschaft präsentierte sich jetzt mit der Geschäftsführung der Firma Bio-Gen als Investor in deren Schwestergesellschaft Bio-Lider. Die Firmen haben nichts gemeinsam mit den unter gleichen oder einer ähnlichen Namensbezeichnungen auf westlichen Märkten auftretenden Unternehmen wie z.B. einen Produzenten von Hauptpflege-Produkten oder dem renommierten US-amerikanischen Biotechnologie-Konzern. Nein. Die polnische Firma Bio-Gen produziert Bio-Präparate für die Landwirtschaft. Und das schon seit 30 Jahren nach ihrer Gründung im Oppelner Land (Namysłów). Zum Sortiment gehören u.a. Probiotika für die Tierernährung, biologische Präparate zur Stimulierung des Pflanzenwachstum und zur Schädlingsbekämpfung sowie Produkte zur Humusanreicherung des Bodens. Selbst medizinische Blut-Ekel gehören zu dem rund 300 Produkte umfassenden Sortiment. Für vier Produkte besitzt das Unternehmen eine Zertifizierung für die ökologische Landwirtschaft, die über die Schwestergesellschaft Bio-Lider, in die Robert Lewandowski investiert, vertrieben werden. Das Sortiment wird jetzt schrittweise erweitert.

,Diversifizierung meines Investitions-Portfolios“

,,Mich haben Innovationen schon immer interessiert. Bei der Diversifizierung meines Investitions-Portfolios unterstütze ich Branchen, die Einfluss auf unser tägliches Leben haben. Deshalb habe ich in Bio-Präparate investiert“, erklärte der Bayern-Stürmer. Wieviel Kapital er in die Firma investiert hat und wie viel Anteile er übernommen hat, wurde in der offiziellen Bekanntmachung allerdings nicht mitgeteilt, lediglich, dass er einer der Hauptinvestoren sei.

Robert Lewandowski hatte erst vor einigen Wochen in Aktien der Firma Hymon investiert, die Solar-Anlagen installiert. Die Solar-Branche erlebt gegenwärtig in Polen einen Boom. Die Installation von häuslichen Solar-Kleinanlagen wird vom Staat gefördert. Die Firma Hymon ist eine von mehr als 1000 Firmen in Polen, die Solaranlagen montieren.

Zu Lewandowskis geschäftlichen Aktivitäten in Polen gehören u.a. auch Investitionen in Immobilien und Restaurants, in die Fondsgesellschaft Protos Venture Capital, die in Internet-startups wie wedding.pl oder lokalnyrolnik.pl (lokaler Bauer für Bio-Lebensmittel) investiert. Europas Fußballer des Jahres ist auch Eigentümer von zwei Marketing-Agenturen (RL Media und stor9 ) und an der Gesellschaft RL9sport Game beteiligt.
RL9 steht für das Namenskürzel und die Rücken-Nummer von Lewandowski. Ähnlichkeiten im Auftritt zu CR7 von Christiano Ronaldo sind nicht zufällig. Eben der übliche Fußball-Commerz !
Mit einem geschätzten Vermögen von einer halben Milliarde Złoty platzierten sich Robert Lewandowski und seine Frau Anna in der zuletzt von der Zeitschrift ,,Wprost“ herausgegebenen,,Liste der 100 reichsten Polen“ auf dem Platz 80.

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Erstes Lockdown-Opfer in polnischer Textilbranche

Wie die Adler-Modemärkte in Deutschland hat jetzt auch die polnische Textilbranche ihr erstes prominentes Opfer durch den Corona-Lockdown. Das Bezirksgericht von Łódź hat gegen den Eigentümer der bekannten polnischen Mode-Marke Gatta, dem Unternehmen Ferax, die Insolvenz eröffnet. Nach Korrektur einer fehlerhaften Informationsübertragung durch das Gericht unterliegt das Unternehmen jetzt einem Sanierungs-Verfahren.

