Produktions-Start für Glas, das Strom erzeugt

Foto: ML System

Das polnische Unternehmen ML System hat eine Produktionslinie für Quantenbeschichtetes Glas in Betrieb genommen, das aus Sonnenlicht elektrischen Strom erzeugt. Wie das Unternehmen betont, ist es weltweit die erste Produktionslinie dieser Art.

Bei dem als Q-Glas bezeichneten Produkt handelt es sich um ein scheinbar gewöhnliches Glas, das neben seiner grundlegenden Funktion, Wärme und Lärm zu isolieren, auch elektrische Energie erzeugt. Dies wird möglich gemacht durch seine Quanten-Beschichtung. Bei den Quantenpunkten handelt es sich um für das menschliche Auge nicht sichtbaren kleinen Halbleitern in der Größe von wenigen Nanometern. Das Q-Glas wirkt dadurch wie ein Filter, der Lichtstrahlen in der sichtbaren Länge durchlässt und uv- und Infrarotstrahlen in Elektrizität umwandelt.
ML-System hat bereits solche Glasscheiben in der Hausfassade eines Touristenzentrums in Norwegen und im eigenen Firmengebäude installiert. Darüber hinaus hat das Unternehmen nach eigenen Angaben auch schon Partnerschaftsverträge mit Pilkington und Guardian Glass unterzeichnet
Mit der Aufnahme der Produktion von voll transparenten Glas mit Quantenbeschichtung bringt sich ML-System in idealer Weise in die Bedürfnisse und Anforderungen des Marktes ein, sagte Vorstandschef Dawid Cycon bei der Inbetriebnahme mit Verweis auf die EU-Direktive für Niedrigstenergie-Gebäude (NZEB), die einen sehr geringen Energiebedarf für Gebäude bei gleichzeitiger Nutzung Erneuerbarer Energien vorgibt. Besonders bei Investoren aus skandinavischen Ländern bestehe ein großes Interesse an innovativen BIPV-Lösungen für Fassadengläser (BIPV – building integrated photovoltaiks).
Die Jahreskapazität der von ML-System in Betrieb genommenen Produktionslinie ist zunächst auf 60 000 m² Glas ausgelegt. Das Unternehmen plant im Rahmen seines Investitionsprogrammes ,,Neue Quanten-Ära“ bis 2023 seine jährliche Produktionskapazität im Rahmen von drei Produktionslinien auf rund 200 000 m² zu erhöhen. Nach Angaben des ML-Vorstandes ist auch die Einführung von aktiven Scheiben mit Quantenbeschichtung für die Automobil-Industrie möglich.

ML-System ist ein seit 2018 an der Warschauer Börse notiertes Privatunternehmen mit Sitz in Zacziernie (bei Rzeszów).

© André Jański / infopol.PRESS

Letzter Opel aus Polen – Pkw-Produktion in Gliwice eingestellt

Foto: PSA

Nach knapp einem Vierteljahrhundert ist heute der letzte Opel Astra in Gliwice vom Band gerollt. Damit wird die Pkw-Produktion in der polnischen Opel-Fabrik eingestellt. Ab kommenden Frühjahr wird an dem jetzt zum Stellantis-Automobilkonzern gehörenden Produktionsstandort die serienmäßige Produktion von Kleintransportern aufgenommen.
Es war ein roter Astra der fünften Generation, der als letztes Fahrzeug vom Band rollte, bevor die Produktionslinie endgültig abgeschalten wurde. Damit endet ein Kapitel der Autoproduktion an dem oberschlesischen Standort.
Angefangen hatte es im August 1998. In Polen wurden seinerzeit die ersten Sonderwirtschaftszonen gegründet, die internationale Investoren mit Steuervorteilen zur Ansiedlung lockten. Der GM-Konzern griff zu und baute in Gliwice, das zur Sonderwirtschaftszone Katowice gehörte, das seinerzeit modernste Opel-Werk im Konzernverbund. Die Opel-Fabrik in Gliwice war damals eine der größten und wichtigsten Investitionen in Schlesien, die zahlreiche internationale Investoren nach sich zog.
Seitdem wurden in dem Werk 2,775 Mio. Pkw verschiedener Fahrzeug-Modelle hergestellt. Das Flaggschiff war dabei der Opel-Astra, der dort in fünf fortlaufenden Generationen produziert wurde. Insgesamt wurden in dem Opel-Werk rund 1,814 Mio. Opel Astra hergestellt. Weit über 90 Prozent der Fahrzeuge blieben nicht in Polen, sondern wurden in alle Welt exportiert.
Der Höhepunkt der Produktion in Gliwice war das Jahr 2016, als über 200 000 Pkw im Opel-Werk Gliwice hergestellt wurden. Seitdem ging es kontinuierlich bergab, von 90 000 im vergangenen Jahr auf rund 25 000 in diesem Jahr. Mit dem letzten roten Astra sind es nach Werksangaben genau 25 213. Bereits im vergangenen Jahr hatte der französische Autokonzern PSA, zu dem Opel gehört, bereits vor der Fusion mit FCA (Fiat-Chrysler) zum Automobilkonzern Stellantis entschieden, dass der Opel Astra der sechsten Generation nur noch in Deutschland produziert wird.

