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Polen rüstet mit koreanischen Kampfjets und 1000 Panzern auf

 

Koreanische Panzer rollen nach Polen. Foto: Verteidigungsministerium der Republik Korea (Südkorea)

Polen hat im Juli drei große Rüstungs-Aufträge im Wert von über 20 Mrd. Euro ausgelöst. Der größte Rüstungs-Deal wurde dabei mit der Unterzeichnung eines Vertrages zur Lieferung und Produktion von südkoreanischen Waffen-Systemen in Polen abgeschlossen, darunter 1000 Panzern und 680 Panzer-Haubitzen.

Mit den Worten ,,Wir müssen eine geschlossene, bewaffnete und mutige Nation sein“, hat PiS-Parteichef Jarosław Kaszyński auf einer seiner zahlreichen Wahlkampfveranstaltungen, die er gegenwärtig in ganz Polen abhält, die Erhöhung der Militär-Ausgaben begründet. Sie sollen schrittweise in den nächsten Jahren auf 5 Prozent des Bruttoinlandsprodukts erhöht werden. Bezogen auf die jeweilige nationale Wirtschaftsleistung wäre das von allen NATO-Staaten das höchste Ausgaben-Niveau.

Kaczyńskis Worten sind bereits Taten gefolgt. Seit Anfang Juli hat das polnische Verteidigungsministerium bereits drei große Rüstungs-Verträge im Wert von über 20 Mrd. Euro abgeschlossen.

Vertragsunterzeichnung für Militär-Hubschrauber AW 149. Foto: MON

Bereits Anfang Juli hat das Verteidigungsministerium in Warschau mit der italienischen Leonardo-Gruppe einen Vertrag über die Lieferung von 32 Mehrzweck-Militärhubschraubern vom Typ AW 149 unterzeichnet. Die ersten Hubschrauber werden bereits im kommenden Jahr für die polnische Armee einsatzbereit sein, frohlockte Vizepremier und Verteidigungs-Minister Mariusz Błaszczak, freilich dabei aussparend, dass seine Regierungspartei 2016/2017 einen bereits von der Vorgänger-Regierung auf dem Weg gebrachten Vorvertrag über die Lieferung von 50 französischen Airbus Helicopters an die polnische Armee für ungültig erklärt hatte.

Weitere Abrams-Panzer aus den USA

Im Juli hat das polnische Verteidigungs-Ministerium auch eine Vereinbarung über den Kauf von weiteren 116 Abrams-Panzern aus den USA geschlossen. Der Kauf erfolgt unabhängig von der bereits im vergangenen Jahr getroffenen Vereinbarung zum Kauf von 250 schweren Abrams-Panzern des neuesten Typs M1A2 im Wert von über mindestens 5 Mrd. Euro. Bei den jetzt gekauften 116 Panzern handelt es sich allerdings um Abrams-Panzer älteren Typs aus den Beständen der US-Armee. Über den Vertragswert wurden keine Angaben gemacht.

Nach Angaben von Verteidigungs-Minister Błaszczak werde mit den veralteten Abrams-Panzern eine Lücke geschlossen, die nach der Übergabe von 240 polnischen T-72 Panzern sowjetischer Bauart an die Ukraine entstanden ist.
Seit Wochen wirft Polen Deutschland vor, einen vereinbarten Ringtausch für die an die Ukraine gelieferten polnischen Panzer nicht einzuhalten. Polen wünschte sich zunächst eine 1:1 Kompensation durch deutsche Leopard-2-Panzer. Deren Zahl wurde dann reduziert. Die FDP-Verteidigungs-Expertin Marie-Agnes Strack-Zimmermann hat unterdessen Polen eine überzogene Erwartungshaltung vorgeworfen. ,,Wir können uns die gewünschten Panzer nicht einfach aus den Rippen schneiden” sagte sie der ,,Zeit“ . Die deutsche Bundesregierung habe 20 Stück im Laufe des kommenden Jahres zugesagt, weil diese erst bereitgestellt werden müssen.”

Der Kauf der gebrachten amerikanischen Abrams-Panzer ist offensichtlich eine Reaktion auf den von Polen gewünschten und nicht erfolgten Ringtausch mit Deutschland. Allerdings werden die ersten Auslieferungen der amerikanischen Abrams-Panzer der ältere Versionen erst Anfang kommenden Jahres beginnen. Und dies – im Unterschied zu Deutschland – ohne polnische Vorwürfe gegenüber den USA.

