MAN entlässt ein Drittel der Belegschaft im Buswerk Starachowice

Fotos: MAN

Der Münchner Bus- und Lastwagenbauer MAN entlässt 860 Beschäftigte in seinem Buswerk in Starachowice. Die VW-Tochter begründet die Entlassungen mit der Kostenexplosion und der stark rückläufigen Nachfrage nach Bussen.

MAN Truck & Bus SE leidet bereit schon seit längerer Zeit unter einen stark rückläufigen Absatz bei Autobussen. Von 2019 ist er von 7400 auf 4600 im vergangenen Jahr zurückgegangen. Dieser Niedergang hat sich in diesem Jahr fortgesetzt. Bis Ende Oktober wurden im Konzern rund 2800 Busse verkauft. Im MAN-Werk in Starachowice hatte es deshalb schon seit längerer Gerüchte um bevorstehende Entlassungen gegeben. Dass diese jetzt in einem solchen Umfang ausfallen, damit hatte niemand gerechnet. Wie MAN in der vorliegenden Mitteilung bekanntgab, werden 860 Arbeitsplätze in Starachowice gestrichen. Das ist rund ein Drittel der Belegschaft. In dem Werk, wo seit über 20 Jahren Niederflur-Busse für den Stadtverkehr produziert werden (Lion’s City mit konventionellen, E- und Erdgas-Antrieb), sind bisher 3500 Mitarbeiter beschäftigt. Eine Entlassung in dieser Größenordnung hat es in Polen schon seit Jahren nicht mehr gegeben.
Schon etwas makaber: Die Entlassungen wurden am Vorabend der polnischen Nationalfeiertages bekannt gegeben. Es könne nicht sein, dass von heute auf morgen mehrere Hundert Mitarbeiter entlassen werden, kommentierte der Vorsitzende der Solidarność-Betriebsgewerkschaft, Seweryn, die in München getroffene Entscheidung. Auch für die 40 000-Einwohner-Stadt Starachowice im Südosten von Polen bedeutet die angekündigte Entlassungswelle ein Schock. MAN ist dort bisher der größte Arbeitgeber.

Nur noch täglich 8 Busse

Durch die Verschlechterung der wirtschaftlichen Situation in Folge des Ukraine-Kriegs und der damit verbundene Steigerung der Material- und Energiekosten sei in kurz-und mittelfristiger Perspektive keine deutliche Verbesserung der Markt- und Absatz-Situation zu erwarten. Notwendig sei deshalb eine schnelle Anpassung der Strukturen an die Situation, heißt es in der offiziellen MAN-Erklärung zu dem Arbeitsplatz-Abbau im MAN-Werk Starachowice.

Für die Fortsetzung der Produktion in den beiden europäischen MAN-Autobus-Werken in Starachowice und in Ankara soll deshalb die tägliche Produktionskapazität an die aktuelle Markt-Situation angepasst werden. In Starachowice werden künftig acht statt bisher 12 Busse produziert, erklärte Michael Kobriger, Produktions-Vorstand von MAN Truck & Bus SE. Für die damit einhergehende Streichung von 860 Arbeitsplätzen werde man in den Verhandlungen mit den Gewerkschaften sozialverträgliche Lösungen erarbeiten. Der Vorstand schlägt dazu eine Verlagerung von Arbeitskräften in das Lkw-Montagewerk von MAN in Kraków (Niepołomice )und nach Banovce in die benachbarte Slowakei vor.
Der Gewerkschaftschef Seweryn empfindet die Vorschläge als Hohn. Bei der beschränkten Arbeitsplatz-Situation in diesen MAN-Werken bleibt für die Mitarbeiter in Starachowice, die von der Arbeitsplatz-Streichung betroffen sind, kaum etwas übrig.
Die Entscheidung zum massiven Arbeits-Abbau in Starachowice wird darauf zurückgeführt, dass es im polnischen MAN-Buswerk in der Vergangenheit zu keiner Einigung mit den Gewerkschaften zur Einführung eines flexiblen Arbeitszeit-Modells gegeben hat. In der zweiten MAN-Busfabrik in der Türkei verlief die Tätigkeit bisher normal. In den ersten drei Quartalen dieses Jahres wurden dort 1318 Busse produziert, 90 Busse mehr als im gleichen Zeitraum des Vorjahres.
MAN betreibt in Polen noch ein zweites Werk. In dem Montage-Werk in Niepołomice bei Kraków werden seit 2007 Lkw der Baureihen TGX und TGN hergestellt. Vor einigen Tagen ist dort der 200 000 Lastwagen vom Band gerollt.

 


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