Beginn einer neuen Ära am Standort Gliwice

Testproduktion des Transporters Peugeot Boxer in Gliwice Foto: Stellantis

Damit gehen am Automobil-Standort Gliwice aber nicht die Lichter aus. Gleich neben der Opel-Fabrik wurde ein neues Werk gebaut, in dem für den Fahrzeug-Standort ein neues Kapitel aufgeschlagen wird. Ab dem kommenden Jahr werden dort Transporter in verschiedenen Modell-Varianten, Höhen und Längen auf einer Plattform gebaut. Dazu gehören der Peugeot Boxer, Citroen Jumper, Fiat Ducato und der Opel Movano.
Bereits in diesem Sommer wurde eine erste Testproduktion durchgeführt.

Mit der Aufnahme der Serienproduktion im Frühjahr sind nach Angaben von Stellantis im kommenden Jahr 40 000 bis 50 000 Lieferwagen geplant. Nach Erreichen der vollen Produktionskapazität soll dann die Produktion verdoppelt werden. Die Produktion von Fahrzeugen mit Elektro-Antrieb in Gliwice soll dabei ein wesentliches Element bei der Elektrifizierung der Lieferfahrzeug-Palette des Stellantis-Konzerns werden.
Für die Mitarbeiter des Opelwerks sei damit in den nächsten Jahren eine stabile-Arbeitsplatz-Perspektive gesichert, heißt es in einer Mitteilung des Automobil-Konzerns.

© André Janski / infopol.PRESS

PepsiCo investiert 1 Mrd. Złoty in neue polnische Chips-Fabrik

Der US-amerikanische Getränke- und Nahrungsmittelhersteller PepsiCo wird 1 Mrd. Złoty (~225 Mio. Euro) in den Bau einer neuen Fabrik für die Snack-Herstellung in Polen investieren. In der unweit von Breslau (Wrocław) gelegenen niederschlesischen Ortschaft Święte wurde dafür jetzt der Grundstein gelegt.
Der Betrieb auf einer Fläche von 30 Hektar wird der fünfte Produktionsstandort von PepsiCo in Polen und zugleich der größte Betrieb des Konzerns in Europa werden. Seine Inbetriebnahme ist zum Jahreswechsel 2022/2023 geplant. Durch die Investition werden 450 neue Arbeitsplätze in der Region geschaffen. PepsiCo beschäftigt gegenwärtig an seinen vier Produktionsstandorten in Polen, von denen der gesamte europäische Markt beliefert wird, insgesamt 3600 Arbeitskräfte.
Neben seinen bekannten Knabbergebäck-Marken, darunter u.a. Lay’s-Kartoffelchips, die in Polen auch für den deutschen Markt produziert werden, soll in dem neuen Werk nach seiner Fertigstellung auch Doritos Tortilla-Chips hergestellt werden. Die Agrar-Produkte für die Snack-Herstellung werden von polnischen Bauern im Rahmen des von PepsiCo in den 90er Jahren initiierten Agrarprogramms geliefert. Gegenwärtig arbeitet der Konzern mit 80 Landwirtschaftsbetrieben in Polen direkt zusammen, die jährlich über 230 000 t Kartoffeln für die Chips und extrudierte Snacks liefern. Nach Angaben des Konzern wird diese Menge nach Inbetriebnahme des neuen Werkes um 60 000 t bis zum Jahre 2023 steigen. Zusätzlich will PepsiCo für die Herstellung seiner Doritos Tortilla-Chips bis 2027 Mais-Produzenten für die Lieferung von jährlich 30 000 t Mais unter Vertrag nehmen.
Die an dem neuen Produktionsstandort hergestellten Snacks werden nicht nur allein in Polen, sondern vor allem in 20 Ländern Europas vertrieben.

