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881 Mio. Euro-Deal – Allegro zeigt Amazon die Nase

Allegro, Polens Nr. 1 im Online-Handel, kauft für 881 Mio. Euro die Mall Group und den Logistikdienstleister WE|DO. Mit der Übernahme verschafft sich Allegro Zugang zu den Märkten in Tschechien, der Slowakei, Ungarn, Slowenien und Kroatien.

Knapp ein Jahr nach seinem erfolgreichen Börsen-Start hat sich Polens führendes Online-Auktionshaus Allegro jetzt mit der Übernahme der Mall-Group wieder etwas Luft gegenüber seinem Verfolger und Konkurrenten Amazon verschafft. ,,Gemeinsam mit der Mall Group können wir jetzt mit unserem Angebot zu anderen Teilen Europas vordringen“, sagte François Nuyts, Vorstandschef von Allegro nach Abschluss des Kaufvertrages. Für 135 000 Händler biete sich jetzt die Möglichkeit, ihre Produkte auf einer Plattform in Polen, Tschechien, der Slowakei, Ungarn, Slowenien und Kroatien und weiteren Ländern Mittelosteuropas anzubieten und zu verkaufen.
Die Mall Group mit Hauptsitz in Prag ist im Bereich digitaler E-Commerce-Services für internationale Märkte aufgestellt. Zu ihren Geschäftsfeldern gehören traditionelle Online-Shops mit integrierter Logistik, ein eigener Internet-TV-Sender und Consumer-Finance-Services für Online-Shopping. Das Unternehmen beschäftigt 4000 Mitarbeiter in zehn Ländern. 2020 betrug der Umsatz über 1 Mrd. Euro. Der Logistikdienstleister WE|DO ist auf Paket-Zustellungen in Tschechien und der Slowakei spezialisiert.
Der Preis der von der Investmentgruppe Rockaway Capital als Hauptaktionär und der PPF Group sowie der EC Investments erworbenen Vermögenswerte der Mall Group und der WE|DO wurde auf 881 Mio. Euro festgelegt. Wie die Mall Group mitteilt, könne sich der Preis beim Erreichen bestimmter kurzfristiger Ziele um weitere 50 Mio. Euro erhöhen.
Nach offizieller Bekanntmachung der Übernahme schnellte der Aktienkurs von Allegro an der Warschauer Börse um über 10 Prozent nach oben. Der Aktien-Kurs von Allegro kam zuletzt ins Trudeln, nachdem Amazon am 12. Oktober sein Prime-Programm in Polen mit halbjähriger Verspätung zugänglich machte. Der Online-Riese Amazon, der seit 2014 über 10 Vertriebszentren in Polen aufgebaut hatte, die vorrangig den deutschen Markt bedienten, war im Frühjahr dieses Jahres mit einer eigenständigen polnischen Handelsplattform gestartet.

Zuwächse trotz Amazon-Konkurrenz

Erwartungen und Prognosen, dass Amazon Polens beliebtester Handelsplattform Allegro den Boden unter den Füssen wegziehen wird, haben sich allerdings bislang noch nicht bestätigt. Allegro verzeichnete im zweiten Jahresquartal einen Anstieg des Gesamtwertes der verkauften Produkte (GMV) um knapp 11 Prozent auf 10,4 Mrd. Złoty (im gesamten Geschäftsjahr 2019/2020: 28,4 Mrd. Złoty). Der Netto-Gewinn stieg auf 296 Mio. Złoty gegenüber 185 Mio. Złoty im gleichen Quartal des Vorjahres.
Auch bei den Kunden hat Allegro zugelegt. Nach Angaben von Mediapanel Gemius kam Allegro im September auf 17,622 Mio. Nutzer. Im gleichen Zeitraum erzielte amazon.pl 2,758 Mio. Nutzer. Zwischen den beiden Rivalen im polnischen E-Commerce-Markt ist allerdings mit dem chinesischen aliexpress noch ein dritter Anbieter platziert. Die Zahl der polnischen Nutzer von aliexpress.com betrug im September 5,052 Mio. Im August waren es dort noch über 6 Mio.

Allegro startet eigenes Paketstations-Netz. Fotos: Allegro

Inwieweit das von Amazon im Oktober geschaltete Premium-Programm beim polnischen Internet-Kunden Wirkung zeigt, bleibt abzuwarten. Allegro selbst hat mit der Absenkung des Mindestbestellwertes für kostenlose Lieferungen im Rahmen seines Smart-Programmes darauf reagiert.
Unter der Bezeichnung ,,on Box by Allegro“ hat das Unternehmen jetzt auch in der ersten November-Woche die ersten eigenen Paket-Automatenstationen eröffnet. Mit der Auslieferung von Paketen an Paket-Stationen ist Polen ohnehin europaweit führend (über 14 000 Stationen landesweit). Allegro will darüber hinaus ein eigenes Stations-Vertriebsnetz aufbauen. Gegenwärtig stehen den Käufern von Allegro 600 grüne Abhol-Automaten vorrangig in den Großstädten zur Verfügung. Bis Ende kommenden Jahres soll deren Zahl landesweit auf 3000 erhöht werden.

© André Jański / infopol.PRESS