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Ostsee-Erdgasleitung Baltic Pipe in Polen angelandet

Die rund 275 Kilometer lange Gas-Pipeline Baltic Pipe ist jetzt aus der Ostsee auf das polnische Land geführt worden. Damit kann ab 1.Oktober kommenden Jahres norwegisches Erdgas nach Polen fließen, ist sich der Sonderbeauftragte der polnischen Regierung für strategische Energie-Sicherheit, Piotr Naimski, sicher. Gleichzeitig kündete er an, dass Polen den langfristigen Erdgas-Liefervertrag mit der russischen Gazprom auslaufen lässt und der Vertrag nicht verlängert wird. Russisches Erdgas werde durch Erdgas aus Norwegen ersetzt.

Der letzte Abschnitt der Unterwasser-Leitung ist aus dem Pipelinelege-Schiff Castoro Sei am Strand östlich von Niechorze an Land gezogen, meldet der polnische Gasnetz-Betreiber Gaz System. Dafür wurde ein 1,5 Kilometer langes und 119 mm starkes Stahlseil zu Hilfe genommen. Zuvor wurde bereits unter dem Strand ein rund 600 Meter langer Tunnel vorbereitet. Wie Gaz System betont, wurde bei den Tunnelarbeiten durch die Anwendung der Mikrotunneling-Technologie nicht optisch in die Ufer-Linie eingegriffen. Beim Mikrotunneling werden die Rohre im Rohrvortriebsverfahren grabenlos verlegt.
Nach Verschweißen der Rohrenden bleiben nach Angaben von Gaz System bis zur Fertigstellung der Gas-Pipeline Baltic Pipe jetzt nur noch ein Strecken-Segment auf der dänischen Insel Seeland, wo die Pipeline bei Faxe in die Ostsee nach Polen geführt wird. Der Sonder-Beauftrage der polnischen Regierung für strategische Energie-Sicherheit, Piotr Naimski, ist sich aber sicher, dass die Ostsee-Pipeline Baltic Pipe zum 1. Oktober kommenden Jahres betriebsbereit ist und dann norwegisches Erdgas nach Polen fließt. Auf dem katholischen Radio-Sender Siodma9 bekräftigte Naimski den langfristigen Vertrag zur Lieferung von russischen Erdgas mit Gazprom nicht zu verlängern und russisches Erdgas durch norwegisches Erdgas zu ersetzen.
Bei einem Gesamt-Absatz von 31,6 Mrd. m³ Erdgas des staatlichen polnischen Erdgasversorger PGNiG hatte Polen im vergangenen Jahr über 8 Mrd. m³ russisches Erdgas von Gazprom über die auf Land verlaufende Jamal-Pipeline bezogen.
Mit dem direkten Bezug von norwegischen Erdgas über die neue Ostsee-Pipeline Baltic Pipe nach Polen ist die strategische Zielstellung verbunden, sich von russischen Erdgas-Lieferungen unabhängig zu machen.

Jährlich 10 Mrd. m³ norwegisches Erdgas über Baltic Pipe nach Polen

Foto: Energinet

Die Baltic Pipe ist auf eine Liefermenge von jährlich 10 Mrd. m³ norwegisches Erdgas nach Polen ausgelegt. Bei der Baltic Pipe handelt es sich um eine Anschluss-Leitung an die schon seit Jahren bestehende Erdgas-Leitung Europipe II, über die norwegisches Erdgas nach Deutschland/Westeuropa gebracht wird. Die Baltic Pipe schließt westlich der dänischen Küste an die Europipe II an und führt quer über Dänemark bis zur größten dänischen Insel Seeland, wo sie nahe der östlichen Stadt Faxe in die Ostsee überführt wird. Ihr weiterer Weg durch die Ostsee führt südlich der Insel Bornholm vorbei bis zur polnischen Ostsee-Küste, wo sie jetzt beim Seebad Niechorze an Land geführt wurde.
Bei einer Gesamtlänge von 900 Kilometern entfallen rund 275 Kilometer auf den Meeresverlauf zwischen Dänemark und Polen. Investoren und Bauträger sind der polnische Gasnetzbetreiber Gaz-System und der dänische Gas- und Stromnetzbetreiber Energinet.
Die Pipeline durch die Ostsee wurde von dem italienischen Unternehmen Saipem mit seinen drei Pipe-Verlegeschiffen Castorone, Castoro Sei und Castoro10 verlegt. Das italienische Unternehmen war bereits Generalauftragnehmer des LNG-Gashafens in Swinemünde (Świnoujście), der 2015 mit Verspätung fertiggestellt wurde. Daher hatte die Auswahl von Saipem durch den polnischen Netzbetreiber Gaz System bereits bei der Entscheidungsfindung einige Unruhe ausgelöst. Dabei blieb es nicht. Da der Bau der Baltic Pipe von der polnische Regierung als strategische Investition für die Energiesicherheit Polens eingestuft war, hatten weitere Auswahl-Entscheidungen des Netzbetreibers Gaz System für politische Emotionen bezüglich der geringen Beteiligung polnischer Unternehmen an dem Projekt ausgelöst. So wurde mit dem Bau der Anschlussleitung an die Baltic Pipe zwischen Goleniów und Lwówek das niedersächsische Unternehmen PPS Pipeline Systems GmbH (Habbau-Gruppe) im Joint venture mit dem litauischen Unternehmen UAB MT Group beauftragt.