Erklärung der Regierungschefs im Kontrast zur Realität

An der Grundsteinlegung nahm auch Ministerpräsident Mateusz Morawiecki (PiS) teil, der die Investition von PepsiCo als Beweis für das Vertrauen amerikanischer Investoren in Polen interpretierte. ,,Wir schaffen das weltweit bestmöglichste Klima für Investoren“, lobte Morawiecki seine Regierung und die PiS-Partei. Diese Behauptung steht im scharfen Kontrast zu der national und international geübten Kritik an der von der nationalkonservativen PiS-Partei initiierten Gesetznovelle zum Mediengesetz, die weitverbreitet in Polen nur noch als Lex TVN bezeichnet wird, weil sie auf die Ausschaltung des populären privaten Nachrichten-Fernsehsenders TVN24 gerichtet ist. Dessen Eigentümer ist der amerikanische Medienkonzern Discovery.
Nach der Abstimmung des Sejms zur Annahme des Gesetzes Anfang August hatten Mitglieder des US-Repräsentantenhaus die polnische Führung in einer gemeinsamen -Erklärung aufgefordert, freie und unabhängige Medien sowie den Schutz amerikanischer Investitionen in Polen zu gewährleisten. Auch US-Aussenminister Antony Blinken hatte gewarnt, dass mit der Verabschiedung des Gesetzes die Medien-Freiheit verletzt und das Investitionsklima in Polen geschädigt wird.
Der Gesetzentwurf wird gegenwärtig vom Senat , der zweiten Kammer des polnischen Parlaments, verhandelt. 52 Senatoren, das ist die Mehrheit in der Kammer, haben eine Erklärung abgegeben, dass die Gesetz-Novelle, insofern sie in Kraft tritt, ,,dramatisch die Beziehungen zu den USA verschlechtern wird“.

Volkswagen stoppt in Polen erneut die Produktion

Foto: Volkswagen Poznań

Nach einem dreiwöchigen Produktions-Stopp im April  müssen die Bänder der polnischen Autofabriken von VW Nutzfahrzeuge erneut  angehalten werden. Wie der polnische Brancheninformationsdienst AutomotiveSuppliers berichtet, wird die Produktion bei Volkswagen wegen der Lieferengpässe von elektronischen Komponenten auf der Basis von Halbleitern ab morgen  für einige Tage ruhen. Dies bestätigte auch die Sprecherin von Volkswagen Poznań. ,,Die Produktion wird ab morgen zunächst  bis zum 25. Juni ruhen“

Der Produktions-Stopp betrifft beide Autofabriken von VW in Polen: in Września, wo der Lieferwagen VW Crafter und der MAN TGE produziert werden als auch die Autofabrik in Poznań. Neben der Herstellung des Transporters T6.1 ist das Werk in Poznań-Antoninek der einzige  Produktionsstandort im weltweiten VW-Verbund, wo der Stadt-Lieferwagen Caddy produziert wird.

Wegen der Liefer-Engpässe bei Halbleitern musste das Werk in Września bereits im April für drei Wochen die Produktion unterbrechen.

Die durch die Halbleiter-Engpässe erzwungenen Produktionspausen betreffen nicht nur die polnischen Autofabriken von Volkswagen. Auch die Autofabriken in Deutschland sowie in der Slowakei (großer SUV) und in Tschechien (Skoda) sind davon betroffen. Ihre Ursachen liegen in den Auswirkungen der Corona-Pandemie begründet. Mit dem weltweiten Rückgang der Autoproduktion  im zweiten Quartal des zurückliegenden Jahres um 32 Prozent war die Nachfrage der Automobil-Hersteller nach Mikrochips zunächst eingebrochen.  Die Halbleiter-Hersteller suchten sich darauf andere Abnehmer. Als  dann die Fahrzeug-Produktion wieder ansprang , traten massive Liefer-Engpässe auf, die alle Auto-Hersteller trifft.

© André Jański / infopol.PRESS

Polnische Synthos kauft für 491 Mio. Dollar Kautschuk-Geschäft in Schkopau

Foto: Synthos

Die zum polnischen Multi-Milliardär Michał Sołowow gehörende Synthos-Gruppe hat vom US-amerikanischen Kunststoff-Hersteller Trinseo dessen Synthesekautschuk-Geschäft in Schkopau gekauft.

Nach Angaben des Trinseo-Konzerns hat die Transaktion einen Unternehmenswert von 491 Mio. Dollar, bestehend aus 450 Mio. USD in bar und der Annahme von ca. 41,6 Mio. USD Pensionsverpflichtungen in bar.
Trinseo betreibt am Standort Schkopau mehrere Anlagen zur Herstellung von synthetischen Kautschuk, der bereits seit den 30er Jahren des vorigen Jahrhunderts unter den Namen ,,Buna-Kautschuk“ bekannt wurde. Zu den verschiedenen Typen an Synthesekautschuk, auf die die Produktion in Schkopau spezialisiert ist, gehört kaltpolymerisierter Emulsions-Styrol-Butadien-Kautschuk, der in Reifen und technischen Gummiwaren verwendet wird.
Die polnische Synthos-Gruppe, die bereits heute größter Hersteller von synthetischen Kautschuken in Europa ist, steigt mit dem Erwerb des Kautschuk-Geschäfts in Schkopau zu einem der weltweit führenden Playern in diesem Segment auf.
Wir glauben, dass das Geschäft mit synthetischem Kautschuk eine Reihe von technologisch fortschrittlichen SSBRs (Emulsions-Styrol-Butadien-Kautschuk= SSBR) bietet, einschließlich funktionalisierter SSBR-Typen für Hochleistungsreifen.“, teilte die Synthos-Gruppe mit.

