Cyberpunk 2077 – Start mit Rekord, Problemen und Börsensturz

Innerhalb eines Jahres dreimal verschoben ist Cyberpunk 2077 Donnerstagnacht weltweit gestartet. Das von dem polnischen Studio CD Projekt entwickelte Action-Rollenspiel wurde schon vorweg in der internationalen Spiele-Branche als das Ereignis des Jahres 2020 gewertet. Mit einem für ein polnisches Unternehmen einmaligen Budget von über 1 Mrd. Złoty (rund 220 Mio. Euro) weltweit in 55 Ländern beworben, wurde die Premiere von ,,Cyberpunk 2077″ zum globales Ereignis auf dem Niveau eines Hollywood-Blockbusters gemacht.

Wie hoch die Erwartungen waren, zeigte sich bei Steam, der weltweit größten Internet-Vertriebsplattform für Computerspiele für den PC. Am Donnerstag morgen um 4 Uhr spielten gleichzeitig 1,003 Mio. Spieler ,,Cyberpunk 2077“ – Bei Singleplayer-Spielen bedeutet dies ein Rekord aller Zeiten. Auch bei Twitch, dem Live-Streaming-Portal von Amazon, erzielte das Spiel von CD Projekt mit 1,1 Mio. Nutzern in der Nacht zum Donnerstag ein Allzeit-Rekordergebnis.

Kritik: Technische Unzulänglichkeiten

Doch der enorme Zuspruch war zunehmend von Kritiken über technische Unzulänglichkeiten an dem Spiel begleitet. ,,Cyperpunk 2077″ ist ein komplexes action-adventure-Spiel, das in der riesigen utopischen Stadt Night City spielt, einer Open-World mit sechs verschiedenen Regionen. Der Spieler schlüpft dabei in die Rolle eines anpassungsfähigen Söldners, der auf der Suche nach dem Schlüssel zur Unsterblichkeit ist. In dessen Begleitung spielt Hollywood-Star Keanu Reeves eine der Hauptrollen. Um die Haupt-Story durchzuspielen, braucht man mindestens 20 Stunden. Die in den ersten Stunden nach der Weltpremiere abgegebenen Kritiken der Spieler bemängelten vor allem die Performance des Spiel und Bugs. Das sind kleine Fehler, wie sie bei neuen Programmen nicht unüblich sind. Bei der Internet-Plattform Steam sammelte ,,CP 2077“ bis in die Morgenstunden des Premiere-Tags 11500 Bewertungen, von denen 71 positiv waren. Dies lag schon erheblich unter der Bewertung von 91/100 Punkten, die vor der Premiere in den Rezessionen in der Fachportalen abgegeben wurden.
Diese Bewertung verhagelte den Börsen-Anlegern die Stimmung bei Eröffnung der Warschauer Börse. Zu deren Aufhellung trug auch die nicht vom Spiel-Produzenten CD Projekt zur Premiere einberufene Präsentations-Konferenz mit der Mitteilung ihres Geschäftsführers Adam Kiciński bei, dass bereits 8 Mio. Vorbestellungen für ,,Cyperpunk 2077“ eingegangen sind. Der Kurs von CD Projekt fiel zeitweise knapp unter 10 Prozent. Als die Börse am Abend schloss, lag die Notierung von CD-Projekt nur noch bei 362 Złoty. Drei Tage zuvor notierte die Aktie von CD Projekt noch bei 460 Złoty.
Die Premiere von ,,Cyberpunk 2077“, die allein in diesem Jahr dreimal verschoben wurde, hatte in den vergangenen Monaten einen Run auf die Aktie von ihrem polnischen Spiele-Hersteller ausgelöst. Vor allem Kleinanleger, von dem die meisten überhaupt keinen inhaltlichen Bezug zur Branche der Computerspiele haben, machten mit ihren Geldanlagen die Aktie zu einer in die Höhe getriebenen ,,Volksaktie“.

