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Wieder Container-Frösche an der Ostseeküste

Polens größte Einzelhandelskette Żabka hat mit Beginn der Urlaubssaison wieder saisonale Verkaufsläden an der polnischen Ostseeküste errichtet. Bereits 2016 hatte die Kette, die einst den Frosch (Żabka) in ihrem Firmen-Logo führte, ihre ersten Verkaufs-Container in den Ostsee-Bädern Międzyzdroje (Misdroj) und Międzywodzie aufgestellt. Im vergangenem Jahr waren es bereits 52. In diesem Jahr werden es 80 sein, teilt das Unternehmen mit. Die meisten davon – jeweils 6- – in dem östlich vom Küstenwald bei Międzyzdroje gelegenen Badeort Międzywodzie und in dem geschäftlich lärmenden Władysławowo, das mit seinen Vergnügungs- und Wasserparks für viele inländische Touristen das Mekka des polnischen Ostsee-Tourismus ist.
Bei den Żabka-Läden handelt es sich um Shops vom Typ Convenience. Zum Sortiment gehören vor allem Getränke, verzehrfertige Lebensmittel, Snacks, Eis, etwas Kosmetik und andere Dinge des täglichen Bedarfs. Die Geschäftsführung von Żabka betont zwar, dass die Saison-Läden ein Komfort für die Touristen bei ihren täglichen Lebensmittel-Einkäufen darstellen. Für ein Voll-Einkauf nutzen die allerdings eher die Super- und Discount-Märkte von Biedronka, Netto, Lidl oder Carrefour, mit denen die Ostsee-Bäder auch gut bestückt sind. Die Żabka-Läden sind dagegen eher Schnellverkaufs-Läden. Deren Sortiment geht in der Regel nicht über 300 Produkte hinaus. So schnell, wie man in dem Laden das schmale Sortiment abgegrast hat, so schnell ist man mit zwei oder drei gekauften Produkten, für die man gerade einem Bedarf hat, auch wieder aus dem Laden heraus.


Bei Żabka werden die Saison-Läden als ,,Verkaufs-Pavillons“ bezeichnet. Mit Pavillons haben die jedoch wenig gemeinsam. Wenn nicht in Containern, sind sie aus Fertigteile-Bauelementen zusammengezimmert – passend zu der in vielen polnischen Ostseebädern dominierenden Rummelplatz-Atmosphäre und Basar-Kultur mit zahlreichen Ständen, Kiosken und Buden mit chinesischen Billig-Kram und vermeintlich hausgemachten Eis oder Speisen auf Plaste- und Papp-Tellern.
Die meisten Żabka -Läden haben rund um die Uhr geöffnet, auch an Sonntagen. Da gilt zwar das 2018 eingeführte Sonntags-Handelsverbot. Doch Żabka war die erste Handelskette in Polen, die das Sonntags-Handelsverbot aushebelte, in dem sie eine der über 20 im Gesetz festgeschriebenen Ausnahme-Regelungen für sich in Anspruch nahm. An den Türen der Żabka -Läden wurde kurzerhand das Schild ,,Poststelle“ platziert. Mit deren Registrierung konnten die Żabka -Läden auch an Sonntagen öffnen. Inzwischen sind viele einheimische Einzelhändler dem Beispiel von Żabka gefolgt. Nahezu jeder zweite Lebensmittel-Laden nimmt heute die Ausnahme-Regelungen in Anspruch und hat auch an Sonntagen geöffnet. Das gesetzliche Sonntags-Handelsverbot ist damit zur Farce geworden.

Innerhalb eines Jahres 1000 neue Filialen

Die saisonalen Läden an der Ostseeküste dienen der Einzelhandelskette Żabka auch dazu, ihre Präsenz und Expansion zu verstärken. Das Unternehmen betreibt aktuell 7200 Filialen in ganz Polen. Żabka ist das zur Zeit am schnellsten wachsende Handelsnetz in Polen. Selbst im Corona-Krisenjahr 2020 wurden über 1000 neue Filial-Standorte eröffnet. Basis des expansiven Wachstums ist das Geschäfts-Modell, das auf Franchise-Organisation beruht. Mehr als 6000 der 7200 Laden-Betreiber sind Franchise-Partner. In der Provinz werden die Filialen von selbständigen Händlern im Format von kleinen ,,Tante-Emma-Läden“ betrieben. Beliefert werden sie von fünf regionalen Logistik-Zentren.

Erster Laden ohne Personal und Kasse 

Fotos: Żabka

Żabka setzt allerdings nicht nur auf Masse. Seit dem CVC Capital Partners, einer der weltweit größten Privat-Equity-Unternehmen der Welt, Żabka 2017 übernommen hat, setzt das Unternehmen insbesondere in den Großstädten auf Modernität und Innovation. So hat das Unternehmen mit ,, Żappka“ eine eigene App mit integrierter Bezahlfunktion, die nach Angaben von Żabka bereits 4 Mio. Menschen nutzen. Der neueste Coup in Sachen Innovation ist die Eröffnung eines ,, Żappka-Stores“ in Poznań. Dabei handelt es sich um einen Laden ohne Kassen und Verkaufspersonal. ,, Żappka Store ist der Verschmelzung der Offline-Welt mit der Online-Welt, die eine neue Kauf-Perspektive für den Kunden eröffnet. Innerhalb von Sekunden kann man einen Schnell-Einkauf vornehmen, indem man die Produkte auswählt und damit ohne Bezahlung vor Ort aus dem Laden geht“, erklärt Tomasz Blicharski, Geschäftsführer von Żabka Future. Dazu braucht man nur ein Smartphone mit der hauseigenen App von Żabka, auf die Bezahlfunktion des Unternehmens aktiviert wird. Vor Eintritt in dem Laden wird von der App ein einmaliger QR-Code generiert, der an der Laden-Tür gescannt wird. Darauf öffnen sich die Türen automatisch. Im Laden nimmt sich der Kunde die gewünschten Produkte nur noch aus dem Regal und verlässt damit wieder den Laden.
Der traditionelle Kassen-Vorgang findet im Laden nicht mehr statt. Dies übernimmt eine im Store installierte Plattform von Digitalkameras und KI-gestützter Software, die die Waren erkennt und aufzeichnet, die der Kunde im Store aus den Regalen genommen hat. Die Bezahlung erfolgt dann über den aktivierten Zahlungsdienst. Die Geschäftsführung von Żabka beteuert, dass der Datenschutz und die Privat-Sphäre des Kunden gewahrt bleiben. Über die zahlreichen Kameras wird nicht der Kunde mit persönlichen Aufnahmen identifiziert.
Bei dem von Żabka eingesetzten System handelt es sich um die OASIS-Plattform von AiFi für den automatisierten Einzelhandel. AiFi wurde von den ehemaligen Apple- und Google-X- Entwicklern Steve Gu und Ying Zheng gegründet und steht im Bereich des autonomen Einkaufens in Konkurrenz zu Amazon Go. Mit dieser Plattform wurde bereits Ende 2019 ein Convenience-Store auf den Amsterdamer Flughafen in Schiphol in Betrieb genommen.
Nach der Eröffnung des ersten Kassen- und Bedienungsfreien Stores auf dem Messe-Gelände in Poznań, soll der nächste Żappka-Store in Warschau eröffnet werden. Inoffiziell ist bereits von 40 weiteren Żappka-Stores die Rede.

© Magda Szulc / infopol.PRESS