Foto: PL-MVI-Agentur

Polen erhöht Bezug von Flüssig-Erdgas aus den USA

LNG-Gashafen Swinemünde Foto: PL-Agentur

Polen wird mehr verflüssigtes Erdgas (LNG) aus den USA zum Ersatz von russischen Erdgas beziehen. Der staatliche polnische Gas-Versorger PGNiG hat dazu jetzt einen Vorvertrag mit der US-amerikanischen Venture Global LNG über den Kauf von jährlich zusätzlichen 2 Mio. t verflüssigtes Erdgas unterzeichnet.
Der polnische Erdgas-Versorger hatte bereits 2019 mit Venture Global einen Vertrag über den Bezug von 3,5 Mio. t verflüssigtes Erdgas unterzeichnet. In einem Nachtrag (Annex) zu dem seinerzeit unterzeichneten Vertrag wurde jetzt eine Aufstockung des gesamten Einkauf-Volumens auf 5,5 Mio. t LNG pro Jahr vereinbart. Nach seiner Regasifizierung, also der Überführung aus dem flüssigen in den gasförmigen Zustand durch Verdampfung, entspricht diese Menge LNG jährlich 7,4 Mrd. m³ Erdgas. Die Vereinbarung wurde für den Zeitraum ab 2023 für 20 Jahre geschlossen.
Das verflüssigte Erdgas wird über das im Bau befindliche Exportterminal Calcasieu Pass (1,5 Mio. t LNG) geliefert, das sich im US-Bundesstaat Louisana am Golf von Mexiko befindet. Jährlich 4 Mio. t LNG sollen über den ebenfalls in Louisana befindlichen Exportterminal Plaquemines (südlich von New Orleans) abgenommen werden.
Gleichzeitig informierte der polnische Erdgasversorger, dass er einen 2018 mit dem amerikanischen Energiekonzern Sempra abgeschlossenen Liefervertrag über jährlich 2 Mio. t LNG aufgelöst habe. PGNiG beruft sich dabei auf Verspätungen bei der von Sempras geplanten Export-Anlage Port Arthur. Der amerikanische Energiekonzern hatte im Mai bekanntgegeben, dass sich eine endgültige Investitionsentscheidung für das Port Arthur LNG-Projekt , über die das LNG an den polnischen Erdgasversorger geliefert werden sollte, bis 2022 verzögern werde. Die 2 Mio. t LNG, die die PGNiG mit dem amerikanischen Konzern vertraglich gesichert hatte, sollten aber bereits ab 2023 von der noch nicht existierenden Export-Anlage Port Arthur geliefert werden. Dies ist nun hinfällig. PGNiG-Vorstandschef Paweł Majewski erklärte jedoch, dass man die Zusammenarbeit mit dem US-Konzern Sempra weiter fortsetzen wolle und deshalb eine gemeinsame Absichtserklärung über den möglichen Kauf von 2 Millionen Tonnen pro Jahr aus dem nordamerikanischen LNG-Portfolio von Sempra unterschrieben habe. Die jährliche Lieferung der 2 Mio. t LNG soll anstelle von Port Arthur aus einer anderen Anlage von Sempra geliefert werden. Eine konkrete Aussage, an welches Terminal die Lieferung gebunden sein könnte, wurde jedoch nicht getroffen.

Vereinbarungen mit 3 US-Anbietern von LNG-Gas

Neben der Vereinbarung mit Sempra und dem Vertrag mit Venture Global hat der polnische Erdgas-Versorger schon 2018 mit einem dritten US-Anbieter einen langfristigen Vertrag über die Lieferung von LNG-Gas unterzeichnet. Dabei geht es um den US-Energiekonzern Cheniere. Der Vertrag sieht vor, dass Cheniere bis kommendes Jahr mit Tankschiffen insgesamt 0,52 Mio. t verflüssigtes Erdgas an den LNG-Gashafen Swinemünde (Świnoujście) auf der Ostsee-Insel Usedom liefert. Seit 2018 haben bereits einige Tanker mit verflüssigten Erdgas aus den USA den LNG-Hafen von Swinemünde angelaufen. Ab dem Jahre 2023 bis wird dann das Liefer-Volumen aus den USA bis zum Jahre 2042 deutlich auf insgesamt 29 Mio. t LNG aufgestockt. Nach der Regasifizierung entspricht dies 39 Mrd. m³ Erdgas. Dies bedeutet, dass der polnische Erdgasversorger ab dem Jahre 2023 pro Jahr durchschnittlich 1,45 Mio. t LNG (nach der Regasifizierung ca. 1,95 Mrd. m³ Erdgas) allein von Cheniere kaufen wird.
In allen Vereinbarungen mit den US-Anbietern handelt es sich bei dem LNG um Schiefergas, das in den USA im Fracking-Verfahren mit Hilfe von Druck und Chemikalien in den in Hunderten Metern Tiefe unter der Erdoberfläche liegenden Gesteinsschichten herausgelöst wird, was Gefahren für die Umwelt, insbesondere für das Grundwasser, birgt.
Dies ist nicht die einzige Gemeinsamkeit in allen Vereinbarungen mit den LNG-Anbietern aus den USA. Eine weitere Gemeinsamkeit ist die Festlegung des Jahres 2023 als Zeitpunkt für das Anlaufen des Gas-Lieferungen bzw. für eine deutliche Erhöhung des Liefer-Volumens. Der festgelegte Zeitpunkt fällt mit dem Auslaufen des langfristigen Liefer-Vertrages für russisches Erdgas nach Polen (31.Dezember 2022) zusammen. Polen hat nicht die Absicht, den Vertrag mit der russischen Gazprom zu verlängern. Das russische Erdgas soll ab 2023 durch LNG aus den USA und anderen Liefer-Ländern sowie durch Erdgas aus Norwegen ersetzt werden.

Foto: Baltic Pipe

Bis Oktober kommenden Jahres soll die-Ostsee-Pipeline Baltic Pipe fertiggestellt werden. Über die Pipeline will Polen jährlich 10 Mrd. Kubikmeter Erdgas aus Norwegen beziehen. Foto: Baltic Pipe

Für das Erdgas aus Norwegen wird gegenwärtig die Pipeline Baltic Pipe gebaut, die als Anschluss-Leitung an das dänische Versorgungssystem mit norwegischen Erdgas vom Zealand südlich der Insel Bornhorm durch die Ostsee bis zum polnischen Festland beim Ostsee-Küstenort Niechorze führt. Auch hier ist der Zeitplan enorm eng geschnürt. Im Oktober kommenden Jahres soll die Pipeline fertiggestellt sein. Verzögerungen, wie sie jetzt durch ein durch die dänischen Behörden im Juni veranlasstes Stopp der Bauarbeiten an einzelnen Abschnitten der Pipeline auf dem dänischen Festland eingetreten sind, weil bestimmte Aspekte des Artenschutzes im Umweltgenehmigungs-Verfahren nicht berücksichtigt wurden, könnten den polnischen Zeitplan völlig ins Wanken bringen. Ab dem Jahreswechsel 2022/2023 will Polen über die Baltic Pipe jährlich 10 Mrd. m³ Erdgas aus Norwegen beziehen. Zusammen mit dem LNG aus den USA soll dann russisches Erdgas vollständig ersetzt werden.