CD Projekt – Polnische Version der Geschichte vom ,,Tellerwäscher zum Millionär“

Rational ist der Hype um CD System nicht erklärbar. Der Warschauer Spiele-Produzent ist die polnische Version der Geschichte ,,vom Tellerwäscher zum Millionär“. Die von den Gebrüdern Kiciński und Marcin Iwiński 1994 gegründete CD Projekt verkaufte zunächst lediglich nur ausländische Computerspiele. 2002 eröffnete sie dann ein eigenes Produktionsstudio. Als sie basierend auf einer Phantasy-Saga des polnischen Schriftstellers Andrzej Sapkowski das Computer-Spiel ,, ,,Wiedźmin“ (Der Hexer) entwickelten und die Nachfolgespiele unter dem Titel ,,Witcher2“ und ,,Witcher3“ stellten, wurde CD Projekt international bekannt. Zum Aufstieg in die erste Liga der Spiele-Hersteller trug dann eine von Netflix produzierte Serie zum ,,Witcher“ bei. Die Gründer von CD Projekt sind mit ihrem Aktienbesitz heute Milliardäre. Diese Entwicklung hat viele Klein-Aktionäre mit der Erwartung auf große Gewinne in die Aktie getrieben. Wer 2015 umgerechnet rund 1000 Euro in die Aktie angelegt hat, hätte noch vor einigen Tagen 16 000 Euro einstreichen können.
Der Spiele-Hersteller CD Projekt ist in der Börsenwelt im internationalen Kontext ein einzigartiges Phänomen. Mit einer Markt-Kapitalisierung von zeitweise 44 Mrd. Złoty lässt er die großen polnischen Industriehersteller, die Banken, die Energiekonzerne oder den polnischen Kupferkonzern KGHM, der zu den zehn größten Kupferproduzenten der Welt gehört, weit hinter sich. Und das nur mit zwei Produkten! An keiner anderen Börse in der Welt nimmt ein Spiele-Hersteller den führenden Börsen-Platz ein und ist mit über 12 Prozent im Leitindex (WIG 20) als Schwergewicht abgebildet.
Nahezu einzigartig ist auch die große Zahl der Entwickler-Studios, die an der Warschauer Börse sind: 12 Firmen sind im Hauptindex WIG notiert, 37 im Börsen-Segment NewConnect. Und zahlreiche weitere Firmen klopfen an die Tür. Sobald ein neuer Spiele-Entwickler das Börsen-Parkett betritt, ist die Gewinn-Phantasie der Anleger beflügelt. Die Bewertung fundamentaler Daten wie Umsatz, Kosten, Gewinn treten da bei der Investition in die Aktien von Game-Entwicklern in den Hintergrund.
Auch die aktuelle Bewertung von CD Projekt geht im großen Maße aus dem großen Hype um die Firma und den hoch angesetzten Verkaufs-Prognosen der Analysten zum Spiel ,,Cyberpunk 2077“ hervor. Basierend auf die Verkaufs-Ergebnisse von Witcher 3 im Zeitraum von 2015 bis 2019 (30 Mio. Exemplare) rechnen die Analysten im Konsens mit 30 Mio. verkauften Exemplaren von ,,CP 2077“ in den nächsten 12 Monaten. Dazu kommen die Einnahmen aus den zahlreichen Werbe- und Marketing-Verträgen, u.a. mit Adidas. Dem stehen Entwicklungskosten von knapp 500 Mio. Złoty und Werbe- und Marketing-Ausgaben von über 1 Mrd. Złoty gegenüber. Wenn ,,Cyberpunk 2077“ nicht den gewünschten Erfolg bringt, fallen die Kurse von CD Projekt.

© André Jański / infopol.PRESS

Polnische Medien der Niederbayern unter PiS-Kontrolle

,,Strategische Gründe“ hat Alexander Dieckmann, geschäftsführende Gesellschafter der Verlagsgruppe in Passau für den Verkauf seiner Tochter Polska Press an den polnischen Mineralölkonzern PKN Orlen vorgeschoben. Für den stellvertretenden Staats-Minister ist der Verkauf der Niederbayern an PKN Orlen ,,reines kaufmännisches Geschäft“. Für polnische Medien-Experten ist es dagegen einer der schwärzesten Tage in der polnischen Medien-Geschichte: Der Staat übernimmt einen bedeutenden Teil der privaten Medien. Nachdem das öffentliche Fernsehen TVP bereits zum PiS- Propagandasender verkommen ist, wird befürchtet, dass PKN Orlen mit der Kontrolle über die von der Passauer Verlagsgruppe verkauften Medien zu einem weiteren Sprachrohr der PiS-Propaganda wird.

Der Aufbau ihrer polnischen Verlagsgruppe begannen die Niederbayern in vertrauter Umgebung – im Vorgebirgsland mit der Übernahme des ,,Dziennik Polski“ in Kraków. Danach wurde schrittweise eine Regionalzeitung nach der anderen in Polen übernommen. Insgesamt 20 von 24, also nahezu die gesamte polnische Regionalpresse. Die Passauer gruppierten um die Regionalzeitungen das aus der Hoch-Zeit deutscher Printmedien bekannte Arsenal an Publikationen: Anzeigen-Zeitungen, lokale und regionale Wochenzeitungen, Sparten-Blätter auf lokaler und regionaler Ebene. Insgesamt 170 Titel umfasst das Sortiment der Polska Press. Ergänzt werden diese mit zahlreichen Online-Portalen. Laut Mediapanel nimmt Polska Press mit seinen Internet-Servicediensten den 9. Platz im polnischen Internet ein. ,,Dank der Transaktion bekommen wir Zugang zu 17,4 Millionen Nutzern dieser Portale“ jubiliert denn auch der Vorstandschef von PKN Orlen.

Über den Verkaufspreis machen sowohl die Niederbayern wie PKN keine Angaben. Nach Informationen des Wirtschaftsblattes Puls Biznesu soll es aber rund 100 Mio. Złoty sein , was umgerechnet weniger als 25 Mio. Euro sind. Sollte dieser Verkaufspreis stimmen, fällt er relativ niedrig aus. Zum Vergleich: die Hamburger Bauer Media-Group hat in diesem Jahr für den Verkauf ihres Internet-Portals Interia (täglich 7,5 Mio. User) einen Verkaufspreis von 422 Mio. Złoty ausgehandelt. Anders als die Niederbayern hatten die Norddeutschen ihr Portal nicht an einem staatlich kontrollierten Konzern, sondern an die private polnische Unternehmensgruppe Polkomtel verkauft, die auch Eigentümer des privaten Fernsehsenders Polsat ist.