Synthos: Synergie-Effekte und höhere Gewinnmargen

Das polnische Unternehmen erhofft sich mit der Übernahme des Kautschuk-Geschäfts in Schkopau ein EBITDA von mindestens 50 bis 60 Mio. EUR zu erwirtschaften. Darüber hinaus erwartet Synthos 20 Mio. Euro aus Synergien mit seinen bisherigen Kautschuk-Geschäft, die hauptsächlich auf Volumensteigerungen zurückzuführen sind, die sich aus der Nutzung nicht genutzter Kapazitäten im Kautschuk-Geschäft ergeben.

Neben Kosteneinsparungen durch die Zusammenlegung beider Geschäftsbereiche erlaube die Übernahme des Kautschuk-Geschäfts in Deutschland mit der Einführung von neuen Typen an Emulsions-Styrol-Butadien-Kautschuk und Lithium-Polybutadien (Li-PBR) mit höheren Gewinnmargen als denen in den bisherigen Synthos-Produktionsstätten in neue Märkte einzutreten, darunter asiatische Märkte, gab Synthos bekannt.
Frank Bozich, President und Chief Executive Officer von Trinseo, erklärt dagegen den Verkauf mit der Transformationsstrategie des Konzerns, ein margenstärkerer und weniger zyklischer Anbieter von Spezialmaterialien und nachhaltigen Lösungen zu werden. Der Verkauf des Kautschuk-Geschäfts in Schkopau biete ,,eine stärkere Bilanz und mehr Flexibilität, um organische Wachstumschancen und Akquisitionswachstumschancen wahrzunehmen“.

Die Transaktion bedarf noch der Genehmigung durch die Wettbewerbsbehörden.
Die Synthos SA betreibt in Polen Produktionsstätten in Oświęcim (Auschwitz) und Sochaczew sowie in Kralupy (Tschechien, dem franzöischen Wingles und in Breda (Niederlande). Hauptsegement des polnischen Konzerns sind synthetische Kautschuke. Dabei werden 80 Prozent des Umsatzes mit renommierten Reifen-Herstellern wie Michelin, Continental, Bridgestone, Goodyear und Pirelli. abgewickelt. Nach der Übernahme der Produktionsstandorte von Ineos Styrenic in Frankreich und den Niederlanden ist Synthos auch Europas größter Hersteller von aufgeschäumten Polystyrol (EPS). Der findet hauptsächlich Verwendung in Dämmstoff-Platten.

Hauptaktionär von Synthos ist Michał Sołowow, der mit einem geschätzten Vermögen von 15,5 Mrd. Zloty (Stand 2021) seit Jahren die Forbes-Liste der reichsten Polen anführt. Neben Synthesekautschuk und verschiedenen Polystyrol-Typen ist Sołowow auch in der Verpackungs- Industrie und Immobilien-Geschäften sowie in der Keramik- und Bodenbranche investiert. Der Milliardär sorgte im vergangenen Jahr mit der Ankündigung für Aufsehen, in Polen das erste private Atomkraftwerk bauen zu wollen.

© André Jański / infopol.PRESS

Neues Chemiewerk an der Oder (Video)

890 Tonnen schwer und 96 Meter hoch. Das sind die Maße des Propan-Propylen-Splitters , der von einem Schiff aus China direkt bis an die Oder angeliefert und zur Baustelle des neuen Chemiewerks in Police (bei Stettin/Szczecin) transportiert wurde.
Der gigantische Stahl-Koloss ist wesentlicher Bestandteil der neuen Industrie- Anlage, in der durch die Dehydrierung von Propan in der PHD-Technologie Propylen in höchster Reinheit auf einem Niveau von 99,6 Prozent hergestellt wird. Die Anlage ist das Kernstück des neuen Chemie-Werkes ,,Polimery Police” des polnischen Unternehmensverbundes Azoty-Gruppe (Grupa Azoty).
Die Azoty-Gruppe ist Polens größter Chemiekonzern, zu dem die Chemie- und Stickstoffwerke Tarnów, Puławy, Police und Kędzierzyn-Koźle gehören. Die Unternehmensgruppe wird vom Staat mit einem Anteil von über 32 Prozent am Aktienbesitz kontrolliert.