Den größten Rüstungs-Deal hat Polen jedoch jetzt mit der Unterzeichnung eines Vertrages zur Lieferung und Produktion von sudkoreanischen Waffen-Systemen in Polen abgeschlossen. Der Vertrag mit Südkorea über eine umfassende Verteidigungspartnerschaft umfasst in zwei Etappen 1000 Panzer, über 670 Panzer-Haubitzen, mehrere Hundert Mehrfach-Raketenwerfer und mindestens 50 Kampfflugzeuge.

,,Wir haben gegenwärtig keine Möglichkeiten, neue F-16-Kampfflugzeuge aus den USA zu bekommen,” sagte Verteidungsminister Błaszczak gegenüber dem Militär-Magazin Defense24.pl. Darüber habe man mehrfach mit den amerikanischen Partnern gesprochen. ,,Wir können jedoch nicht länger warten”, begründete Błaszczak den Kauf von drei Staffeln, also 48 südkoreanischen Kampf-Flugzeugen vom Typ FA-50. Die ersten südkoreanischen Flugzeuge sollen bereits im kommenden Jahr in Polen eintreffen. Eine noch schnellere Lieferung ist bei den 180 gekauften südkoreanischen Panzern vom Typ K-2 vereinbart. Die ersten Panzer sollen bereits in diesem Jahr in Polen eintreffen.

Polen wird zur europäischen Produktions-Basis für gepanzerte Fahrzeuge aus Südkorea 

Das Kampf-Flugzeug FA-50 ist außer bei der koreanischen Luftwaffe bislang nur in geringer Stückzahl in Indonesien, den Philippinen sowie Thailand im Einsatz. Der insbesondere in den sozialen Medien aufkommenden Kritik an den Rüstungs-Deal trat Błaszczak mit der Erklärung entgegen, dass neben der schnellen Lieferung die Kompatibilität der südkoreanischen Militär-Technik mit amerikanischen Systemen den Ausschlag für die Kauf-Entscheidung gegeben habe. Bei der Konstruktion und der Entwicklung der südkoreanischen Waffen-Systeme seien US-Unternehmen beteiligt gewesen. Die erste Phase der Lieferung von südkoreanischen Waffen-Systemen, einschließlich von mobilen Artillerie-Systemen hat einen Vertragswert von rund 65 Mrd. Złoty, (rund 14,5 Mrd. Euro).

In einer zweiten Phase sieht die mit Südkorea vereinbarte Rüstungskooperation die Verlagerung und Massenproduktion gepanzerter Fahrzeuge aus Südkorea in Polen vor. Ab 2024 sollen die vom Konzern Hyundai Rotem gelieferten Kampf-Panzer vom Typ K-2 ,,polonisiert” werden, also in einer den Bedürfnissen der polnischen Armee angepassten Version aufgerüstet werden.

Ab 2026 ist dann die Produktion von 820 Stück des in der polnischen Version aufgerüsteten Kampfpanzer K2-PL geplant. Polen hätte damit mehr Panzer als die französische, britische Armee oder die Bundeswehr und damit nach Russland die zweitgrößte Panzer-Waffe Europas.

Auch nach dem Kauf von 48 Panzer-Haubitzen in der ersten Vertrags-Phase sollen die nachfolgend in Südkorea  bestellten 640 Haubitzen vom Typ K-9 bereits im Standard K9-PL in Polen produziert werden. Auf diese Weise soll die polnische Rüstungs-Industrie zur tragenden Säule für gepanzerte Fahrzeuge südkoreanischer Bauart in Europa entwickelt werden.

© André Jański / infopol.PRESS

 

Kohlemangel – Festpreis für Privathaushalte fixiert

Foto: PL-Agentur

Damit Privat-Haushalte, die mit Kohle heizen, sich im kommenden Winter noch den Brennstoff leisten können, hat Polens Staatspräsident Andrzej Duda jetzt ein Gesetz mit einen garantierten Festpreis für Heizkohle in Kraft gesetzt. Umgerechnet max. 210 Euro pro Tonne soll die Heizkohle kosten. Das Grund-Problem wird die staatliche Subvention jedoch nicht lösen: Es gibt nicht genügend Kohle in Polen.