Bei den polnischen Regionalzeitungen zeigten sich schnell die gleichen Problemen, die auch die deutsche Printpresse kennt. Die Generationen unter 40 Jahre informieren sich kaum noch über die Print-Zeitungen. Dies hat sich auch in den Ergebnissen niedergeschlagen. Polska Press verzeichnete im vergangenen Jahr nach Angaben des Wirtschafts-Auskunftei Bisnode einen Rückgang der Verkaufseinnahmen um 6,5 Prozent auf 398 Mio. Zloty. Dabei verringerte sich der Verkauf der Zeitungen um knapp 9 Prozent, der Anzeigen-Verkauf um 4,9 Prozent. Die durchschnittliche Tages-Auflage betrug laut der Presse-Vertriebskontrolle ZKPD im ersten Halbjahr 150 000 – bei 20 Regionalzeitungen!

,,Deutsche Propaganda“ mit der Regionalpresse?

Die jetzt mit dem Mineralölkonzern vollzogene Transaktion zeichnete sich bereits zu Jahresanfang an. Im Februar wurde mit dem Anzeigen-Portal gratka.pl das ,,Paradepferd“ an die Ringier Axel Springer AG verkauft. Mit der Veröffentlichung von durchschnittlich 760 000 Anzeigen im Monat (Stand 2019) ist gratka.pl eines der größten und populärsten Anzeigen-Portale im polnischen Internet..
Zu der Zeit arbeitete die PiS-Partei bereits an einem Gesetz zur Entflechtung und zur sogenannten ,,Repolonisierung“ des Medienmarktes. Das polnische Verlagsimperium der Passauer mit der Regionalpresse als ,,Instrument, mit denen die Deutschen Propaganda betreiben“ bot dazu eine gute Vorlage. Tatsächlich geht es der PiS-Partei seit ihrer Machtübernahme 2015 um die Kontrolle über private unabhängig Medien, die sich als Hüter der Demokratie begreifen und kritisch das politische System hinterfragen. Der PiS waren hier ganz andere Medien ein Dorn im Auge wie z.B die überregionale Tageszeitung ,,Gazeta Wyborcza“ , das Nachrichtenportal ,,onet“ oder der private Fernsehsender TVN, der den von der PiS-Partei vereinnahmten öffentlichen Fernsehen TVP eine kritische Berichterstattung entgegensetzte. Die ideologischen Angriffe auf TVN und die Versuche der Einflußnahme scheiterten jedoch an der US-amerikanischen Botschaft in Warschau und ihrer Chefin Georgiette Mosbacher, eine Vertraute vom scheidenden US-Präsident Donald Trump. Der Fernsehsender TVN gehört zum amerikanischen Discovery-Konzern. Und amerikanische Interessen wahrzunehmen heißt in dem Fall sich für die Meinungsfreiheit in Polen einzusetzen. Die von der US-Botschafterin ausgesprochenen Drohungen beerdigten die Träume der Pis-Führung.

Da auch die Einflussnahme auf die Medien mit gesetzlich restriktiven Regelungen wenig Chance auf Erfolg versprachen, kam die PiS auf eine neue Idee. PiS-Parteichef Jarosław Kaczyński gab im Frühjahr vor, Änderungen im Medienmarkt auf ,,eine zivilisierte Weise“ vorzunehmen. Konkret heißt das, Unternehmen, die vom Staat und damit von der PiS-Partei kontrolliert werden, sollen private Medien kaufen.

 

Der Mineralölkonzern PKN Orlen, der jetzt mit der Passauer Verlagsgruppe den Kaufvertrag abschloss, ist nicht nur eines der weit über 500 Unternehmen, die vom Staat kontrolliert werden. Mit einem Umsatz von 111 Mrd. Złoty und einem Nettogewinn von 4,49 Mrd. Złoty (Stand 2019) ist er auch der finanzkräftigste Konzern in Polen. Sein Kerngeschäft ruht auf die Erdölverarbeitung in seinen Raffinerien in Polen und Litauen und dem Mineralölvertrieb in seinen 2836 Tankstellen, davon 1800 in Polen und weiteren mehr als 1000 Tankstellen in den Nachbarländern, wobei das Vertriebsnetz in Deutschland mit 585 Tankstellen (Star/PKN Orlen) das größte im Ausland ist.

Foto: PL-Agentur

PKN-Chef Vertrauter von Kaczyński

Geführt wird der Konzern von Daniel Obajtek. Vor mehr 5 Jahren war er noch Vorsteher einer kleinen Gemeinde in Südpolen. Mit der Art und Weise seines erfolgreich geführten Wahlkampfes für die PiS-Partei wärmte er das Herz ihres Vorsitzenden Jarosław Kaczyński. Nach der Übernahme der Regierungs-Gewalt hievte die PiS-Führung Obajtek sofort auf den Chef-Posten der staatlichen Landwirtschafts-Agentur. Den Posten übte er zwar nur für kurze Zeit aus. Konsequent erfüllte er dabei jedoch die ihm von Kaczyński zugedachte Aufgabe als ,,politischer Kommissar“ gründlich eine personelle Reinigung der Agentur vorzunehmen. 1600 Mitarbeiter der von der Vorgänger-Regierung eingesetzten Mitarbeiter mussten gehen. Unmittelbar danach wurde Obajtek mit der Führungs-Position beim nordpolnischen Stromversorger Energa betraut. Auch hier war er nur kurze Zeit tätig. Diese reichte jedoch aus, um sich Branchenkreisen der Erneuerbaren Energien den Ruf als einer der ,,Totengräber der Windenergie” in Polen zu erarbeiten.

