Impfstoff-Produktion in Polen mit US-Hersteller Novavax

Das polnische Biotechnologie-Unternehmen Mabion S.A. hat mit dem US-amerikanischen Pharma-Hersteller Novavax einen Rahmenvertrag für einen Technologietransfer und die technische Proben-Produktion eines Impfstoffes gegen Covid-19 unterzeichnet. Wie der Hersteller aus Konstantynów Łódzki (westlich von Łódź) informiert, geht es dabei um die technische Serienproduktion des Antigen-Wirkstoffes, der Hauptbestandteil des Impfstoffes NVX-CoV2373 des US-amerikanischen Pharma-Konzerns ist. Noch im März werde man dazu mit der Testproduktion starten.
Die Europäische Arzneimittelagentur (EMA) hatte im Februar für den Impfstoff von Novavax das sogenannte Rolling-Review-Verfahren eingeleitet. Mit einer Zulassung des Impfstoffes auf dem europäischen Markt wird im Mai gerechnet. In einer Phase-III-Studie zeigte der Impfstoff von Novavax mit der Bezeichnung NVX-CoV2373 eine Wirksamkeit von fast 90 Prozent. Der Impfstoff hat auch gegen die britische Coronavirus-Mutation und gegen die südafrikanische Variante des Virus eine Immunantwort gezeigt.
NVX-CoV2373 ist ein traditioneller Impfstoff auf Protein-Basis. Nach dem gleichen Prinzip funktionieren auch Grippe-Impfstoffe. Der Novavax-Impfstoff kann bei Temperaturen zwischen zwei und acht Grad Celsius bis zu sechs Monaten gelagert werden, was die Impf-Logistik im Vergleich zu anderen Vakzinen erheblich erleichtern würde.

Wenn die Tests positiv verlaufen und Novavax Grünes Licht gibt, werde Mabion in die Produktionsketten des US-Pharma-Herstellers Novavax integriert und den Wirkstoff für den Novavax-Impfstoff produzieren, teilte der Vorstand des polnischen Unternehmens in einer Video-Konferenz mit.

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Northvolt in Danzig: 160 Mio. Euro in Batteriesysteme

Der vom ehemaligen Tesla-Manager Peter Carlsson gegründete schwedische Batteriehersteller Northvolt wird in Danzig (Gdańsk) 160 Mio. Euro in die Fertigung von Lithium-Ionen-Batteriesystemen investieren. Die Produktion soll im kommenden Jahr mit einer anfänglichen Jahresleistung von 5 GWh aufgenommen werden, die später auf 12 GWh erhöht werden soll.

So soll die neue Fertigungsstätte von Northvolt auf dem ehemaligen Gelände der Danziger Werft aussehen Foto: Northvolt

Nahezu die halbe polnische Regierung unter Führung ihres Ministerpräsidenten Mateusz Morawiecki war wie zu einem Staatsakt angetreten, um die Investition als Erfolg ihrer Politik zu verkünden. Dabei ist das schwedische Unternehmen bereits in einer vom Immobilien-Entwickler Panattoni angemieteten Halle auf dem ehemaligen Gelände der Danziger Werft ansässig, wo es im Jahre 2018 gemeinsam mit dem US-Unternehmen South Bay Solutions die Prototypenfertigung von Batterie-Modulen aufgenommen hatte. Derzeit sind dort 100 Mitarbeiter beschäftigt. Die neue Investition soll ,,mindestens 500 neue Arbeitsplätze“ schaffen, verkündete Regierungs-Chef Morawiecki.

Montage der in Schweden gefertigten Batteriezellen

Nach Angaben von Northvolt werden in Danzig allerdings keine Batterie-Zellen hergestellt, sondern Batteriesysteme. Die Batteriezellen-Produktion, für die riesige Energiemengen benötigt werden, erfolgt im schwedischen Skellefteå, wo der Strom zu niedrigen Preisen günstig aus Wasser- und Windkraft erzeugt wird. Polen wäre hier mit seinen hohen Stromkosten für industrielle Abnehmer überhaupt nicht wettbewerbsfähig. Rund 25 Prozent der in Schweden produzierten Batteriezellen sollen dann in den Northvolt-Betrieb in Danzig überführt werden, wo sie unter Nutzung der niedrigeren Arbeitskosten im Rahmen eines mechanischen und elektromechanischen Montageprozesses zu Batteriesystemen komplementiert werden. Das Northvolt-Projekt in Danzig wird damit ein wichtiger Bestandteil zum Aufbau europäischer Lieferketten. Bisher waren es vor allem asiatische Hersteller, die Batterien für Elektroautos liefern.

,,Polnischer“ Export von  Batterien für E-Autos bereits 3 Mrd. Euro

Polen ist dabei ein wesentlicher Produktionsstandort. So hat der südkoreanische Konzern LG Chem bereits 2016 in Kobierzyce bei Breslau (Wrocław) ein Werk für die Herstellung von Traktions-Batterien für Elektroautos aufgebaut. Das Werk befindet sich bereits in der dritten Ausbaustufe und wird dieses Jahr über eine Jahreskapazität von 35 GWh verfügen, womit jährlich 500 000 Elektroautos bestückt werden können. ,,Polen wird immer mehr zu einem Hub für die Produktion von Batterien für Elektro-Autos“, erklärte heute der für das Wirtschafts-Ressort zuständige Vize-Regierungschef Jarosław Gowin. Im vergangenen Jahr habe der Export von Batterien und Komponenten bereits 2,9 Mrd. Euro betragen.

Foto Volkswagen

Siehe auch: Polen bei Elektroautos weiter in den ,,Kinderschuhen“

 

 

Neben Polen und Schweden nimmt das schwedische Unternehmen Northvolt gemeinsam mit VW ab 2024 die Batteriezellen-Produktion in Salzgitter auf. Der VW-Konzern selbst ist als Investor an Northvolt beteiligt (900 Mio. Euro). Zu den weiteren Investoren gehören u.a. auch BMW, Goldman Sachs und der Gründer des Musikstreamingdienstes Spotify, Daniel Ek. Die Investoren stellen inzwischen mit insgesamt 3,6 Mrd. Dollar die Finanzierung des schwedischen Unternehmens sicher.