Bereits schon im Juni hatte Parteichef Jarosław Kaczyński die ,,Operation Kohle” angekündigt. 3 Mrd. Złoty werden aus dem Staatshaushalt bereitgestellt, um für den kommenden Winter den Kohlepreis für Privat-Haushalte stabil zu halten. Die Regierungspartei will damit die in der Öffentlichkeit aufkommende Unruhe besänftigen, dass viele Privathaushalte, die noch mit Kohle heizen, sich nicht mehr den Kauf von Kohle leisten können. Immerhin sind es noch rund 35 Prozent aller Privat-Haushalte in Polen, die Kohle zum Heizen verbrennen. Ohnehin sind die zuletzt angezogenen Kohle-Preise seit dem Ukraine-Krieg und den von der EU gegen Russland verhängten Sanktionen noch weiter in dramatischer Höhe gestiegen. Für 1 t sogenannter Öko-Kohle sind bei den Kohle-Händlern gegenwärtig rund 2 500 bis 3 000 Złoty zu bezahlen.
Regierung und Gewerkschaften machten für die hochgetriebenen Preise die Händler verantwortlich, die Spekulations-Gewinne erzielen wollen. Die Kohle-Händler – in Polen gibt es noch rund 15 000 Kohle-Handlungen – wiesen diesen Vorwurf von sich. Dies seien keine extraordinären Gewinne, sondern der Effekt des Kohle-Mangels, hervorgerufen durch den im Rahmen der gegen Russland verhängten Sanktionen erfolgten Import-Stopp von russischer Steinkohle.
Polen gehörte nach Deutschland zu den größten Importeuren von russischer Steinkohle in Europa. Laut dem EU-Statistikamt Eurostat importierte Deutschland 2020 rund 14,2 Mio. t. Polen folgte an zweiter Stelle in der EU mit dem Import von rund 9,4 Mio. t Steinkohle aus Russland. Der hohe Import-Anteil mag für das ,,Kohle-Land Polen“ auf dem ersten Blick absurd sein. Der polnische Kohle-Bergbau ist jedoch seit Jahren ineffektiv und mit hohen Kosten belastet. Russische Steinkohle ist nicht nur billiger, sie ist auch von höherer Qualität mit besseren Brennwerten. Sie wurde vor allem in privaten Haushalten und örtlichen Heizwerken eingesetzt, während in den unter staatlicher Kontrolle stehenden Kraftwerken Kohle aus dem heimischen Bergbau genutzt wird.
Mit der Festlegung des maximalen Festpreises will die Regierung jetzt den wachsenden Unmut und Bedenken der Verbraucher entgegentreten, dass die in Ersatz für russische Steinkohle aus anderen Ländern eingeführte Kohle zu noch weiter steigenden Preisen führt und nicht mehr bezahlbar ist.

3 t Kohle für jeden Privat-Haushalt

Mit der nun gültigen gesetzlichen Regelung dürfen als Kohle-Verbrenner registrierte Privat-Haushalte, wie auch Wohnungs-Genossenschaften, für die kommende Heizsaison bis zu 3 t Kohle zum Garantie-Preis von 996,60 Złoty pro Tonne kaufen. Nach Angaben des Klima- und Umweltministeriums entspricht dieser Preis dem Durchschnittspreis, der noch im vergangenen Jahr für 1 t Heizkohle bezahlt wurde.
Die Regelung betrifft feste Brennstoffe wie Steinkohle, Briketts und Pellets mit mindestens 85 Prozent Steinkohle-Anteil, die im Zeitraum vom 16.April bis zum 31.Dezember dieses Jahres aus dem Ausland importiert oder in Polen gefördert wurden. Haushalte, die in den vergangenen Jahren auf Holz-Pellets umgestellt haben, gehen leer aus, obwohl diese auch mit stark gestiegenen Einkaufspreisen konfrontiert sind. Noch im vergangenen Herbst kostete ein Tonne hochwertiger Holz-Pellets 850 bis 1000 Złoty. Jetzt muss man dafür bereits schon bis zu 2400 Złoty (rund 510 Euro) bezahlen. Um so länger der Krieg in der Ukraine dauert, um so höher steigen die Preise, da rund ein Drittel der auf dem polnischen Markt verkauften Holz-Pellets aus der Ukraine stammen.
Die Bezuschussung des Einkaufs von Heizkohle ist bei Markt-Experten umstritten. Sie erfolgt nicht direkt an die Privat-Haushalte, sondern in Form von Ausgleichszahlungen an die Händler, die ihre Kohle zu Preisen verkaufen, die nicht über den festgelegten Garantiepreis liegen. Die Händler müssen allerdings lizenziert sein.
Ursprünglich waren als Maximal-Betrag für Ausgleichszahlungen an Händler 750 Złoty pro Tonne (rund 165 Euro) vorgesehen. Nach Protesten der Branchenkammer der Kohle-Verkäufer wurde der Ausgleichsbetrag jetzt auf 1073 Złoty pro verkaufte Tonne Kohle angehoben.

