Start von Amazon in Polen ohne Feuerwerk

Seit Monaten mit großer Spannung erwartet, hat der amerikanische Internet-Riese-Amazon diese Woche offiziell sein polnisches Verkaufsportal Amazon.pl gestartet.

Gemessen an den Erwartungen verlief der Eintritt von Amazon in den polnischen e-Commerce-Markt jedoch ernüchternd. Im Preisvergleich von 1000 Produkten aus den Kategorien Heim-Elektronik, Spielzeug, Haus und Garten kamen die Analysten des Preisvergleichsportal Dealavo zu dem Ergebnis, dass Amazon keine besseren Preise bietet als das bisher den polnischen E-commerce beherrschende Portal Allegro. Im Gegenteil: Allegro bot in der Mehrheit der analysierten Produkte sogar niedrigere Preise als Amazon oder zumindest die gleichen Preise. Besonders augenfällig war dies in der Produkt-Gruppe der Heim-Elektronik.

Polnische Kunden hatten vor dem Start der polnischen Amazon-Plattform seit Jahren die Möglichkeit, Bestellungen bei Amazon über den deutschen Marketplace vorzunehmen, für den Produktbeschreibungen in polnischer Sprache abrufbar waren. Diese Möglichkeit stieß jedoch bei polnischen Verbrauchern auf wenig Gegenliebe, weil die deutschen Produktbeschreibungen in einer grauseligen polnischen Sprache übersetzt waren. Polnische Verbraucher wurden dadurch von Käufen eher abgeschreckt.

Produkte teurer als  auf der deutschen Plattform 

Mit dem Start des polnischen Amazon-Portals tritt nun im Vergleich zum deutschen Amazon-Marketplace ein weiteres kritisches angemerktes Problem zutage: Die gleichen Produkte, die im deutschen Amazon-Portal angeboten werden, sind im polnischen Amazon-Portal 10 bis 15 Prozent teurer.
Preise können in den einzelnen Ländern verschieden sein, entgegnet darauf Alex Ootes, Vizechef für die Entwicklung von Amazon in Europa.,, Wir sind uns bewusst, dass der Preis für den polnischen Kunden das entscheidende Kauf-Kriterium ist, sagte der Manager auf einer Video-Konferenz. Man werde deshalb in den nächsten Woche und Monaten ,,hart“ daran arbeiten“, damit die Preise im polnischen Portal die niedrigsten werden.

Ohne Prime-Programm

Auch bei den Gebühren und Provisionen müssen Händler für die Einstellung ihrer Produkte bei Amazon mehr bezahlen als beim polnischen Wettbewerber Allegro. Oates verwies hier darauf, dass Amazon ganz andere Möglichkeiten bei der Werbung und im Verkauf biete. Ein weiterer Vorteil für polnische Händler sei der Zugang zu europäischen Märkten. Auch habe Amazon ganz andere Prozesse im Kundenservice.
In den Kommentaren und Rezensionen der ersten Tagen nach dem Debüt der neuen Plattform wird allerdings sehr kritisch bewertet, dass Amazon in Polen ohne sein populäres Prime-Programm gestartet ist. In der Folge erhalten die Kunden bei Amazon gebührenfreie Lieferungen erst ab einen Produkt-Kauf im Wert ab 100 Złoty (ca. 22,50 Euro). Beim Wettbewerber Allegro werden Waren für Kunden, die das Allegro-Programm Smart gebucht haben, dagegen schon ab dem Verkaufswert von 40 Złoty (knapp 9 Euro) kostenlos ausgeliefert.

© André Jański / infopol.PRESS

Amazon wirft Fehde-Handschuh in polnischen E-Markt

Jahrelang hatte es nur Spekulationen gegeben. Was bislang nur Gerüchte waren, wird jetzt Realität. Der amerikanische Online-Riese Amazon, der bislang Polen mit zehn Logistikzentren überzogen hat, die vorrangig nur den deutschen Markt bedienten, wird in diesem Jahr mit einem selbständigen polnischen Amazon-Portal starten. Dies hat jetzt offiziell der Vizechef für die Entwicklung von Amazon in Europa, Alex Ootes, bestätigt. Bislang hatten polnische Kunden nur die Möglichkeit, Bestellungen bei Amazon über den deutschen Marketplace vorzunehmen, für den Produktbeschreibungen in polnischer Sprache abrufbar waren. Dies soll sich nun ändern. Nicht sofort, aber im Laufe dieses Jahres. Wann genau das polnische Amazon-Portal an den Start geht, konnte oder wollte Alex Oetes noch nicht sagen. Die Vorbereitungen werden noch einige Monate andauern, auf jeden Fall soll es noch in diesen Jahr sein, versprach der Amazon-Manger.
Was Amazon nach jahrelangem Abwarten bewogen hat, jetzt direkt in den polnischen E-commerce –Markt einzutreten, ist nicht bekannt. Dazu dürfte aber die Entwicklung des digitalen Handels in Polen beigetragen haben. In den vergangenen Jahren in Größe und Umfang den internationalen Entwicklungen hinterher trabend, hat der Umsatz im polnischen E-Commerce 2020 erstmals die Grenze von 10 Mrd. Euro überschritten. Die Corona-Krise und die Laden-Schließung im Frühjahr und zum Jahresende haben diesen Prozess noch vorangetrieben. Ein weiterer und vermutlich noch viel wesentlicher Grund wird die mit dem Markteintritt verbundene Absicht sein, den Platzhirsch im polnischen Internet-Handel Allegro den Spielraum für seine weiteren Entfaltungsmöglichkeiten zunehmen und sich selbst große Marktanteile zu sichern. Allegro hatte bereits die amerikanische Internet-Plattform Ebay, die vor mehr als zehn Jahren versuchte auf dem polnischen Markt Fuß zu fassen, erfolgreich aus dem Rennen gekegelt.

