Beiträge

Traumschiff in Beton an der Ostseeküste

 

Groß, größer, gigantisch – Dieser Steigerungsform folgend ist auch das neue Hotel der Gołębiewski -Kette an der polnischen Ostseeküste wieder größer als der vorhergehende Neubau. Mit 1100 Zimmern, das mit Zustellbetten Platz für 3000 Gäste bietet, wird es auch das größte Hotel in Polen. Sein Bau wurde jetzt fertiggestellt. Gegenwärtig erfolgt der Innenausbau. Die Eröffnung ist nun zum 1.Juni kommenden Jahres geplant.
Ursprünglich sollte der Beton-Koloss in Gestalt eines Kreuzfahrtschiffes bereits zu Beginn der Urlaubssaison in diesem Jahr seine Pforten öffnen. Der Corona-Lockdown im vergangenem Jahr machte dem aber ein Strich durch die Rechnung. Die Bauarbeiten wurden zeitweise eingestellt. Doch das war es nicht allein. Mit den Corona-Beschränkungen im Hotel-Gewerbe stürzte auch die Belegungsquote in den Gołębiewski-Hotels drastisch ab. Das ging auch an die finanzielle Substanz von Tadeusz Gołębiewski, der als ,,Kapitän“ das Traumschiff in Beton steuert.
Der 78jährige Hoteleigner gehört zum Urgestein jener legendären Unternehmer-Generation, die in den 1970er bis 80er Jahren aus dem Nichts ein Imperium geschaffen haben. Dabei passt er im Auftreten und der Erscheinung überhaupt nicht in das Klischee-Bild eines Hotel-Managers. Wer ihn auf der Baustelle des gigantischen Hotelbaus im Woll-Pullover mit darüber gezogener Bau-Warnweste, verstaubten Arbeitsschuhen und abgewetzten Base-Cup gesehen hat, würde ihn eher für einen der vielen ukrainischen Bauarbeiter halten, die seine Baustelle bevölkern.

Vom Waffelbäcker zum Hotel-Magnaten

Gołębiewski ist der typische Selfmade-Mann, der als Waffel-Bäcker seinen Aufstieg begründete. Die dafür notwendigen Öfen soll er dem Vernehmen nach selbst gebaut haben. Aus den Familienbesitz entwickelte er die Firma Tago mit 400 Beschäftigten, deren feinstes Gebäck in hochwertiger Qualität und Waren-Originalität jedem internationalen Marken-Hersteller Stand halten konnte. In den 90er Jahren begab er sich dann auf ein neues Geschäftsfeld. In Mikołajki baute er sein erstes Hotel. Mit Aqua-Park, Wellness und Fitnessbereichen und einem all inclusive -Konzept war er dazumal weit seiner Zeit voraus. Nicht nur beim Komfort im Vergleich zu den damals üblichen Übernachtungsherbergen. Es fehlte auch noch die zahlungskräftige Kundschaft, die im ausreichenden Maße die Kosten des mondänen Baus in der masurischen Seenlandschaft deckt. Wie Gołębiewski selbst einräumt, haben ihm seinerzeit die Deutschen den A… gerettet. Nach Messe-Besuchen und Werbeaktionen bei bekannten deutschen Reiseveranstaltern rollten dann die Busse aus Deutschland an. Bis zu 50 Busse pro Tag.
Dies Zeiten haben sich inzwischen schon längst geändert. Mit der sich an Wohlstand entwickelnden Mittelschicht in Polen und dem dynamisch gewachsenen Durchschnittseinkommen (aktuell bei 5800 Złoty, rund 1300 Euro) bildet heute die polnische Kundschaft das Gros seiner Gäste. Dazu hat auch der Prestige-Wert des Besuchs eines Gołębiewski-Hotels beigetragen.
Nach Mikołajki hat Gołębiewski weitere 5-Sterne-Hotels gebaut und jedes war noch größer als sein Vorgänger-Bau. Allen Hotelbauten waren von Auseinandersetzungen mit den Genehmigungsbehörden und gerichtlichen Instanzen begleitet. Der über die Vorgaben der Baugenehmigung hinausgehende überdimensionierte Hotelbau in Karpacz unterhalb der Schneekoppe mit eigenen Hubschrauberlandeplatz hatte sogar die Politik auf den Plan gerufen. Statt 630 Zimmer, wie in den Genehmigungs-Unterlagen festgeschrieben, wurden 2 Etagen mehr mit 880 Zimmern gebaut. Der damaliger Kulturminister und die Denkmalschutz-Behörde forderten sogar einen teilweisen Abriss des das Landschaftsbild zerstörenden Hotel-Monstrums. Die zwei oberen Etagen sollten abgerissen werden. Gołębiewski ließ sich davon nicht besonders beeindrucken. Für eine weitere Nutzung ließ er eine Gesetzeslücke nutzend einen Teil verglasen.