Einer der letzten Textil-Produzenten in Europa

Gatta-Kalender mit der Popmusikerin Justyna Steczkowska

Die Marke Gatta steht für qualitativ hochwertige Damen-Unterwäsche, Strumpfhosen und Strümpfe, die auch in deutschen Mode-Boutiquen und Shops verkauft wird. Der Produzent aus Zduńska Wola (bei Łódź) produziert auch Fashion und Sportswear, darunter Shirts, Leggins, Blusen und Röcke. Vor über 25 Jahren gegründet ist er einer der wenigen großen Hersteller in Europa, die ihre Betriebe nicht nach China, Bangladesh oder in ein anderes Land Asiens verlegt haben.
Neben dem weltweiten Export werden die in Zduńska Wola gefertigten Textilien in der Gatta-Ladenkette in Polen verkauft. Dazu gehören 130 Läden. Die meisten davon befinden sich in den großen Verkaufs-Galerien und Handelszentren der Großstädte. Und hier liegen auch die Gründe für die Einleitung des Insolvenzverfahrens. Die hohen Kosten für die Anmietung der Lokale in den großen Handelszentren in Verbindung mit dem Umsatz-Rückgang durch die Lockdown-Maßnahmen haben das Unternehmen an den Rande der Zahlungsfähigkeit gebracht.

Zwar konnte das Unternehmen den ersten Lockdown im vergangenen Frühjahr mit den zuvor erwirtschafteten Eigenkapital-Reserven (238 Mio. Złoty Umsatz 2019) noch überstehen und danach durch den Anstieg des online-Verkaufs sogar noch einen kleinen Gewinn erwirtschaften. Der zweite Lockdown mit den amtlich angeordneten Ladenschließungen im November und Dezember haben dem Unternehmen jedoch den Rest gegeben. Von der jetzt eingetretenen Situation sind 1300 Mitarbeiter bedroht, die in der Produktion und dem Gatta-Vertriebsnetz beschäftigt sind.

Durch das eingeleitete Sanierungsverfahren ist das Unternehmen Ferax momentan vor der Durchsetzung der Gläubiger-Ansprüche geschützt, insbesondere von den Eigentümern der Handelszentren und den Mietforderungen. Mit den Insolvenzverwalter an der Seite kann das Unternehmen weiterhin seinen Geschäftsbetrieb fortführen. Allerdings sind die Läden weiterhin geschlossen und es ist bislang noch völlig ungewiss, ob die polnische Regierung die Lockdown-Maßnahmen mit der Schließung der Läden in den Februar hinein verlängert. Branchen-Experten sind sich jedoch einig, dass Gatta erst der Anfang einer Pleite-Welle und symptomatisch für die finanzielle Situation der gesamten Textil-Branche in Polen ist.

© Magda Szulc /infopol.PRESS

Foto Volkswagen

Polen bei Elektro-Autos weiter in den ,,Kinderschuhen“

Die Zahl der in Polen zugelassenen Elektro-Autos ist im zurückliegenden Jahr um 115 Prozent gestiegen. Der Wachstums-Sprung relativiert sich jedoch schnell, berücksichtigt man das niedrige Ausgangs-Niveau. Mit 9996 neu zugelassenen Elektro-Autos hat sich die Gesamtzahl der bis zum Jahresende 2020 in Polen registrierten E-Autos auf 20 181 erhöht. Davon waren nach Angaben des Marktforschungsinstituts für die Autobranche Samar 9751 reine Elektro-Autos (BEV). Mehr als 10 000 sind Plug-in-Fahrzeuge mit Hybrid-Antrieb.

Beim Erwerb von Elektro-Autos liegt der Schwerpunkt eindeutig auf Firmen-Kunden, die 70 Prozent der Käufer  von E-Autos ausmachen.

Skoda Citigo-e iV mit niedrigsten Preis

Foto: Skoda

Das Angebot an Elektro-Autos in den polnischen Autohäusern umfasst gegenwärtig mehr als 100 verschiedene Modelle an BEV und Fahrzeugen mit Hybrid-Antrieb. In dem von der Gesellschaft für Alternative Kraftstoffe herausgegeben Elektrofahrzeuge-Katalog 2020/2021 wird der Skoda Citigo-e iV als das gegenwärtig preislich günstigste Modell in Polen mit einem Preis ab 82 050 Złoty (rund 18 250 Euro) aufgeführt. Mit 518 Fahrzeugen nahm der Skoda Citigo in der BEV-Kategorie auch den ersten Platz bei den Neuzulassungen 2020 ein. Populärste Marke in der Gesamt-Statistik der reinen Elektro-Autos ist jedoch nach Angaben von Samar weiterhin Nissan mit dem Modell Nissan Leaf (1 795 Fahrzeuge). Analog nimmt in der Zusammenstellung der Hybrid-Fahrzeuge die Marke BMW den führenden Platz ein (2704).