Neun Logistik-Zentren hat Amazon bereits in Polen, die bisher vorrangig auf den deutschen Markt ausgerichtet waren. Ein zehntes in Świebodzin wird in Kürze eröffnet. Foto: Amazon

Nun ist Ebay nicht mit den globalen Online-Giganten Amazon vergleichbar, der bereits 2014 die Kostenvorteile nutzend die ersten Logistikzentren in Polen eröffnete und heute dort über 18 000 Mitarbeiter beschäftigt.
Allegro, vor 20 Jahren als lokales Start up gegründet, hat aber inzwischen einen Kundenstamm von 12,3 Mio. aktiven Käufern. Mit dem Gang an die Börse im vergangenen Herbst hat das Unternehmen weiter Auftrieb bekommen, sich dem Wettbewerb mit Amazon zu stellen. Dabei will das Unternehmen auch neue Wege einschlagen. Ab Februar will Allegro mit einer B2B-Plattform starten, die ausschließlich nur Unternehmen vorbehalten ist. Amazon hat dagegen mit der Ankündigung zum Markteintritt sofort das Verkaufs-Panel Seller Central Polska geschalten, in dem sich Firmen vorab einloggen können. ,,Wir freuen uns, dass wir mit Vermittlung von Amazon die Position polnischer Firmen stärken können“, erklärte Alex Oetes mit Verweis auf den Zugang zu weltweit 300 Mio. Amazon-Kunden, einer breiter Produktauswahl und Service-Dienstleistungen.

Mehr Wettbewerb – Mehr Preisdruck

Mit Amazon kommt aber auch mehr Wettbewerb in den Markt. Insbesondere polnische Firmen, die bisher mit hohen Preisen auf Importwaren gute Geschäfte machten, werden bei gleichen oder ähnlichen Produkt-Angeboten ausländischer Händler unter Druck geraten.
Ohne Zweifel wird der Start von Amazon in Polen zu Verschiebungen und einer neuen Dimension im polnischen e-commerce-Markt führen. Mit seinen 10 Logistik-Zentren in Polen hat sich der amerikanische Handelsriese von Jeff Bezos dazu bereits hervorragende Voraussetzungen geschaffen. Ob Amazon aber sofort automatisch die uneingeschränkte Führungsposition einnehmen wird, bleibt abzuwarten. Vieles hängt von der Höhe der Gebühren, die Amazon auf die verkauften Produkte ansetzt, den Lieferformen und den an die Händler gestellten Bedingungen ab. Ein nicht zu unterschätzender Fakt sind auch die national-patriotischen Einstellungen vieler polnischer Verbraucher und Händler. Ein internationaler Konzern, der in Polen Milliarden-Geschäfte macht, aber keine oder wenig Steuern bezahlt, wird in Polen weniger hingenommen als es in Deutschland der Fall ist. Mit den Listen von Einnahmen und Steuerzahlungen großer Unternehmen, die der polnische Fiskus regelmäßig öffentlich macht, ist hier auch für mehr Transparenz gesorgt. So hatte Amazon nach Angaben des polnischen Finanzministeriums für die geschäftliche Tätigkeit seiner Logistikzentren in Polen bei einem Umsatz von 1,76 Mrd. Złoty (2018) lediglich 19 Mio. Złoty Körperschaftssteuer an den Fiskus abgeführt. Das sind weniger als 5 Mio. Euro.

© André Jański / infopol.PRESS

InPost mit Paket-Automaten hoch im Kurs

InPost ist ein polnischer Betreiber von Paket-Automatenanlagen. Der größte in Polen und in Europa. Die internationale Nachfrage nach seinen Aktien war so groß, dass das Order-Buch bereits zwei Tage vor dem heutigen Start an der Euronext-Börse in Amsterdam ausgeschöpft und geschlossen wurde. Für den amerikanischen Finanz-Investor Advent International ist der Börsengang des polnischen Paketdienstleisters damit eines seiner vorteilhaftesten Geschäfte.
Der Advent-Fonds hatte vor vier Jahren Inpost und deren Holding Integer für insgesamt 320 Mio. Zloty (rund 75 Mio. Euro) übernommen. Mit den zum Verkauf angebotenen InPost-Aktien nimmt Advent jetzt zwischen 2,8 Milliarden Euro ein. Allein die Investoren Blackrock, Capital World und GIC hatten sich verpflichtet, Papiere im Wert von bis zu 1,03 Milliarden Euro zu kaufen. Nach dem Börsenstart mit 16 Euro pro Aktie stieg der Wert in den ersten Stunden der Notierung auf 19 Euro. Damit kommt das polnische Unternehmen mit den 175 Mio. Aktien im Börsengang, die 35 Prozent des Kapitals ausmachen, auf einen Börsenwert von über 8 Mrd. Euro.

Höchste Schließfachdichte in Europa

Die große internationale Nachfrage nach den InPost-Aktien sind in dem Fakt begründet, dass Polen die höchste Schließfach-Dichte in Europa hat. Nach Angaben von Source Company betrug sie 239 pro Mio. Einwohner (Stand 2019) Der größte Anteil davon entfällt auf Inpost. Der Paketdienstleister hatte Ende Dezember 10 770 Paket-Automaten in Polen, über die 249 Mio. Sendungen im Jahre 2020 abgewickelt wurden. Dazu betreibt er 1100 Automaten in Großbritannien und 350 in Italien.
Zum Vergleich: In Deutschland beträgt die Schließfachdichte dagegen laut Source Company lediglich 69 pro Mio. Einwohner (Stand 2019). Hier wird noch die Bequemlichkeit des deutschen Kunden bedient und der Großteil der Paketlieferungen vom Kurier an der Haustür zugestellt. Dabei ist schon jetzt absehbar, dass bei dem Mangel an Kurierfahrern, den hohen Kosten der Paket-Zustellung auf der sogenannten letzten Meile und den rasanten Zuwachs-Raten im Online-Handel diese Entwicklung nicht mehr lange durchzuhalten ist. Von den Verkehrsbelastungen insbesondere in dichtbesiedelten Gebieten ist dabei noch gar nicht die Rede.
In Polen werden laut Experten-Schätzungen bereits in diesem Jahr mehr Pakete über Automaten-Anlagen und Paket-Abholstationen abgefertigt als durch den Kurier an der Haustür zugestellt. DHL, DPD und die anderen Logistik-Dienstleister betreiben dazu eigene Paket-Abholstationen oder in Zusammenarbeit mit Einzelhändlern und Dienstleistungsfirmen. Allerdings sind auch hier die Grenzen absehbar. Immer weniger Einzelhändler sind bereit, als Nebengeschäft ihre Ladenflächen für die immer größer werdende Pakete-Flut und deren Abwicklung bereitzustellen. Die Corona-Krise und ihre Folgen trägt zur Forcierung dieses Prozesses bei.