© André Jański / infopol.PRESS

 

 

Erstes Lockdown-Opfer in polnischer Textilbranche

Wie die Adler-Modemärkte in Deutschland hat jetzt auch die polnische Textilbranche ihr erstes prominentes Opfer durch den Corona-Lockdown. Das Bezirksgericht von Łódź hat gegen den Eigentümer der bekannten polnischen Mode-Marke Gatta, dem Unternehmen Ferax, die Insolvenz eröffnet. Nach Korrektur einer fehlerhaften Informationsübertragung durch das Gericht unterliegt das Unternehmen jetzt einem Sanierungs-Verfahren.

Einer der letzten Textil-Produzenten in Europa

Gatta-Kalender mit der Popmusikerin Justyna Steczkowska

Die Marke Gatta steht für qualitativ hochwertige Damen-Unterwäsche, Strumpfhosen und Strümpfe, die auch in deutschen Mode-Boutiquen und Shops verkauft wird. Der Produzent aus Zduńska Wola (bei Łódź) produziert auch Fashion und Sportswear, darunter Shirts, Leggins, Blusen und Röcke. Vor über 25 Jahren gegründet ist er einer der wenigen großen Hersteller in Europa, die ihre Betriebe nicht nach China, Bangladesh oder in ein anderes Land Asiens verlegt haben.
Neben dem weltweiten Export werden die in Zduńska Wola gefertigten Textilien in der Gatta-Ladenkette in Polen verkauft. Dazu gehören 130 Läden. Die meisten davon befinden sich in den großen Verkaufs-Galerien und Handelszentren der Großstädte. Und hier liegen auch die Gründe für die Einleitung des Insolvenzverfahrens. Die hohen Kosten für die Anmietung der Lokale in den großen Handelszentren in Verbindung mit dem Umsatz-Rückgang durch die Lockdown-Maßnahmen haben das Unternehmen an den Rande der Zahlungsfähigkeit gebracht.

Zwar konnte das Unternehmen den ersten Lockdown im vergangenen Frühjahr mit den zuvor erwirtschafteten Eigenkapital-Reserven (238 Mio. Złoty Umsatz 2019) noch überstehen und danach durch den Anstieg des online-Verkaufs sogar noch einen kleinen Gewinn erwirtschaften. Der zweite Lockdown mit den amtlich angeordneten Ladenschließungen im November und Dezember haben dem Unternehmen jedoch den Rest gegeben. Von der jetzt eingetretenen Situation sind 1300 Mitarbeiter bedroht, die in der Produktion und dem Gatta-Vertriebsnetz beschäftigt sind.

Durch das eingeleitete Sanierungsverfahren ist das Unternehmen Ferax momentan vor der Durchsetzung der Gläubiger-Ansprüche geschützt, insbesondere von den Eigentümern der Handelszentren und den Mietforderungen. Mit den Insolvenzverwalter an der Seite kann das Unternehmen weiterhin seinen Geschäftsbetrieb fortführen. Allerdings sind die Läden weiterhin geschlossen und es ist bislang noch völlig ungewiss, ob die polnische Regierung die Lockdown-Maßnahmen mit der Schließung der Läden in den Februar hinein verlängert. Branchen-Experten sind sich jedoch einig, dass Gatta erst der Anfang einer Pleite-Welle und symptomatisch für die finanzielle Situation der gesamten Textil-Branche in Polen ist.

© Magda Szulc /infopol.PRESS

Fiat Chrysler baut E-Jeep im schlesischen Tychy

Fiat Chrysler (FCA) wird ab 2022 in seinem Werk im schlesischen Tychy die Serien-Produktion des ersten von drei neuen Hybrid- und Elektro-Fahrzeugmodellen der Marken Jeep, Fiat und Alfa Romeo aufnehmen. Dabei handelt es sich um Fahrzeuge aus dem B-Segment der SUV. Das sind kleine SUV unterhalb der Kompakt-Klasse.  Als erstes sollen Jeeps von den Bändern rollen. Danach Fiat und Alfa Romeo, die auf der Plattform der französischen PSA-Group aufgebaut werden. Der französische Autohersteller hat auf ihr bereits u.a. den Peugeot 2008 und den DS3-Crossback produziert.

170 Mio. Euro in den Umbau des Werkes

Wie Fiat Chrysler bekanntgab, werden für den Ausbau und die Modernisierung des Werkes in Tychy in der ersten Phase 170 Mio. Euro investiert. Zum Gesamtwert der strategischen Investition wurden keine Angaben gemacht. Der für das Wirtschafts-Ressort zuständige Vizepremier Jarosław Gowin bezifferte jedoch in einer ersten Stellungnahme den Gesamtwert der Investition auf 2 Mrd. Euro. Es ist seit 2011 in Tychy die erste Investition in der Produktion von neuen Auto-Modellen. Anvisiert ist ab 2022 nach FCA-Angaben eine Jahresproduktion von 400 000 Fahrzeugen.


In dem Werk in Tychy ist seit 13 Jahren der Fiat 500 das Standard-Modell in der Produktion. In dem Werk wird auch das mit dem Fiat 500 verwandte Model Abarth 500 und der Lancia Ypsilon produziert. In dem Werk in Tychy wurden im vergangenen Jahr über 263 000 Fahrzeuge hergestellt, davon 179 689 Fahrzeuge der Marke Fiat 500.