Im Vergleich zu den 2020 insgesamt registrierten 487 996 Neuzulassungen für Pkw und leichte Nutzfahrzeuge beträgt der Anteil der 2020  neu zugelassenen Elektrofahrzeuge gerademal 2 Prozent. Dieser Anteil ist mehr als bescheiden, wenn man berücksichtigt, dass Polen zu den Ländern mit der höchsten Fahrzeugdichte in Europa gehört. Laut dem Europäischen Verband der Automobilindustrie ACEA sind in Polen 23,4 Mio. Autos registriert. Dies ist zwar nur eine theoretische Größe, die sich auf die unkorrekten Daten der polnischen Zulassungsbehörde stützt. Umgerechnet ergibt sie jedoch einen Fahrzeug-Bestand von 615 Autos pro 1000 Einwohner. Dies ist ein europäischer Spitzenwert.

Bei der Dominanz von Fahrzeugen mit Verbrennungs-Motor stellt sich die Frage nach dem geringen Interesse an Elektro-Fahrzeugen. Immerhin gehen polnische Verkehrsexperten bei Elektro-Fahrzeugen von einem Käufer-Potenzial von 3,5 Mio. Kunden aus. –

Dies entspricht der Zahl der polnischen Privat-Haushalte, die über zwei Fahrzeuge verfügen.

Zuschuss-Programm mit geringer Resonanz

Für das geringe Interesse an Elektro-Fahrzeugen gibt es mehrere Gründe. Polen hat als einer der letzten Staaten in der EU im vergangenen Jahr ein Zuschuss-Programm für den Kauf von Elektrofahrzeugen in drei Fahrzeug-Segmenten eingeführt. Die ursprünglich viel höher geplante Förder-Prämie wurde dabei für den Kauf von privaten Pkw auf 18 750 Złoty (rund 4200 Euro) festgesetzt. Dieser Förder-Zuschuss war an die Bedingung geknüpft, dass das Auto nicht mehr als 125 000 Złoty (rund 27 500 Euro) kosten darf.

Das mit insgesamt 150 Mio. Złoty aufgelegte Programm wurde jedoch in seiner Gesamtheit nur mit insgesamt 11,2 Mio. Złoty gezahlten Zuschüssen ausgeschöpft, also weniger als zehn Prozent. Mit den festgelegten Preis-Limits und der damit verbundenen Einengung der Modell-Palette habe das Programm kaum Anreize für den Kauf eines Elektro-Autos geschaffen, kritisierten polnische Branchen-Experten.

Mangel an Lade-Säulen

Der Mangel an einer nicht ausreichenden Zahl an Lade-Säulen ist ein weiterer Grund, weshalb sich Fahrzeuge mit Elektro-Antrieb keiner großen Beliebtheit in Polen erfreuen. Gegenwärtig gibt es in ganz Polen rund öffentlich zugängliche 1700 Lade-Säulen, die meisten von ihnen in den Großstädten. In vielen Regionen, insbesondere in den Kleinstädten, ist nach wie vor kaum eine Lade-Säule zu finden.

Das Klima-Ministerium will deshalb mit 800 Mio. Złoty den Bau von E-Ladestationen vorantreiben. Eine entsprechende Verordnung über die Zahlung von Investitions-Zuschüssen wurde bereits vorbereitet, bedarf aber noch der Zustimmung durch die EU-Kommission.

Das Programm sieht Zuschüsse von max. 47 500 Złoty (rund 10 500 Euro) für die Installation oder die Erhöhung von Lade-Säulen bis 150 kW, einschließlich des Ausbaus eines bestehenden öffentlich zugänglichen Säulen-Netzes vor.