Nicht nur Abholung, auch Paket-Aufgabe erfolgt digital

Die meisten Abholpunkte in Polen mit rund 12 000 hat gegenwärtig die Staatspost Poczta Polska. Doch bei der Polnischen Post ist es ähnlich wie bei der Deutschen Post. Für die Paketannahme und –abgabe muss der Kunde anstehen und verschwendet bei der dort üblichen Arbeitspraxis mit der Warterei viel Zeit.
Bei den Paket-Automatenstationen von InPost werden dagegen alle Prozesse digital abgewickelt – rund um die Uhr ohne Schließzeiten. Im Unterschied zu den meisten Paket-Automaten werden bei InPost nicht nur Pakete abgeholt. Der Kunde kann auch Retouren einlegen oder generell über die Automaten Pakete ohne Strichcode-Aufkleber verschicken. Der Kunde lädt sich dafür einfach nur ein QR-Code über eine App herunter.

,,Europas führende Automatisierungslösung für den elektronischen Handel“

Zu den größten Kunden von InPost gehört Polens führendes Online-Handelsportal Allegro, das knapp ein Drittel des Umsatzes von InPost ausmacht. Das Loyalitäts-Programm Allegro Smart, das gegen Zahlung eines Monats- oder Jahresabos kostenlose Paket-Sendungen von Allegro an die Inpost-Paketstationen ermöglicht, nutzen gegenwärtig über 2 Mio. Allegro-Kunden. Auch Amazon hat kürzlich einen Vertrag mit InPost abgeschlossen: Für Paket-Sendungen aus Deutschland.
Mit dem Börsengang von InPost gibt dessen Vorstandschef Rafal Brzoska auch das Ziel vor: ,,Wir wollen Europas führende Automatisierungslösung für den elektronischen Handel werden”, sagte Vorstandschef Rafal Brzoska. Das Unternehmen will dazu die Anzahl seiner Paket-Automatenstationen in Polen und Europa um jährlich 2000 bis 2500 erhöhen.

© André Jański / infopol.PRESS

Erstes Lockdown-Opfer in polnischer Textilbranche

Wie die Adler-Modemärkte in Deutschland hat jetzt auch die polnische Textilbranche ihr erstes prominentes Opfer durch den Corona-Lockdown. Das Bezirksgericht von Łódź hat gegen den Eigentümer der bekannten polnischen Mode-Marke Gatta, dem Unternehmen Ferax, die Insolvenz eröffnet. Nach Korrektur einer fehlerhaften Informationsübertragung durch das Gericht unterliegt das Unternehmen jetzt einem Sanierungs-Verfahren.

Einer der letzten Textil-Produzenten in Europa

Gatta-Kalender mit der Popmusikerin Justyna Steczkowska

Die Marke Gatta steht für qualitativ hochwertige Damen-Unterwäsche, Strumpfhosen und Strümpfe, die auch in deutschen Mode-Boutiquen und Shops verkauft wird. Der Produzent aus Zduńska Wola (bei Łódź) produziert auch Fashion und Sportswear, darunter Shirts, Leggins, Blusen und Röcke. Vor über 25 Jahren gegründet ist er einer der wenigen großen Hersteller in Europa, die ihre Betriebe nicht nach China, Bangladesh oder in ein anderes Land Asiens verlegt haben.
Neben dem weltweiten Export werden die in Zduńska Wola gefertigten Textilien in der Gatta-Ladenkette in Polen verkauft. Dazu gehören 130 Läden. Die meisten davon befinden sich in den großen Verkaufs-Galerien und Handelszentren der Großstädte. Und hier liegen auch die Gründe für die Einleitung des Insolvenzverfahrens. Die hohen Kosten für die Anmietung der Lokale in den großen Handelszentren in Verbindung mit dem Umsatz-Rückgang durch die Lockdown-Maßnahmen haben das Unternehmen an den Rande der Zahlungsfähigkeit gebracht.

Zwar konnte das Unternehmen den ersten Lockdown im vergangenen Frühjahr mit den zuvor erwirtschafteten Eigenkapital-Reserven (238 Mio. Złoty Umsatz 2019) noch überstehen und danach durch den Anstieg des online-Verkaufs sogar noch einen kleinen Gewinn erwirtschaften. Der zweite Lockdown mit den amtlich angeordneten Ladenschließungen im November und Dezember haben dem Unternehmen jedoch den Rest gegeben. Von der jetzt eingetretenen Situation sind 1300 Mitarbeiter bedroht, die in der Produktion und dem Gatta-Vertriebsnetz beschäftigt sind.

Durch das eingeleitete Sanierungsverfahren ist das Unternehmen Ferax momentan vor der Durchsetzung der Gläubiger-Ansprüche geschützt, insbesondere von den Eigentümern der Handelszentren und den Mietforderungen. Mit den Insolvenzverwalter an der Seite kann das Unternehmen weiterhin seinen Geschäftsbetrieb fortführen. Allerdings sind die Läden weiterhin geschlossen und es ist bislang noch völlig ungewiss, ob die polnische Regierung die Lockdown-Maßnahmen mit der Schließung der Läden in den Februar hinein verlängert. Branchen-Experten sind sich jedoch einig, dass Gatta erst der Anfang einer Pleite-Welle und symptomatisch für die finanzielle Situation der gesamten Textil-Branche in Polen ist.

© Magda Szulc /infopol.PRESS

Weiteres Zentrum von Amazon in Grenznähe zu Deutschland

Der US-amerikanische Online-Gigant Amazon wird in Kürze sein 10. Logistik-Zentrum in Polen eröffnen. Wie Amazon jetzt offiziell bestätigte, befindet sich das neue Zentrum in den an der Autobahn A-2 (A-12-Anschluß Berlin-Frankfurt/O.-Poznań) gelegenen Świebodzin, rund 70 Kilometer Luftlinie hinter der deutschen Grenze. Nach dem 2017 direkt an der Grenze zu Deutschland eröffneten Logistikzentrum in Kołbaskowo an der A-11 (bei Pomellen – 80 Kilometer bis Berlin) im Norden und den 2019 an der Autobahn A-4 in Okmiany (bei Bunzlau/ Bolesławiec) eröffneten Vertriebszentrum im Süden operiert Amazon jetzt direkt in Grenznähe an allen Haupt-Einfahrts-Trassen nach Deutschland.

Symbolik: Amazon und die Christus-Figur

Das neue Logistik-Zentrum in Świebodzin ist mit einer Fläche von 193 000 Quadratmetern eines der größten von Amazon in Polen. Wie schon die anderen Objekte wurde das Zentrum vom internationalen Gewerbe-Immobilienentwickler Panattoni Europe im Rekordtempo erbaut. Nur 4 Kilometer bis zur Auffahrt der Autobahn A-2 kann die Ware binnen 45 Minuten nach Deutschland transportiert werden.