Unter dem Markt-Preis für Importkohle

In Branchen-Kreisen wird dieser Betrag jedoch weiter als zu niedrig bewertet. Zusammengenommen liegt der von der Regierung zugesicherte Fest-Preis von 996,60 Złoty und der Ausgleichbetrag für Händler von 1073 Złoty, die zu diesem Festpreis Heizkohle verkaufen, immer noch unter dem Marktpreis für Steinkohle aus Kolumbien, Australien, den USA und anderen Ländern, die als Ersatz für russische Steinkohle von den privaten Kohle-Handlungen angeboten werden. Und diese werden voraussichtlich noch weiter steigen, wenn zum 1.August das von der EU-Importverbot für russische Steinkohle in Kraft tritt. Nicht nur in Deutschland, auch in Österreich, den Niederlanden und Rumänien werden die Reserve-Kohlekraftwerke wieder in Betrieb genommen. Die hohen Preise für Erdgas und dessen Lieferbeschränkungen aus Russland haben dazu geführt, dass Kohle plötzlich zum Rettungsanker für die Energiewirtschaft in der Europäischen Union geworden ist. Dies treibt die Nachfrage und damit die Preise für Kohle nach oben.

Lücke von 18 Mio. t  Steinkohle

Der von der Regierung festgelegte Festpreis für Heizkohle macht nur auf den ersten Blick einen guten Eindruck, meint dazu der Chef der Kohle-Gewerkschaft der Śolidarność in Schlesien, Dominik Kolorz. In der Realität und der Wirtschaft zählen aber nur die Fakten. Und die besagen, dass in der kommenden Heiz-Saison in Polen Kohle fehlen wird. Laut einem Bericht des polnischen Klima- und Umweltministeriums an das Parlament beträgt der jährliche Kohlebedarf in Polen 64 Mio. t. Die einheimische Kohle-Förderung beträgt dagegen über 44 Mio. t. Selbst wenn man die jüngsten Regierungs-Vorgaben zur Steigerung der einheimischen Kohle-Förderung berücksichtigt, können in diesem Jahr nicht mehr als 1,5 bis max. 2 Mio. t zusätzlich gefördert werden. Damit muss eine Lücke von 18 Mio. t Kohle geschlossen werden.

Regierung ordnet Aussetzung der Qualitäts-Standards für Kohle an

Wie bedrohlich die Situation ist, belegt eine eben von der Regierung getroffene Anordnung zur Aussetzung der Qualitäts-Standards für die Verbrennung von Kohle für Heiz-Zwecke in Privat-Haushalten. Die polnische Regierung begründete diese Anordnung mit einem Gesetz aus dem Jahr 2006. das es erlaubt, Standards im Falle außergewöhnlicher Ereignisse oder der Gefährdung der Energiesicherheit Polens zeitweise aufzuheben. Zu befürchten ist, dass dann im Winter wieder verstärkt alles durch die Öfen wandert, was brennbar ist und die Luft verschmutzt. Für Umweltverbände ein Horror. Schon in den vergangenen Wintern mussten in Ballungszentren wie Schlesien, Kraków und Warschau bei stehender Luft wiederholt Smog-Alarme ausgelöst werden.

© André Jański / infopol.PRESS

Hotel-König hinterlässt unvollendetes Werk

 

Aktualisierter Text 

Es sollte sein letztes Hotel sein. Seine Eröffnung hat er nun nicht mehr erlebt. Den Hotel-Koloss an der polnischen Ostseeküste in Pobierowo hinterlässt er als unvollendetes Werk. Im Alter von 79 Jahren plötzlich verstorben ist der als ,,Hotel-König“ bezeichnete Tadeusz Gołębiewski jetzt in seinem Heimatort Radzymin unter großer Teilnahme der Bevölkerung beigesetzt worden.
Mit Gołębiewski verlässt einer der Letzten jener Generation die Lebens-Bühne, die den Begriff ,,polnisches Unternehmertum“ im positivsten Sinne des Wortes prägten. Anders als die Oligarchen in Russland oder der Ukraine, die sich das als ,,Volkseigentum“ titulierte staatliche Eigentum mit ihrem politischen Beziehungs-Geflecht und ominösen Börsen-Geschäften unter den Nagel rissen, haben polnische Unternehmer wie Gołębiewski in den 1970er bis 80er Jahren aus dem Nichts heraus nur mit ihrer eigenen Hände Arbeit und ihrer unternehmerischen Initiative ohne staatliche Beihilfe ein Imperium geschaffen.