Daniel Obajtek – Vom Ortsvorsteher zum Konzern-Chef

Ungeachtet dessen, dass Obajtek nur einen Studienabschluss für Arbeitshygiene und Arbeitsschutz an einer polnischen Provinzschule hat, wurde er 2018 von der PiS-Führung mit dem Vorstandsposten bei Polens größten Konzern PKN Orlen betraut. PKN Orlen soll zu einem Multi-Energiekonzern auf internationalen Spitzen-Niveau entwickelt werden, so das von Obajtek verkündete Rezept. Wirtschaftsexten rieben sich jedoch verwundert die Augen, als PKN Orlen vor einigen Monaten den hochverschuldeten Kiosk-Betreiber Ruch mit seinem Pressevertrieb kaufte. Die Übernahme von Ruch schreibt sich in „unsere strategischen Pläne zur Entwicklung eines Einzelhandels-Netzes ein”, entgegnete Obajtek auf die Frage, was die Übernahme eines Presse-Vertrieb den Mineralölkonzern bringen soll. In Verbindung mit dem jetzt vereinbarten Kauf von Polska Press nimmt das dahinter stehende politische Konzept immer stärkere Konturen an.
Dass es um den Einfluss der Regierung auf die Medien geht, weist Obajtek zurück. Der Kauf von Polska Press sei rein wirtschaftlicher Natur.
Die politische Opposition in Polen sieht das anders. Sie sieht Parallelen zum russischen Staatskonzern Gazprom, der auch zahlreiche Medien unter seine Kontrolle gebracht hat. Der Verfassungsrechtler und Beauftragten für Bürgerrechte Adam Bodnar wertet die Kauf-Entscheidung als historischen Moment. Das PiS-Regierungslager sei in die Fußspuren von Victor Orban in Ungarn getreten. ,,Nach der vollen Kontrolle über die staatlichen Medien kommt jetzt die Aufsicht über die regionale Presse“, sagte er dem onet-Nachrichtenprotal. Der polnische Journalistenverband hat sich unterdessen mit einem Appell an die bei Polska Press arbeitenden Journalisten gewandt. Darin heißt es u.a.: ,,Ihr werdet jetzt eine weitere Stimme der Nowogrodzka (Sitz der PiS-Parteizentrale –d.R.) Diejenigen von Euch, die sich dem nicht unterordnen, müssen gehen. Eure Chefs werden schon bewährte Propagandisten aus den `öffentlichen Lokal-Medien“, die Euch die Ziele und Gegner vorgeben“.

© Andreas Höfer / infopol.PRESS

In der letzten Streichholz-Fabrik gehen die Lichter aus

In der Streichholz-Fabrik in Czechowice (Oberschlesien) gehen die Lichter aus. Der Betrieb gehört zur PCC Consumer Products, eines der 81 Unternehmen der PCC-Gruppe von Waldemar Preussner aus Duisburg. Probleme im Zusammenhang mit der Corona-Krise wären naheliegend. Der ursächliche Grund für die Entscheidung der PCC-Eigentümer, den Betrieb zu schließen, war jedoch die immer mehr zurückgehende Nachfrage nach Streichhölzern. Streichhölzer werden im Alltag immer weniger benutzt.

Die schon seit über 100 Jahren bestehende Streichholz-Fabrik in Czechowice war einer der größten industriellen Hersteller von Zündhölzern in Europa. Als die PCC Consumer Products vor knapp zehn Jahren 85 Prozent der Anteile an der Fabrik vom polnischen Staat abkaufte, hatte der Zündholz-Hersteller schon sein Zenit überschritten. In seinen besten Zeiten produzierte das Unternehmen 650 Mio. Streichholz-Schachteln und 30 Mio. Werbe-Schachteln und -artikel mit Streichhölzern.

Polen war einst eine Hochburg bei der Herstellung von Streichhölzern. Neben dem Betrieb in Czechowice gab es weitere Streichholzfabriken in Danzig (Gdańsk), Bystrzyca, Częstochowa und Sianów. Polmatch Sianów war der älteste Branchenbetrieb in Polen. Seine Ursprünge gingen auf die 1845 gegründete preußische Holzdraht- und Schachtelfabrik in Zanow bei Köslin zurück (Streichholzschachtel August Kolbe & Comp.).

Foto: Streichholz-Museum Częstochowa

All diese Betriebe sind heute schon längst geschlossen. Mit der Schließung der letzten Fabrik in Czechowice erglimmt jetzt für die gesamte Industrie-Branche in Polen das Feuer. Für kleine polnische Manufaktur-Betriebe, die sich bisher großspurig in deutscher und englischer Sprache als ,,größte Streichholz-Hersteller in Polen“ im Internet lobhudelten, ergibt sich damit die Chance, dass ihre Eigenwerbung der Wahrheit nahekommt.

Was bleibt, ist  ein Streichholz-Museum im Wallfahrtsort Częstochowa mit noch funktionstüchtigen Maschinen zur Streichholz- und Streichholzschachtelproduktion.

