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Erdgasversorger PGNiG kauft ukrainisches Gas-Unternehmen

Foto: PGNiG

Der staatlich kontrollierte polnische Erdgasversorger PGNiG hat eine Mehrheits-Beteiligung an dem ukrainischen Unternehmen Karpatgazvydobuvannia erworben, das über eine Förder-Lizenz für ein an Polen angrenzendes Gebiet besitzt. Ab 2023 ist dort die Aufnahme der Erdgasförderung geplant.

Im Rahmen der Transaktion habe die PGNiG 85 Prozent der Aktien von Karpatgazvydobuvannia gekauft, teilte der polnische Erdgasversorger mit. Bisheriger Eigentümer des ukrainischen Unternehmen war die in den USA registrierte ERU Management Services, von der die PGNiG die Anteile erwarb. Angaben über den Kaufpreis wurden nicht gemacht.

Bereits Kooperation bei Flüssiggas-Lieferungen aus den USA in die Ukraine

Die PGNiG und ERU arbeiten bereits seit einigen Jahren bei der Lieferung von Erdgas aus Polen in die Ukraine zusammen. So hatte die ERU bisher Flüssig-Gas-Lieferungen aus den USA über den LNG-Hafen Swinemünde (Świnoujśćie) in die Ukraine kontraktiert. Das mit Tankschiffen aus den USA zum polnischen LNG-Hafen auf der Insel Usedom gelieferte Flüssig-Gas wird dabei nach der Regasifizierung in das Fernleitungs-Netz der PGNiG eingespeist und über den Interkonnektor in Hermanowice in Südostpolen in die Ukraine weitergeleitet. Bereits 2019 hatten beide Unternehmen auch einen Vertrag über die Erdgasförderung in der Ukraine unterzeichnet.

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Die Förder-Lizenz, über die das vom polnischen Erdgasversorger übernommene ukrainische Unternehmen verfügt, bezieht sich auf ein 200 km² grosses Gebiet in der Region um Lwów (Lemberg).
Bereits in den 20er Jahren des vergangenen Jahrhunderts hatte angloamerikanische Unternehmen in diesem Gebiet, das vor 1939 zu Polen gehörte, Erdöl-Bohrungen durchgeführt. In den angrenzenden Gebiet bei Przemyśl (Karpaten-Vorland) fördert der polnische Erdgas-Versorger PGNiG selbst seit 60 Jahren Erdgas – bisher 65 Mrd. m³. Polnische Geologen hatten seit langen vermutet, dass das auf polnischer Seite ausgebeutete Erdgas-Feld bei Przemyśl bis in die Ukraine weiterreicht, da dort die gleichen geologischen Strukturen vorliegen.

Die Ergebnisse der bisher durchgeführten geophysikalischen und geologischen Untersuchungen im Gebiet sind laut PGNiG vielversprechend. Ab kommenden Jahr will die PGNiG in dem Gebiet Probe-Bohrungen und Fördertests vornehmen. ,,Wenn die Ergebnisse der Analysen sich bestätigen und wir Gas finden, wird die Erdgas-Förderung im Jahr 2023 beginnen“, sagte PGNiG-Vorstandschef Paweł Majewski. Das Erdgas soll im wesentlichen in das ukrainische Erdgas-Netz eingespeist werden. Möglich sei nach Aussage von Majewski jedoch auch eine Weiterleitung nach Polen.
Die Ukraine, die bisher aufgrund eigener Förder-Defizite ein Drittel ihres jährlichen Erdgasverbrauchs durch Importe abgedeckt hat, verfügt über die zweitgrößten Erdgasreserven in Europa.

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Foto: PL-MVI-Agentur

Porr und TGE bauen Gashafen auf Usedom aus

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Auf der polnischen Seite der Ostsee-Ferieninsel Usedom wird ein dritter gigantischer Gas-Tank errichtet. Die Betreibergesellschaft des LNG-Gashafens Swinemünde (Świnoujśćie) Polskie LNG hat dazu jetzt dem österreichischen Baukonzern Porr und der TGE Gas Engineering GmbH mit Sitz in Bonn den Auftrag zum Ausbau des Terminals erteilt.

Der Auftrag beinhaltet neben dem Bau eines Tanks mit einer Kapazität von 180 000 m³ den Bau eines zweiten Schiffs-Anlegeufers sowie einer dreigleisigen Bahnanschluss-Anlage mit einer Station zur Verladung von LNG-Gas in Bahn-Kesselwaggons. Der Auftragswert beträgt rund 450 Mio. Euro (1,9 Mrd. Złoty). Der Auftrag wird von der EU mit 130 Mio. Euro kofinanziert.

Für den Ausbau des LNG-Hafens hatte die Betreibergesellschaft Polskie LNG bereits Ende vergangenen Jahres mit der Selas-Linde GmbH aus Pullach einen Vertrag zur Lieferung der Regasifizierungstechnik unterzeichnet. Dabei handelt es sich um zwei Tauchflammenverdampfer (SCV -submerged combustion vaporiser), die zur Verdampfung von Flüssig-Erdgas (LNG) eingesetyt werden.