Foto-Montage: PL-Agentur

Die Standort-Wahl hatte eine doppeldeutige Symbolik. Unweit des neuen Amazon-Logistik-Zentrums streckt in 36 Metern Höhe die weltweit höchste Christus-Figur ihre Hände in Richtung Westen aus.
Nach Angaben von Amazon werden in Świebodzin über 1000 Mitarbeiter beschäftigt. Świebodzin ist eine Kleinstadt. Der Online-Riese wird daher wie schon in Kołbaskowo und Okmiany seinem bisherigen Beschäftigungs-Prinzip folgen. Die Mitarbeiter werden in Bussen angekarrt, oft mit Anfahrtwegen von bis zu 2 Stunden. Dazu zwingt auch die Beschäftigungs-Situation in der Region. Im Umfeld von Świebodzin sind zahlreiche internationale Unternehmen angesiedelt, darunter die größte Möbelfabrik der Welt in Zbąszynek (IKEA).
Das Amazon-Zentrum in Świebodzin arbeitet als Fulfillment-Center. Dies schließt alle Arbeitsprozesse von der Lagerhaltung, über die Kommissionierung, Verpackung, Frankierung und dem Versand ein. Das Versand-Sortiment in Świebodzin ist auf die Warengruppen Konsumgüter, Elektronik und Bücher ausgerichtet.
Nach Angaben von Marian Sepesi, Regionaldirektor von Amazon, wird Świebodzin das dritte Amazon-Center in Polen, das mit Robotergesteuerten -Prozess-Automatisierungslösungen (knapp 3000) arbeiten wird.
Voraussichtlich werden die Amazon-Mitarbeiter in Świebodzin in einem auch für polnische Verhältnisse seltenen 10-Stunden-System in zwei Schichten arbeiten. Sonntage eingeschlossen, damit der der Kunde in Deutschland am nächsten Tag sein Paket erhält. Nach 4 Zehn-Stunden-Arbeitstagen erhalten sie dann drei arbeitsfreie Tage.

20 Złoty Stundenlohn

Festangestellten Mitarbeitern wird ein Stunden-Lohn von 20 Zloty (rund 4,50 EUR) bezahlt. Bei Team-Leitern beginnt die Bezahlung ab 25 Zloty. Das ist weniger als die Hälfte der Stundensätze, die Amazon Versandmitarbeitern an einem deutschen Standort zahlt. Und das bei gleicher Arbeit mit den gleichen Technologien.

Amazon beschäftigt gegenwärtig in Polen insgesamt 18 000 festangestellte Mitarbeiter. Dazu kommen zu saisonalen Höhepunkten rund 10 000 Saisonkräfte, darunter auch Arbeitskräfte aus der Ukraine. Die Logistik- und Vertriebszentren von Amazon in Polen nehmen inzwischen eine Gesamtfläche von 2 Mio. Quadratmetern ein. Die ersten Amazon-Logistik-Center wurden 2014 nach den großen Streiks in deutschen Amazons-Zentren in Breslau und Poznań errichtet. Die amerikanische Handels-Plattform betreibt in Polen selbst kein eigenes selbstständiges Online-Portal. Polnische Kunden und Händler bestellen und liefern über die deutschen Amazon-Portal aus, das auch in polnischer Sprache verfügbar ist.

Mit seiner Steueroptimierungs-Strategie gehört Amazon zu den internationalen Konzernen in Polen, die kaum oder nur sehr wenig Einkommenssteuer in Polen bezahlt. Laut dem polnischen Finanzministerium hat Amazon bei einem Umsatz von 1,76 Mrd. Złoty (2018) bescheidene 19 Mio. Złoty , also weniger als 5 Mio. Euro Körperschaftssteuer gezahlt.

© André Jański / infopol.PRESS

Wie bei einer Pizza – CCC liefert Schuhe an die Haustür

Nach der bisherigen Tages-Rekordzahl von über 27 800 Neuinfektionen hat die polnische Regierung ihre Corona-Schutz-Maßnahmen weiter verschärft. Wie schon im Frühjahr bleiben jetzt vorerst bis zum 29 November weitgehend alle Läden und Märkte in den großen Einkaufszentren geschlossen. Offen bleiben nur einige Dienstleistungs-Einrichtungen, die ,,wesentliche Bedeutung für das tägliche Leben“ haben. Dazu gehören vor allem Läden und Märkte , die Artikel des täglichen Bedarfs verkaufen.

Mit den Einschränkungen haben die Discount- und Supermarkt-Ketten sofort wieder einen Konsum ohne Zeit-Limit eingeläutet.. Polens größte Discounter-Kette Biedronka hatte bereits vor Einführung der neuen Corona-Beschränkungen die Öffnungszeiten eines Großteils seiner Märkte bis auf 2 Uhr nachts verlängert. Andere Ketten zogen nach. Den Vogel dabei schoss dabei Kaufland ab. Damit die Menschen nicht in langen Schlangen vor den Märkten stehen müssen und in Ruhe einkaufen können, hält Kaufland 16 seiner größten Märkte 24 Stunden rund um die Uhr offen. Wie der Dude in der Hollywood-Komödie ,,The Big Lebowski“ kann man also auch 3 Uhr nachts im Schlafanzug und Haus-Pantoffeln bei Kaufland in Polen durch die Verkaufsgänge schlurfen.

Milliarden-Verluste für den Handel

Für die Betreiber der großen Handelsgalerien – insgesamt über 500 mit jeweils mehr als 20 000 m2 Verkaufsfläche in ganz Polen – stellt sich die Situation dagegen weniger amüsant dar. Bereits beim Lockdown im Frühjahr verzeichneten sie nach Angaben der Branchenorganisation PRCH einen Einnahme-Verlust von rund 1 Mrd. Zloty infolge der administrativ angeordneten Freistellung der Ladenmieter von ihren Pachtzins-Zahlungen und weiteren 2 Mrd. Zloty nach Mietsenkungen für den Zeitraum von Juni bis Dezember im Ergebnis von Verhandlungen zwischen Ladenmietern und Eigentümern der Handelszentren.
Im besonderen Maße sind die großen Bekleidungs- und Schuhketten sowie die Märkte für Haushalt- und Unterhaltungselektronik von der Schließung betroffen. Bereits beim Frühjahrs-Lockdown hatten sie erhebliche Verluste erlitten.. Mit einer Intensivierung des Internet-Verkaufs versuchten sie die Verluste zu minimieren. So auch Polens führende Schuhkette CCC. Wie das an der Warschauer Börse notierte Unternehmen in seinem jüngsten Quartals-Bericht bekanntgab, konnten die Einnahmen aus dem e-commerce bis September um 64 Prozent auf 1,61 Mrd. Złoty (rund 360 Mio., Euro) erhöht werden. Dies machte bereits 45 Prozent des gesamten Umsatzerlöses der CCC-Gruppe aus, die in 29 Ländern 1242 Läden – davon die meisten in Polen – betreibt.
Das Unternehmen hatte bereits vor der Corona-Krise eine grundsätzliche Änderung seiner Geschäfts-Strategie beschlossen. Anstelle der Eröffnung von immer neuen Schuh-Salons in repräsentativen Shopping-Malls soll der Schwerpunkt in der Geschäftsentwicklung verstärkt auf den Verkauf über das Internet, begleitet vom ein Ausbau des kanalübergreifenden
Omnichannel-Geschäfts-Modells (stationärer Verkauf / Internet / soziale Medien / mobile Apps) gelegt werden. CCC besitzt inzwischen schon 66 online-Plattformen in allen europäischen Ländern.