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Weiteres Zentrum von Amazon in Grenznähe zu Deutschland

Der US-amerikanische Online-Gigant Amazon wird in Kürze sein 10. Logistik-Zentrum in Polen eröffnen. Wie Amazon jetzt offiziell bestätigte, befindet sich das neue Zentrum in den an der Autobahn A-2 (A-12-Anschluß Berlin-Frankfurt/O.-Poznań) gelegenen Świebodzin, rund 70 Kilometer Luftlinie hinter der deutschen Grenze. Nach dem 2017 direkt an der Grenze zu Deutschland eröffneten Logistikzentrum in Kołbaskowo an der A-11 (bei Pomellen – 80 Kilometer bis Berlin) im Norden und den 2019 an der Autobahn A-4 in Okmiany (bei Bunzlau/ Bolesławiec) eröffneten Vertriebszentrum im Süden operiert Amazon jetzt direkt in Grenznähe an allen Haupt-Einfahrts-Trassen nach Deutschland.

Symbolik: Amazon und die Christus-Figur

Das neue Logistik-Zentrum in Świebodzin ist mit einer Fläche von 193 000 Quadratmetern eines der größten von Amazon in Polen. Wie schon die anderen Objekte wurde das Zentrum vom internationalen Gewerbe-Immobilienentwickler Panattoni Europe im Rekordtempo erbaut. Nur 4 Kilometer bis zur Auffahrt der Autobahn A-2 kann die Ware binnen 45 Minuten nach Deutschland transportiert werden.

Foto-Montage: PL-Agentur

Die Standort-Wahl hatte eine doppeldeutige Symbolik. Unweit des neuen Amazon-Logistik-Zentrums streckt in 36 Metern Höhe die weltweit höchste Christus-Figur ihre Hände in Richtung Westen aus.
Nach Angaben von Amazon werden in Świebodzin über 1000 Mitarbeiter beschäftigt. Świebodzin ist eine Kleinstadt. Der Online-Riese wird daher wie schon in Kołbaskowo und Okmiany seinem bisherigen Beschäftigungs-Prinzip folgen. Die Mitarbeiter werden in Bussen angekarrt, oft mit Anfahrtwegen von bis zu 2 Stunden. Dazu zwingt auch die Beschäftigungs-Situation in der Region. Im Umfeld von Świebodzin sind zahlreiche internationale Unternehmen angesiedelt, darunter die größte Möbelfabrik der Welt in Zbąszynek (IKEA).
Das Amazon-Zentrum in Świebodzin arbeitet als Fulfillment-Center. Dies schließt alle Arbeitsprozesse von der Lagerhaltung, über die Kommissionierung, Verpackung, Frankierung und dem Versand ein. Das Versand-Sortiment in Świebodzin ist auf die Warengruppen Konsumgüter, Elektronik und Bücher ausgerichtet.
Nach Angaben von Marian Sepesi, Regionaldirektor von Amazon, wird Świebodzin das dritte Amazon-Center in Polen, das mit Robotergesteuerten -Prozess-Automatisierungslösungen (knapp 3000) arbeiten wird.
Voraussichtlich werden die Amazon-Mitarbeiter in Świebodzin in einem auch für polnische Verhältnisse seltenen 10-Stunden-System in zwei Schichten arbeiten. Sonntage eingeschlossen, damit der der Kunde in Deutschland am nächsten Tag sein Paket erhält. Nach 4 Zehn-Stunden-Arbeitstagen erhalten sie dann drei arbeitsfreie Tage.

20 Złoty Stundenlohn

Festangestellten Mitarbeitern wird ein Stunden-Lohn von 20 Zloty (rund 4,50 EUR) bezahlt. Bei Team-Leitern beginnt die Bezahlung ab 25 Zloty. Das ist weniger als die Hälfte der Stundensätze, die Amazon Versandmitarbeitern an einem deutschen Standort zahlt. Und das bei gleicher Arbeit mit den gleichen Technologien.

Amazon beschäftigt gegenwärtig in Polen insgesamt 18 000 festangestellte Mitarbeiter. Dazu kommen zu saisonalen Höhepunkten rund 10 000 Saisonkräfte, darunter auch Arbeitskräfte aus der Ukraine. Die Logistik- und Vertriebszentren von Amazon in Polen nehmen inzwischen eine Gesamtfläche von 2 Mio. Quadratmetern ein. Die ersten Amazon-Logistik-Center wurden 2014 nach den großen Streiks in deutschen Amazons-Zentren in Breslau und Poznań errichtet. Die amerikanische Handels-Plattform betreibt in Polen selbst kein eigenes selbstständiges Online-Portal. Polnische Kunden und Händler bestellen und liefern über die deutschen Amazon-Portal aus, das auch in polnischer Sprache verfügbar ist.

