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Militärfahrzeug-Rallye für ,,Steel Buddys“ an polnischer Ostsee

Schrauber von ,,Fort Marian“ seit über 20 Jahren Organisator des Spektakels

In dem östlich von Koszalin gelegenen Küstenort Darłowo hat die 23. Internationale Militärfahrzeuge-Rallye begonnen. Sie ist die größte Show von militärhistorischen Fahrzeugen in Polen und in Mittelosteuropa.
Höhepunkte sind am Sonnabend (21.August) die Parade der historischen Militärfahrzeuge (Beginn 11 Uhr in Darłowo) und die Inszenierung von Kampfhandlungen bei der Landung der Alliierten 1944 in der Normandie. Das Spektakel mit der Nachstellung des D-Days beginnt am Sonnabend am Strand von Darłowo-West (Zachód) um 18 Uhr. ´
Der Zlot in Darłowo, wie die Militärfahrzeuge-Rallye im Polnischen bezeichnet wird, ist mit den erwarteten 3000 Teilnehmern aus ganz Europa nicht nur für passionierte Sammler und Händler von militärhistorischen Utensilien und Fahrzeugen seit über 20 Jahren ein festgebuchtes Ereignis. Für die Verwaltung des Ostsee-Bades Darłowo ist das jährlich mehrere Tage am Ostsee-Strand stattfindende Spektakel auch ein Höhepunkt in der Sommer-Saison an der polnischen Ostsee-Küste, das Tausende Urlauber anzieht.
Die Militärfahrzeuge-Rallye wird eingerahmt von zahlreichen Ausstellungen und Wettbewerben, in diesem Jahr u.a. um das beste Diorama einer militärischen Schlacht, einem Basar mit zahlreichen Ständen, auf denen mit militärhistorischen Utensilien gehandelt wird sowie anderen Attraktionen. ,,Wir organisieren für Touristen auch Fahrten mit Ketten-Fahrzeugen und Militär-Jeeps. So kann man mit großen Amphibien-Fahrzeugen oder amerikanischen Lastwagen wie z.B. dem REO-Truck fahren. Mit einem solchen Truck war Rambo auch im Hollywood-Klassiker unterwegs“, informiert Marian Laskowski, der seit über 20 Jahren das Groß-Ereignis organisiert.

Letzte Schweißarbeiten an einem Schwimmpanzer. Foto: PL-Agentur

Marian Laskowski ist auch deutschen Zuschauern der Doku-Soap ,,Steel Buddys“ beim Fernseh-Sender DMAX bestens bekannt. Als ,,Meisterschrauber Marian“ restauriert er für Michael Manousakis und seinem Gebrauchtwarenhandel Morlock Motors den legendären Geländewagen Ford Mutt. Morlock Motors bietet die aufgearbeiteten Fahrzeuge in Deutschland zum Verkaufspreis ab 27 000 Euro an. Auf dem Firmengelände von Marian in Malechowo einige Kilometer südlich von Darłowo warten noch zahlreiche Karossen des ,,Mutt“ auf ihre Aufarbeitung. Die beiden großen Werkshallen an der Schnellstraße S6 sind in großen Lettern mit ,,Fort Marian“ beschriftet und schon von weiten sichtbar.
Neben der Restaurierung und Instandsetzung von militärhistorischen Fahrzeugen steht Fort Marian auch Besuchern als privat geführtes Museum offen. Zu der Ausstellung mit über 500 Exponaten auf dem Freigelände und in der Halle gehören u.a. Panzer, amerikanische Truppentransporter und Jeeps, Flakgeschütze, Motorräder aus der Vorkriegszeit und Überreste des weltgrößten Stahlbunkers für Munitionstests und des ,,Kugelbunker“. Sie stammen von der Küsten-Batterie ,,Schwerin“ und dem unweit gelegenen Schießplatz, der vor Kriegsende Rügenwalde-Bad hieß und wo die Wehrmacht Geschütze für die schwere Artillerie, u.a. auch das weltgrößte Bahn-Geschütz ,,Dora“ und seinem Zwilling ,,Gustav“ erprobte.

Foto: PL-Agentur

Inmitten und unbeeindruckt von der Besucherschar führen die Mechaniker von Marian letzte Schweißarbeiten an einem Schwimmpanzer PT 76 sowjetischer Bauart durch, der bei der ,,Zlot“ am Sonnabend zum Einsatz kommen soll. Auf dem Freigelände neben der untypischen Fahrzeug-Reparaturwerkstatt werden gerade die Rotorblätter auf einen Helikopter Mi-2 montiert. Es wird aber noch mindestens anderthalb Monate dauern, bis der aus Bestände der polnischen Armee gekaufte Hubschrauber wieder flugfähig ist, erklärt einer der Helikopter-Mechaniker.
Gleich neben dem Montageplatz ist eines der neuesten Errungenschaften von Marian Laskowski abgestellt: Ein auf den ersten Blick nicht näher definierbares riesiges stählernes Ungetüm auf Rädern. Dabei handelt es sich um ein für schwieriges Gelände projektierten Tankwagen, der für die US-Armee für den Korea-Krieg Anfang der 50er Jahre entwickelt wurde. Er wurde nur als Prototyp gebaut und in Deutschland getestet. Das Fahrzeug ist das einzige seiner Art weltweit. Wahrscheinlich wurde nur dieses eine Exemplar gebaut. ,,Ist Fort Marian der Spielplatz für einen Waffen-Narr?“, fragen wir den Mann, der hier alles verantwortet und dem man die 67 Jahre überhaupt nicht ansieht.