Schuh-Lieferung in 60 Minuten

Die Ladenschließung in den Handels-Galerien hat das Unternehmen auf eine neue Idee gebracht, die das Omnichannel-Geschäft – nicht nur im Schuhhandel – auf eine neue Dimension stellen könnte. Das Konzept sieht vor, die Schuhe innerhalb von 60 Minuten nach der Online-Bestellung an die Haustür des Kunden zu liefern. ,,Wir sind einfach davon ausgegangen, wenn man eine Pizza innerhalb kürzester Zeit zum Kunden liefern kann, dann kann man das mit Schuhen auch“, erläutert Konrad Jezierski, der für das Omni-Channel-Geschäft bei CCC verantwortlich ist. Die neue Dienstleistung soll noch im November in Warschau als Test-Versuch anlaufen und dann auf schrittweise auf alle Städte ausgeweitet werden, wo CCC ein Laden-Geschäft hat. Nach Eingabe seiner Postleitzahl bei der Online-Bestellung sieht ein Kunde die verfügbaren Versandoptionen . Voraussetzung dafür ist, dass die Schuhe im Laden vor Ort vorrätig sind. Die Bestellung mit der Lieferoption wird dann an den CCC-Laden vor Ort übermittelt. Der Kurier erhält dann über eine spezielle App die Nachricht zur Abholung der Ware und deren Zustellung an den Kunden.
Mit den Zeit-Limit von 60 Minuten wolle man den Erwartungen und Bedürfnissen insbesondere von jungen Leuten entgegenkommen, für die der Grundsatz gilt ,,Hier und Jetzt“. ,,So wie sie leben, wollen sie auch ihre Einkäufe machen und verfügbare Produkte sofort in die Hand bekommen“, meint dazu der CCC-Manager.
Für das kommende Jahr plant die polnische Schuhkette dann einen Großteil der Lieferungen innerhalb von 30 bis 45 Minuten zuzustellen. Das ist eine Innovation im gesamten Markt-Maßstab. Niemand hat bisher Bestellungen innerhalb so kurzer Zeit an die Haustür geliefert“, ist der CCC-Manager überzeugt.
Wenn das Konzept aufgeht und auch Groß-Unternehmen anderen Branchen mit Vor-Ort-Präsenz, wie z.B. die Bekleidungs-Branche, dem Beispiel folgen, könnte das auch die Handels-Plattformen wie Amazon, Allegro oder Zalando unter Druck bringen.

CCC ist im deutschsprachigen Raum mit 46 Filialen in Österreich vertreten . In der Schweiz hatte CCC vor drei Jahren 10 Mio. Schweizer Franken für die Übernahme der Schuh-Kette Karl Voegele bezahlt. Seinerzeit zählte der Schweizer Filialist über 200 Läden. Seitdem wurde eine Schrumpfung der Ladenzahl vorgenommen. Bis Ende des Jahres sollen nur noch 156 Läden übrigbleiben. Wie schon zuvor in Deutschland, aber auch in Österreich, bringen die Läden bezogen auf die Verkaufsfläche viel weniger Umsatz als die CCC-Läden in Polen. Bei deutlich höheren Kosten! Eine Option ist daher auch wieder den Wiederverkauf des Schweizer Schuh-Filialisten.
In Deutschland hat die polnische Schuhkette ihr Filial-Geschäft bereits dem deutschen Schuh-Händler HR Group (u.a. Reno) für einen Minderheits-Anteil an der HR Goup überlassen.

© André Jański / infopol.PRESS

Allegro – Polens Nr. 1 im online-Handel geht an die Börse

Schluss mit den Spekulationen – Polens größter online-Marktplatz Allegro hat jetzt offiziell seinen Gang an die Börse bekanntgegeben.  Im Vorfeld war spekuliert worden, dass Polens Nr. 1 im Online-Handel seine Aktien an der Börse in Amsterdam platziert. ,,Wir konnten jedoch gar nicht anders als an die Warschauer Börse zu gehen, den Platz, wo die Marke Allegro die größte Anerkennung findet“, sagte Francois Nuyts, CEO von Allegro. In Warschauer Börsenkreisen verbindet sich mit dem Börsengang von Allegro die Erwartung, dass sich der IPO zum größten Börsen-Debüt in der Geschichte der Warschauer Börse entwickelt.

Allegro gilt weltweit unter den ‚Handels-Plattformen als Phänomen. Als lokales Start up gegründet, gehört das polnische Internet-Portal gemessen an der GMV-Kennziffer ((GMV – Gross Merchandising Volume – Gesamtwert der Verkäufe) zu den zehn größten Handels-Plattformen im E-Commerce. Weltweit!
Über die Handels-Plattform von Allegro wurden von Juni 2019 bis Juni 2020 Waren im Wert von 28,4 Mrd. Złoty (rund 6,5 Mrd. Euro) verkauft. Nach eigenen Angaben hat Allegro einen Kundenstamm von 12,3 Mio. aktiven Käufern. 117 000 Firmen bieten auf der Handelsplattform ihre Produkte an. Der Gesamtwert der Verkäufe (GMV) und der Netto-Umsatz stieg im vergangenem Jahr um 25 bzw. 30 Prozent. Die Corona-Krise hat diese Entwicklung weiter beschleunigt. Im ersten Halbjahr sind die beiden Kennziffern um über 50 Prozent gestiegen, teilte Allegro mit. Entsprechend sei auch das EBITDA-Ergebnis im ersten Halbjahr um 28 Prozent bei Margen von über 45 Prozent gewachsen.