Mit seiner Steueroptimierungs-Strategie gehört Amazon zu den internationalen Konzernen in Polen, die kaum oder nur sehr wenig Einkommenssteuer in Polen bezahlt. Laut dem polnischen Finanzministerium hat Amazon bei einem Umsatz von 1,76 Mrd. Złoty (2018) bescheidene 19 Mio. Złoty , also weniger als 5 Mio. Euro Körperschaftssteuer gezahlt.

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Erste Gerichtsurteile: Lockdown-Verbote verfassungswidrig

Erst war es nur ein Blumen-Kiosk auf dem Kunst-Eis einer Eis-Halle, danach Schulungs-Angebote auf dem Eis. Immer mehr Firmen in Polen umgehen die Lockdown-Anordnungen und eröffnen trotz drohender Geldstrafen ihre Geschäfte. So auch Łukasz Moskal. Der ist Betreiber eines Freizeitcenters mit der Bezeichnung Laser Factory im ostpolnischen Zamość. Seine Ankündigung in den sozialen Medien, trotz der nationalen Quarantäne sein Geschäft wieder zu eröffnen, hat landesweit für Aufsehen und für Nachahmer gesorgt. ,,Wir sind nicht mehr in der Lage, bis in die Unendlichkeit auf die Hilfe des Staates zu warten. Wir werden uns selbst retten und unser Lokal wieder eröffnen“, schreibt er auf Facebook.

Der Unternehmer ist sich durchaus der Risiken und Konsequenzen dieses Schrittes bewußt. Die Politik würde ihm jedoch keine andere Chance lassen. Ausgleichszahlungen aus dem staatlichen Corona-Hilfsprogrammen habe er zwar beantragt, aber nicht erhalten. Er habe nur zwei Optionen: Entweder Wiedereröffnung oder Pleite . Während die Politiker und ihre Beamten jeden Monat auf eine pünktliche Gehaltszahlung vertrauen können, geht es bei den Selbständigen inzwischen um die nackte Existenz.

Der Unternehmer ist kein ,,Querdenker“ oder Corona.-Leugner. Seinen Betrieb führt er unter strikten Beachtung der Sanitär-Schutzregelungen fort.

Gerichts-Urteile geben Unternehmern Auftrieb

Auftrieb für immer mehr Selbständige in Polen, ihre Betriebe trotz amtlichen Verbots wieder zu eröffnen, hat ein Urteil des Verwaltungsgerichtes in Opole gegeben. Beim ersten Lockdown hatte dort die örtliche Gesundheitsbehörde gegen den Betreiber eines Friseur-Salons eine Geldstrafe verhängt, weil er sich nicht an die staatlich verhängte Schließungs-Anordnung gehalten hatte. Der Friseur legte dagegen Berufung ein. Das Wojewodschafts-Gericht in Opole fällt darauf das erst zum Jahreswechsel bekannt gewordene Urteil, dass die staatlich verhängten Lockdown-Maßnahmen zur Schließung der Läden verfassungswidrig sind, solange kein Notstand im Sinne einer Natur-Katastrophe oder höherer Gewalt ausgerufen wurde. In dem noch nicht rechtskräftigen Urteil wurde die örtliche Gesundheitsbehörde aufgefordert, die sofort wirksame Geldstrafe an den Friseur zurückzuzahlen.

Sammelklagen gegen den Staat

Bei dem Urteil ist es nicht geblieben. Ein ähnliches Urteil, dass die die mit Verordnungen angewiesenen staatlichen Lockdown-Maßnahmen verfassungswidrig sind, hat jetzt auch in den ersten Tagen des neuen Jahres das Bezirksgericht von Warschau öffentlich gemacht. Mit den Urteilen wurde ,,die Büchse der Pandora geöffnet“, kommentiert der Wirtschaftsnachrichten-Dienst money.pl. Die Fachverbände der Wirtschaft, insbesondere der Dienstleistungsbranchen, erwarten jetzt Tausende von Klagen gegen den Staat und Betriebsöffnungen. So haben sich innerhalb von wenigen Stunden nach einem Aufruf des Polnische Fitness-Verbandes im Netz zu koordinierten Entschädigungsklagen gegen den Staat die Betreiber von 400 Sportobjekten gemeldet. Die Anwalts-Kanzlei Dubois und Partner berichtet von der Einreichung einer ersten Sammelklage gegen den Staat, in der sie 45 Vertreter aus der Tourismus-Branche vertritt . Eine zweite Sammelklage auf Zahlung von Entschädigung für die Verluste durch die Schließung aus der Gastronomie-Branche sei bereits in Vorbereitung.