99 Prozent der Produktion rollen ins Ausland

Nahezu die gesamte Produktion in Tychy (99 Prozent) wurden ins Ausland exportiert. An der Spitze der 67 Absatz-Länder standen dabei Italien und Großbritannien.
Der Betrieb in Tychy ist die größte Autofabrik des FCA-Konzerns in Europa. Gegenwärtig sind dort 2 500 Mitarbeiter beschäftigt. Die jetzt getroffene Investitions-Entscheidung ,,wird eine große Herausforderung für Mitarbeiter und Management. Wir werden uns an den Gedanken gewöhnen müssen, dass in Tychy nicht mehr nur Fiats, sondern auch Fahrzeuge der Marken Jeep und Alfa Romeo produziert werden“, sagte Henryka Bochniarz , langjährige Chefin des polnischen Unternehmerverbands Lewiatan, die heute Aufsichtsrats-Mitglied von FCA Poland ist.

Größter Autohersteller in Polen

Zum FCA-Konzern in Polern gehören neben der Autofabrik in Tychy auch die auf die Motoren-Herstellung spezialisiert FCA Powertrain in Bielsko-Biała mit 1150 Mitarbeitern und der Hersteller von Guss-Elementen Teksid Iron Poland.

Neuer Name und neues Logo nach der Fusion der beiden Autokonzerne Foto FCA

Mit der kurz vor dem finalen Abschluß stehenden Fusion von Fiat Chrysler Automobiles und der PSA Group (Peugeot S.A. ) wird der fusionierte Auto-Konzern unter seinem neuen Namen ,,Stellantis“ nicht nur der viertgrößte Autobauer der Welt, sondern verdrängt auch in Polen die Volkswagen-Gruppe (VW Caddy in Poznań/ VW Crafter in Września) von der Spitzen-Position. So wird die PSA- Group nach der Übernahme des Opel-Werks in Gliwice 2018 im Verlauf des neuen Jahres dort die Produktion der Nutzfahrzeug-Modelle (u.a. Peugeot Boxer, Citroen Jumper) aufnehmen. Auch in Tychy selbst hatte der französische Auto-Hersteller das dortige Werk nach seinem jahrelangem Stillstand umgebaut und nach Einführung von vollautomatisierten Technologien die Produktion seines neuen Drei-Zylinder-Motors 1.2 Turbo PureTech aufgenommen.

© André Jański / infopol.PRESS

Cyberpunk 2077 – Start mit Rekord, Problemen und Börsensturz

Innerhalb eines Jahres dreimal verschoben ist Cyberpunk 2077 Donnerstagnacht weltweit gestartet. Das von dem polnischen Studio CD Projekt entwickelte Action-Rollenspiel wurde schon vorweg in der internationalen Spiele-Branche als das Ereignis des Jahres 2020 gewertet. Mit einem für ein polnisches Unternehmen einmaligen Budget von über 1 Mrd. Złoty (rund 220 Mio. Euro) weltweit in 55 Ländern beworben, wurde die Premiere von ,,Cyberpunk 2077″ zum globales Ereignis auf dem Niveau eines Hollywood-Blockbusters gemacht.

Wie hoch die Erwartungen waren, zeigte sich bei Steam, der weltweit größten Internet-Vertriebsplattform für Computerspiele für den PC. Am Donnerstag morgen um 4 Uhr spielten gleichzeitig 1,003 Mio. Spieler ,,Cyberpunk 2077“ – Bei Singleplayer-Spielen bedeutet dies ein Rekord aller Zeiten. Auch bei Twitch, dem Live-Streaming-Portal von Amazon, erzielte das Spiel von CD Projekt mit 1,1 Mio. Nutzern in der Nacht zum Donnerstag ein Allzeit-Rekordergebnis.

Kritik: Technische Unzulänglichkeiten

Doch der enorme Zuspruch war zunehmend von Kritiken über technische Unzulänglichkeiten an dem Spiel begleitet. ,,Cyperpunk 2077″ ist ein komplexes action-adventure-Spiel, das in der riesigen utopischen Stadt Night City spielt, einer Open-World mit sechs verschiedenen Regionen. Der Spieler schlüpft dabei in die Rolle eines anpassungsfähigen Söldners, der auf der Suche nach dem Schlüssel zur Unsterblichkeit ist. In dessen Begleitung spielt Hollywood-Star Keanu Reeves eine der Hauptrollen. Um die Haupt-Story durchzuspielen, braucht man mindestens 20 Stunden. Die in den ersten Stunden nach der Weltpremiere abgegebenen Kritiken der Spieler bemängelten vor allem die Performance des Spiel und Bugs. Das sind kleine Fehler, wie sie bei neuen Programmen nicht unüblich sind. Bei der Internet-Plattform Steam sammelte ,,CP 2077“ bis in die Morgenstunden des Premiere-Tags 11500 Bewertungen, von denen 71 positiv waren. Dies lag schon erheblich unter der Bewertung von 91/100 Punkten, die vor der Premiere in den Rezessionen in der Fachportalen abgegeben wurden.
Diese Bewertung verhagelte den Börsen-Anlegern die Stimmung bei Eröffnung der Warschauer Börse. Zu deren Aufhellung trug auch die nicht vom Spiel-Produzenten CD Projekt zur Premiere einberufene Präsentations-Konferenz mit der Mitteilung ihres Geschäftsführers Adam Kiciński bei, dass bereits 8 Mio. Vorbestellungen für ,,Cyperpunk 2077“ eingegangen sind. Der Kurs von CD Projekt fiel zeitweise knapp unter 10 Prozent. Als die Börse am Abend schloss, lag die Notierung von CD-Projekt nur noch bei 362 Złoty. Drei Tage zuvor notierte die Aktie von CD Projekt noch bei 460 Złoty.
Die Premiere von ,,Cyberpunk 2077“, die allein in diesem Jahr dreimal verschoben wurde, hatte in den vergangenen Monaten einen Run auf die Aktie von ihrem polnischen Spiele-Hersteller ausgelöst. Vor allem Kleinanleger, von dem die meisten überhaupt keinen inhaltlichen Bezug zur Branche der Computerspiele haben, machten mit ihren Geldanlagen die Aktie zu einer in die Höhe getriebenen ,,Volksaktie“.