,,Historische Investition“

Kerngeschäft der Azoty-Gruppe war bisher die Herstellung von Kunstdünger. Dank des breiten Anwendungsspektrums von Propylen soll mit dem neuen Werk in Police eine neue Phase in der Entwicklung des Konzerns auf dem Niveau der Polymer-Chemie eingeleitet werden.

 

 

Der als ,,historische Investition“ bezeichnete Bau von Polimery Police umfasst die Herstellung von Propylen durch Propandehydrierung (PDH) mit dem Oleflex-Verfahren von Honeywell UOP. Die erwartete Produktivität der PDH-Anlage wird vom Konzernvorstand mit 429 000 Jahrestonnen angegeben. Das Propylen wird dann direkt vor Ort im neuen Werk zu Polypropylen weiterverarbeitet. Propylen ist neben Ethylen der wichtigste Baustein in der petrochemischen Industrie. Das aus Propylen weiterverarbeitete Polypropylen ist weltweit neben Polyethylen der meist produzierte Standard-Kunststoff, der breiteste Anwendung u.a. in der Verpackungs-Industrie, in der Herstellung von Baustoffen sowie der Automobil-Industrie findet.

Beschaffungskrise beim  Standard-Kunststoff Polypropylen

Die Schwankungen in der Deckung des Bedarfs an Polypropylen in den weiterverarbeitenden Industriezweigen haben seit dem Jahreswechsel einen bisher noch nicht gekannten Ausschlag erreicht. Wie bei den Rohstoffen Stahl und Holz erleben gegenwärtig  die verarbeitenden Industriezweige in Europa auch bei Kunststoffen eine einzigartige Beschaffungskrise. Das im Ergebnis der Corona-Krise entstandene Ungleichgewicht von Nachfrage und Angebot von Kunststoffprodukten in Verbindung mit dem bereits in der 2.Jahreshälfte angesprungenen Wachstum in China hat dazu geführt, dass viele Rohstoffe nach Asien umgelenkt worden und in Europa fehlen. Verschärft wird die Situation durch zahlreiche Anlagenausfälle, Wartungsarbeiten in europäischen Anlagen sowie Force-Majeure-Meldungen der Kunststoff-Hersteller.

Ausbleibende Kunststofflieferungen haben bereits zu Einschränkungen der Produktions- und Lieferfähigkeit geführt. Polypropylen war Anfang März in Europa kaum noch zu haben. Die Folge dreistellige Preis-Aufschläge seit Anfang des Jahres.
Die Azoty-Gruppe hätte von dieser Entwicklung hervorragend profitieren können, wenn das neue Werk – wie einmal ursprünglich geplant – im Jahre 2019 seine Produktion aufgenommen hätte. Der staatlich kontrollierte Konzern, in dem seit dem Regierungsantritt der PiS-Partei die Vorstände mehrfach ausgewechselt wurden, hat jedoch erst im vergangenen Frühjahr eine Kredit-Finanzierung durch ein Banken-Konsortium in Höhe von 1,075 Mrd. Dollar sicherstellen können.

Polimery Police – eine der größten Industrieinvestitionen in Europa

Der Betrag macht über 60 Prozent des gesamten Investitionsvolumens von ,,Polimery Police“ aus. Neben dem Propylen-Polypropylen-Komplex sieht das Investitionsprojekt auch den Ausbau des an der Oder gelegenen betriebseigenen Binnenhafens mit einem Terminal für Flüssig-Chemikalien vor, über das künftig das Werk mit LNG-Gastankschiffen aus Swinemünde (Świnoujście) über das Oder-Haff beliefert werden soll.

 

Weiterhin wird auch der durch die Propan-Dehydrierung erzeugte Wasserstoff als Haupt-Nebenprodukt nicht nur betriebsintern bewirtschaftet, sondern auch als Rohstoff für die Ammoniak-Produktion innerhalb der Unternehmensgruppe eingesetzt. ,,Das hat für uns besondere Bedeutung, weil die Entwicklung der Wasserstoff-Technologie eines der Schlüssel-Elemente im energetischen Transformations-Prozess in Richtung der Null- oder Niedrig-Emissionen ist. Die Azoty-Gruppe als größter Wasserstoff-Produzent in Polen wird in diesem Prozess eine wesentliche Rolle spielen“, sagt der gegenwärtige Vorstands-Chef des Chemiekonzerns, Tomasz Hinc.
Wie der Konzern mitteilt, beträgt der Bau-Fortschritt des gesamten Komplexes 32 Prozent (Stand 20.März). Generalauftragnehmer für den Bau des neuen Werkes ist Hyundai Engineering. Polimery Police ist gegenwärtig eine der größten Industrie-Investitionen in Polen und in ganz Europa.
Die Inbetriebnahme des neuen Werkes, mit dem Polen zum Exporteur von Polypropylen aufsteigt, ist im ersten Quartal 2023 geplant.