Vom Waffelbäcker zum Hotel-Magnaten

Seinen Aufstieg begründete der Hochschul-Absolvent als Waffel-Bäcker. Die dafür notwendigen Öfen soll er dem Vernehmen nach selbst gebaut und die Backformen aus Altteilen einer Fabrik geschweißt haben. Auch wurde der Teig in der Anfangszeit in der heimischen Waschmaschine getrommelt.

Aus diesem Improvisations-Konstrukt entwickelte er im Lauf der Jahre die nach seinen Namenskürzel benannte Firma Tago mit zeitweise 400 Beschäftigten, deren feinstes Gebäck in hochwertiger Qualität und Waren-Originalität jedem internationalen Marken-Hersteller Stand halten konnte.

Mit deren ersten Gewinnen widmete er sich Anfang der 90er Jahre einem neuen Geschäftsfeld. In Mikołajki (Masuren) baute er sein erstes Hotel. Mit Aqua-Park, Wellness- und Fitnessbereichen und einem all inclusive -Konzept war er dazumal weit seiner Zeit voraus. Nicht nur beim Komfort setzte er im Vergleich zu den damals üblichen Übernachtungsherbergen neue Maßstäbe. Für die seinerzeitigen Einkommens-Verhältnisse in Polen waren die Preise gepfeffert. Es waren vor allem Unternehmen, die dort als Benefits für ihre Mitarbeiter Firmen-Schulungen durchführten. Was fehlte, war ein zahlungskräftiges privates Kunden-Klientel, das im ausreichenden Maße die Kosten des mondänen Baus in der masurischen Seenlandschaft deckt. Wie Gołębiewski uns gegenüber bei einem Besuch seiner Baustelle in Pobierowo im vergangenen Jahr noch selbst einräumte, haben ihm seinerzeit ,,die Deutschen den A… gerettet“. Nach Messe-Besuchen und Werbeaktionen bei bekannten deutschen Reiseveranstaltern rollten dann die Busse aus Deutschland an. Bis zu 50 Busse pro Tag.

Das alles ist aber schon längst Vergangenheit. Mit der sich an Wohlstand entwickelnden Mittelschicht in Polen und dem dynamisch gewachsenen Durchschnittseinkommen (aktuell bei 6400 Złoty – rund 1400 Euro) bildet heute die polnische Kundschaft das Gros seiner Gäste.

Nach Mikołajki hat Gołębiewski weitere 5-Sterne-Hotels gebaut. Die Gołębiewski-Kette zählt derzeit nur vier Hotels. Seinen Ruf als ,,Hotel-König“ wurde jedoch damit begründet, dass jedes neugebaute Hotel noch größer war als sein Vorgänger und für Schlagzeilen sorgte. Behördliche Vorgaben des Landschaftsschutzes und der Baugenehmigungen wurden nicht eingehalten. Allen Hotelbauten waren von Auseinandersetzungen mit den Genehmigungsbehörden und gerichtlichen Instanzen begleitet. So wurden z.B. bei dem überdimensionierte Hotelbau in Karpacz unterhalb der Schneekoppe statt der in den Genehmigungs-Unterlagen vorgegebenen 630 Zimmer, 2 Etagen mehr mit 880 Zimmern gebaut. Wegen der Verunstaltung des Landschaftsbildes forderten Politik und Behörden deshalb den Abriss von zwei oberen Etagen. Gołębiewski ließ sich davon nicht besonders beeindrucken. Für eine weitere Nutzung ließ er eine Gesetzeslücke nutzend einen Teil der oberen Etagen verglasen.