Bei der Zusammenrechnung aller von der PGNiG vereinbarten Liefermengen von LNG aus den USA und anderen Ländern sowie dem Erdgas aus Norwegen über die Pipeline Baltic Pipe ergibt sich ein Überschuss an Erdgas über den bisherigen Landesbedarf an Erdgas. Das Vertrags-Portfolio der PGNiG mit LNG aus den USA und Erdgas aus Norwegen ist mehr, als Polen bisher jährlich Erdgas aus Russland importiert hat. Polen hofft hier mit Hilfe des LNG-Gases aus den USA zu einem ,,Big Player“ bei der Gasversorgung des Nachbarländern wie der Ukraine oder Tschechien und ganz Mittelosteuropa aufsteigen.

Für den LNG-Transport aus den USA hat der polnische Erdgasversorger vier Tankschiffe von der Reederei Knutsen gechartert. Foto: Knutsen OAS

Auch bei Spot-Geschäfte im globalen Maßstab will der staatliche polnische Erdgasversorger groß mitmischen. So sind im Unterschied zu den vertraglichen vereinbarten Lieferungen mit dem US-Konzern Cheniere, der das LNG direkt an den LNG-Gashafen in Swinemünde liefert, die Lieferungen von Venture Global aus den Export-Terminals Calcasieu Pass und Plaquemines auf Basis der FOB-Formel (free-on-board ) vereinbart. Das bedeutet, dass der Käufer, also der polnische Erdgasversorger PGNiG für den Abtransport verantwortlich ist. Er hat damit die Möglichkeit, das LNG noch während des Transports über die Weltmeere an einen anderen LNG-Importterminal in der Welt zu verschicken oder an den LNG-Gashafen in Swinemünde zu liefern. Dazu sind eigene Transport-Kapazitäten notwendig. Da die PGNiG darüber nicht verfügt, hat sie jetzt mit der norwegischen Reederei Knutsen OAS Shipping einen Chartervertrag über zwei weitere Tankschiffe geschlossen. Bereits im vergangenen Jahr hatte der polnische Gas-Konzern zwei Tankschiffe bei Knutsen gechartert. Mit der jetzigen, auf 10 Jahre abgeschlossenen Vereinbarung stehen der PGNiG vier Tankschiffe von Knutsen zur Verfügung, von denen jedes rund 70 000 t verflüssigtes Erdgas zum Gashafen nach Swinemünde oder zu einem anderen LNG-Importterminal in einem anderen Land transportieren kann.

© André Jański / infopol.PRESS

Stopp des Tagebaus Turów – Gigantisches Problem für Polen

Für den staatlich kontrollierten Energiekonzern PGE war dies eine ,,Schwarze Woche“. Den Anfang nahm sie am Montag, den 17.Mai mit dem plötzlichen Ausfall von zehn der 11 Kraftwerks-Blöcke in seinem Kraftwerk Bełchatów in Zentralpolen. Das Kraftwerk Bełchatów ist das größte Braunkohlen-Kraftwerk der Welt. Es produziert über 20 Prozent des gesamten polnischen Landesbedarfes an Strom. Innerhalb von wenigen Sekunden verlor das polnische Energiesystem durch eine Havarie eine Leistungskapazität von 3900 MW. Dass es in ganz Polen nicht zu einem Black Out kam, war dem Anschluss an das europäische Stromverbund-System zu verdanken. Es wurde sofort Strom aus den Nachbarländern, darunter aus Deutschland und Schweden, in das polnische Energiesystem eingespeist. Der Ausfall in Polen war allerdings für die Betreiber fast aller Stromversorgungssysteme in Europa und der Türkei spürbar.
Die zweite Hiobs-Botschaft für die polnische Energiewirtschaft in dieser Woche folgte dann mit dem am 21.Mai verkündeten Urteil des Europäischen Gerichtshofes (EuGH). In einem einstweiligen Beschluss ordnete der EuGH einen sofortigen Stopp der Braunkohle-Förderung im Tagebau Turów an. In einer ersten Reaktion wertete der Vorstand des PGE-Energiekonzerns, zu dem der Tagebau im Dreiländereck Polen-Tschechien-Deutschland gehört, das Urteil des EuGH als ,,Weg zu einer wilden Transformation des Energie-Sektors”. Die Sprecherin der nationalkonservativen PiS-Partei bezeichnete Urteil als ,,Skandal“.
Mit seinem Urteil folgte der Europäische Gerichtshof der Klage der Tschechischen Republik gegen Polen. Tschechien hatte beklagt, dass das polnische Klima-Ministerium kürzlich die abgelaufene Lizenz für den Tagebau ohne erforderliche Umweltverträglichkeitsprüfungen bis zum Jahre 2044 verlängert habe. Bereits jetzt seien durch den Bergbau akute Bodenbewegungen und Grundwasserprobleme, die die Trinkwasser-Versorgung der Bevölkerung in der benachbarten tschechischen Region beeinträchtigen, aufgetreten. Hinzu komme die Staub- und Lärm-Belastung. Der Klage hatte sich auch die Stadt Zittau inhaltlich angeschlossen.

Über  10 000 Arbeitsplätze gefährdet

In dem Beschluss der europäischen Richter werden die Argumente der tschechischen Regierung als begründet angesehen. ,,Die von der Tschechischen Republik vorgebrachten Tatsachen- und Rechtsgrundlagen rechtfertigen die Gewährung der einstweiligen Anordnung“, heißt es in der Mitteilung des EuGH. Zudem habe Polen nicht ausreichend die Behauptung untermauert, wonach ein einstweiliger Stopp die Kohle-Versorgung des angrenzenden Kraftwerks in Turów gefährde.
In Polen sieht man dies grundsätzlich anders. Nach Angaben der PGE werden im Tagebau Turów jährlich rund 8 Mio. t Braunkohle gefördert. Damit wird der benachbarte Kraftwerks-Komplex Turów versorgt, der bis zu 7 Prozent des polnischen Strom-Bedarfs deckt. Am Tagebau und dem angeschlossenen Kraftwerk hängen über 10 000 Arbeitsplätze.

Opposition: Völliges Versagen der polnischen Diplomatie

Vor dem Hintergrund der wirtschaftlichen Auswirkungen sehen auch Vertreter oppositionellen Parteien und Gruppierungen in Polen das Urteil des Europäischen Gerichtshofes in seiner Schärfe als überzogen an. Die Schuld für die jetzt eingetretene Situation geben sie jedoch die Regierung und dem Vorstand des Energiekonzerns PGE. Nach Ansicht des Oppositionspolitikers Piotr Borys von der Bürgerplattform PO dokumentiere der Fall ein völliges Versagen der polnischen Diplomatie.
Der Konflikt mit der Tschechischen Republik um den Tagebau Turów währt bereits seit drei Jahren. Der tschechische Nachbar war zu Zugeständnissen bereit, wenn sich Polen an den Kosten zum Bau einer Wasserleitungs-Infrastruktur für die südlich des Tagebaus gelegenen nordböhmische Region Liberec beteiligen würde. Polen lehnte dies jedoch ab, weil dies einem Eingeständnis gleichkommen würde, dass die umweltschädlichen Einflüsse auf den polnischen Tagebau-Betrieb zurückzuführen seien. Und eigene Fehler einzuräumen, hat noch nie zur Genetik der polnischen Politik gehört. Schuld haben immer die anderen.