Von zahlreichen Kontroversen und Kritiken war und ist auch der Bau seines Hotel-Giganten in Pobierowo begleitet. Der Standort befindet sich westlich des bekannten Ostseebades Rewal 150 Meter vom Meer entfernt. Umweltschützer kritisierten, dass dafür 1500 Bäume des Küstenwaldes im Landschaftsschutzgebiet abgeholzt wurden. Gemeindevertreter weisen dies als unbegründeten Vorwurf zurück. An dem Standort war früher eine Einheit der polnischen Luftverteidigungs-Streitkräfte stationiert, die um die Jahrtausend-Wende dort abgezogen wurde. Allerdings sprechen die unmittelbar im Walddickicht am Rande der Baustelle oberhalb der Strandböschung heute noch stehenden Schilder mit der Warnung

,,Schutz-Gebiet“ eine andere Sprache.

Gołębiewski hatte das Terrain für rund 50 Mio Złoty von der Gemeinde gekauft, die wegen ihrer hohen Verschuldung später unter staatliches Zwangskuratel gestellt wurde. Der Verkauf des Geländes erfolgte über den früheren Bürgermeister der Gemeinde. Der wurde später von Gołębiewski zum Geschäftsführer des in Bau befindlichen Hotels bestellt. Vom Bürgermeister einer kleinen Gemeinde zum Manager eines gigantischen Hotels mit 1100 Betten – eine Traum- Karriere! Allerdings behaftet mit dem Geruch von Korruption.
Neben Umweltschützern und Naturfreunden gehören auch Architekten zu den Kritikern des Hotelbaus. Bereits schon vor Jahren war das Gołębiewski-Hotel Karpacz in dem landesweiten Wettbewerb ,, Makabryła“ zu der zweifelhaften Ehre eines Preisträgers geworden. ,,Makabryła“ das ist so etwas wie der Golden Rasberry Award in der Filmbranche, ein Negativ-Preis für die schlechteste Leistung.

Betonierte Gigantomanie in der Küstenlandschaft

Es ist nicht nur die exponierte Gigantomanie des Hotelbaus, die aus dem Landschaftsbild herausragt. In Verbindung mit den Umweltschäden wird auch eine zunehmende Betonisierung der Küstenlandschaft befürchtet. Der kolossale Beton-Bau von Gołębiewski ist dabei keine Ausnahme. Erst Anfang des Jahres hatte 30 Kilometer weiter der Stettiner Bauunternehmer Siemaszko die Baugenehmigung für zwei 112 Meter hohen Betontürme mit 33 Etagen am Strand des Ostseebades Międzyzdroje (Misdroy) erhalten. Gleich daneben liegt ein Landschaftsschutzgebiet mit einen der imposantesten Küstenwälder Europas, die künftig von den Beton-Türmen um ein Vielfaches überragt werden. Öffentlich heucheln die Kommunalvertreter immer ihre Bedenken zur Umweltverträglichkeit, um im gleichen Atemzug die Vorteile für die Ansiedlung von einer solchen Touristen-Fabrik und die Schaffung von neuen Arbeitsplätzen hervorzuheben. Auch in Pobierowo weist man auf rund 2 Mio. Złoty zusätzlicher Einnahmen aus der Klimasteuer (ähnlich der Kurtaxe in Deutschland) des 3000 Gästen Platz bietenden Hotels im Küstenwald hin (Pobierowo und umliegende Orte haben weniger Einwohner). Hinzu kommt noch die Immobiliensteuer.
Ursprünglich waren 500 Mio. Złoty für den Hotelbau veranschlagt. Schon jetzt ist klar, dass die Summe bei den kontinuierlich steigenden Baupreisen nicht ausreicht. Und es gibt inzwischen auch von Insidern gehegte Zweifel, ob der zum 1.Juni angekündigte Eröffnungstermin überhaupt gehalten werden kann. Und auch, ob Gołębiewski bis dahin finanziell durchhält. Nach Aussagen von Gołębiewski soll er schon mit Kauf-Angeboten bedrängt worden sein – Die Geier kreisen also schon!