© André Jański / infopol.PRESS

 

ArcelorMittal schließt Hochofen und Stahlwerk in Kraków

Polens größter Stahlproduzent ArcelorMittal Poland (AMP) hat heute (8.Oktober) die Schließung seines Hochofens und des Stahlwerks in Kraków bekanntgegeben. AMP-Chef Sanjay Samaddar begründete die endgültige Schließung mit den anhaltenden Nachfrage-Rückgang in  der europäischen Stahlindustrie in Verbindung mit der Corona-Krise, nicht ausreichenden Schutz-Mechanismen der EU gegen Billig-Importe aus Drittländern, den steigenden Kosten bei den Co2-Emissionsrechten und den hohen Energiepreisen in Polen.

ArcelorMittal hatte bereits schon im vergangenen Jahr seinen Hochofen in Kraków zeitweise heruntergefahren. Er war der bislang noch einzig arbeitende Hochofen des einstigen Eisenhüttenkombinats Stalowa Wola in Kraków, das der weltgrößte Stahlkonzern 2004 übernommen hatte. Auf ihn entfielen rund 1,5 Mio. t der Roheisen-Produktion. Erst 2016 wurde der Hochofen einer General-Reparatur für umgerechnet rund 45 Mio. Euro unterzogen.

Keine Beihilfen für indirekte Co2-Emissionen in Polen

Generell tritt ArcelorMittal im Konzernverbund wegen der schwachen Nachfrage in ganz Europa schon seit geraumer Zeit auf die Bremse. In Polen kommen jedoch noch die schwierigeren wirtschaftlichen Rahmenbedingungen hinzu. Der AMP-Vorstand erinnerte daran, dass man seit Jahren die Einführung von öffentlichen Beihilfen für indirekte Co2-Emissionen eingefordert habe .
Während in anderen EU-Staaten an energieintensive Unternehmen der Stahlindustrie, der chemischen Industrie, der Papierindustrie u.a. staatlichen Beihilfen für indirekte Co2-Kosten gezahlt werden, begnügt sich die Regierung in Warschau in dieser Frage nur mit Erklärungen und Versprechungen. Ein immer größer werdendes Problem sind auch die Stromkosten in Polen. Sie sind heute schon fast um die Hälfte höher als z.B. in Deutschland und werden im kommenden Jahr noch weiter steigen.
Von der Schließung sind mehr als 1000 Mitarbeiter betroffen, davon 650 direkt in dem geschlossenen Roheisen-Komplex. Die anderen Bereiche des Krakauer Hütten-Betriebs wie die Kokerei, die beiden Walzwerke sowie die Verzinkungs- und die Beschichtungsanlage sind von der Schließung nicht betroffen.
Nach Angaben des Konzern-Vorstands wird die Roheisen-Herstellung von AMP in Polen im oberschlesischen Dąbrowa Górnicza konzentriert, wo die dort arbeitenden zwei Hochöfen ArcelorMittal eine kostengünstige Produktion erlauben.

Auf ArcelorMittal entfallen gegenwärtig rund 70 Prozent des Produktionspotenzials der gesamten polnischen Eisen- und Stahlindustrie. Neben den Betrieben in Kraków und Dąbrowa Górnicza gehören zu ArcelorMittal Poland drei weitere Stahl- und Hüttenbetriebe in Sosnowiec, Świętochłowice und Chorzów. Zu AMP gehört auch die Kokerei in Zdzieszowice (bei Opole), die Europas größter Koks-Produzent ist.
ArcelorMittal beschäftigt in Polen insgesamt rund 11 000 Mitarbeiter.

© infopol.PRESS

Schweinepest in Polen latente Bedrohung für Deutschland

Gewässer wie der Grenz-Fluss Neiße sind für Wildschweine kein Hindernis. Und auch die 120 Kilometer vom Land Brandenburg aufgestellten mobilen Elektro-Zaun als wirksames Schweine-Hindernis sind bei den Experten mit einigen Zweifeln belegt. Es war also nur eine Frage der Zeit bis der erste Fall der Afrikanischen Schweinepest (ASP) im deutsch-polnischen Grenzraum auftritt. Dabei standen die Zeichen schon seit Wochen auf Sturm. Anders als das Nachbarland Tschechien bekommt Polen die Afrikanische Schweinepest nicht in den Griff. Bis zum 1.August waren bereits über 3000 ASP-Fälle bei Wildschweine in diesem Jahr in Polen aktenkundig. In den Haustier-Beständen ist die Zahl der Infektionsherde von Ende Juni von sechs jetzt aktuell 83 gestiegen. Beim polnischen Arbeitgeberverband der Schweine-Produzenten wird der erste ASP-Fall in Deutschland mit großer Aufmerksamkeit verfolgt. Bei möglichen Exportbeschränkungen für deutsches Schweinefleisch befürchtet dessen Verbands-Chef Aleksander Dargiewicz einen Preisdruck auf polnische Schweinefleisch-Preise.