Vom Visegrad-Partner verklagt

Das Versagen der PiS-Regierung zeigt sich für die Opposition auch in deren Wirken innerhalb der Visegrad-Gruppe. Seit Jahrzehnten sind Polen, Ungarn die Slowakei und Tschechien in der Visegrad-Gruppe – auch V4 genannt – vereint, einem losen Bündnis, das eigene Akzente für die mittelosteuropäischen Staaten innerhalb der EU zu setzen versucht. Regelmäßig treffen sich deren Regierungen. Noch im Februar dieses Jahres fand ein V-4-Gipfel statt. Einige Tage später hat die tschechische Regierung wegen dem Tagebau Turów Polen vor dem Europäischen Gerichtshof verklagt!

Bagatellisierung des Klimaschutzes

Nach Ansicht der der Oppositions-Politikerin Paulina Hennig-Kloska von der Gruppierung ,,Polska 2050“ (Polen 2050), die inzwischen in den Umfragen zur stärkste Oppositionskraft aufgestiegen ist, sei die größte Bedrohung für die Energie-Souveränität des polnischen Staates die PiS-Regierung, die die Probleme des Klimaschutzes seit Jahren bagatellisiere. Es ist noch gar nicht so lange her, als noch Staatspräsident Andrzej Duda im Gespann mit Regierungschef Morawiecki mit viel nationalen Pathos vor Bergarbeitern tönte: ,,Kohle ist der größte Schatz Polens.“ Und Kohle-Bergbau werde es noch in 200 Jahren in Polen geben. Doch das war die typische Propaganda der PiS-Partei, um Wählerstimmen zu fangen. Inzwischen läuft der Regierung die Zeit weg. Die Errichtung von Offshore—Windparks in der Ostsee und der Bau des ersten polnischen Atomkraftwerks, mit denen künftig die Verstromung von Kohle ersetzt werden soll, sind langwierige und kostenintensive Prozesse.
Ministerpräsident Mateusz Morawiecki hat unterdessen deutlich gemacht, dass Polen die Kohle-Förderung im Tagebau Turów nicht stoppen wird. Keine Entscheidung des Europäischen Gerichtshofes könne grundsätzliche Bereiche der nationalen Sicherheit von EU-Staaten beeinträchtigen und verletzen. Dazu gehöre auch die Energie-Sicherheit. ,, Die polnische Regierung wird keine Schritte unternehmen, welche die Energiesicherheit Polens beeinträchtigen“.

© André Jański /infopol.PRESS

Deutsche Schiffe – ,,Gefahr für Polens nationale Sicherheit“

Unfassbar! Jahrelang ist Polen entschieden gegen die Erdgasleitung Nord Stream 2 eingetreten und hat keine Maßnahme unterlassen, den Bau der Pipeline zu verhindern, über die russisches Erdgas nach Deutschland und Westeuropa geliefert werden soll. Und dann diese Peinlichkeit! Zwei Schiffe, die am Bau der der umstrittenen Pipeline in der Ostsee beteiligt sein sollen, fahren unter polnischer Flagge!!

 

Unter polnischer Flagge für Nord Stream 2

Die polnische Regierung hat jetzt Maßnahmen getroffen. ,, Die Schiffe sind Eigentum eines deutschen Reeders. Sie werden seit Freitag als Einheiten betrachtet, die gegen die Sanktionen gegen Nord Stream 2 verstossen“, erklärte Grzegorz Witkowski, Vizeminister im Infrastruktur-Ministerium.
Der Minister unterstrich, dass keines der Schiffe, die unter polnischer Flagge fahren, die Interessen des polnischen Staates bedrohen darf. ,,Uns interessiert nicht, was sie transportieren und was sie machen, solange sie nicht die wirtschaftlichen Interessen unseres Landes bedrohen. Aber diese beiden Schiffe wurden in letzter Zeit bei Arbeiten an dem Projekt Nord Stream 2 beobachtet“. Konkret hatten die polnischen Dienste die beiden Schiffe schon seit Januar auf dem Radar. Nach Analyse der von den Sicherheits-Behörden vorgelegten Dokumente habe man deshalb ein Verfahren zur Ausregistrierung die Schiffe aus dem polnischen Schifffahrts-Register eingeleitet. Der Welt (den USA) soll gezeigt werden: Polen habe nichts gemeinsam mit diesen beiden Schiffen. Der Minister warnte: Sollten die beiden deutschen Schiffe im polnischen Hoheits-Gewässern auftauchen, werden sie aufgebracht.

Hamburger Unternehmen im polnischen Radar

Bei den beiden Schiffen handelt es sich um die ,,Krebs Geo“ und ,,Krebs Jet“. Wie Recherchen von infopol.PRESS ergaben, wurden die beiden Schiffe von der Krebs Offshore Shipping Sp. z o.o. angemeldet. Das Unternehmen wurde im September 2010 im polnischen Handelsregister mit Geschäfts-Sitz in Gdynia und Stammkapital von 5000 Złoty eingetragen. Als Geschäftsführer ist der Wismarer Peter Cipra eingetragen. Eigentümer ist die Robert Krebs Gmbh, die zur Hamburger Unternehmens-Gruppe Krebs in Hamburg gehört.
Bei den unter polnischer Flagge fahrenden ,,Krebs Geo“ handelt es sich um ein auf der Elbewerft Boizenburg für das Fischkombinat Sassnitz gebautes Fischerei-Fahrzeug (ehemals SAS 319). 2003 außer Dienst gestellt, wurde es danach komplett neu aufgebaut. Als ,,Krebs Geo“ unter polnischer Flagge mit Heimathafen Gdynia ist es als Unterbringungsschiff, auf dessen Deck auch Ausrüstungs-Gegenstände gelagert werden können, im Einsatz.
,,Krebs Jet“ ist dagegen ein 15 Meter langer High Speed Craft vom Schiffstyp Offshore Tenderboot /Crew-Transferschiff. Laut Marine-Dienst vesselfinder befinden sich ,,Krebs Geo“ gegenwärtig im Rostocker Hafen und ,,Krebs Jet“ im alten Holzhafen von Wismar.
Wie der Direktor des Seefahrts-Amtes in Gdynia Wiesław Piotrzkowski informierte, wurden die Sicherheits-Dokumente der ,,Krebs Geo“und ,,Krebs Jet“ aus Gründen ,,der nationalen Sicherheit“ bereits für ungültig erklärt. ,,De facto können sie damit nicht aus den Häfen auslaufen, da sie noch die polnische Flagge haben“, verkündete Minister Wittkowski. Um die Angelegenheit bis zum Ende zu klären, werde das Außenministerium eingeschalten.