© Andreas Höfer / infopol.PRESS

Foto: PL-MVI-Agentur

Kein Oster-Urlaub in Polen – Hotels wieder geschlossen

 

Foto: PL-MVI-Agentur

Foto: PL-Agentur

♦ Ganz Polen in den Lockdown versetzt
♦ Bundesregierung stuft Polen als Hochinzidenzgebiet ein
♦ Minister: Hysterie um Astra Zeneca durch fehlerhafte Regierungs-Entscheidungen

Die in vier Wojewodschaften eingeführten lokalen Lockdowns haben die Corona-Entwicklung nicht stoppen können. Die Regierung in Warschau hat jetzt wieder ganz Polen mit Wirkung vom 20.März (Sonnabend) in den Lockdown versetzt. Entscheidungs-Grundlage war dabei die kritische Marke von 25 000 Neu-Infektionen pro Tag, die beim Lockdown im vergangenen November überschritten wurde.
Anfang März lagen die täglichen Infektions-Zahlen noch unter 10 000. Seitdem sind die Tages-Zahlen kontinuierlich im schnellen Tempo gestiegen. Mit der am Mittwoch (17.März) gemeldeten Tageszahl an Neuinfektionen wurde die Grenze von 25 000 überschritten. Damit war der Punkt gekommen, auf die Bremse zu treten.
Mit den stark gestiegen Infektions-Zahlen ist auch die Zahl der in den Krankenhäusern mit Covid-19-Patienten belegten Betten gestiegen. Nach Angaben des polnischen Gesundheitsministeriums sind aktuell 72 Prozent der für Covid-19-Patienten verfügbaren Bettenkapazität belegt. Das ist der höchste Stand seit Ausbruch der Corona-Pandemie vor einem Jahr. Auch die verfügbaren Beatmungs-Geräte in den Krankenhäusern sind zu 74 Prozent belegt.

Friseursalons und Kosmetikstudios weiter offen

Mit dem jetzt für das ganze Land angeordneten Lockdown werden die bereits im Januar und Februar eingeleiteten Lockerungen wieder zurückgenommen. Damit werden die Geschäfte, insbesondere die großen Einkaufszentren (Handels-Galerien) wieder geschlossen. Davon ausgenommen sind Lebensmittelgeschäfte, Drogerien, Apotheken, Optiker-Läden und Reparaturdienste sowie Banken. Allerdings bleiben Möbel-Märkte und Baumärkte weiterhin offen. Selbst für Elektronik-Märkte bietet sich eine Öffnungsluke unter Nutzung des in der amtlichen Verordnung zugelassenen ,,Verkaufs von Telekommunikations-Dienstleistungen“. Auch Friseur-Salons und Kosmetikstudios, die seit Monaten offen sind, können weiter ihre Kunden bedienen.

Hotels in 163 Ländern geöffnet  – in Polen geschlossen

Anders sieht es dagegen bei Hotels und Pensionen aus. Erst am 12. Februar wieder eröffnet, müssen sie jetzt wieder schließen. Polen gehört damit zu den sechs Ländern in Europa, in denen auf der Hotel-Branche die höchsten Restriktionen lasten. Dagegen sind in 163 Ländern der Welt die Hotels nicht geschlossen oder können unter Einhaltung bestimmter Sanitär-Vorschriften weiter arbeiten. Für die Hotel-Fachzeitschrift ,,Hotelarz“ ist dieser Widerspruch nicht erklärbar. Es reiche aus, dass der Mediziner-Rat der Regierung  erklärt, man müsse eine bestimmte Branche schließen und schon handele die Regierung im vollsten Vertrauen zu den Professoren. Präzise Analysen und Untersuchungen, die die Entscheidung begründen, werden dazu aber nicht vorgelegt, kritisieren die Kammerorganisationen für die Hotelbranche.

Für die Hotels und Pensionen an der Ostsee-Küste ist dies ein herber Schlag. Sie hatten gerade darauf gehofft, zu Ostern mit der Aufnahme von in- und ausländischen Urlauber, insbesondere aus Deutschland, ihren drastischen Umsatz-Rückgänge etwas entgegensetzen zu können. Der erst ursprünglich nur für zwei Wochen, dann aber auf dem 9.April festgesetzte Lockdown hat ihnen jedoch einen Strich durch die Rechnung gemacht und damit den Saison-Start verhagelt. Und es könnte noch schlimmer kommen. Gesundheits-Minister Adam Niedzielski hat bereits deutlich gemacht, dass bei einem weiteren Anstieg der Infektionszahlen ein ,,typischer Lockdown“ eingeführt wird. Dies lässt den Umkehrschluss zu, dass die jetzt eingeführten Beschränkungen als ,,weicher Lockdown“ zu bewerten sind. Als kritische Marke für eine Maßnahmen-Verschärfung ist die Zahl der täglichen Neu-Infektionen von 30 000 bereits schon im Gespräch
Die höchsten Infektionszahlen werden seit Tagen kontinuierlich aus den Großstadt-Regionen von Warschau, Schlesien und Niederschlesien sowie Poznań gemeldet. Poznań und die umgebende Region sind besonders auffällig bei der Ansteckung mit der britischen Mutante des Corona-Virus B.1.1.7.
80 Prozent der Fälle entfallen hier auf die britische Mutation. In Poznań war Anfang Januar von einem privaten Labor der erste Fall der britischen Variante bei einer Ausländerin aufgedeckt worden. Seitdem hat sich der Virus in der Region rasant verbreitet.