 

Die Legende vom ,,polnischen Internet-Portal“

Allegro verdankt seinen Erfolg seiner frühzeitigen Gründung. Die Plattform wurde bereits 1999 mit 4000 Zloty Stamm-Kapital gegründet (knapp 1000 Euro). Als ebay knapp zehn Jahre später versuchte, auf dem polnischen Markt Fuß zu fassen, war Allegro bereits so weit gefestigt, um den Angriff erfolgreich abzuwehren.

Allegro verdankt seinen Erfolg auch seinem Ruf, ein polnisches Internet-Portal zu sein, was im national-patriotischen Stimmungs-Gefüge der polnischen Verbraucher von großer Bedeutung ist. Allerdings war Allegro nie ein reines polnisches Internet-Portal. Gegründet wurde es vom polnischen Ableger der britischen QXL Ricardo. Als die Umsätze schon über 10 Mrd. Zloty lagen, wurde es von der südafrikanischen Napster-Gruppe übernommen. Die verkaufte wiederum Allegro 2016 für 2,95 Mrd. Euro an ein Konsortium von Fonds-Gesellschaften, darunter der Private Equity Fonds Mid Europa Partners.

Ex-Amazon-Manager an der Spitze von Allegro

An der Spitze von Allegro steht jetzt mit Francois Nuyts ein erfahrener Manager, der früher bei Amazon seine Brötchen verdient hat. Nuyts hatte u.a. Amazon in Südafrika eingeführt und leitende Positionen bei Amazon in Frankreich, Spanien und Italien inne.
Allegro ist auch auf den Märkten der Nachbarländer tätig, hat allerdings dort nicht die Dominanz wie auf dem heimischen polnischen Markt. 2016 startete Allegro auch mit einer Test-Version auf dem deutschen Markt. Polnische Firmen zeigten jedoch wenig Interesse, sich mit ihren Angeboten für deutsche Kunden als polnische Firmen erkennen zu geben und bevorzugen deshalb nach wie vor die Plattformen von Amazon und ebay.
Wie aus den bisher von Allegro übermittelten Informationen hervorgeht, ist im Rahmen des Börsengangs ein Verkauf der Aktien aus dem Bestand der bisherigen Eigentümer sowie eine Neu-Emission geplant, aus der Allegro 1 Mrd. Zloty ziehen will. Das Angebot richtet sich vorrangig an institutionelle Investoren. 5 Prozent des Angebots richtet sich an Klein-Anleger.

Rüsten auf den Kampf mit Amazon

Bereits sich Allegro mit dem Börsengang auf den Eintritt des Internet-Giganten Amazon in den polnischen Markt vor? Amazon hat nach den großen Streik-Aktionen 2014 in Deutschland die ersten Vertriebs-Zentren in Polen errichtet. Inzwischen ist deren Zahl auf über neun gestiegen und nicht nur in den westpolnischen Gebieten, von wo aus vorrangig die Amazon-Kunden in Deutschland bedient werden. Amazon betreibt aber selbst kein eigenständiges polnisches Verkaufs-Portal. Wer sich auf amazon.pl einloggt wird automatisch auf die deutsche Domain umgeleitet, wo die Produktbeschreibungen zum großen Teil maschinell ins Polnische übersetzt sind. Statt in Zloty sind dort die Preise in Euro angegeben. Bis jetzt! Es ist nur noch eine Frage der Zeit, wann der Internet-Riese mit einem eigenständigen Verkaufs-Portal in Polen startet. Für Allegro brechen dann schwere Zeiten an.

© André Jański / infopol.PRESS

Foto: PL-MVI-Agentur

Netto übernimmt Tesco-Ladenkette in Polen

Schon seit geraumer Zeit versuchten die Briten einen Käufer für ihre lahmende Ladenkette Tesco in Polen zu finden. Interessenten gab es , darunter Kaufland. Jetzt hat jedoch der Scottish Terrier der schwarz-gelben Discount Kette zugeschnappt. Der dänische Netto schließt mit dem Kauf des britischen Handels-Riesen in Polen zum Discounter Lidl auf. Die großen Tesco-Märkte könnten aber auch ein zu gewaltiger Brocken für Scottie werden.

Der britische Handelskonzern Tesco hat den Verkauf seiner Ladenkette in Polen bekanntgegeben. Käufer ist die dänische Salling, Group, Eigentümer der Discount-Kette Netto. Die Transaktion, die noch der Zustimmung der Wettbewerbs-Behörden bedarf, umfasst den Verkauf von 301 Läden, zwei Vertriebszentren und die Firmen-Zentrale von Tesco in Polen. Der Vertrag schließt die Übernahme der rund 7000 Tesco-Mitarbeiter durch Netto ein.
Der Verkaufspreis fällt mit 900 Mio. Złoty (181 Mio. Pfund) relativ niedrig aus. Zum Vergleich: die Metro-Gruppe verkaufte 2012 ihre 91 Real-Märkte in Mittel- und Osteuropa, davon über 50 in Polen, für 1,1 Mrd. Euro an den französischen Handelskonzern Auchan. Was damals für die Metro-Gruppe ein Befreiungsschlag war, trifft auch heute auf Tesco zu.
Die Hyper-Märkte – große SB-Einkaufshäuser – als einstiges Parade-Stück des britischen Handelskonzerns haben schon lange ihre Blüte-Zeit in Polen überschritten. Die Kunden wanderten von der Hyper-Märkten zu kleineren Läden ab. Gleichzeitig verschärfte sich der Wettbewerb mit den beiden führenden Discountern Biedronka und Lidl. Hinzu kamen Fehl-Entscheidungen des Vorstands und das schrittweise eingeführte Sonntags-Handelsverbot in Polen. Damit einher gingen bei den Briten ein kontinuierlicher Umsatz-Rückgang und Netto-Verluste in den vergangenen Jahren. Tesco Polska erzielte im Geschäftsjahr 2019/2020 nur noch einen Umsatz von 1,368 Mrd. Pfund bei einem Netto-Verlust von 24 Mio. Pfund. Dabei hatte das Unternehmen bereits im vergangenen Jahr mit einer Verringerung der Größe seiner Hyper-Märkte auf ein Kompakt-Format begonnen und Läden geschlossen oder verkauft. Wie Tesco mitteilt, wurden allein in den vergangenen 18 Monaten 22 Märkte für 200 Mio. Pfund verkauft.