Regierung erleichtert: Biden setzt Blockade-Politik fort

Nachdem seit dem Abgang von Donald Trump die direkten Gesprächs-Kanäle aus dem Weißen Haus nach Warschau verstummt sind, hat die polnische Regierung jetzt mit Erleichterung zur Kenntnis genommen, dass auch die Administration des neuen US-Präsidenten Joe Biden an der von Donald Trump eingeleiteten Politik gegenüber Nord Stream 2 festhält. So hatte US-Außenminister Antony Blinken bei seinem ersten Treffen mit Bundes-Außenminister Heiko Maas einen Stopp der Ostsee-Gaspipeline gefordert. Präsident Joe Biden habe sehr deutlich gesagt, dass er die Pipeline für eine schlechte Idee halte, sagte Blinken in Brüssel. Sie habe das Potenzial, die Interessen der Ukraine, Polens und anderer Partner oder Verbündeter zu untergraben.
Derzeit fehlen noch rund 50 Kilometer an der Fertigstellung der 1200 Kilometer langen Pipeline Nord Stream 2 durch die Ostsee, über die jährlich 55 Milliarden Kubikmeter russisches Erdgas zum Endpunkt Lubmin bei Greifswald gepumpt werden sollen. Ende 2019 waren die Bauarbeiten an der Pipeline gestoppt worden, nachdem die USA ein erstes Sanktionsgesetz gegen die Pipeline-Verlegeschiffe in Kraft gesetzt hatten.

Wunschtraum: Polen als internationaler Player im Erdgas-Geschäft

Nord Stream 2 schade Europa, das sich bei der Energieversorgung in Abhängigkeit von russischen Erdgas begebe, argumentieren die Befürworter der Sanktionen. Die Ukraine werde dadurch vom europäischen Energiemarkt abgekoppelt. Kritiker verweisen dagegen darauf, dass die Sanktionen gegen die Pipeline durch das Interesse der USA motiviert sind, ihr eigenes Erdgas in Europa zu verkaufen. Wohin? Vor allem nach Polen und Litauen. Der staatliche polnische Erdgas-Versorger PGNiG hatte dazu in der Amtszeit von Donald Trump mit dem US-Konzern Cheniere Energy langfristige Verträge über die Lieferung von 40 Mrd Kubikmeter Erdgas aus den USA bis zum Jahre 2042 unterzeichnet. Zusammen mit den LNG-Gaslieferungen aus dem Emirat Katar und norwegischen Erdgas über die Ostsee-Pipeline Baltic Pipe (Fertigstellung 2022) soll Polen zum Gas-Hub in Europa aufgebaut werden, vom dem aus die Nachbarländer, vor allem die Ukraine, mit Erdgas aus Polen versorgt werden sollen.

Mit deutschen Schiffen unter polnischer Flagge, die an Nord Stream 2 beteiligt sind, sieht sich Polen in seiner Glaubwürdigkeit gegenüber den amerikanischen Partnern empfindlich getroffen. Dass es sich dabei nur um Schiffe handelt, die Frühstücks-Sandwiches u.a. für die Arbeiter auf hoher See anliefern, ist für Polen dabei zweitrangig.

© Andreas Höfer / infopol.PRESS

20 Mio. t Steinkohle: Tauron erschließt neue Zeche

Foto: Tauron

Der staatlich kontrollierte polnische Energiekonzern Tauron hat mit der Erschließung eines neuen Steinkohle-Flözes im Bergwerk Sobieski begonnen. Wie das Unternehmen mitteilt, will Tauron in den nächsten 10 Jahren rund 20 Mio. t Steinkohle aus den neuen Vorkommen abbauen. Die Steinkohle habe einen niedrigen Chlor-Gehalt, wodurch die ,,hochgeschraubten Anforderungen an moderne Kohlekraftwerke erfüllt werden“ heißt es dazu in der offiziellen Mitteilung des Unternehmens. Zudem sei das Steinkohlebergwerk auf kürzesten Wege über eine direkte Bahnverbindungen mit dem 4 Kilometer entfernte Kraftwerk Jaworzno verbunden, was die Kosten senke.

Der Energiekonzern Tauron hatte erst vor einigen Wochen im oberschlesischen Jaworzno (bei Katowice) ein neues Steinkohlekraftwerk mit 910 MW in Betrieb genommen. Jährlich sollen dort bis zu 6,5 TWh Strom erzeugt werden, wodurch der Strombedarf von 2,5 Mio. Privat-Haushalten gedeckt werden kann. Dazu werden im Jahr rund 2 Mio. t Steinkohle verstromt. Der neue Kraftwerks-Block hat einen um 45 Prozent höheren Wirkungsgrad als die aus dem Betrieb genommenen veralteten Erzeuger-Blöcke. Der Rückgang der Co2-Emissionen beträgt allerdings nur rund 30 Prozent.
Die Investition in das neue Kohlekraftwerk hat dem Energiekonzern rund 6 Mrd. Złoty (rund 1,35 Mrd. Euro) gekostet und wird von Tauron ,,als letzte große Investition in die Steinkohle“ bezeichnet. Tauron ist der zweitgrößte Energiekonzern Polens.

Kohle-Anteil an polnischer Energieerzeugung auf 70 Prozent gesunken

Wie aus den neuesten Daten der polnischen Agentur für den Energiemarkt hervorgeht, ist die Stromproduktion in Polen trotz des Lockdowns im zurückliegenden Jahr nur geringfügig um 3,8 Prozent auf 157,7 GWh zurückgegangen. Bei den einzelnen Energieträgern fiel der Rückgang am höchsten bei der Verstromung von Steinkohle mit 9 Prozent auf 71,6 TWh aus. Bei der Energieerzeugung auf der Basis von Braunkohle betrug der Rückgang 8 Prozent. Der Anteil von Steinkohle an der Stromerzeugung ist damit im Jahre 2020 auf 46 Prozent gesunken, der von Braunkohle auf 24 Prozent. In der Summe ist der Anteil der Kohle an der polnischen Energie-Erzeugung im vergangenen Jahr damit auf 70 Prozent gesunken. Zugenommen hat dagegen der Anteil von Erdgas und Erneuerbaren Energiequellen, insbesondere Photovoltaik-Anlagen.

Polen muss immer mehr Strom aus den Nachbarländern importieren

Da die Preise für Co2-Emissionsrechte bereits bei über 35 Euro pro t Kohlendioxid-Emissionen liegen und mit großer Wahrscheinlichkeit weiter steigen werden, ist in den nächsten Jahren mit einem weiteren deutlichen Rückgang der polnischen Energie-Erzeugung auf Kohlebasis zu rechnen. Laut den Prognosen der EU-Kommission könnten die Preise für Co2-Emissionsrechte bis zum Jahre 2030 bereits auf 50 bis 70 Euro pro t ansteigen. Die polnische Energieerzeugung auf Kohle-Basis wird damit komplett unrentabel . Da Polen aber die nächsten zehn Jahre zumindest noch einen Teil der Kohle-Kraftwerke benötigt, werden die polnischen Strompreise weiter steigen. Schon jetzt hat Polen die höchsten Strompreise auf Großhandels-Niveau in Europa. Laut Experten-Schätzungen wird Polen deshalb zumindest in den nächsten fünf Jahren verstärkt billigeren Strom aus dem Ausland importieren müssen. Im vergangenen Jahr stieg der Stromimport aus Deutschland, Schweden und den anderen Nachbarländern bereits auf den bisherigen Rekord-Wert von 13,3 TWh. Bis zum Jahre 2025 könnte der Import in der Maximal-Variante bis zu 40 TWh ansteigen, was fast ein Viertel des gesamten polnischen Energiebedarfes ausmachen würde.
Mit einer schrittweisen Entspannung ist erst nach 2025 zu rechnen, wenn die ersten Offshore-Windparks in der Ostsee in Betrieb gehen. Nach jahrelang hinausgezögerten Entscheidungen und Verzögerungen treibt die Regierung jetzt deren Entwicklung mit Hochdruck voran. Das von dem parteilosen Klima-Minister Michał Kurtyka entwickelte und im Januar beschlossene Regierungsprogramm zur Energiepolitik bis zum Jahre 2040 sieht u.a. vor, im Zeitraum ab 2025 bis zum Jahre 2030 eine Offshore-Leistungskapazität von 5,9 GW, und bis 2040 von rund 11 GW aufzubauen, den Anteil der Erneuerbaren Energien am gesamtpolnischen Brutto-Endverbrauch auf mindestens 23 Prozent (bis 2040) zu erhöhen und die Treibhaus-Gase bis 2030 um 30 Prozent zu senken. Ab 2033 soll dann das erste Atomkraftwerk in Polen (sehr wahrscheinlich mit amerikanischer Hilfe) in Betrieb gehen.