Polen als Hochinzidenzgebiet eingestuft

Bei den Einreise-Regeln bleibt Polen weiterhin entspannt – Die alten, bisher geltenden Regelungen bleiben weiter bestehen, also 10tägige Quarantänepflicht Privat-Reisende, die mit öffentlichen Verkehrsmitteln einreisen (z.B. Bus, Flugzeug etc). Davon ausgenommen sind Personen, welche ein negatives Corona-Test-Ergebnis, das nicht älter als 48 Stunden ist, vorlegen können. Dies gilt auch für Personen, die bereits gegen Corona geimpft wurden. Von der Quarantänepflicht sind auch die Personen befreit, die eine ärztliche Bescheinigung vorlegen, in der bestätigt wird, dass sie bereits eine Corona-Infektion hinter sich haben.
Auf deutscher Seite wurden die Einreise-Regelungen jetzt verschärft. Die Bundesregierung hat Polen als Hochinzidenzgebiet eingestuft. Ab Sonntag ist die Einreise aus Polen nur noch mit einem negativen Corona-Test erlaubt, teilte das Robert-Koch-Institut mit. Die Kontrollen sollen aber bislang nur stichpunktartig erfolgen. Allerdings bleibt abzuwarten, wie das im deutschen Puzzle von Bundes- und Landesverordnungen umgesetzt und konkret vor Ort angewendet wird. Schließlich ist Deutschland beim Waren-Import und Dienstleistungsverkehr mit Polen auf einem viel höheren Niveau verflechtet als mit Tschechien oder Österreich (laut Statistischen Bundesamt vom November nimmt Polen noch vor den USA den dritten Platz in der deutschen Import-Statistik hinter China und den Niederlanden ein). Mecklenburg-Vorpommern jedenfalls hat bereits schon vor einer Woche eine Verschärfung der Quarantäneverordnung beschlossen und Testzentren an der Grenze eingerichtet. Wer als Berufspendler über die Grenze muss, braucht alle zwei Tage einen negativen Schnelltest.

Chef der Staatskanzlei: Hysterie um Astra Zeneca durch fehlerhafte Entscheidungen einiger Regierungen

Mit knapp 5 Mio. Impfungen hat man in Polen bereits ein Fünftel der sogenannten Herden-Immunität erreicht. Die Herden-Immunität ist erreicht, wenn 60 bis 70 Prozent der Bevölkerung geimpft ist.

Anders als das im Bürokratismus erstickende Impfzentral-System in Deutschland werden die Impfungen in Polen dezentral in über 6000 Impfstellen verabreicht. Dabei wurde auch ohne Unterbrechung der Impfstoff von Astra Zeneca eingesetzt. Außer wie bei auch bei anderen Impfstoffen auftretenden leichten Nebenwirkungen im Promille-Bereich, habe es keine schweren Zwischen- oder Todesfälle gegeben.

,,Man muss gesunden Menschenverstand bewahren und sich auf die Fakten und Einschätzungen der Ärzte und Experten stützen“, sagte dazu der Chef der Staatskanzlei Michał Dworczyk mit Hinweis auf die Erklärung der europäischen Arzneimittelbehörde EMA zum Impfstoff von Astra Zeneca. Nach Auffassung des Ministers haben die fehlerhaften Entscheidungen einiger Regierungen (nicht ausgesprochen, aber gemeint ist auch die Bundesregierung) ,,Panik und Hysterie“ ausgelöst. ,,Für einige waren das vielleicht politische Entscheidungen, die mit Interessen und den enormen Geldern verbunden sind, hinter denen die Pharma-Industrie steht. Es sei genau zu analysieren, ob es nur ausschließlich Panik und Hysterie war oder ,,ob wir es mit einer Desinformations-Kampagne zur Diskreditierung eines der Produzenten zu tun hatten. Eine solche Analyse ist notwendig, weil es Länder gibt, die an die Herbeiführung eines solchen Chaos interessiert sein können“, sagte Dworczyk bei TVP Info.

© infopol.PRESS