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Industrieproduktion durch Corona eingebrochen

Die polnische Industrieproduktion zeichnete sich bislang immer durch überdurchschnittlich Wachstums-Zahlen in der EU aus. Mit einem Einbruch um rund 25 Prozent hat es nun im April ein Donnerbeben gegeben. Auch auf dem Arbeitsmarkt hat die Corona-Krise für einen ersten tiefen Einschnitt gesorgt.

„Unsere Wirtschafts-Programme werden als eine der besten in der Welt eingeschätzt“, lobte noch Ministerpräsident Mateusz Morawiecki vergangene Woche auf einer Video-Konferenz die Corona-Schutzschild-Programme seiner Regierung. Zu diesem Zeitpunkt konnte der PiS-Regierungschef noch auf einen moderaten Rückgang der Industrieproduktion im März zurückblicken. Während im ersten Monat der Corona-Krise in nahe allen EU-Ländern die Industrieproduktion einbrach, betrug der Rückgang in Polen nur 2,3 Prozent. Nicht nur bei der Regierung, auch bei den Volkswirten nährte dies die Hoffnung, dass die polnische Volkswirtschaft die Corona-Krisenbedingten Schrumpfungsprozesse noch glimpflich überstehen wird.

Mit den neuesten, jetzt von der polnischen Statistik-Behörde GUS vorgelegten Daten, sind diese Hoffnungen durch die Realität eingeholt wurden. Danach ist die Industrieproduktion im April um 25,5 Prozent gegenüber dem Vormonat und um 24,6 Prozent im Jahresvergleich zurückgegangen. Den Zahlen nach ist die Industrieproduktion durch die Corona-Pandemie auf den Stand vor sieben Jahren zurückgeworfen worden. Den größten Einbruch verzeichnete mit 79,8 Prozent die Automobil-Branche, zu der u.a. die Werke von Volkswagen, PSA (Opel), Toyota und MAN gehören, die z.T. erst in der letzten April-Woche wieder die Arbeit aufnahmen. Die einzige Industrie-Branche, die ein zweistelliges Wachstum erzielte, war – wem verwundert es – die Herstellung von Pharma-Erzeugnissen.

Drohende Arbeitslosen-Lawine

Die Corona-Krise hat auch auf dem Arbeitsmarkt ihre ersten Spuren hinterlassen. Allerdings weichen hier die offiziellen Angaben deutlich von der Realität ab. Laut dem Arbeitsministerium ist die Arbeitslosen-Rate Ende April lediglich um 0,3 Prozent gegenüber dem Vormonat gestiegen, zahlenmäßig um rund 55 000 Personen. Dagegen sind aber bei der Sozialversicherungs-Anstalt ZUS im April bereits mehr als 163 000 Personen ausregistriert worden, d.h. die Unternehmer haben die Abführung von Renten-Beiträgen eingestellt.

Die Arbeitsminister Marlena Maląg hat gerade angekündigt, dass die Zahl der Arbeitslosen laut Schätzungen ihres Ministeriums bis zum Jahresende auf 1,3 bis 1,4 Mio. Personen steigen wird (gegenwärtig 965 000 offiziell registrierte Arbeitslose). Unabhängige Arbeitsmarkt-Experten und die Wirtschaftsorganisation halten diese Schätzung für völlig untertrieben. Sie rechnen damit, dass bereits vor Beginn der Sommerferien die Zahl der Arbeitslosen um eine halbe Million hoch schnellen wird. So verweist Andrzej Kubisiak, Arbeitsmarkt-Experten des Polnischen Wirtschafts-Instituts PIE darauf, dass gegenwärtig noch viele Arbeitnehmer durch die gesetzlichen Bestimmungen vor einer Entlassung geschützt sind, da ihre Arbeitgeber aus den staatlichen Corona-Schutzfonds Hilfs-Gelder in Anspruch genommen haben, deren Erteilung zeitlich befristet an die Erhaltung der Zahl der Arbeitsplätze gebunden ist. Hinzu kommen Hunderttausende, die während der Zeit der Schließung der Kitas und Schulen Betreuungsgelder in Anspruch genommen haben. Auch die waren bisher vor einer Entlassung geschützt.

Erst Ende Juni und im Juli, wenn die dreimonatigen Entlassungsfristen für bereits ausgesprochene Kündigung enden, werden die Auswirkungen der Corona-Krise auf den Arbeitsmarkt in aller Deutlichkeit sichtbar werden.

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