© André Jański / infopol.PRESS

Solarparks auf 320 Hektar katholischen Kirchenland

Polens größter Energiekonzern, die vom Staat kontrollierte PGE-Gruppe, hat 300 Hektar Land von der Diözese Zielona Góra-Gorzów gepachtet. Bis zum Jahre 2023 sollen dort zwei Solarparks mit jeweils 250 MW aufgebaut werden, teilte die für Erneuerbare Energien zuständige PGE-Tochtergesellschaft PGE Energia Odnawialna mit.

Die gepachteten Ländereien befinden sich in der an Deutschland angrenzenden Wojewodschaft Lubuskie. Bisher waren sie als landwirtschaftliche Nutzfläche ausgewiesen – die Katholische Kirche gehört zu den größten Landbesitzern in Polen. Über die Höhe der Pachtgebühren wollte der Staatskonzern keine Angaben machen. ,,Das ist der bisher größte Pachtvertrag, den wir im Rahmen unseres PV-Programms unterschrieben haben. Bisher haben wir uns bereits 2000 Hektar Land gesichert, auf denen Photovoltaik-Parks mit einer Leistung von insgesamt 1250 MW aufgebaut werden können“, sagte Marcin Karlikowski. Geschäftsführer der PGE Energia Odnawialna. Das PV-Programms der PGE verfolge das Ziel, in den nächsten zehn Jahr Solaranlagen mit einer Gesamtleistung von mindestens 3 GW zu installieren.
Neben den großen Projekten wie den auf dem Kirchenland der Diözese Zielona Góra-Gorzów werde die PGE auch in kleinere PV-Anlagen investieren. Die PGE hat dazu jetzt die PV Lutol 1 i PV Lutol 2 auf einer Fläche von rund 3,4 Hektar in Betrieb genommen. Beide sind jeweils 1 MW-Solarfarmen, die aus der vorjährigen Auktion für Erneuerbare Energien im Bereich der Anlagen bis 1 MW als Sieger hervorgingen. PV Lutol 1 i PV Lutol 2 befinden sich  ebenfalls in der Wojewodschaft Lubuskie. Ausgestattet sind sie mit rund 3000 monokristallinen Solarzellen mit jeweils 350 Watt.

Die PGE-Tochter Energia Odnawialna ist nach eigenen Angaben gegenwärtig der größte Produzent von Strom auf Grundlage Erneuerbarer Energiequellen in Polen. Das Unternehmen besitzt u.a. 17 Wind-Parks, 29 kleine Wasserkraftwerke sowie fünf Solarparks, deren installierte Gesamtleistung 2,3 GW beträgt.  Dies ist allerdings nur die Hälfte der Wahrheit.

Kosten für Co2-Emissionsrechte zwingen zum Kohle-Ausstieg

Spektakuläre Licht-Installation von Greenpeace an einem PGE-Kraftwerk: ,,Schande“ mit dem Abbild von PiS-Ministerpräsident Morawiecki, der vor noch nicht allzu langer Zeit die Kohle-Verstromung propagierte. Foto: Greenpeace Polska

Der staatliche Energie-Konzern PGE, zu der PGE Energia Odnawialna gehört, ist auch der ,,schmutzigste“ Stromproduzent in Polen. Im ersten Halbjahr dieses Jahres produzierte der Konzern 22,6 TWh Energie. Dabei entfielen mit 29,3 Mio. t Kohlendioxid rund ein Fünftel des gesamten Co2-Ausstosses in Polen auf die Kohle-Kraftwerke der PGE. Den Spitzenplatz nimmt dabei das PGE-Braunkohlenkraftwerk Bełchatów als Europas größter Umweltverschmutzer ein. Konnten die Kohle-Kraftwerke der PGE in den vergangenen Jahren noch weitgehend kostenlose Co2-Emissionszertifikate in Anspruch nehmen, so hat sich die Situation für die PGE in diesem Jahr einschneidend verändert. Mit der von der EU-Kommission vorgenommenen Reduzierung der kostenlosen Co2-Emissions-Zertifikate für die PGE auf rund 1 Mio. t Treibhaus-Gas steigen die Kosten für den Kauf von Emissions-Zertifikaten nach PGE-Angaben in diesem Jahr auf 3,11 Mrd. Złoty (rund 700 Mio. Euro). In dessen Folge ist das EBITDA-Ergebnis des Staatskonzerns im konventionallen Bereich von 2,1 Mrd. Złoty auf 774 Mio. Złoty im ersten Halbjahr gesunken.
Tendenziell und progressiv steht ein weiteres Absinken des Netto-Ergebnisses auf der Tagesordnung. Die Energie-Erzeugung in den Kohle-Kraftwerken wird für die PGE unrentabel. Der Konzern hat deshalb den Schalter umgelegt. ,,Unser Ziel ist es, bis zum Jahre 2050 unseren Kunden zu 100 Prozent Grüne Energie anzubieten“, erklärte PGE-Vorstandschef Wojciech Dąbrowski.

© André Jański / infopol.PRESS

Geschützt: Durchbruch für Bau von polnischen Atomkraftwerken

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Polnischer Kohle-Exit: Subventionierter Kohle-Abbau bis 2049

Nach tagelangen Protest-Aktionen von Bergleuten haben sich Gewerkschaften und die polnische Regierung jetzt auf einen Kohle-Ausstieg bis zum Jahre 2049 geeinigt. Bei einer schrittweisen Schließung der Steinkohle-Bergwerke , die aber erst ab 2028 an Fahrt gewinnt, wird den Bergarbeitern eine Fortzahlung ihrer Bezüge bis zur Rente zugesichert. Bis es zur endgültigen Schließung der letzten Steinkohle-Mine 2029 kommt, sollen die Verluste der weiterhin unrentabel arbeitenden Bergwerke durch öffentliche Zuzahlungen, also mit dem Geld der Steuerzahler, ausgeglichen werden.