Sembten, wo das erste tote Wildschwein mit nachgewiesener Afrikanischer Schweinepest gefunden wurde, liegt nur einen Steinwurf vom Grenz-Fluß Neisse entfernt. Auf gleicher Höhe, nur einige Kilometer östlich liegt eines der polnischen Krisenherde für die Afrikanische Schweinepest. Am gleichen Tag der Meldung über den ersten ASP-Fall in Deutschland, lief die Meldung der obersten polnischen Veterinär-Behörde über den 83. Fall des Ausbruchs eines Seuchenherdes im Hausschweine-Bestand s in diesem Jahr ein. Insgesamt sind nach der gestrigen Mitteilung der polnischen Veterinär-Inspektion bereits über 53 000 Haustier-Schweine in diesem Jahr gekeult worden. Bereits jetzt schon hat Polen mehr Fälle als im gesamten Vorjahr 2019. Waren es Ende Juni lediglich sechs Fälle, ist deren Zahl im Juli auf 17 und im August auf 52 angestiegen. Was den sprunghaften Anstieg in den beiden Sommer-Monaten verursachte, ist nicht eindeutig geklärt. Polnische Landwirtschafts-Experten sehen jedoch einen Zusammenhang mit den intensiven Ernte-Arbeiten auf den Feldern. Deckungsgleich mit der Übertragung der Schweine-Pest auf die Schweine-Haustierbestände haben sich auch die Zahlen der ASP-Fälle bei den Wildschweinen entwickelt. Im August waren es bereits über 3000.

Seit dem Jahre 2014, als in Polen die ersten Fälle von Afrikanischer Schweinepest aufgetreten sind , hat sich die Zahl des ASP-Fälle seitdem von Jahr zu Jahr drastisch erhöht. Waren die Ausbrüche in den ersten Jahren auf die ostpolnischen Gebiete entlang der Grenze zu den östlichen Nachbarstaaten konzentriert, ist die Afrikanische Schweinepest seit Herbst vergangenen Jahres über die Weichsel (Wisła) als natürliche Grenze gewandert und bis in die westpolnischen Gebiete entlang der Grenze zur Deutschland vorgedrungen. Die Wanderung in den Westen des Landes wird Pilzsammlern zugeschrieben, die von der Pilzschwemme im vergangenem Herbst angezogen zu Tausenden die Wälder durchzogen und einige von ihnen als Träger des Virus agierten. Auch die großangelegten Abschuss-Jagden 2019 in Ostpolen könnten dazu beigetragen haben, dass die Wildschweine  auf der Flucht weiter nach Westen abgetrieben wurden.

Für die polnische Landwirtschaft war die zum Jahresende in die westpolnischen Gebiete vorgedrungene Schweinepest eine Hiobs-Botschaft, denn 35 Prozent der gesamten polnischen Schweinefleisch-Produktion ist in Wielkopolskie (Region um Poznań) konzentriert. Die regionalen Krisenstäbe leiteten sofort umfassende Vorsorge- und Schutzmaßnahmen ein. Deren Wirkung war aber nur von kurzer Dauer, wie die aktuelle Entwicklung zeigt.

Anders als Tschechien, wo das im Sommer 2017 aufgetretene ASP-Geschehen mit der Durchsetzung von intensiven Maßnahmen eingedämmt werden konnte und das Land seit vergangenem Jahr wieder als ASP-Seuchenfrei gilt, bekommen die polnischen Behörden das nunmehr seit sechs Jahren anhaltende Seuchen-Geschehen nicht in den Griff. Bereits 2018 stellte Polens oberste Kontrollbehörde NIK (Najwyższa Izba Kontroli) in ihrem Prüfbericht wesentliche Mängel bei der Umsetzung der Vorsorge- und Schutzkonzepte gegen die ASP-Seuche fest. Kritisiert wurde darin auch die inkonsequente Aufsicht der obersten Veterinär-Behörde bei der Umsetzung der Programme für die Schaffung von Bio-Sicherheit in der Schweinehaltung und die kritiklose Übernahme von Berichten der Kreis-Veterinäre zu Maßnahmen, die nicht der Realität entsprachen. Als ein wesentliches Problem vermerkte die NIK auch die zersplitterte Betriebs-Struktur bei der Schweinehaltung. 74 Prozent der Betriebe erfüllten nicht die vom Gesetzgeber vorgeschriebenen Auflagen zur Bio-Sicherheit , wozu Desinfektions-Matten vor den Stall-Eingängen, Wechsel-Kleidung und Zäune vor den Ställen gehören, stellte die NIK seinerzeit fest.

ASP-Fälle vor allem in Hinterhof-Beständen

Wie eminent das Problem ist, zeigt die aktuelle Statistik der obersten Veterinäre-Behörde. Von den bisher 83 gemeldeten Fällen waren über 80 Prozent in den sogenannten Hinterhof-Beständen ausgebrochen, also Ställen mit weniger als 100 Schweinen. Damit bleibt die Afrikanische Schweinepest in Polen eine latente Bedrohung für die Schweineproduktion in Deutschland und anderen west- und nordeuropäischen Ländern.

Preis-Druckauf polnischen Markt  durch ASP-Fall in Deutschland befürchtet

Beim polnischen Arbeitgeberverband der Schweineproduzenten wird der erste ASP-Fall in Deutschland mit großer Aufmerksamkeit verfolgt. Nach Ansicht seines Verbands-Chefs Aleksander Dargiewicz hat er auch erhebliche Auswirkungen auf den polnischen Markt. Dargiewicz erinnert in diesem Zusammenhang auf den ASP-Ausbruch vor zwei Jahren in Belgien. Schlagartig hatten viele Dritt-Länder den Import von Schweinefleisch aus Belgien gestoppt. In dessen Folge fielen die Schweinepreise von 1,40 Euro auf 1,15 Euro je kg Schlachtgewicht. Ähnliches, wenngleich in viel größerer Dimension, könnte jetzt auch in Fall von Deutschland auftreten.