Auftragsvergabe mit politischen Kontroversen

Die größte politische Kontroverse löst jedoch das bayrische Unternehmen Max Streicher mit den durch seine italienische Niederlassung Max Streicher S.P.A abgegebenen Geboten für den Bau und Ausbau von drei Kompressoren-Stationen aus. Max Streicher verfügte zwar über jahrzehntelange internationale Erfahrungen in Großprojekten für den Pipeline- und Stationsbau. Das Unternehmen war aber auch an dem den Bau einer 220 Kilometer langen Trasse der Erdgasleitung EUGAL im Osten Deutschlands beteiligt, über die russisches Erdgas von Nord Stream 2 weitergeleitet wird. Noch Ende des vergangenen Jahres wurde in einer parlamentarischen Anfrage im Interesse der nationalen Sicherheit eine Verifizierung der Auftragsvergabe gefordert. Man solle nicht einem Unternehmen Verdienst-Möglichkeiten an Baltic Pipe geben, ,,das Nutznießer einer solch schädlichen Investition wie Nord Stream 2 ist“, hieß es auch von der Opposition.
Da dem polnischen Netzbetreiber Gaz System aber die Zeit weglief, war die Möglichkeiten einer Korrektur nur beschränkt. Am 31. Dezember kommenden Jahres läuft der Vertrag mit der russischen Gazprom aus. Bis dahin muss norwegisches Erdgas über die Baltic Pipe fließen.

© André Jański / infopol.PRESS

 

,,Goldene Schweiß-Naht“ für neue Pipeline Polen-Slowakei

Die Gasnetz-Betreiber Gaz System und Eustream haben die symbolische ,,Goldene Schweiß-Naht“ für eine neue Gas-Pipeline gesetzt, die das polnische Erdgasversorgungs-System mit dem Gasnetz der Slowakei verbindet.
Mit der Anfang kommenden Jahres geplanten Inbetriebnahme können jährlich bis zu 4,7 Mrd. m³ Erdgas aus Polen in die Slowakei durchgeleitet werden. Auch umgekehrt ist ein Durchfluss in etwa der gleichen Menge möglich. Die Verbundleitung ermögliche die Realisierung eines kühnen Projektes, erklärte Minister Piotr Naimski, Sonder-Beauftrage der polnischen Regierung für strategische Energie-Sicherheit. Damit könne von der polnischen Ostsee-Küste über die Berge der Karpaten und weiter bis nach Südeuropa Erdgas aus Norwegen über die im Bau befindliche Ostsee-Pipeline Baltic Pipe oder das an den LNG-Gashafen in Swinemünde (Świnoujście) angelieferte verflüssigte Erdgas aus den USA, dem Emirat Katar und anderen Ländern strömen.
Seit Jahren ist es ein erklärtes Ziel der polnischen Regierung, mit Hilfe des Erdgases aus Norwegen und dem verflüssigten Erdgas (LNG), das ab 2023 russisches Erdgas ersetzen soll, Polen zu einem Haupt-Lieferanten im Regional-Markt und als Drehscheibe für Erdgas-Lieferungen in die Ukraine, die Slowakei sowie das Baltikum zu entwickeln. In der Überzeugung von Tomasz Stępień, des Vorstandschefs von Gaz System, trägt die neue Pipeline auch ,,zur Erhöhung der regionalen Sicherheit von Erdgas-Lieferungen bei“.
Die Verbundleitung (Interkonnektor) mit einem Nenndurchmesser von 1 Meter (DN 1000) hat eine Gesamtlänge von 164 Kilometern. Auf polnischer Seite beginnt sie bei Sanok und endet nach einem Verlauf von 103 Kilometern auf slowakischer Seite an der Verdichter-Station Veľké Kapušany. Die Bauarbeiten begannen auf slowakischer Seite schon 2018. Ein Jahr später wurden die Arbeiten in Polen aufgenommen. Nach Darstellung beider Seiten ist die Pipeline zu über 90 Prozent fertiggestellt. Die Kosten belaufen sich auf ca. 270 Mio. Euro. Rund 108 Mio. werden davon aus EU-Mitteln finanziert.
Der polnische Gas-Netzbetreiber Gaz System plant in seinem Zehnjahres-Investitionsprogramms bis 2025 den Bau von 2000 Kilometer neuen Gasleitungen in Polen, darunter auch Pipelines im Rahmen des europäischen ,,Nord-Süd-Korridors“ In der Projektierung befindet sich auch eine Pipeline nach Litauen sowie Gas-Leitungen, die das in der Danziger Bucht geplante stationäre Schwimm-Terminal (FSRU) für LNG-Gas mit dem nationalen Gas-Netz verbinden. Das Unternehmen realisiert auch das z.Z. größte polnischen Infrastruktur-Projekt im Energie-Sektor – den Bau der Baltic Pipe. Die Pipeline führt als Abzweig einer bereits bestehenden Pipeline, durch die Erdgas aus Norwegen nach Westeuropa geleitet wird, über das dänische Festland durch die Ostsee bis zum polnischen Festland.