Betonierte Gigantomanie in der Küstenlandschaft

Von zahlreichen Kontroversen und Kritiken war und ist auch der Bau seines Hotel-Giganten in Pobierowo begleitet. Der Standort befindet sich westlich des bekannten Ostseebades Rewal 150 Meter vom Meer entfernt. Umweltschützer kritisierten, dass dafür 1500 Bäume des Küstenwaldes im Landschaftsschutzgebiet abgeholzt wurden. Gemeindevertreter wiesen dies als unbegründeten Vorwurf zurück. An dem Standort war früher eine Einheit der polnischen Luftverteidigungs-Streitkräfte stationiert, die um die Jahrtausend-Wende dort abgezogen wurde. Allerdings sprechen die unmittelbar im Walddickicht am Rande der Baustelle heute noch stehenden Schilder mit der Warnung ,,Landschaftsschutz-Gebiet“ eine andere Sprache.

Gołębiewski hatte das 30 Hektar große Terrain für rund 50 Mio Złoty von der Gemeinde Rewal gekauft. Der Verkauf des Geländes erfolgte über den früheren Bürgermeister der Gemeinde. Der wurde später von Gołębiewski zum Geschäftsführer des in Bau befindlichen Hotels bestellt, was dem Geruch von Korruption anhaftete.

Groß, größer, gigantisch – Dieser Steigerungsform folgten auch die Planungen für den Hotel-Koloss in Gestalt eines Kreuzfahrtschiffes an der Ostseeküste.. Mit 1100 Zimmern, das mit Zustellbetten Platz für 3000 Gäste bietet, Konferenz-Sälen, Out- und Indoor-Poollandschaften, Spa-Zonen und anderen touristischen Attraktionen sollte es das größte Hotel in Polen und eines der größten in Europa werden. .
Der schnelle Bau-Fortschritt wurde jedoch 2020 jäh von der Corona-Pandemie unterbrochen. Mit den Corona-Beschränkungen im Hotel-Gewerbe und den Absturz der Belegungsquoten in den anderen Hotel der Gołębiewski-Kette versickere auch der Geld-Fluss für den Hotel-Neubau. Das ging auch an die finanzielle Substanz von deren Eigentümer Tadeusz Gołębiewski. Dem nicht genug folgte nach der Corona-Krise mit dem Ausbruch des Ukraine-Kriegs die nächste Katastrophe. Wie auf nahezu allen Baustellen in Polen waren beim Bau des Hotel-Riesens an der Ostseeküste Hunderte Arbeitskräfte aus der Ukraine eingesetzt. Nach der im April von der Regierung in Kiew angeordneten Verfügung, die jeden männlichen ukrainischen Bürger im Alter von 18 bis 60 Jahre unter Androhung einer langjährigen Haftstrafe verpflichtet, aus dem Ausland zurückzukehren und für die Heimat zu kämpfen, leerte sich auch die Baustelle von Pobierowo. Auch verzögerte sich die Lieferung von notwendigen Baumaterialien aus der Ukraine.
Die ohnehin schon auf den 1.Juni dieses Jahres verschobene Eröffnung des Hotels ist nun erneut verschoben. Einen neuen Termin gibt es noch nicht. Kurz vor seinem Tod hatte Gołębiewski noch in einem Presse-Interview erklärt, dass er im Fall einer Wahl-Möglichkeit nicht noch einmal eine solche Investition in Angriff nehmen würde.
Der Tod von Tadeusz Gołębiewski hat die seit langer Zeit bestehenden Spekulationen um eine Übernahme des gigantischen Hotels und der gesamten Hotelkette neu angefacht. An vorderster Front stand dabei die staatliche Hotel-Holding PHH. Die hatte im vergangenen Jahr mehr als zehn Hotels, darunter an der Ostsee-Küste, erworben. Mit einem Bestand von mehr als 40 Hotels ist sie die größte Hotel-Kette in Polen. Für Gołębiewski wäre die Übernahme durch eine Hotelkette, die dem Staat gehört, ein Gräuel. Allerdings hat die staatliche Hotel-Holding den Medien-Spekulationen eine Absage erteilt. Niemals waren und sind wir an dem Kauf der Hotels von Tadeusz Gołębiewski interessiert, heißt es in einer offiziellen Erklärung der Staats-Holding, in der gleichzeitig das Mitgefühl zum Ableben von Gołębiewski zum Ausdruck gebracht wird, der ,,eine Ikone des polnischen Hotelwesens war und immer bleiben wird“.
Auch im Ostsee-Badeort Rewal herrscht tiefe Bestürzung über den Tod ihres Groß-Investors gepaart mit der Ungewissheit über die Fertigstellung und Eröffnung des Hotels.