Laut Statistischen Bundesamt haben deutsche Schweine-Produzenten im Zeitraum von Januar bis April dieses Jahres 158 000 t Schweinefleisch im Wert von 424 Mio. Euro nach China verkauft. Das war doppelt so viel wie im gleichen Zeitraum des Vorjahres bei dreifach höheren Wert .

Südkorea hat bereits die Einfuhr von Schweinefleisch aus Deutschland gestoppt. Wenn andere Länder außerhalb der EU und insbesondere China folgen, ,,wird Polen mit billigen Schweinefleisch und Schweinefleisch-Erzeugnisse vom westlichen Nachbar überschwemmt“, fürchtet Verbands-Chef Dargiewicz. ,,Gleichzeitig könnte dann Polen, dass die meisten Schweinefleisch-Produkte nach Deutschland ausführt, den Verlust des deutschen Marktes deutlich zu spüren bekommen“. Seine Hoffnung liegt deshalb darauf, dass es den Deutschen gelingt, mit den Chinesen das in der EU geltende Regional-Prinzip auszuhandeln, wonach nicht die Ausfuhr von Schweinefleisch aus dem gesamten Land, sondern nur aus der Region gestoppt wird, in der ASP-Fälle aufgetreten sind.

© André Jański / infopol.PRESS

Foto: Daimler/Montage-PL-Agentur

Geschützt: Daimler beginnt nach den Ferien Batterie-Produktion in Jawor

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Geschützt: Frankreich will keine polnischen Opel-,,Nomaden“

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Foto: Grupa Azoty

Geschützt: Milliarden-Investition in Polypropylen-Werk an der Oder

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Foto: PL-MVI-Agentur

Erstes 5G-Netz für 1 Mio. Nutzer in polnischen Großstädten

Der Netzbetreiber Polkomtel, Inhaber des Plus-Mobilfunk, hat als erster in Polen das 5G-Netz in Betrieb genommen. Seit dem 11.Mai können knapp 1 Mio. Menschen die Mobilfunk-Technologie der neuesten Generation nutzen, teilte das Unternehmen mit. Polkomtel gehört zum polnischen Milliardär Zygmund Solorz , der u.a. auch Eigentümer des privaten Fernseh-Senders Polsat ist.
Laut Polkomtel wurde das 5-G-Netz in dem Sende-Gebiet von sieben Großstädten installiert: Stettin (Szczecin), Danzig (Gdańsk), Breslau (Wrocław), Poznań, Katowice, Łódz sowie Warschau. Die dafür aufgebauten 100 Sende-Anlagen lieferten die Netzausrüster Ericsson und Nokia. In einer zweiten Etappe sollen weitere 600 Anlagen aufgebaut werden, die das gesamte Sende-Gebiet von Warschau und Umgebung abdecken. Damit wird bis zum Ende dieses Jahres das G-5 Netz für insgesamt 3 Mio. Menschen in Polen verfügbar.
Bei dem von Polkomtel jetzt bereitgestellten 5-G-Netz handelt es sich um ein sogenanntes Refarming. Dabei handelt es sich um den 5-G-Netzausbau auf der Grundlage schon  bestehender Frequenzen im 2,6 GHz-Bereich, die bisher für LTE oder UMTS genutzt worden. Auch die anderen etablierten Netzbetreiber in Polen T-Mobile, Play und Orange haben einen Aufbau des 5-G-Netzes zunächst im 2,6 GHz-Bereich angekündigt. Hintergrund dafür ist die Aussetzung der Auktion zur Ersteigerung der Frequenzen im 3,6 GHz-Bereich für das 5G-Netz. Bereits im Januar sollte die Auktion über die Bühne gehen. Der Prozeß verzögerte sich und nach Ausbruch der Corona-Krise wurde das Verfahren von der Regulierungsbehörde UKE mit Verweis auf die Corona-Krise ausgesetzt.

Im Gesetzentwurf für ein neues Antikrisen-Schutzschild (3.0) sind jetzt auch Vorschriften enthalten, die eine vollständige Annullierung der 5-G-Auktion durch die Regierung ermöglichen. Eine verbindliche Entscheidung ist darüber noch nicht gefallen. Experten des polnischen Telekommunikations-Marktes kritisieren die zögerliche Haltung der Regierung, die damit eine Schlüssel-Entscheidung vor sich herschiebt: den Beispiel anderer EU-Länder zu folgen und einen Wettbewerb der Netzwerk-Ausrüster wie Nokia, Ericsson oder Huawei zuzulassen oder den amerikanisch-koreanischen Weg auszuwählen, der einzelne Anbieter (Huawei) ausschließt. Die etablierten Netzbetreiber in Polen können und wollen nicht darauf warten und haben unabhängig davon begonnen, den 5-G-Netzaufbau auf bestehenden Frequenzen voranzutreiben. So hat das Unternehmen P4, Betreiber des größten polnischen Mobilfunknetzes Play, bereits im Januar die Inbetriebnahme des 5G-Standards im lokalen Maßstab für die Ostseestadt Gdynia vermeldet.
Mit der Umwidmung der bestehenden Frequenzen geht der Aufbau des 5-G-Netzes schneller voran. Allerdings ist die Daten-Rate bzw. Geschwindigkeit der Datenübertragung geringer als in den neuen, noch nicht vergebenen Frequenzen im 3,6 GHz-Bereich. Dies räumt auch der Vorstand von Polkomtel ein. Das Unternehmen bietet den 5G-Standard in den sieben Großstädten im TDD-Modus (Zeitduplex) auf der Bandbreite 50 MHz an. Dies erlaubt eine Geschwindigkeit der Datenübertragung von bis zu 600 Mb/s. Für die Nutzer bedeutet dies eine neue Qualität des Internets.