CD Projekt – Polnische Version der Geschichte vom ,,Tellerwäscher zum Millionär“

Rational ist der Hype um CD System nicht erklärbar. Der Warschauer Spiele-Produzent ist die polnische Version der Geschichte ,,vom Tellerwäscher zum Millionär“. Die von den Gebrüdern Kiciński und Marcin Iwiński 1994 gegründete CD Projekt verkaufte zunächst lediglich nur ausländische Computerspiele. 2002 eröffnete sie dann ein eigenes Produktionsstudio. Als sie basierend auf einer Phantasy-Saga des polnischen Schriftstellers Andrzej Sapkowski das Computer-Spiel ,, ,,Wiedźmin“ (Der Hexer) entwickelten und die Nachfolgespiele unter dem Titel ,,Witcher2“ und ,,Witcher3“ stellten, wurde CD Projekt international bekannt. Zum Aufstieg in die erste Liga der Spiele-Hersteller trug dann eine von Netflix produzierte Serie zum ,,Witcher“ bei. Die Gründer von CD Projekt sind mit ihrem Aktienbesitz heute Milliardäre. Diese Entwicklung hat viele Klein-Aktionäre mit der Erwartung auf große Gewinne in die Aktie getrieben. Wer 2015 umgerechnet rund 1000 Euro in die Aktie angelegt hat, hätte noch vor einigen Tagen 16 000 Euro einstreichen können.
Der Spiele-Hersteller CD Projekt ist in der Börsenwelt im internationalen Kontext ein einzigartiges Phänomen. Mit einer Markt-Kapitalisierung von zeitweise 44 Mrd. Złoty lässt er die großen polnischen Industriehersteller, die Banken, die Energiekonzerne oder den polnischen Kupferkonzern KGHM, der zu den zehn größten Kupferproduzenten der Welt gehört, weit hinter sich. Und das nur mit zwei Produkten! An keiner anderen Börse in der Welt nimmt ein Spiele-Hersteller den führenden Börsen-Platz ein und ist mit über 12 Prozent im Leitindex (WIG 20) als Schwergewicht abgebildet.
Nahezu einzigartig ist auch die große Zahl der Entwickler-Studios, die an der Warschauer Börse sind: 12 Firmen sind im Hauptindex WIG notiert, 37 im Börsen-Segment NewConnect. Und zahlreiche weitere Firmen klopfen an die Tür. Sobald ein neuer Spiele-Entwickler das Börsen-Parkett betritt, ist die Gewinn-Phantasie der Anleger beflügelt. Die Bewertung fundamentaler Daten wie Umsatz, Kosten, Gewinn treten da bei der Investition in die Aktien von Game-Entwicklern in den Hintergrund.
Auch die aktuelle Bewertung von CD Projekt geht im großen Maße aus dem großen Hype um die Firma und den hoch angesetzten Verkaufs-Prognosen der Analysten zum Spiel ,,Cyberpunk 2077“ hervor. Basierend auf die Verkaufs-Ergebnisse von Witcher 3 im Zeitraum von 2015 bis 2019 (30 Mio. Exemplare) rechnen die Analysten im Konsens mit 30 Mio. verkauften Exemplaren von ,,CP 2077“ in den nächsten 12 Monaten. Dazu kommen die Einnahmen aus den zahlreichen Werbe- und Marketing-Verträgen, u.a. mit Adidas. Dem stehen Entwicklungskosten von knapp 500 Mio. Złoty und Werbe- und Marketing-Ausgaben von über 1 Mrd. Złoty gegenüber. Wenn ,,Cyberpunk 2077“ nicht den gewünschten Erfolg bringt, fallen die Kurse von CD Projekt.

© André Jański / infopol.PRESS

Polnische Medien der Niederbayern unter PiS-Kontrolle

,,Strategische Gründe“ hat Alexander Dieckmann, geschäftsführende Gesellschafter der Verlagsgruppe in Passau für den Verkauf seiner Tochter Polska Press an den polnischen Mineralölkonzern PKN Orlen vorgeschoben. Für den stellvertretenden Staats-Minister ist der Verkauf der Niederbayern an PKN Orlen ,,reines kaufmännisches Geschäft“. Für polnische Medien-Experten ist es dagegen einer der schwärzesten Tage in der polnischen Medien-Geschichte: Der Staat übernimmt einen bedeutenden Teil der privaten Medien. Nachdem das öffentliche Fernsehen TVP bereits zum PiS- Propagandasender verkommen ist, wird befürchtet, dass PKN Orlen mit der Kontrolle über die von der Passauer Verlagsgruppe verkauften Medien zu einem weiteren Sprachrohr der PiS-Propaganda wird.

Der Aufbau ihrer polnischen Verlagsgruppe begannen die Niederbayern in vertrauter Umgebung – im Vorgebirgsland mit der Übernahme des ,,Dziennik Polski“ in Kraków. Danach wurde schrittweise eine Regionalzeitung nach der anderen in Polen übernommen. Insgesamt 20 von 24, also nahezu die gesamte polnische Regionalpresse. Die Passauer gruppierten um die Regionalzeitungen das aus der Hoch-Zeit deutscher Printmedien bekannte Arsenal an Publikationen: Anzeigen-Zeitungen, lokale und regionale Wochenzeitungen, Sparten-Blätter auf lokaler und regionaler Ebene. Insgesamt 170 Titel umfasst das Sortiment der Polska Press. Ergänzt werden diese mit zahlreichen Online-Portalen. Laut Mediapanel nimmt Polska Press mit seinen Internet-Servicediensten den 9. Platz im polnischen Internet ein. ,,Dank der Transaktion bekommen wir Zugang zu 17,4 Millionen Nutzern dieser Portale“ jubiliert denn auch der Vorstandschef von PKN Orlen.