Gaz System ist auch Eigentümer des LNG-Gashafens in Swinemünde, dessen Verarbeitungs-Kapazität von verflüssigten Erdgas (LNG) gegenwärtig ausgebaut wird. Neben langfristig vereinbarten LNG-Gaslieferungen aus dem Emirat Katar sollen ab dem Jahre 2023 die LNG-Gaslieferungen aus den USA nach Swinemünde auf insgesamt 29 Mio. t LNG bis zum Jahre 2042 aufgestockt werden. Dies entspricht nach der Regasifizierung des LNG in Swinemünde 39 Mrd. m³ Erdgas.

© infopol.PRESS

Griechische Rohre für polnische Ostsee-Pipeline Baltic Pipe

Die Rohre für die Ostsee-Pipeline Baltic Pipe, über die Polen ab 2022 Erdgas aus Norwegen beziehen wird, werden aus Griechenland geliefert.

Wie das griechische Unternehmen Corinth Pipeworks (CPW) jetzt bekanntgab, hat es vom dänischen Netzbetreiber Energinet den Zuschlag für die Lieferung der Stahlrohre für den 114 Kilometer langen Abschnitt der Erdgas-Pipeline durch die Ostsee erhalten, der Dänemark mit dem polnischen Festland verbindet. Nach Angaben des griechischen Unternehmens sind für die Herstellung der beschichteten Rohre 42 000 t Stahl notwendig. Die Rohre werden im griechischen Thisvi produziert, wo Corinth Pipeworks einen eigenen Hafen im Golf von Korinth hat, über die die Rohre verschifft werden.

Das auf die Herstellung von geschweißten Rohren für die Öl- und Gasindustrie spezialisierte griechische Unternehmen hatte bereits 2015 eine Ausschreibung für die Trans-Adria-Pipeline gewonnen, über die Erdgas aus dem kaspischen Raum über die Türkei, Griechenland, und Albanien durch die Adria nach Italien gepumpt wird.

Die ersten Rohre aus Griechenland für die Ostsee-Pipeline Baltic Pipe werden Ende dieses Jahres geliefert. Die Lieferungen sollen Ende 2021 abgeschlossen werden.

Bei der Baltic Pipe handelt es sich um die Verlängerung der Versorgungsleitung, über die Dänemark norwegisches Erdgas bezieht. Von der dänischen Insel Zeeland kommend und in der Ostsee die deutsch-russische Pipeline kreuzend, wird sie mit einer Gesamtlänge von 275 Kilometer bei Niechorze an der polnischen Ostseeküste auf Land geführt. Die Baltic Pipe wird auf einen Durchlauf von jährlich 10 Mrd. m3 Erdgas ausgelegt. Ab Oktober 2022 will Polen damit und mit LNG-Lieferungen aus den USA und Katar seine einseitige Abhängigkeit von russischen Erdgas ablösen.
Für die Infrastruktur der Baltic Pipe hatte der polnische Netzbetreiber Gaz-System bereits im August einen ersten Vertrag mit dem US-Unternehmen Solar Turbines für die Lieferung und den Service der Aggregate für drei Kompressoren-Stationen im Wert von 550 Mio. Zloty unterzeichnet.

Foto: Corinth Pipeworks

Text: © infopol.press