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Foto: PL-MVI-Agentur

Corona – Polen startet Massenproduktion von Schutzmasken

,,Polen ist der letzte Staat in der EU, auf dessen Territorium sich noch professionelle Näherei-Betriebe befinden“, meint Wirtschaftsministerin Jadwiga Emiliewicz. Die Regierung will dies jetzt ausnutzen. In einem von ihr aufgelegten Projekt sind über 200 Nähereibetriebe zusammengefasst, die monatlich 40 Mio. Schutzmasken produzieren werden.

Jahrzehntelang hatte die zentralpolnische Stadt den Ruf als ,,Manchester des Ostens“. Nahezu jeder europäische Marken-Hersteller ließ hier seine Hemden, Blusen und andere Bekleidungsstücke nähen. Diese Entwicklung brach mit der Globalisierung der Wirtschaft um die Jahrtausend-Wende ab. Vor allem aus Kostengründen wurde die Produktion nach China, Indien und anderen asiatischen Ländern ausgelagert. Viele der Hunderte von Näherei-Betrieben in und um Łódź gaben danach auf oder hielten sich nur noch mühsam über Wasser. Erst in den vergangenen Jahren erfolgte eine Rückbesinnung auf die eigenen Nähereien, insbesondere bei polnischen Bekleidungs-Herstellern. Mit den heimischen Nähereien und ihre Erfahrungen konnte man schneller auf Kollektions-Wechsel in kleineren Mengen und in höherer Qualität auf die Markt-Bedürfnisse reagieren. Die Fortexistenz dieser professionellen Näh-Betriebe zahlt sich jetzt bei den allgemeinen Mangel an Schutz-Masken aus, die bisher fast ausschließlich nur noch in China produziert wurden. Da auch in Polen seit Mitte April eine Masken-Pflicht gegen die Ausbreitung des Corona-Virus gilt, hat die Regierung in Warschau jetzt das Projekt ,,Polskie Szwalnie“ (,,,Polnische Nähereien) aufgelegt. An dem Projekt sind über 200 Näherei-Betriebe beteiligt, die monatlich 40 Mio. Schutzmasken produzieren werden.

Die Produktion ist bereits gestartet.. Realisiert wird das Projekt von der staatlichen Agentur für Industrieentwicklung ARP. Für die Organisation sind 7 Unternehmen der Bekleidungs-Branche verantwortlich. Dazu gehören u.a. der Sportbekleidungs-Hersteller OTCF, Eigentümer der Marke 4F, der Danziger Bekleidungs-Konzern LPP, der Herren-Bekleidungshersteller Pako Lorente aus Zielona Góra, der Sweatshirt-Produzent Rascal Industry sowie der Damenoberbekleidungs-Hersteller Modesta aus Łódź . Die Unternehmen sind verantwortlich für die Logistik, Lagerung und die Material-Anlieferung an ihre lokalen Nähereien sowie Warenabholung. Bei den Masken handelt es sich nicht um Do-it-yourself-Produkte oder andere Stoff-Provisorien, wie sie gegenwärtig in anderen Ländern gefertigt werden, um den Mangel an Atemschutzmasken zu beheben. Gefertigt werden u.a. teilchenfiltrierende Atemschutzmasken vom Typ N95 (FFP2) und 3Ply.
Die Nähereien fertigen die Masken aus zertifizierten Spunbond-Vliesstoffen aus Polyproyplen, die die staatliche ARP-Agentur bei der polnischen Firma Texton aus Zgierz (bei Łódź ) einkauft. Die ARP selbst wird in den nächsten Tagen In Stalowa Wola eine Fabrik mit acht Produktionslinien für die Masken-Herstellung eröffnen. Monatlich sollen dort 29 Mio. Masken hergestellt werden. Darüber hinaus hat das Staatsunternehmen die Produktion von Masken an weitere Firmen der Textilbranche in Auftrag gegeben. In der Summe sollen bis Ende Juni 100 Mio. Masken In Polen gefertigt werden. Zu den weiteren Firmen, die Masken produzieren, gehören Nife Sp. z o.o. (7 Mio. Masken), TW Plast (50 Mio. Bis Ende Juni) Andrema Tex, die Protektor S.A. in Lublin, Rascal Industry , TZMO, Teofilów und Arlen S.A.
Mit dem Projekt ,,Polnische Nähereien” werden Tausende von Arbeitsplätzen gesichert, betonte Wirtschafts-Ministerin Emilewicz. Die polnische Produktion biete die beste Masken-Qualität und das Engagement des Staates bei dem Projekt die Garantie für niedrige Preise der Masken. Da inzwischen aber auch die chinesischen Fabriken wieder ihre Produktion aufgenommen haben, ist es aber nur noch eine Frage der Zeit, bis sich die stark überhöhten Preise infolge des bisherigen Mangels wieder an ihr ursprüngliches Niveau anpassen passen werden.

© infopol.PRESS / André Jański