Auch Kaufland war interessiert

Zu den Käufern gehörte auch die deutsche Einzelhandelskette Kaufland, die noch Anfang des Jahres ,,in einem ersten Schritt“ die Übernahme von drei Tesco-Standorten vermeldete, der die Übernahme von weiteren vier Tesco-Filialen folgten sollten. Nach Angaben des Fach-Handelsportals Wiadomoscihandlowe soll Kaufland neben dem Fonds Mid Europa Partners (früherer Eigentümer der Einzelhandel-Kette Żabka) auch an der Übernahme von Tesco interessiert gewesen sein. Laut dem Portal soll auch Aldi in der frühen Phase der Verkaufs-Verhandlungen eingeschalten gewesen sein.
Vor diesem Hintergrund stellte der Tesco-Verkauf an die dänische Ladenkette Netto ein Paukenschlag im polnischen Einzelhandel dar.
Die dänische Netto-Kette gehörte zu den Vorreitern unter den ausländischen Handels-Unternehmen bei der Erschließung des polnischen Einzelhandels-Marktes. Bereits 1995 eröffnete Netto den ersten Markt in Stettin (Szczecin). Von dort aus startetes es seine Expansion, die regional gewichtet auf Westpolen lag.
Das Discount-Netz von Netto umfasst gegenwärtig 386 Läden in Polen, davon allein 68 in und um Stettin. Neben Westpolen ist Netto auch in Schlesien sehr gut bekannt. Ostpolen stellt dagegen auf der Netto-Filialkarte einen weißen Fleck dar.

Anschluß an Lidl gewonnen

Dies ändert sich jetzt mit der Tesco-Übernahme. Dadurch steigt die Laden-Zahl von Netto auf 687. Netto schließt damit zu Lidl als zweigrößter Discounter in Polen auf. Lidl hat gegenwärtig über 720 Filialen in Polen. Das ist zwar noch immer weit von der Nr. 1 in Polen, der zum portugiesischen Handelskonzern Jeronimo Martins Discount-Kette Biedronka entfernt. Mit der Übernahme der britischen Handelskette gewinnen die Dänen eine größere Präsenz in den polnischen Großstädten, z.B. in Warschau von fünf auf 16 Märkte.

Umgestaltung der großen Tesco-Märkte für Netto eine Herausforderung

Für Netto stellt aber die Übernahme von Tesco eine extrem große Herausforderung dar, weil die Kompakt-Hypermärkte von Tesco um ein Vielfaches größer sind als die durchschnittliche Laden-Größe eines Netto-Discount-Marktes. Michael Løve, CEO von Netto International kündigte bereits an, über eine Milliarde Złoty in die Umgestaltung der Tesco-Märkte zu investieren. Der neue Eigentümer will dazu die Tesco-Märkte in Netto-Läden im Format Netto 3.0 umgestalten. Neben einigen Märkten in Deutschland hat Netto bereits auch erste Läden in Polen in das Format 3.0 mit u.a. pechschwarzer Ausgestaltung des Verkaufs-Innenraumes umgebaut. Die Umgestaltung soll nicht später als 18 Monate nach Abschluß der Transaktion erfolgen. Der soll bis Ende des Jahres erfolgen.
,,Diese Transaktion erlaubt uns, unsere Tätigkeit in der Region auf Tschechien, Ungarn und die Slowakei zu konzentrieren, wo wir stärkere Markt-Positionen und Wachstums-Möglichkeiten haben als in Polen“, erklärte Vorstands-Chef Dave Lewis in der von Tesco herausgegebenen Erklärung.

©André Jański / infopol.PRESS

Foto: PL-MVI-Agentur

Corona: Discounter jetzt Non stop geöffnet

Neue Regelungen für den Handel
Gesonderte Öffnungszeiten nur für Rentner

Polens führende Discount-Ketten Biedronka (Jeronimo Martins) und Lidl (Schwarz-Gruppe) verlängern ihre Öffnungszeiten bis 24.00 Uhr. In Großstädten wie Kraków, Breslau oder Danzig bleiben dagegen ihre Discount-Märkte rund um die Uhr offen. Die Discount-Märkte ziehen damit die Konsequenzen aus den heute (2.April) von der polnischen Regierung angeordneten Regelungen. Diese zielen darauf ab, die Kontakt-Möglichkeiten weiter einzuschränken, um eine Ausbreitung des Corona-Virus zu verringern. Alle Lebensmittel-Märkte sind danach angewiesen, zum besonderen Schutz von älteren Menschen Sperrzeiten von 10.00 bis 12.00 Uhr für Rentner einzurichten. In diesem Zeitraum dürfen nur ältere Menschen ab 65 Jahre in den Super- und Discount-Märkten einkaufen. Durch diese Einschränkung sollen ältere Menschen, die besonders vom Corona-Virus gefährdet sind, geschützt und gleichzeitig die Ansteckungs- und Übertragungs-Möglichkeiten eingeschränkt werden.

Neben der Schließung von Friseur- und Kosmetik-Salons wurden auch Einschränkungen für die Bau-Märkte angeordnet. Die waren in den vergangenen Wochen von den Kunden überlaufen worden. Wie in Deutschland hatten auch die großen Bau-Marktketten in Polen plötzlich Kartoffeln angeboten, um unter der Kategorie Grundversorgung der Bevölkerung einer Schließung zu entgehen. Alle großen Einkaufszentren – mit Ausnahme der Lebensmittelmärkte – waren bereits vor zwei Wochen geschlossen worden. Die Regierung hat jetzt zumindest eine Schließung aller Baumärkte an Wochenenden angeordnet.

Zu den verschärften Regelungen für den Handel wurde jetzt auch ein Limit für den Aufenthalt von Personen in Läden angeordnet – pro Ladenkasse nicht mehr als 3 Kunden.

 

Abstands-Regelungen und regel-mäßiges Desinfizieren der Hand-flächen von Einkaufswagen ist in den meisten Läden schon die Norm. Mit den neuen Regelungen sind jetzt alle Kunden verpflichtet, Einweg-Handschuhe beim Ein-kaufen zu tragen. Lidl will zudem ab nächste Woche für sein Ver-kaufspersonal Gesichts-Schutz-hauben einführen.

Die Discount-Märkte Biedronka und Lidl haben dies zum Anlass genommen, ihre Öffnungs-Zeiten massiv zu erweitern. Eine Fortsetzung des seit zwei Jahren in Polen herrschenden Konsum-Booms animierend, erklärt Biedronka, dass die von der Regierung eingeführten Regelungen zu langen Schlangen von Kunden geführt haben, die ihre Einkäufe machen wollen. Mit der Verlängerung der Öffnungszeiten wolle man den Kampf gegen die Corona-Epidemie unterstützen. Gleichzeitig werde aber durch längere Öffnungszeiten bei der angeordneten geringeren Zahl von Verbrauchern im Laden den Kunden mehr Komfort beim Einkaufen und auch eine höhere Sicherheit beim Einkaufen geboten, behauptet Biedronka.