Fotos: PL-Agentur

Die Gemeinde-Vertretung verbindet mit der Eröffnung der ,,Touristenfabrik“ in dem Küsten-Wald vor ihrer Haustür einen Schub für die gesamte Region, eine Ausweitung der kurzzeitigen Urlaubs-Saison in den Sommer-Monaten auf das gesamte Jahr, eine Entwicklung des Konferenz-Tourismus, der viele neue Gäste und Investoren anzieht. Und natürlich die entsprechenden Einnahmen.
Der staubige Schotter-Straße, die durch den Küstenwald zum Hotel-Bau führt und bei Google überhaupt nicht als Straße aufgeführt ist, will die Gemeindevertretung jetzt zu Ehren des Verstorbenen den Namen von Tadeusz Gołębiewski geben.

© Andreas Höfer / infopol.PRESS

Polen ruft zu den Waffen – Aufruf zu freiwilligen Wehrdienst

Fotos: MON

In Polen hat jetzt an 102 Standorten im gesamten Land eine Rekrutierungs-Aktion zur personellen Aufstockung der Streitkräfte begonnen. Grundlage dafür ist ein neues Gesetz, das im März nach Beginn des Ukraine-Krieges verabschiedet wurde.

Als Alternative zum Militärdienst in der Berufsarmee und den Territorialen Verteidigungs-Streitkräften WOT wird jetzt der bezahlte freiwillige Wehrdienst als dritte Form des Eintritts in bewaffneten Streitkräfte eingeführt. ,,Wir wissen alle, was an unserer Ostgrenze passiert und sind uns der Gefahren bewusst“, sagte Verteidigungsminister Mariusz Błaszczak, der den neuen Militärdienst als Antwort auf die russische Aggression in der Ukraine wertet.

Aufstockung auf 300 000 Soldaten

Ziel sei es, die polnischen Streitkräfte zahlenmäßig auf 300 000 Soldaten aufzustocken.
Nach Abschaffung der gesetzlichen Wehrpflicht im Jahre 2009 umfasst die polnische Armee gegenwärtig rund 111 000 Berufssoldaten. Dazu kommen 32 000 Angehörige der Territorialen Verteidigungs-Streitkräfte WOT. Dabei handelt es sich um Männer und Frauen, die im Alltag zivilen Berufen nachgehen und an Wochenenden und anderen periodisch angesetzten Terminen in den polnischen Wäldern und Auen militärische Übungen unter Aufsicht und Führung des Verteidigungs-Ministeriums abhalten.

Soldaten besser bezahlt als Lehrer

Der neue bezahlte freiwillige Wehrdienst für Personen mit einem Lebensalter bis zu 50 Jahren umfasst dagegen eine 28-tägige Grundausbildung in einer Militäreinheit. Der Rekrut legt dazu einen militärischen Eid ab. Es folgt eine 11-monatige Fachausbildung in der Kaserne. Nach Absolvierung des einjährigen Dienstes haben die Absolventen die Wahl, ob sie den Dienst in der regulären Armee fortsetzen oder in die aktive Reserve eintreten. Dabei werden ihnen später auch Privilegien wie z.B. bei einer Tätigkeit in einer öffentlichen Verwaltung versprochen.

Foto: Wojsko Polskie

Neben kostenloser Logis und Verpflegung sowie Urlaubs-Ansprüchen wird die militärische Ausbildung mit einem Monats-Sold während von 4560 Zloty (knapp 1000 Euro) vergütet. Das ist gegenwärtig mehr als das Gehalt, was ein Lehrer in Polen nach Absolvierung seines Hochschul-Studiums erhält.

Nach Angaben des polnischen Verteidigungsministeriums haben sich bei der ersten Rekrutierungs-Runde am 21. Mai 1600 Personen für den freiwilligen Militärdienst gemeldet. ,,Dies ist erst der Anfang“, erklärte Verteidigungsminister Błaszczak, der sich optimistisch zeigte, dass sich deren Zahl bis zum Jahresende noch deutlich erhöhen wird.

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Polen sperrt Luftraum für russische Flugzeuge

 

In Reaktion auf die Invasion russischer Truppen in der Ukraine hat Polen seinen Luftraum für russische Fluggesellschaften gesperrt. Das von Ministerpräsident Mateusz Morawiecki angeordnete Verbot gilt seit heute Mitternacht. Mit der Anordnung ist sowohl der Start und die Landung von Flugzeugen russischer Fluggesellschaften, insbesondere der Aeroflot, auf polnischen Flughäfen verboten wie auch der Über-Flug von deren Flugzeugen über das polnische Territorium aus anderen Staaten.