Die Regierung hat bereits darauf reagiert. Ministerpräsident Mateusz Morawiecki hat bereits beim Obersten Verfassungsgericht den Antrag auf Prüfung gestellt, ob die Gerichte in Polen Urteile über die Verfassungskonformität der von der Regierung angeordneten Lockdown-Maßnahmen fällen können. Folgt das Verfassungsgericht der Regierungs-Linie, dann dürften die Chancen auf Entschädigungs-Zahlungen auf Null schwinden.

,,Kreative“ Umgehung der Verbots-Vorschriften

Der Einfallsreichtum und die Kreativität, mit denen polnische Geschäftsleute die Verbots-Vorschriften umgehen, ist unerschöpflich. Da Sportstätten amtlich geschlossen sind, stellte z.B. der Hallen-Betreiber einer Eisbahnfläche in Stettin (Szczecin) einen Blumen-Stand mitten auf das Eis. (Der der Betrieb von Blumenständen ist rechtlich erlaubt). Blumen hat wohl niemand gekauft. Dafür aber Kundschaft, die gegen Gebühr die Eisfläche unter die Kufen nahm. Diesem Beispiel folgten auch die Betreiber anderer Eisbahnen in Polen. Die örtliche Gesundheitsbehörde in Stettin schloss das Objekt und erteilte dem Betreiber eine Geldstrafe. Nach Angaben örtlichen Medien schreckt dies den Hallenbetreiber jedoch nicht ab. Er bietet jetzt ,,Schulung- und Weiterbildungsmaßnahmen“ unter Wahrung der Sanitär-Vorschriften auf dem Eis an. Diese sind nicht verboten.
Vor dem Hintergrund der zunehmenden Aufruhr unter den von der Firmenschließung bedrohten Unternehmern ist bislang noch völlig offen, ob die Regierung die bis zum 17.Januar verhängte Lockdown-Maßnahmen verlängern wird. Die polnische Regierung hatte im Dezember die Beschränkungen gelockert und nach Ende der Weihnachtsfeiertage wieder angezogen.
Wie in allen anderen EU-Ländern wurden auch in Polen über den Jahreswechsel die ersten Impfungen vorgenommen. Nach Angaben des polnischen Gesundheitsministerium wurden in der ersten Januar-Woche knapp 200 000 Personen gegen den Corona-Virus geimpft. Die Impfungen erfolgen dabei in der Reihenfolge nach einem von der Regierung aufgestellten Vierstufen-Impfprogramm. In der ersten, der sogenannten Null-Stufe, wurde das medizinische und Pflegepersonal geimpft. Für großen Unmut in Bevölkerung sorgten dabei Meldungen, dass auch Amtsträger aus Verwaltungen und die sogenannten ,,Sternchen“ – Schauspieler, Künstler und andere Vertreter aus der Unterhaltungs-Branche und dem Big Business – ausserhalb der Reihe sich Impfungen sicherten.

Wirtschaft fordert andere Prioritäten bei der Impfung

Laut dem Regierungsprogramm sollen ab 15. Januar dann auch Personen über 70 Jahre geimpft werden. Die polnischen Wirtschaftsorganisation für Handel und Vertrieb hat eindringlich an die Regierung appelliert, die Prioritäten ihres Impf-Programms neu zu ordnen. Neben dem medizinischen und Pflegepersonals sollten diejenigen bei den Impfungen Priorität haben, die mit ihrer täglichen Arbeit das Leben am Laufen halten und gleichzeitig mit den ständigen und direkten Kontakten zu den Kunden am meisten von einer Corona-Infektion bedroht sind. Der Verband fordert deshalb den Beschäftigten in den Lebensmittel-Märkten und anderen Mitarbeitern der ,,kritischen Infrastruktur“ bei den Impfungen Vorrang zu geben.

© André Jański / infopol.PRESS