Würde man die polnische Staats- Führung beim Wort nehmen, dann müsste sie schon längst ihre Koffer gepackt haben. Vor nicht allzu langer Zeit war es noch Staatspräsident Andrzej Duda im Gespann mit Regierungschef Morawiecki, der mit viel nationalen Pathos vor Bergarbeitern tönte: ,,Kohle ist der größte Schatz Polens…..Solange ich in Polen das Amt des Präsidenten ausübe, werde ich nicht erlauben, dass Irgendwer den polnischen Kohlebergbau ermordet“.
Davon ist heute nichts mehr zu hören. Wozu auch, die populistischen Wahlkampf-Versprechen haben ja ihren Zweck erfüllt. Dabei waren sie schon zum Zeitpunkt ihrer Abgabe von den Realitäten auf dem Energiemarkt überholt.

Steinkohle aus Oberschlesien teurer als Import-Kohle

Bereits im vergangenen Jahr steuerten die im staatlichen Kohle-Konzern PGG vereinten Bergwerke mit ihren 43 000 Beschäftigten auf eine finanzielle Katastrophe zu. Mit dem Verfall der Weltmarkt-Preise für Steinkohle lagen die Kosten für Steinkohle aus Oberschlesien mit umgerechnet über 90 Dollar pro Tonne im vergangenen Herbst bereits zu 50 Prozent über den Preis- Indizes für Vertrags-Steinkohle in den Häfen von Amsterdam, Rotterdam, Antwerpen.
Anstelle der teuren polnischen Steinkohle setzten deshalb die polnischen Stromerzeuger im vergangenen Jahr über 15 Mio. t Import-Steinkohle aus dem Ausland ein. Den größten Teil davon bezogen polnische Unternehmen aus Russland. Importiert wurde jedoch auch Steinkohle aus anderen Ländern wie Kolumbien und Südafrika. Selbst aus den USA, wo die Förderleistung pro Beschäftigten zehnfach höher ist als in den Bergwerken der vom Staat kontrollierten polnischen Kohle-Gesellschaft PGG. In der Folge wuchsen die Kohle-Halden bis Anfang des Jahres auf über 15 Mio. t an. Obwohl die vier großen polnischen Energiekonzerne vom Staat kontrolliert werden und vom Staatsschatz-Minister Jacek Sasin angehalten wurden, verstärkte polnische Kohle zur Verstromung in ihren Kraftwerken einzusetzen, hat sich an der Situation nichts Grundlegendes verändert. Im Gegenteil: Unter dem Druck der finanziellen und ökonomischen Realitäten haben die Energieunternehmen begonnen, den Schalter umzulegen. So wird der Bau des neuen Kraftwerks im nordpolnischen Ostrołęka, der noch im vergangenen Jahr von der PiS-Regierung als Kohlekraftwerk konzipiert wurde, jetzt mit Erdgas geplant.

Kosten-Druck zwingt zur Umstellung auf Erneuerbare Energien

Selbst Polens größter Strom-Erzeuger auf Kohle-Basis, der staatliche Energiekonzern PGG, hat kürzlich eine Energie-Wende angekündigt. Der Konzern, auf dessen Kohle-Kraftwerke etwa ein Fünftel des gesamten polnischen Co2-Ausstosses entfallen, kündigte an, bis zum Jahre 2050 die Energie-Erzeugung zu ,,100 Prozent“ auf Erneuerbare Energien umzustellen.


Das plötzliche Umdenken erklärt der PGE-Vorstand mit dem immer stärker werdenden Kosten-Druck. Aus den PGE-Kraftwerken wurden im ersten Halbjahr dieses Jahres 29,3 Mio. t Kohlendioxid in die Umwelt gepustet. Allein der Kauf von Co2-Emissionsrechten für die Kohle-Verstromung hat dem Konzern in den ersten sechs Monaten dieses Jahres 3,1 Mrd. Złoty gekostet. PGE hat nun angekündigt, zunächst bis zum Jahre 2030 einen Viertel seiner Strom-Erzeugung auf Erneuerbare Energien umzustellen. Dazu sollen in den nächsten Jahren 6 Mrd. Złoty in Solar-Parks mit einer Leistung von 2500 MW investiert werden.

Inlands-Nachfrage nach Kohle sinkt schneller

Einen beschleunigten Abbau des Anteils der Kohle an der Energie-Erzeugung hat auch das Klima-Ministerium Anfang September in seinem Strategie-Programm zu Energie-Politik vorgelegt. ,,Das ursprüngliche Konzept ist aus heutiger Sicht in Verbindung mit den dynamischen Anstieg der Preise für Co2-Emissionsrechte unrealistisch”, sagte Michal Kurtyka, der als parteiloser Experte dem Ministerium vorsteht, bei der Vorstellung des neuen Programm-Entwurfs. Es sieht jetzt eine Senkung des Anteils der Kohle an der Energie-Erzeugung auf 37 Prozent bis zum Jahre 2030 vor. Gegenwärtig sind es noch knapp 75 Prozent. Bis zum Jahre 2040 sollen es dann nur noch 11 Prozent sein.

Der Entwurf des neuen Programms für die staatliche Energie-Politik stieß bei den mächtigen Kohle-Gewerkschaften auf entschiedenen Widerstand. Aus Protest dagegen fuhren mehrere Hundert Bergleute nicht mehr aus und blieben unter Tage. Die Gewerkschaften kündigten Streik-Aktionen an, wenn die Regierung den Gewerkschaften nicht konkrete Programme als Verhandlungs-Grundlage anbietet. In den nachfolgenden Verhandlungen ging es den Gewerkschaften in erster Linie um das Tempo für den Ausstieg aus der Kohle, Investitions-Möglichkeiten in moderne Kohle-Technologien und einem Restrukturierungsplan für den staatlichen Kohle-Konzern PGG, der technisch gesehen bereits insolvent ist. Anstelle der ursprünglich von den Gewerkschaften geforderten Verschiebung des Ausstieg aus der Steinkohle bis zum Jahre 2060 sieht die jetzt zwischen Gewerkschaften und Regierung getroffenen Vereinbarung die Schließung des letzten Steinkohle-Bergwerks im Jahre 2049 vor. Bis dahin wird schrittweise die Steinkohle-Förderung zurückgefahren. Den Bergarbeitern wird dabei eine Fortzahlung ihrer Bezüge bis zur Rente zugesichert.
Die Vereinbarung, die auf den ersten Blick wie ein Kompromiss erscheint, ist jedoch nur eine Sammlung von Zugeständnissen und Versprechen der Regierung, um die Bergarbeiter und ihre Gewerkschaften ruhig zu halten. Mit den Veränderungen und der Realität auf dem polnischen Energiemarkt haben sie nichts gemeinsam. So geht das Klima-Ministerium selbst in seinen Prognosen davon aus, dass der Bedarf der Energiewirtschaft an Steinkohle in den nächsten fünf Jahren um 11 Mio. t zurückgehen wird. Die jetzt mit den Gewerkschaften geschlossene Vereinbarung sieht dagegen nur eine bereits schon frühere geplante Schließung des Bergwerks Pokój im Jahre 2022 vor. Dadurch wird das derzeitige Förder-Aufkommen des staatlichen Kohlekonzerns PGG nur um knapp 1 Mio. t Steinkohle verringert. Eine Schließung von weiteren Bergwerken und Schachtanlagen, die der PGG finanzielle Verluste einbringen, ist in den nächsten Jahren nicht vorgesehen. Sie sollen mit anderen Bergwerken zusammengeschlossen werden. Erst im Jahre 2028 soll mit Bolesław Śmiały das nächste Bergwerk stillgelegt werden. Danach erfolgt die Schließung weiterer Bergwerke in zeitlich versetzten Etappen angelegt auf über 20 Jahre.