Nach Angaben der polnischen Luftfahrtbehörde verkehrten Mitte Februar vor Krieg-Ausbruch in der Ukraine täglich zwischen 970 und 1 110 Flüge zwischen Russland und anderen europäischen Ländern, rund 250 bis 350 nach oder von Polen.
Mit der Sperrung seines Luftraums folgte Polen dem Beispiel von Großbritannien, das ein sofortiges Landeverbot für Russlands nationale Fluggesellschaft Aeroflot auf seinen Flughäfen ausgesprochen hatte. Als Reaktion darauf hatte Russland sofort auch britische Flugzeuge aus seinem Luftraum verbannt. Eine ähnliche Reaktion aus Moskau wird auch im Fall von Polen erwartet.
Luftfahrtexperten verweisen darauf, dass der Luftraum über Russland für die europäischen Luftfahrtgesellschaften strategische Bedeutung hat. Flüge von Europa nach Asien unter Umgehung des Luftraums über Sibirien sind kaum rentabel. Darüber hinaus verlängert sich bei Langstrecken-Flügen von Europa nach Asien über das Schwarze Meer und den Nahen Osten die Flugzeit.
Neben Polen haben auch die EU-Länder Tschechien und Bulgarien ihren Luftraum für russische Flugzeuge gesperrt.
In Warschau hatte man ursprünglich erwartet , dass die EU eine Entscheidung zur Schließung des Luftraums – die in die Zuständigkeit jedes Landes fällt – koordinieren würde. Dies ist jedoch ausgefallen. Ohnehin erwartet man in Warschau entschlosseneres Handeln vom Westen gegen Putin anstatt langer Diskussionen, Ankündigungen und Protest-Erklärungen. Noch vor dem Abflug zum EU-Krisengipfel zu den Sanktionen gegen Russland erklärte Regierungschef Morawiecki : ,,Genug von den allgemeinen Erklärungen zur Unterstützung der Ukraine, genug von den Naivitäten. Die Zeiten des Geschwätzes und allgemeinen Geredes sind vorbei“. Das EU-Sanktionspaket müsse so ausgebaut werden, dass es für den russischen Aggressor in der Ukraine abschreckend wird.

Selbst der ehemalige EU-Ratsvorsitzende Donald Tusk, der im Gegensatz zur nationalkonservativen PiS-Regierung für eine europafreundliche Politik steht, übte scharfe Kritik an der inkonsequenten Sanktionspolitik der EU und einiger ihrer Länder. Namentlich nannte er Deutschland, Ungarn und Italien. Auf Twitter schrieb Tusk: ,,Eure Sanktionen sind scheinheilig. Schande über diese Regierungen, die schwierige Entscheidungen blockiert haben.“ Auch Regierungschef Morawiecki hat bei seinem heutigen Treffen mit Bundeskanzler Olaf Scholz Deutschland aufgefordert, seinen ,,betonierten Egoismus“ aufzugeben. Die Ukraine brauche substanzielle Hilfe.  Morawiecki appellierte an das Gewissen Deutschlands, damit endlich wirklich harte Sanktionen beschlossen werden, die Russland unter Druck bringen. Im Zentrum der polnischen Forderungen steht der Ausschluss Russlands vom internationalen SWIFT-Bankensystem.  Auch müsse nicht nur Nord Stream 2, sondern auch die schon seit über 10 Jahren bestehende Erdgasleitung Nord Stream 1 abgeschalten werden.

Polnischer Waffentransport in die Ukraine. Foto Blaszczak / Twitter

Polen selbst hat dagegen weitere Waffen in die Ukraine geliefert. Verteidigungsminister Mariusz Blaszczak veröffentlichte dazu auf seinem Twitter-Account ein Foto mit einem Lkw-Konvoi, der gestern in der Ukraine angekommen ist. Zu der gelieferten Militär-Ausrüstung gehören u.a. Panzer-Abwehrwaffen. Wegen der Situation in der Ukraine hat das polnische Verteidigungs-Ministerium auch die erhöhte Einsatz-Bereitschaft der Armee angewiesen. Urlaub, Ausgang usw. wurde gestrichen. Die Soldaten müssen in den Kasernen bleiben.

Heute wurde auch in Przemyśl an der Grenze zur Ukraine ein Rettungszug bereitgestellt, der für den Transport von 150 Verletzten aus der Ukraine umgerüstet wurde.

 

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