Marian Laskowski Foto: PL-Agentur

In einer englischsprachigen Publikation wurde Marian, der sich mit täglichen Hantel-Training und Eisbaden, u.a. in Sibirien, fit hält, einmal als der ,,polnische Terminator“ bezeichnet. Doch mit dem über den durchtrainierten Oberkörper gestreiften Shirt mit der Aufschrift ,,Army“ erinnert er mit seinem Erscheinungsbild eher an den Prototyp des gnadenlosen Militär-Ausbilders á la dem Gunnery Sergeant Hartman in Stanley Kubricks Film-Klassiker „Full Metal Jacket“. Dabei ist Marian alles andere als ein sadistischer Menschen-Schinder, der Rekruten quält. Er ist außerordentlich hilfsbereit und herzlich und zieht mit seiner persönlichen Aura sofort alle Sympathien der Gesprächspartner auf sich.
Marian Laskowski war auch nie Ausbilder bei der polnischen Armee oder Angehöriger der international geschätzten polnischen Spezial-Einheit ,,Grom“. Seine Lebenserfahrungen wurden auf See geprägt. Mit Anfang 20 arbeitete er auf einen Fisch-Kutter. Dabei hätte ihn die Liebe zum Meer fast das Leben gekostet. Das war vor knapp 40 Jahren. ,,Trotz Sturm-Warnungen wollten wir die Netze einziehen“, erinnert er sich. Auf dem Rückweg brach dann der Sturm und die Wellen über die Fischer herein. ,,Der alte noch aus der deutschen Vorkriegszeit stammende Kutter war nur noch ein Ruine. Der Boden unter dem Steuerrad brach ein, die Steuerkette war gerissen“ Der Kutter begann zu sinken. Der Skipper und die Fischer wechselten in ein Rettungsfloß. Marian als der jüngste und kräftigste Mann wurde angewiesen, in das tosende Wasser zu springen und das Floß an das sich nähernde Ufer zu ziehen. Zum Glück hatte jemand an Land das Drama auf See bemerkt und die Rettungswacht alarmiert, die im letzten Moment die Männer vor dem Ertrinken retten konnte. Kurze Zeit später nach dem lebensgefährlichen Einsatz stand er bereits wieder auf einen Fischkutter.

Foto: PL-Agentur

Nach einigen Jahren wechselte Marian dann zur Handels-Marine, wo er als Mechaniker im Maschinen-Raum arbeitete. Auch bei der Handels-Marine hatte er eine lebensbedrohliche Situation im Suez-Kanal bestehen müssen. Nach einigen Jahren zurück auf Land machte er sich mit dem bei der Marine gut verdienten Geld als Unternehmer selbständig. Zunächst als Handelsvertreter mit Spezial-Reinigungsmitteln aus westlicher Produktion. Das Geschäft lief aber schlecht, da diese Reinigungsmittel zehnfach teurer waren als einheimische Produkte. Marian konzentrierte sich darauf auf das, was seine Leidenschaft war – auf Motoren und deren Klang. Schon auf hoher See hatte er sich in der dienstfreien Zeit Kassetten-Tonbänder mit verschiedenen anlassenden Motoren-Geräuschen angehört. Er begann altes Kriegsgerät zu sammeln. Besonders faszinierte ihn die Technik der Fahrzeuge aus dem 2. Weltkrieg. ,,Für extreme Bedingungen entwickelt, wurden sie solide und gleichzeitig einfach gebaut. Ohne jede Elektronik wie heute“. Aus seiner Technik-Leidenschaft ist er zu einem Maniac, einem von Militärfahrzeugen Besessenen geworden, einer Leidenschaft, die er mit vielen anderen Teilnehmern und Besuchern der Rallye für historische Militärfahrzeuge in Darłowo teilt.

© André Jański / infopol.PRESS

Fort Marian ist an den Wochentagen von Montag bis Freitag ab 9 Uhr für Besucher geöffnet. Das Besucher-Ticket kostet 20 Złoty pro Person. Auf Vorbestellung sind auch Fahrten mit amerikanischen Truppen-Transportern und Jeeps auf den 30 Hektar großen Gelände gegen Entgelt möglich. Auf den Firmengelände wurde auch ein ,,Battlefield“ eingerichtet. Auf Vorbestellung und gegen Bezahlung werden dort für Besucher auch Schieß-Übungen mit Pistolen und Karabiner angeboten.
Fort Marian liegt direkt an der Schnellstrasse S6 in Malechowo. Von Stettin/Goleniów kommend, benötigt man auf der gegenwärtig bis Koszalin als Autobahn ausgebauten S6 ca. 2 Stunden.