Absurde Vorstellung – Subventionierte Kohle, die keiner haben will

Regierung und Gewerkschaften vereinbarten, dass für die Fortsetzung der Steinkohle-Förderung in den unrentablen Bergwerken eine Subsidiär-Finanzierung aus dem Staatshaushalt erfolgt, also der Steuerzahler dafür aufkommen soll. Die Rede ist hier von jährlich 1 Mrd. Zloty an staatlichen Zuschüssen. Diese Regelung setzt aber die Zustimmung der EU-Kommission voraus. Experten halten dieses Ansinnen für absurd. Weshalb sollte die EU-Kommission ihre Zustimmung für öffentliche Zuzahlungen zur Finanzierung einer laufenden Produktion geben, deren Ziel auf eine Stabilisierung der Tätigkeit von Steinkohle-Förderunternehmen für 30 Jahre ausgerichtet ist, fragt der Fachinformationsdienst WysokieNapięcie. Schließlich hat sich die EU bereits 2018 im Zuge ihrer Klima-Beschlüsse von ihrer in der Vergangenheit praktizierten Politik verabschiedet, öffentliche Zuschüsse nur für Kohle-Bergwerke zu bewilligen, für die ein konkreter und zeitlich überschaubarer Schließungs-Termin festgelegt wurde. Und was passiert mit der geförderten Steinkohle, für die es in Polen keinen Bedarf gibt? Wenn sich der gesamte Plan als unreal erweist, dann hat er für die Regierung in Warschau zumindest ein Plus, schreibt der Branchendienst. ,,Denn Bergleute kann man dann sagen, wir wollten das Beste. Aber die Brüsseler Eurokraten haben das verhindert und den Plan muss man jetzt ändern und die Bergwerke früher schließen“.

,,Genug Blah, Blah, Blah. Eine tatsachliche Transformation JETZT ! “ Mit dieser nächtlichen Licht-Installation auf der zentralen Kohle-Halde hat Greenpeacediese Woche  die Vereinbarung zwischen der Regierung und den Kohle-Gewerkschaften kommentiert.  Foto: Greenpeace

Partikular-Interessen statt neuer Perspektiven für Bergbau-Regionen

Auch Greenpeace Polska hat in einem Schreiben an Ministerpräsident Mateusz Morawiecki die Regierung aufgefordert, endlich damit aufzuhören, die Bergarbeiter und die gesamte polnische Gesellschaft ,,mit leeren Versprechen und der Vorstellung von Plänen, die nicht zu erfüllen sind, weiter zu betrügen“. Die zwischen der Regierung und den Bossen der Kohle-Gewerkschaften geschlossene Vereinbarung stehe im Widerspruch zu der Idee von einer wahrhaften Transformation der Bergbau-Regionen. Sie sei geprägt von partikularen Interessen von Politikern, die sich um ihre Stühle sorgen und von Gewerkschafts-Funktionären, die nicht die tatsächlichen Interessen der Bergarbeiter repräsentieren. ,,Anstatt neue Perspektiven für die Bergbau-Regionen aufzuzeigen, haben wir eine Vereinbarung, die keine Chance hat, realisiert zu werden“, schreibt der Programm-Direktor von Greenpeace, Paweł Szypulski, in dem Brief an Regierungs-Chef Morawiecki. Für die Erarbeitung eines realen Planes zur Transformation der Bergbau-Regionen sei ein breiter gesellschaftlicher Dialog unter Beteiligung aller Seiten notwendig, einschließlich der kommunalen und regionalen Selbstverwaltungen.

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Auktionen 2021 sehen neue PV-Anlagen mit 1,7 GW vor

Die Auktionen für den Ankauf von Strom aus Erneuerbaren Energien für das Jahr 2021 sollen neue Anlagen mit einer Kapazität von 2,2 GW hervorbringen. Der Schwerpunkt liegt dabei auf PV-Anlagen. Dies geht aus dem jetzt vom Klima-Ministerium in Warschau vorbereiteten Gesetzentwurf mit den Vorgaben und Zielstellungen für die nächste Auktionsrunde hervor.
Das Ministerium geht davon aus, dass die neuen Anlagen für den Förder-Zeitraum von 15 Jahren einen Absatz von insgesamt 53,24 TWh Strom für 19,8 Mrd. Złoty ( rund 4,5 Mrd. Euro) sichern. Im Vergleich mit den Auktionen 2020 bedeutet dies tendenziell ein geringeres Stromvolumen, aber zu höheren Preisen. Zum Vergleich: Bei den Auktionen 2020 lag das für den Stromverkauf vorgesehene Gesamt-Volumen aus neuen und bestehenden Anlagen bei 75,3 TWh zum Preis von 27,4 Mrd. Złoty.

Auktionen nur für neue Anlagen

Im Unterschied zu früheren Auktionen betreffen die angegebenen Kapazitäten ausschließlich nur neue Anlagen. Der Verkauf von Strom aus bestehenden Anlagen Erneuerbarer Energiequellen ist in der Vorlage des Klima-Ministeriums für die Auktionen 2021 nicht geplant.

Boom bei PV-Kleinanlagen

Dies ist nicht der einzige Unterschied.  Lag bei den vorjährigen Auktionen der Schwerpunkt bei Onshore-Windprojekten, wird es jetzt bei den Auktionen 2021 zu einem von den Markt-Experten prognostizierten  Trendwechsel kommen.

Den durch das staatliche Zuschuss-Programm ,,Mój Prąd“ (Mein Strom) für kleine Hausanlagen ausgelösten Boom bei der Installation von Solar-Kleinanlagen (bis 1.August 262 000 Anlagen mit 1,7 GW) aufgreifend, setzt das Klima-Ministerium jetzt in seiner gesetzlichen Vorlage für die anstehende Auktionsrunde 2021 auf PV-Anlagen.

Von dem geplanten 2,2 GW—Kapazitätsvolumen sind 1,7 GW für die Installation von Photovoltaik-Anlagen vorgesehen. Diese teilen sich wie folgt auf:
700 MW für Anlagen mit mehr als 1 MW Leistung
♦ 1000 MW für Anlagen von bis zu 1 MW Leistung

300 MW für Onshore-Windanlagen

Für Onshore-Windanlagen ist ein Auktions-Kontingent von 300 MW für Anlagen mit mehr als 1 MW vorgesehen. Der Rest der Auktions-Kontingente entfällt auf Wasserkraft-Anlagen, Biogas-Anlagen (20 MW für große und 10 MW für kleine Anlagen) sowie für die Verbrennung von Biomasse (100 MW für Anlagen mit einer Leistung von 1 MW) .
Die Auktions-Termine für dieses Jahr wurden noch nicht bekanntgegeben, voraussichtlich finden sie aber wieder Ende des Jahres statt.