Kapazität hochgesetzt

Mit dem Ausbau wird die Regasifizierungskapazität des Gashafens bei der Wiederverdampfung des auf Schiffen angelieferten verflüssigten Erdgases (LNG) auf 8,3 Mrd. m³ im Jahr erweitert. Gegenwärtig beträgt die jährliche Regasifizierungskapazität des LNG-Hafens in Swinemünde 5 Mrd. m³ Erdgas. Ursprünglich hatte man einen Ausbau auf 7,5 Mrd. m³ geplant. Die in jüngster Zeit sich vollzogenen großen Veränderungen auf dem Gas-Markt und der Aufbau des Vertrauens in die Stabilität der Gaslieferungen hat uns zu der Entscheidung bewegen, die Kapazität des dritten Tank zu erhöhen und den Ausbau im größeren Maßstab vorzunehmen, erklärte dazu Tomasz Stępień, Vorstands-Chef der Gesellschaften Polskie LNG und der für das polnische Gasleitungs-System verantwortlichen Gaz System. Weltweit sei mit verflüssigten Erdgas (LNG) ein selbständiges Segment im Erdgas-Markt entstanden, z.B. als Antriebs-Kraftstoff im Transportwesen, auch in der Meeres-Schifffahrt. Polen will dabei ganz vorn mitspielen. Der Bau des zweiten Schiffsufer ermöglich uns eines Re-Export des verflüssigten Erdgases und ein Umladen auf kleinere Schiffe, also eine Bunkerung von LNG.

Bereits im vergangenen Jahr war in den Seehäfen von Danzig (Gdańsk) und Gdynia erstmals eine Bunkerung von LNG-Gas vorgenommen worden. Dabei erfolgte das Einpumpen in die mit LNG-Gas angetriebenen Schiffe noch über LNG-Tankwagen. In Zukunft soll dies über Bunker-Schiffe erfolgen.

Foto: PL-MVI-Agentur

Der LNG-Gashafen von Swinemünde hat gegenwärtig eine Auslastung von über 60 Prozent. Im Vergleich zu den anderen 22 Terminals in der gesamten EU ist dies ein hoher Wert. In den meisten dieser Terminals, in denen das in flüssiger Form angelieferte Erdgas (LNG) wieder in den gasförmigen Zustand umgewandelt wird, liegt die Auslastung bei nur etwa 30 Prozent.

Der LNG-Gashafen auf der Insel Usedom wurde offiziell im Sommer 2015 nach einjähriger Verspätung in Betrieb genommen. Gebaut wurde er von dem italienischen Unternehmen Saipem im Verbund mit polnischen Unternehmen, von denen seinerzeit einige Pleite gingen.

,,Epochale“ Bedeutung für ganz Polen

In den ersten Jahren nach der Inbetriebnahme bezog der staatliche polnische Erdgas-Versorger PGNiG in der das mit Tankschiffen angelieferte verflüssigtes Erdgas vor allem auf Grundlage einer langfristigen Vereinbarung aus dem Emirat Katar. Nach dem Macht-Wechsel in Warschau wurde die östlich der Swinemündung gelegene Anlage im Rahmen eines Staatsaktes im Juni 2016 in LNG Terminal Lech-Kaczyński umbenannt.  Im Juni 2017 folgte der nächste Staatsakt. Die gesamte polnische Regierung war angetreten als der erste US-Gastanker in Swinemünde einlief. Der Bezug von Erdgas aus den USA habe,,epochale” Bedeutung für ganz Polen, erklärte die damalige Regierungschefin Szydlo bei der Ankunft. Damit werde Polen für amerikanisches Erdgas zum Tor für die Märkte in Mittel- und Osteuropa. Die Vereinbarung mit den Amerikanern bedeute  das Ende des Preis-Diktats durch die Russen und eröffne die Möglichkeiten des Re-Exports. Nach dem Besuch von US-Präsident Donald Trump in Warschau im Sommer 2017, wo Trump bei einem Treffen mit Staatspräsident Andrzej Duda Polen die USA als neuen Erdgas-Lieferanten anbot, schloss der polnische Ergasversorger PGNiG mehrere umfangreiche Verträge für die Lieferung von US-amerikanischen LNG-Gases nach Swinemünde ab. Bei dem amerikanischen LNG-Gas handelt es sich um im umweltschädlichen Fracking-Verfahren gewonnes Erdgas.

Aufstieg zum ,,Big Player“ im Gasgeschäft geplant

Nach dem Jahre 2022, wenn die Verträge mit dem russischen Erdgas-Versorger Gazprom auslaufen, wird Polen russisches Erdgas durch amerikanisches LNG-Gas und Erdgas aus Norwegen (über die Ostsee-Pipeline Baltic Pipe) ersetzen.

Die dabei vertraglich gebundenen Kapazitäten ermöglichen Polen nicht nur den Landesbedarf an Erdgas zu decken, sondern auch Erdgas zu exportieren. Erklärtes politisches Ziel ist es, zum ,,Big Player“ bei der Erdgas-Versorgung im Mittel-/Osteuropa aufzusteigen. Dabei ist u. a. ein verstärkter Export von Erdgas in die Ukraine geplant.


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Foto: Baltic Pipe