© Andreas Höfer / infopol.PRESS

 

Impfstoff-Produktion in Polen mit US-Hersteller Novavax

Das polnische Biotechnologie-Unternehmen Mabion S.A. hat mit dem US-amerikanischen Pharma-Hersteller Novavax einen Rahmenvertrag für einen Technologietransfer und die technische Proben-Produktion eines Impfstoffes gegen Covid-19 unterzeichnet. Wie der Hersteller aus Konstantynów Łódzki (westlich von Łódź) informiert, geht es dabei um die technische Serienproduktion des Antigen-Wirkstoffes, der Hauptbestandteil des Impfstoffes NVX-CoV2373 des US-amerikanischen Pharma-Konzerns ist. Noch im März werde man dazu mit der Testproduktion starten.
Die Europäische Arzneimittelagentur (EMA) hatte im Februar für den Impfstoff von Novavax das sogenannte Rolling-Review-Verfahren eingeleitet. Mit einer Zulassung des Impfstoffes auf dem europäischen Markt wird im Mai gerechnet. In einer Phase-III-Studie zeigte der Impfstoff von Novavax mit der Bezeichnung NVX-CoV2373 eine Wirksamkeit von fast 90 Prozent. Der Impfstoff hat auch gegen die britische Coronavirus-Mutation und gegen die südafrikanische Variante des Virus eine Immunantwort gezeigt.
NVX-CoV2373 ist ein traditioneller Impfstoff auf Protein-Basis. Nach dem gleichen Prinzip funktionieren auch Grippe-Impfstoffe. Der Novavax-Impfstoff kann bei Temperaturen zwischen zwei und acht Grad Celsius bis zu sechs Monaten gelagert werden, was die Impf-Logistik im Vergleich zu anderen Vakzinen erheblich erleichtern würde.

Wenn die Tests positiv verlaufen und Novavax Grünes Licht gibt, werde Mabion in die Produktionsketten des US-Pharma-Herstellers Novavax integriert und den Wirkstoff für den Novavax-Impfstoff produzieren, teilte der Vorstand des polnischen Unternehmens in einer Video-Konferenz mit.

Lesen Sie auch: Polen gibt Astra Zeneca für über 65jährige frei

Weiterlesen

Northvolt in Danzig: 160 Mio. Euro in Batteriesysteme

Der vom ehemaligen Tesla-Manager Peter Carlsson gegründete schwedische Batteriehersteller Northvolt wird in Danzig (Gdańsk) 160 Mio. Euro in die Fertigung von Lithium-Ionen-Batteriesystemen investieren. Die Produktion soll im kommenden Jahr mit einer anfänglichen Jahresleistung von 5 GWh aufgenommen werden, die später auf 12 GWh erhöht werden soll.

So soll die neue Fertigungsstätte von Northvolt auf dem ehemaligen Gelände der Danziger Werft aussehen Foto: Northvolt

Nahezu die halbe polnische Regierung unter Führung ihres Ministerpräsidenten Mateusz Morawiecki war wie zu einem Staatsakt angetreten, um die Investition als Erfolg ihrer Politik zu verkünden. Dabei ist das schwedische Unternehmen bereits in einer vom Immobilien-Entwickler Panattoni angemieteten Halle auf dem ehemaligen Gelände der Danziger Werft ansässig, wo es im Jahre 2018 gemeinsam mit dem US-Unternehmen South Bay Solutions die Prototypenfertigung von Batterie-Modulen aufgenommen hatte. Derzeit sind dort 100 Mitarbeiter beschäftigt. Die neue Investition soll ,,mindestens 500 neue Arbeitsplätze“ schaffen, verkündete Regierungs-Chef Morawiecki.

Montage der in Schweden gefertigten Batteriezellen

Nach Angaben von Northvolt werden in Danzig allerdings keine Batterie-Zellen hergestellt, sondern Batteriesysteme. Die Batteriezellen-Produktion, für die riesige Energiemengen benötigt werden, erfolgt im schwedischen Skellefteå, wo der Strom zu niedrigen Preisen günstig aus Wasser- und Windkraft erzeugt wird. Polen wäre hier mit seinen hohen Stromkosten für industrielle Abnehmer überhaupt nicht wettbewerbsfähig. Rund 25 Prozent der in Schweden produzierten Batteriezellen sollen dann in den Northvolt-Betrieb in Danzig überführt werden, wo sie unter Nutzung der niedrigeren Arbeitskosten im Rahmen eines mechanischen und elektromechanischen Montageprozesses zu Batteriesystemen komplementiert werden. Das Northvolt-Projekt in Danzig wird damit ein wichtiger Bestandteil zum Aufbau europäischer Lieferketten. Bisher waren es vor allem asiatische Hersteller, die Batterien für Elektroautos liefern.