Über den Verkaufspreis machen sowohl die Niederbayern wie PKN keine Angaben. Nach Informationen des Wirtschaftsblattes Puls Biznesu soll es aber rund 100 Mio. Złoty sein , was umgerechnet weniger als 25 Mio. Euro sind. Sollte dieser Verkaufspreis stimmen, fällt er relativ niedrig aus. Zum Vergleich: die Hamburger Bauer Media-Group hat in diesem Jahr für den Verkauf ihres Internet-Portals Interia (täglich 7,5 Mio. User) einen Verkaufspreis von 422 Mio. Złoty ausgehandelt. Anders als die Niederbayern hatten die Norddeutschen ihr Portal nicht an einem staatlich kontrollierten Konzern, sondern an die private polnische Unternehmensgruppe Polkomtel verkauft, die auch Eigentümer des privaten Fernsehsenders Polsat ist.

Bei den polnischen Regionalzeitungen zeigten sich schnell die gleichen Problemen, die auch die deutsche Printpresse kennt. Die Generationen unter 40 Jahre informieren sich kaum noch über die Print-Zeitungen. Dies hat sich auch in den Ergebnissen niedergeschlagen. Polska Press verzeichnete im vergangenen Jahr nach Angaben des Wirtschafts-Auskunftei Bisnode einen Rückgang der Verkaufseinnahmen um 6,5 Prozent auf 398 Mio. Zloty. Dabei verringerte sich der Verkauf der Zeitungen um knapp 9 Prozent, der Anzeigen-Verkauf um 4,9 Prozent. Die durchschnittliche Tages-Auflage betrug laut der Presse-Vertriebskontrolle ZKPD im ersten Halbjahr 150 000 – bei 20 Regionalzeitungen!

,,Deutsche Propaganda“ mit der Regionalpresse?

Die jetzt mit dem Mineralölkonzern vollzogene Transaktion zeichnete sich bereits zu Jahresanfang an. Im Februar wurde mit dem Anzeigen-Portal gratka.pl das ,,Paradepferd“ an die Ringier Axel Springer AG verkauft. Mit der Veröffentlichung von durchschnittlich 760 000 Anzeigen im Monat (Stand 2019) ist gratka.pl eines der größten und populärsten Anzeigen-Portale im polnischen Internet..
Zu der Zeit arbeitete die PiS-Partei bereits an einem Gesetz zur Entflechtung und zur sogenannten ,,Repolonisierung“ des Medienmarktes. Das polnische Verlagsimperium der Passauer mit der Regionalpresse als ,,Instrument, mit denen die Deutschen Propaganda betreiben“ bot dazu eine gute Vorlage. Tatsächlich geht es der PiS-Partei seit ihrer Machtübernahme 2015 um die Kontrolle über private unabhängig Medien, die sich als Hüter der Demokratie begreifen und kritisch das politische System hinterfragen. Der PiS waren hier ganz andere Medien ein Dorn im Auge wie z.B die überregionale Tageszeitung ,,Gazeta Wyborcza“ , das Nachrichtenportal ,,onet“ oder der private Fernsehsender TVN, der den von der PiS-Partei vereinnahmten öffentlichen Fernsehen TVP eine kritische Berichterstattung entgegensetzte. Die ideologischen Angriffe auf TVN und die Versuche der Einflußnahme scheiterten jedoch an der US-amerikanischen Botschaft in Warschau und ihrer Chefin Georgiette Mosbacher, eine Vertraute vom scheidenden US-Präsident Donald Trump. Der Fernsehsender TVN gehört zum amerikanischen Discovery-Konzern. Und amerikanische Interessen wahrzunehmen heißt in dem Fall sich für die Meinungsfreiheit in Polen einzusetzen. Die von der US-Botschafterin ausgesprochenen Drohungen beerdigten die Träume der Pis-Führung.

Da auch die Einflussnahme auf die Medien mit gesetzlich restriktiven Regelungen wenig Chance auf Erfolg versprachen, kam die PiS auf eine neue Idee. PiS-Parteichef Jarosław Kaczyński gab im Frühjahr vor, Änderungen im Medienmarkt auf ,,eine zivilisierte Weise“ vorzunehmen. Konkret heißt das, Unternehmen, die vom Staat und damit von der PiS-Partei kontrolliert werden, sollen private Medien kaufen.

 

Der Mineralölkonzern PKN Orlen, der jetzt mit der Passauer Verlagsgruppe den Kaufvertrag abschloss, ist nicht nur eines der weit über 500 Unternehmen, die vom Staat kontrolliert werden. Mit einem Umsatz von 111 Mrd. Złoty und einem Nettogewinn von 4,49 Mrd. Złoty (Stand 2019) ist er auch der finanzkräftigste Konzern in Polen. Sein Kerngeschäft ruht auf die Erdölverarbeitung in seinen Raffinerien in Polen und Litauen und dem Mineralölvertrieb in seinen 2836 Tankstellen, davon 1800 in Polen und weiteren mehr als 1000 Tankstellen in den Nachbarländern, wobei das Vertriebsnetz in Deutschland mit 585 Tankstellen (Star/PKN Orlen) das größte im Ausland ist.

Foto: PL-Agentur

PKN-Chef Vertrauter von Kaczyński

Geführt wird der Konzern von Daniel Obajtek. Vor mehr 5 Jahren war er noch Vorsteher einer kleinen Gemeinde in Südpolen. Mit der Art und Weise seines erfolgreich geführten Wahlkampfes für die PiS-Partei wärmte er das Herz ihres Vorsitzenden Jarosław Kaczyński. Nach der Übernahme der Regierungs-Gewalt hievte die PiS-Führung Obajtek sofort auf den Chef-Posten der staatlichen Landwirtschafts-Agentur. Den Posten übte er zwar nur für kurze Zeit aus. Konsequent erfüllte er dabei jedoch die ihm von Kaczyński zugedachte Aufgabe als ,,politischer Kommissar“ gründlich eine personelle Reinigung der Agentur vorzunehmen. 1600 Mitarbeiter der von der Vorgänger-Regierung eingesetzten Mitarbeiter mussten gehen. Unmittelbar danach wurde Obajtek mit der Führungs-Position beim nordpolnischen Stromversorger Energa betraut. Auch hier war er nur kurze Zeit tätig. Diese reichte jedoch aus, um sich Branchenkreisen der Erneuerbaren Energien den Ruf als einer der ,,Totengräber der Windenergie” in Polen zu erarbeiten.