 

Sowohl bei Biedronka wie auch bei Lidl beträgt ab heute die Grund-Öffnungszeit in allen Filialen von 6.00 Uhr bis 24.00 Uhr. Lidl geht noch einen Schritt weiter: In den Großstädten bleiben die Märkte rund um die Uhr geöffnet. Wenn man darauf steht, kann man also auch nachts um 3 Uhr bei Lidl einkaufen. Der deutsche Discounter plant deshalb auch zusätzliche Mitarbeiter einstellen.

Der Einkauf rund um die Uhr beginnt bei Biedronka in der Woche vor Ostern. Die Oster-Einkäufe sind etwas Besonderes und wir benötigen mehr Zeit, um sorgfältig Produkte auszuwählen und uns um jede Einzelheit zu kümmern, meint man bei Biedronka in Verkennung der Realitäten der Corona-Krise.

Ostern hat im katholisch geprägten Polen einen besonderer Stellenwert. Auch das erste schöne Frühlingswetter hält viele polnischen Familien nicht davon ab, Ostern mit Jung und Alt in geschlossenen Räumen am gedeckten Tisch zu verbringen, den Gang zur Oster-Messe eingeschlossen. Ein Ablauf in dieser Form dürfte dieses Jahr jedoch zu einer explosionsartigen Ausweitung der Corona-Krise in Polen führen, ist zu befürchten. Das ,,Mehr-Generationen-Leben“ ist in Polen ähnlich ausgeprägt wie in Italien und Spanien. Bei der Bedeutung, die die Oster-Feiertage im polnischen Familien-Leben haben, ist es daher sehr fragwürdig, ob die von der polnischen Regierung angeordneten Kontakt-Sperren auch zu Ostern eingehalten werden.

Gegenwärtig (2.April) sind in Polen 2692 bestätigte Corona-Fälle registriert. 51 Personen sind infolge der Corona-Infektion verstorben.

© infopol.PRESS

Foto: PL-MVI-Agentur

Lidl-Kassierer verdienen mehr als junge Ärzte

Die zur deutschen Schwarz-Gruppe gehörenden Handelsketten Lidl und Kaufland haben zum 1.März wieder die Löhne ihrer Mitarbeiter erhöht.

Beim Discounter Lidl erhält das Kassen- und Verkaufs-Personal, das mindestens 1 Jahr beschäftigt ist, jetzt den Starter-Lohn von 3500 bis 4350 Złoty brutto. Bei einer Beschäftigungsdauer von mindestens 2 Jahren erhöht sich der monatliche Brutto-Lohn auf 3700 bis 4600 Złoty (rund 1050 Euro), abhängig vom Standort des Marktes. Das ist oft mehr als ein als ein junger Arzt, der gerade sein Studium beendet hat und zu Anfang im staatlichen Gesundheitswesen erhält. Dies trifft auch auf Lehrer mit Anfangs-Etat und Angestellte im öffentlichen Dienst zu.

Der Discounter Lidl, der in Polen über 700 Märkte betreibt, gehört damit in der polnischen Handels-Branche zu den Unternehmen, die ihren Beschäftigten die höchsten Löhne bieten. Selbst die Nr. 1 im polnischen Discount-Handel Biedronka hält  da nicht mit. Biedronka hatte bereits im Januar eine neue Lohn-Erhöhungsrunde eingeleitet. Bei einer Lohnerhöhung von 100 bis 350 Złoty verdient das Kassen- und Verkaufspersonal bei Biedronka jetzt 3050 bis 3400 Złoty. Mitarbeiter, die bei Biedronka schon länger als drei Jahre beschäftigt sind, kommen auf bis zu 3650 Złoty (~850 Euro).

Biedronka gehört zum portugiesischen Handelskonzern Jeronimo Martins. Während der Umsatz von Lidl in Polen nur rund 5 Prozent des globalen Umsatzes des deutschen Discounters ausmacht (Jahres-Bericht der Schwarz-Gruppe 2018) durchbricht Biedronka in der Bilanz des portugiesischen Handelskonzerns jegliche Verhältnismäßigkeit im internationalen Handelsgeschäft. Jeronimo Martins verdient mit Biedronka mehr als im Mutterland Portugal. Die 3002 Biedronka-Märkte in Polen machen allein zwei Drittel des gesamten Geschäfts-Volumens der portugiesischen Handelsgruppe
aus (67,7 Prozent der Einnahmen).

Zum 1.März hat auch Kaufland die Löhne erhöht. Der Lohn-Erhöhung gingen monatelange Tarifstreitigkeiten zwischen der ,,Freien Gewerkschaft „Jedność Pracownicza“ (Mitarbeiter-Einheit) und dem Kaufland-Vorstand voraus. Zwar agieren Kaufland und Lidl in getrennten selbstständigen Gesellschaften. Allgemein ist bei den Beschäftigten, wie auch bei den Verbrauchern, wahrscheinlich mehr als in Deutschland, in der Wahrnehmung das Wissen verankert, dass beide Ketten mit der Schwarz-Gruppe einen gemeinsamen Eigentümer haben. Dies assoziert auch Vergleichs-Maßstäbe. Die Gewerkschafter bei Kaufland forderten deshalb eine Angleichung der Löhne an die besserbezahlten von Lidl. Zuletzt forderten sie eine Lohn-Erhöhung um 800 Zloty für alle Mitarbeiter von Kaufland. Dies lehnte der Vorstand ab. Nachdem die Verhandlungen auch unter Einschaltung eines vom Arbeits-Ministerium bestellten Mediators im Februar auch ergebnislos endeten, drohte der Handelskette ein Streik-Referendum. Kaufland kündigte daraufhin eine Lohn-Erhöhung zum 1.März um 200 bis 500 Złoty in Abhängigkeit von der Größe und dem Standort des Marktes an. Das Kassen- und Verkaufspersonal kommt damit im Monat jetzt auf 3200 bis 3900 Złoty brutto (rund 900 Euro).

Kaufland betreibt gegenwärtig 213 Einkaufs-Märkte mit insgesamt 16 000 Mitarbeitern in Polen. Mit einem Umsatz von rund 9,9 Mrd. Złoty (Stand 2018) ist Kaufland Polska zu 10,2 Prozent am Gesamt-Umsatz von Kaufland beteiligt.

© infopol.PRESS