,,Polnischer“ Export von  Batterien für E-Autos bereits 3 Mrd. Euro

Polen ist dabei ein wesentlicher Produktionsstandort. So hat der südkoreanische Konzern LG Chem bereits 2016 in Kobierzyce bei Breslau (Wrocław) ein Werk für die Herstellung von Traktions-Batterien für Elektroautos aufgebaut. Das Werk befindet sich bereits in der dritten Ausbaustufe und wird dieses Jahr über eine Jahreskapazität von 35 GWh verfügen, womit jährlich 500 000 Elektroautos bestückt werden können. ,,Polen wird immer mehr zu einem Hub für die Produktion von Batterien für Elektro-Autos“, erklärte heute der für das Wirtschafts-Ressort zuständige Vize-Regierungschef Jarosław Gowin. Im vergangenen Jahr habe der Export von Batterien und Komponenten bereits 2,9 Mrd. Euro betragen.

Foto Volkswagen

Siehe auch: Polen bei Elektroautos weiter in den ,,Kinderschuhen“

 

 

Neben Polen und Schweden nimmt das schwedische Unternehmen Northvolt gemeinsam mit VW ab 2024 die Batteriezellen-Produktion in Salzgitter auf. Der VW-Konzern selbst ist als Investor an Northvolt beteiligt (900 Mio. Euro). Zu den weiteren Investoren gehören u.a. auch BMW, Goldman Sachs und der Gründer des Musikstreamingdienstes Spotify, Daniel Ek. Die Investoren stellen inzwischen mit insgesamt 3,6 Mrd. Dollar die Finanzierung des schwedischen Unternehmens sicher.

© André Jański / infopol.PRESS

 

 

Erstes Lockdown-Opfer in polnischer Textilbranche

Wie die Adler-Modemärkte in Deutschland hat jetzt auch die polnische Textilbranche ihr erstes prominentes Opfer durch den Corona-Lockdown. Das Bezirksgericht von Łódź hat gegen den Eigentümer der bekannten polnischen Mode-Marke Gatta, dem Unternehmen Ferax, die Insolvenz eröffnet. Nach Korrektur einer fehlerhaften Informationsübertragung durch das Gericht unterliegt das Unternehmen jetzt einem Sanierungs-Verfahren.

Einer der letzten Textil-Produzenten in Europa

Gatta-Kalender mit der Popmusikerin Justyna Steczkowska

Die Marke Gatta steht für qualitativ hochwertige Damen-Unterwäsche, Strumpfhosen und Strümpfe, die auch in deutschen Mode-Boutiquen und Shops verkauft wird. Der Produzent aus Zduńska Wola (bei Łódź) produziert auch Fashion und Sportswear, darunter Shirts, Leggins, Blusen und Röcke. Vor über 25 Jahren gegründet ist er einer der wenigen großen Hersteller in Europa, die ihre Betriebe nicht nach China, Bangladesh oder in ein anderes Land Asiens verlegt haben.
Neben dem weltweiten Export werden die in Zduńska Wola gefertigten Textilien in der Gatta-Ladenkette in Polen verkauft. Dazu gehören 130 Läden. Die meisten davon befinden sich in den großen Verkaufs-Galerien und Handelszentren der Großstädte. Und hier liegen auch die Gründe für die Einleitung des Insolvenzverfahrens. Die hohen Kosten für die Anmietung der Lokale in den großen Handelszentren in Verbindung mit dem Umsatz-Rückgang durch die Lockdown-Maßnahmen haben das Unternehmen an den Rande der Zahlungsfähigkeit gebracht.

Zwar konnte das Unternehmen den ersten Lockdown im vergangenen Frühjahr mit den zuvor erwirtschafteten Eigenkapital-Reserven (238 Mio. Złoty Umsatz 2019) noch überstehen und danach durch den Anstieg des online-Verkaufs sogar noch einen kleinen Gewinn erwirtschaften. Der zweite Lockdown mit den amtlich angeordneten Ladenschließungen im November und Dezember haben dem Unternehmen jedoch den Rest gegeben. Von der jetzt eingetretenen Situation sind 1300 Mitarbeiter bedroht, die in der Produktion und dem Gatta-Vertriebsnetz beschäftigt sind.

Durch das eingeleitete Sanierungsverfahren ist das Unternehmen Ferax momentan vor der Durchsetzung der Gläubiger-Ansprüche geschützt, insbesondere von den Eigentümern der Handelszentren und den Mietforderungen. Mit den Insolvenzverwalter an der Seite kann das Unternehmen weiterhin seinen Geschäftsbetrieb fortführen. Allerdings sind die Läden weiterhin geschlossen und es ist bislang noch völlig ungewiss, ob die polnische Regierung die Lockdown-Maßnahmen mit der Schließung der Läden in den Februar hinein verlängert. Branchen-Experten sind sich jedoch einig, dass Gatta erst der Anfang einer Pleite-Welle und symptomatisch für die finanzielle Situation der gesamten Textil-Branche in Polen ist.