Wegen Corona-Fristverlängerungen

Im Zusammenhang mit den Folgen der Corona-Pandemie hat das Ministerium darauf aufmerksam gemacht, dass Investoren, die mit ihren Angeboten bei den letzten beiden Auktions-Runden erfolgreich waren und deren Termin-Fristen jetzt durch Zuliefer- oder Anschluss-Probleme gefährdet sind, die Möglichkeit einer Fristverlängerung um 12 Monate eingeräumt wird. Dies betrifft auch die garantierten Preise im Rahmen des feed-in-tarif- und feed –in-premium-Systems. Entsprechend Anträge auf Fristverlängerung sind bei der Energie-Regulierungs-Behörde URE zu stellen. Diese hat bisher bereits die Anträge von 145 Erzeugern auf Fristverlängerung positiv beschieden.

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Geschützt: Kohle-Tagebau Adamów wird zum Jahresende geschlossen

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Foto: PL-MVI-Agentur

Porr und TGE bauen Gashafen auf Usedom aus

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Auf der polnischen Seite der Ostsee-Ferieninsel Usedom wird ein dritter gigantischer Gas-Tank errichtet. Die Betreibergesellschaft des LNG-Gashafens Swinemünde (Świnoujśćie) Polskie LNG hat dazu jetzt dem österreichischen Baukonzern Porr und der TGE Gas Engineering GmbH mit Sitz in Bonn den Auftrag zum Ausbau des Terminals erteilt.

Der Auftrag beinhaltet neben dem Bau eines Tanks mit einer Kapazität von 180 000 m³ den Bau eines zweiten Schiffs-Anlegeufers sowie einer dreigleisigen Bahnanschluss-Anlage mit einer Station zur Verladung von LNG-Gas in Bahn-Kesselwaggons. Der Auftragswert beträgt rund 450 Mio. Euro (1,9 Mrd. Złoty). Der Auftrag wird von der EU mit 130 Mio. Euro kofinanziert.

Für den Ausbau des LNG-Hafens hatte die Betreibergesellschaft Polskie LNG bereits Ende vergangenen Jahres mit der Selas-Linde GmbH aus Pullach einen Vertrag zur Lieferung der Regasifizierungstechnik unterzeichnet. Dabei handelt es sich um zwei Tauchflammenverdampfer (SCV -submerged combustion vaporiser), die zur Verdampfung von Flüssig-Erdgas (LNG) eingesetyt werden.

Kapazität hochgesetzt

Mit dem Ausbau wird die Regasifizierungskapazität des Gashafens bei der Wiederverdampfung des auf Schiffen angelieferten verflüssigten Erdgases (LNG) auf 8,3 Mrd. m³ im Jahr erweitert. Gegenwärtig beträgt die jährliche Regasifizierungskapazität des LNG-Hafens in Swinemünde 5 Mrd. m³ Erdgas. Ursprünglich hatte man einen Ausbau auf 7,5 Mrd. m³ geplant. Die in jüngster Zeit sich vollzogenen großen Veränderungen auf dem Gas-Markt und der Aufbau des Vertrauens in die Stabilität der Gaslieferungen hat uns zu der Entscheidung bewegen, die Kapazität des dritten Tank zu erhöhen und den Ausbau im größeren Maßstab vorzunehmen, erklärte dazu Tomasz Stępień, Vorstands-Chef der Gesellschaften Polskie LNG und der für das polnische Gasleitungs-System verantwortlichen Gaz System. Weltweit sei mit verflüssigten Erdgas (LNG) ein selbständiges Segment im Erdgas-Markt entstanden, z.B. als Antriebs-Kraftstoff im Transportwesen, auch in der Meeres-Schifffahrt. Polen will dabei ganz vorn mitspielen. Der Bau des zweiten Schiffsufer ermöglich uns eines Re-Export des verflüssigten Erdgases und ein Umladen auf kleinere Schiffe, also eine Bunkerung von LNG.

Bereits im vergangenen Jahr war in den Seehäfen von Danzig (Gdańsk) und Gdynia erstmals eine Bunkerung von LNG-Gas vorgenommen worden. Dabei erfolgte das Einpumpen in die mit LNG-Gas angetriebenen Schiffe noch über LNG-Tankwagen. In Zukunft soll dies über Bunker-Schiffe erfolgen.

Foto: PL-MVI-Agentur

Der LNG-Gashafen von Swinemünde hat gegenwärtig eine Auslastung von über 60 Prozent. Im Vergleich zu den anderen 22 Terminals in der gesamten EU ist dies ein hoher Wert. In den meisten dieser Terminals, in denen das in flüssiger Form angelieferte Erdgas (LNG) wieder in den gasförmigen Zustand umgewandelt wird, liegt die Auslastung bei nur etwa 30 Prozent.

Der LNG-Gashafen auf der Insel Usedom wurde offiziell im Sommer 2015 nach einjähriger Verspätung in Betrieb genommen. Gebaut wurde er von dem italienischen Unternehmen Saipem im Verbund mit polnischen Unternehmen, von denen seinerzeit einige Pleite gingen.

,,Epochale“ Bedeutung für ganz Polen

In den ersten Jahren nach der Inbetriebnahme bezog der staatliche polnische Erdgas-Versorger PGNiG in der das mit Tankschiffen angelieferte verflüssigtes Erdgas vor allem auf Grundlage einer langfristigen Vereinbarung aus dem Emirat Katar. Nach dem Macht-Wechsel in Warschau wurde die östlich der Swinemündung gelegene Anlage im Rahmen eines Staatsaktes im Juni 2016 in LNG Terminal Lech-Kaczyński umbenannt.  Im Juni 2017 folgte der nächste Staatsakt. Die gesamte polnische Regierung war angetreten als der erste US-Gastanker in Swinemünde einlief. Der Bezug von Erdgas aus den USA habe,,epochale” Bedeutung für ganz Polen, erklärte die damalige Regierungschefin Szydlo bei der Ankunft. Damit werde Polen für amerikanisches Erdgas zum Tor für die Märkte in Mittel- und Osteuropa. Die Vereinbarung mit den Amerikanern bedeute  das Ende des Preis-Diktats durch die Russen und eröffne die Möglichkeiten des Re-Exports. Nach dem Besuch von US-Präsident Donald Trump in Warschau im Sommer 2017, wo Trump bei einem Treffen mit Staatspräsident Andrzej Duda Polen die USA als neuen Erdgas-Lieferanten anbot, schloss der polnische Ergasversorger PGNiG mehrere umfangreiche Verträge für die Lieferung von US-amerikanischen LNG-Gases nach Swinemünde ab. Bei dem amerikanischen LNG-Gas handelt es sich um im umweltschädlichen Fracking-Verfahren gewonnes Erdgas.

Aufstieg zum ,,Big Player“ im Gasgeschäft geplant

Nach dem Jahre 2022, wenn die Verträge mit dem russischen Erdgas-Versorger Gazprom auslaufen, wird Polen russisches Erdgas durch amerikanisches LNG-Gas und Erdgas aus Norwegen (über die Ostsee-Pipeline Baltic Pipe) ersetzen.

Die dabei vertraglich gebundenen Kapazitäten ermöglichen Polen nicht nur den Landesbedarf an Erdgas zu decken, sondern auch Erdgas zu exportieren. Erklärtes politisches Ziel ist es, zum ,,Big Player“ bei der Erdgas-Versorgung im Mittel-/Osteuropa aufzusteigen. Dabei ist u. a. ein verstärkter Export von Erdgas in die Ukraine geplant.


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Foto: Baltic Pipe