Daniel Obajtek – Vom Ortsvorsteher zum Konzern-Chef

Ungeachtet dessen, dass Obajtek nur einen Studienabschluss für Arbeitshygiene und Arbeitsschutz an einer polnischen Provinzschule hat, wurde er 2018 von der PiS-Führung mit dem Vorstandsposten bei Polens größten Konzern PKN Orlen betraut. PKN Orlen soll zu einem Multi-Energiekonzern auf internationalen Spitzen-Niveau entwickelt werden, so das von Obajtek verkündete Rezept. Wirtschaftsexten rieben sich jedoch verwundert die Augen, als PKN Orlen vor einigen Monaten den hochverschuldeten Kiosk-Betreiber Ruch mit seinem Pressevertrieb kaufte. Die Übernahme von Ruch schreibt sich in „unsere strategischen Pläne zur Entwicklung eines Einzelhandels-Netzes ein”, entgegnete Obajtek auf die Frage, was die Übernahme eines Presse-Vertrieb den Mineralölkonzern bringen soll. In Verbindung mit dem jetzt vereinbarten Kauf von Polska Press nimmt das dahinter stehende politische Konzept immer stärkere Konturen an.
Dass es um den Einfluss der Regierung auf die Medien geht, weist Obajtek zurück. Der Kauf von Polska Press sei rein wirtschaftlicher Natur.
Die politische Opposition in Polen sieht das anders. Sie sieht Parallelen zum russischen Staatskonzern Gazprom, der auch zahlreiche Medien unter seine Kontrolle gebracht hat. Der Verfassungsrechtler und Beauftragten für Bürgerrechte Adam Bodnar wertet die Kauf-Entscheidung als historischen Moment. Das PiS-Regierungslager sei in die Fußspuren von Victor Orban in Ungarn getreten. ,,Nach der vollen Kontrolle über die staatlichen Medien kommt jetzt die Aufsicht über die regionale Presse“, sagte er dem onet-Nachrichtenprotal. Der polnische Journalistenverband hat sich unterdessen mit einem Appell an die bei Polska Press arbeitenden Journalisten gewandt. Darin heißt es u.a.: ,,Ihr werdet jetzt eine weitere Stimme der Nowogrodzka (Sitz der PiS-Parteizentrale –d.R.) Diejenigen von Euch, die sich dem nicht unterordnen, müssen gehen. Eure Chefs werden schon bewährte Propagandisten aus den `öffentlichen Lokal-Medien“, die Euch die Ziele und Gegner vorgeben“.

© Andreas Höfer / infopol.PRESS

In der letzten Streichholz-Fabrik gehen die Lichter aus

In der Streichholz-Fabrik in Czechowice (Oberschlesien) gehen die Lichter aus. Der Betrieb gehört zur PCC Consumer Products, eines der 81 Unternehmen der PCC-Gruppe von Waldemar Preussner aus Duisburg. Probleme im Zusammenhang mit der Corona-Krise wären naheliegend. Der ursächliche Grund für die Entscheidung der PCC-Eigentümer, den Betrieb zu schließen, war jedoch die immer mehr zurückgehende Nachfrage nach Streichhölzern. Streichhölzer werden im Alltag immer weniger benutzt.

Die schon seit über 100 Jahren bestehende Streichholz-Fabrik in Czechowice war einer der größten industriellen Hersteller von Zündhölzern in Europa. Als die PCC Consumer Products vor knapp zehn Jahren 85 Prozent der Anteile an der Fabrik vom polnischen Staat abkaufte, hatte der Zündholz-Hersteller schon sein Zenit überschritten. In seinen besten Zeiten produzierte das Unternehmen 650 Mio. Streichholz-Schachteln und 30 Mio. Werbe-Schachteln und -artikel mit Streichhölzern.

Polen war einst eine Hochburg bei der Herstellung von Streichhölzern. Neben dem Betrieb in Czechowice gab es weitere Streichholzfabriken in Danzig (Gdańsk), Bystrzyca, Częstochowa und Sianów. Polmatch Sianów war der älteste Branchenbetrieb in Polen. Seine Ursprünge gingen auf die 1845 gegründete preußische Holzdraht- und Schachtelfabrik in Zanow bei Köslin zurück (Streichholzschachtel August Kolbe & Comp.).

Foto: Streichholz-Museum Częstochowa

All diese Betriebe sind heute schon längst geschlossen. Mit der Schließung der letzten Fabrik in Czechowice erglimmt jetzt für die gesamte Industrie-Branche in Polen das Feuer. Für kleine polnische Manufaktur-Betriebe, die sich bisher großspurig in deutscher und englischer Sprache als ,,größte Streichholz-Hersteller in Polen“ im Internet lobhudelten, ergibt sich damit die Chance, dass ihre Eigenwerbung der Wahrheit nahekommt.

Was bleibt, ist  ein Streichholz-Museum im Wallfahrtsort Częstochowa mit noch funktionstüchtigen Maschinen zur Streichholz- und Streichholzschachtelproduktion.

© André Jański / infopol.PRESS

 

ArcelorMittal schließt Hochofen und Stahlwerk in Kraków

Polens größter Stahlproduzent ArcelorMittal Poland (AMP) hat heute (8.Oktober) die Schließung seines Hochofens und des Stahlwerks in Kraków bekanntgegeben. AMP-Chef Sanjay Samaddar begründete die endgültige Schließung mit den anhaltenden Nachfrage-Rückgang in  der europäischen Stahlindustrie in Verbindung mit der Corona-Krise, nicht ausreichenden Schutz-Mechanismen der EU gegen Billig-Importe aus Drittländern, den steigenden Kosten bei den Co2-Emissionsrechten und den hohen Energiepreisen in Polen.