© Magda Szulc /infopol.PRESS

Fiat Chrysler baut E-Jeep im schlesischen Tychy

Fiat Chrysler (FCA) wird ab 2022 in seinem Werk im schlesischen Tychy die Serien-Produktion des ersten von drei neuen Hybrid- und Elektro-Fahrzeugmodellen der Marken Jeep, Fiat und Alfa Romeo aufnehmen. Dabei handelt es sich um Fahrzeuge aus dem B-Segment der SUV. Das sind kleine SUV unterhalb der Kompakt-Klasse.  Als erstes sollen Jeeps von den Bändern rollen. Danach Fiat und Alfa Romeo, die auf der Plattform der französischen PSA-Group aufgebaut werden. Der französische Autohersteller hat auf ihr bereits u.a. den Peugeot 2008 und den DS3-Crossback produziert.

170 Mio. Euro in den Umbau des Werkes

Wie Fiat Chrysler bekanntgab, werden für den Ausbau und die Modernisierung des Werkes in Tychy in der ersten Phase 170 Mio. Euro investiert. Zum Gesamtwert der strategischen Investition wurden keine Angaben gemacht. Der für das Wirtschafts-Ressort zuständige Vizepremier Jarosław Gowin bezifferte jedoch in einer ersten Stellungnahme den Gesamtwert der Investition auf 2 Mrd. Euro. Es ist seit 2011 in Tychy die erste Investition in der Produktion von neuen Auto-Modellen. Anvisiert ist ab 2022 nach FCA-Angaben eine Jahresproduktion von 400 000 Fahrzeugen.


In dem Werk in Tychy ist seit 13 Jahren der Fiat 500 das Standard-Modell in der Produktion. In dem Werk wird auch das mit dem Fiat 500 verwandte Model Abarth 500 und der Lancia Ypsilon produziert. In dem Werk in Tychy wurden im vergangenen Jahr über 263 000 Fahrzeuge hergestellt, davon 179 689 Fahrzeuge der Marke Fiat 500.

99 Prozent der Produktion rollen ins Ausland

Nahezu die gesamte Produktion in Tychy (99 Prozent) wurden ins Ausland exportiert. An der Spitze der 67 Absatz-Länder standen dabei Italien und Großbritannien.
Der Betrieb in Tychy ist die größte Autofabrik des FCA-Konzerns in Europa. Gegenwärtig sind dort 2 500 Mitarbeiter beschäftigt. Die jetzt getroffene Investitions-Entscheidung ,,wird eine große Herausforderung für Mitarbeiter und Management. Wir werden uns an den Gedanken gewöhnen müssen, dass in Tychy nicht mehr nur Fiats, sondern auch Fahrzeuge der Marken Jeep und Alfa Romeo produziert werden“, sagte Henryka Bochniarz , langjährige Chefin des polnischen Unternehmerverbands Lewiatan, die heute Aufsichtsrats-Mitglied von FCA Poland ist.

Größter Autohersteller in Polen

Zum FCA-Konzern in Polern gehören neben der Autofabrik in Tychy auch die auf die Motoren-Herstellung spezialisiert FCA Powertrain in Bielsko-Biała mit 1150 Mitarbeitern und der Hersteller von Guss-Elementen Teksid Iron Poland.

Neuer Name und neues Logo nach der Fusion der beiden Autokonzerne Foto FCA

Mit der kurz vor dem finalen Abschluß stehenden Fusion von Fiat Chrysler Automobiles und der PSA Group (Peugeot S.A. ) wird der fusionierte Auto-Konzern unter seinem neuen Namen ,,Stellantis“ nicht nur der viertgrößte Autobauer der Welt, sondern verdrängt auch in Polen die Volkswagen-Gruppe (VW Caddy in Poznań/ VW Crafter in Września) von der Spitzen-Position. So wird die PSA- Group nach der Übernahme des Opel-Werks in Gliwice 2018 im Verlauf des neuen Jahres dort die Produktion der Nutzfahrzeug-Modelle (u.a. Peugeot Boxer, Citroen Jumper) aufnehmen. Auch in Tychy selbst hatte der französische Auto-Hersteller das dortige Werk nach seinem jahrelangem Stillstand umgebaut und nach Einführung von vollautomatisierten Technologien die Produktion seines neuen Drei-Zylinder-Motors 1.2 Turbo PureTech aufgenommen.

© André Jański / infopol.PRESS