ArcelorMittal hatte bereits schon im vergangenen Jahr seinen Hochofen in Kraków zeitweise heruntergefahren. Er war der bislang noch einzig arbeitende Hochofen des einstigen Eisenhüttenkombinats Stalowa Wola in Kraków, das der weltgrößte Stahlkonzern 2004 übernommen hatte. Auf ihn entfielen rund 1,5 Mio. t der Roheisen-Produktion. Erst 2016 wurde der Hochofen einer General-Reparatur für umgerechnet rund 45 Mio. Euro unterzogen.

Keine Beihilfen für indirekte Co2-Emissionen in Polen

Generell tritt ArcelorMittal im Konzernverbund wegen der schwachen Nachfrage in ganz Europa schon seit geraumer Zeit auf die Bremse. In Polen kommen jedoch noch die schwierigeren wirtschaftlichen Rahmenbedingungen hinzu. Der AMP-Vorstand erinnerte daran, dass man seit Jahren die Einführung von öffentlichen Beihilfen für indirekte Co2-Emissionen eingefordert habe .
Während in anderen EU-Staaten an energieintensive Unternehmen der Stahlindustrie, der chemischen Industrie, der Papierindustrie u.a. staatlichen Beihilfen für indirekte Co2-Kosten gezahlt werden, begnügt sich die Regierung in Warschau in dieser Frage nur mit Erklärungen und Versprechungen. Ein immer größer werdendes Problem sind auch die Stromkosten in Polen. Sie sind heute schon fast um die Hälfte höher als z.B. in Deutschland und werden im kommenden Jahr noch weiter steigen.
Von der Schließung sind mehr als 1000 Mitarbeiter betroffen, davon 650 direkt in dem geschlossenen Roheisen-Komplex. Die anderen Bereiche des Krakauer Hütten-Betriebs wie die Kokerei, die beiden Walzwerke sowie die Verzinkungs- und die Beschichtungsanlage sind von der Schließung nicht betroffen.
Nach Angaben des Konzern-Vorstands wird die Roheisen-Herstellung von AMP in Polen im oberschlesischen Dąbrowa Górnicza konzentriert, wo die dort arbeitenden zwei Hochöfen ArcelorMittal eine kostengünstige Produktion erlauben.

Auf ArcelorMittal entfallen gegenwärtig rund 70 Prozent des Produktionspotenzials der gesamten polnischen Eisen- und Stahlindustrie. Neben den Betrieben in Kraków und Dąbrowa Górnicza gehören zu ArcelorMittal Poland drei weitere Stahl- und Hüttenbetriebe in Sosnowiec, Świętochłowice und Chorzów. Zu AMP gehört auch die Kokerei in Zdzieszowice (bei Opole), die Europas größter Koks-Produzent ist.
ArcelorMittal beschäftigt in Polen insgesamt rund 11 000 Mitarbeiter.

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Schweinepest in Polen latente Bedrohung für Deutschland

Gewässer wie der Grenz-Fluss Neiße sind für Wildschweine kein Hindernis. Und auch die 120 Kilometer vom Land Brandenburg aufgestellten mobilen Elektro-Zaun als wirksames Schweine-Hindernis sind bei den Experten mit einigen Zweifeln belegt. Es war also nur eine Frage der Zeit bis der erste Fall der Afrikanischen Schweinepest (ASP) im deutsch-polnischen Grenzraum auftritt. Dabei standen die Zeichen schon seit Wochen auf Sturm. Anders als das Nachbarland Tschechien bekommt Polen die Afrikanische Schweinepest nicht in den Griff. Bis zum 1.August waren bereits über 3000 ASP-Fälle bei Wildschweine in diesem Jahr in Polen aktenkundig. In den Haustier-Beständen ist die Zahl der Infektionsherde von Ende Juni von sechs jetzt aktuell 83 gestiegen. Beim polnischen Arbeitgeberverband der Schweine-Produzenten wird der erste ASP-Fall in Deutschland mit großer Aufmerksamkeit verfolgt. Bei möglichen Exportbeschränkungen für deutsches Schweinefleisch befürchtet dessen Verbands-Chef Aleksander Dargiewicz einen Preisdruck auf polnische Schweinefleisch-Preise.

Sembten, wo das erste tote Wildschwein mit nachgewiesener Afrikanischer Schweinepest gefunden wurde, liegt nur einen Steinwurf vom Grenz-Fluß Neisse entfernt. Auf gleicher Höhe, nur einige Kilometer östlich liegt eines der polnischen Krisenherde für die Afrikanische Schweinepest. Am gleichen Tag der Meldung über den ersten ASP-Fall in Deutschland, lief die Meldung der obersten polnischen Veterinär-Behörde über den 83. Fall des Ausbruchs eines Seuchenherdes im Hausschweine-Bestand s in diesem Jahr ein. Insgesamt sind nach der gestrigen Mitteilung der polnischen Veterinär-Inspektion bereits über 53 000 Haustier-Schweine in diesem Jahr gekeult worden. Bereits jetzt schon hat Polen mehr Fälle als im gesamten Vorjahr 2019. Waren es Ende Juni lediglich sechs Fälle, ist deren Zahl im Juli auf 17 und im August auf 52 angestiegen. Was den sprunghaften Anstieg in den beiden Sommer-Monaten verursachte, ist nicht eindeutig geklärt. Polnische Landwirtschafts-Experten sehen jedoch einen Zusammenhang mit den intensiven Ernte-Arbeiten auf den Feldern. Deckungsgleich mit der Übertragung der Schweine-Pest auf die Schweine-Haustierbestände haben sich auch die Zahlen der ASP-Fälle bei den Wildschweinen entwickelt. Im August waren es bereits über 3000.

Seit dem Jahre 2014, als in Polen die ersten Fälle von Afrikanischer Schweinepest aufgetreten sind , hat sich die Zahl des ASP-Fälle seitdem von Jahr zu Jahr drastisch erhöht. Waren die Ausbrüche in den ersten Jahren auf die ostpolnischen Gebiete entlang der Grenze zu den östlichen Nachbarstaaten konzentriert, ist die Afrikanische Schweinepest seit Herbst vergangenen Jahres über die Weichsel (Wisła) als natürliche Grenze gewandert und bis in die westpolnischen Gebiete entlang der Grenze zur Deutschland vorgedrungen. Die Wanderung in den Westen des Landes wird Pilzsammlern zugeschrieben, die von der Pilzschwemme im vergangenem Herbst angezogen zu Tausenden die Wälder durchzogen und einige von ihnen als Träger des Virus agierten. Auch die großangelegten Abschuss-Jagden 2019 in Ostpolen könnten dazu beigetragen haben, dass die Wildschweine  auf der Flucht weiter nach Westen abgetrieben wurden.

Für die polnische Landwirtschaft war die zum Jahresende in die westpolnischen Gebiete vorgedrungene Schweinepest eine Hiobs-Botschaft, denn 35 Prozent der gesamten polnischen Schweinefleisch-Produktion ist in Wielkopolskie (Region um Poznań) konzentriert. Die regionalen Krisenstäbe leiteten sofort umfassende Vorsorge- und Schutzmaßnahmen ein. Deren Wirkung war aber nur von kurzer Dauer, wie die aktuelle Entwicklung zeigt.

Anders als Tschechien, wo das im Sommer 2017 aufgetretene ASP-Geschehen mit der Durchsetzung von intensiven Maßnahmen eingedämmt werden konnte und das Land seit vergangenem Jahr wieder als ASP-Seuchenfrei gilt, bekommen die polnischen Behörden das nunmehr seit sechs Jahren anhaltende Seuchen-Geschehen nicht in den Griff. Bereits 2018 stellte Polens oberste Kontrollbehörde NIK (Najwyższa Izba Kontroli) in ihrem Prüfbericht wesentliche Mängel bei der Umsetzung der Vorsorge- und Schutzkonzepte gegen die ASP-Seuche fest. Kritisiert wurde darin auch die inkonsequente Aufsicht der obersten Veterinär-Behörde bei der Umsetzung der Programme für die Schaffung von Bio-Sicherheit in der Schweinehaltung und die kritiklose Übernahme von Berichten der Kreis-Veterinäre zu Maßnahmen, die nicht der Realität entsprachen. Als ein wesentliches Problem vermerkte die NIK auch die zersplitterte Betriebs-Struktur bei der Schweinehaltung. 74 Prozent der Betriebe erfüllten nicht die vom Gesetzgeber vorgeschriebenen Auflagen zur Bio-Sicherheit , wozu Desinfektions-Matten vor den Stall-Eingängen, Wechsel-Kleidung und Zäune vor den Ställen gehören, stellte die NIK seinerzeit fest.

ASP-Fälle vor allem in Hinterhof-Beständen

Wie eminent das Problem ist, zeigt die aktuelle Statistik der obersten Veterinäre-Behörde. Von den bisher 83 gemeldeten Fällen waren über 80 Prozent in den sogenannten Hinterhof-Beständen ausgebrochen, also Ställen mit weniger als 100 Schweinen. Damit bleibt die Afrikanische Schweinepest in Polen eine latente Bedrohung für die Schweineproduktion in Deutschland und anderen west- und nordeuropäischen Ländern.

Preis-Druckauf polnischen Markt  durch ASP-Fall in Deutschland befürchtet

Beim polnischen Arbeitgeberverband der Schweineproduzenten wird der erste ASP-Fall in Deutschland mit großer Aufmerksamkeit verfolgt. Nach Ansicht seines Verbands-Chefs Aleksander Dargiewicz hat er auch erhebliche Auswirkungen auf den polnischen Markt. Dargiewicz erinnert in diesem Zusammenhang auf den ASP-Ausbruch vor zwei Jahren in Belgien. Schlagartig hatten viele Dritt-Länder den Import von Schweinefleisch aus Belgien gestoppt. In dessen Folge fielen die Schweinepreise von 1,40 Euro auf 1,15 Euro je kg Schlachtgewicht. Ähnliches, wenngleich in viel größerer Dimension, könnte jetzt auch in Fall von Deutschland auftreten.

Laut Statistischen Bundesamt haben deutsche Schweine-Produzenten im Zeitraum von Januar bis April dieses Jahres 158 000 t Schweinefleisch im Wert von 424 Mio. Euro nach China verkauft. Das war doppelt so viel wie im gleichen Zeitraum des Vorjahres bei dreifach höheren Wert .

Südkorea hat bereits die Einfuhr von Schweinefleisch aus Deutschland gestoppt. Wenn andere Länder außerhalb der EU und insbesondere China folgen, ,,wird Polen mit billigen Schweinefleisch und Schweinefleisch-Erzeugnisse vom westlichen Nachbar überschwemmt“, fürchtet Verbands-Chef Dargiewicz. ,,Gleichzeitig könnte dann Polen, dass die meisten Schweinefleisch-Produkte nach Deutschland ausführt, den Verlust des deutschen Marktes deutlich zu spüren bekommen“. Seine Hoffnung liegt deshalb darauf, dass es den Deutschen gelingt, mit den Chinesen das in der EU geltende Regional-Prinzip auszuhandeln, wonach nicht die Ausfuhr von Schweinefleisch aus dem gesamten Land, sondern nur aus der Region gestoppt wird, in der ASP-Fälle aufgetreten sind.

© André Jański / infopol.PRESS

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