Tagebau: Polen soll täglich eine halbe Mio. Euro Strafe zahlen

Der Europäische Gerichtshof EuGH hat Polen wegen des fortlaufenden Betriebs des Braunkohle-Tagebaus Turów zu einer  Geldstrafe verdonnert. Polen solle täglich 500 000 Euro an den EU-Haushalt zahlen, weil es einer einstweiliger Anordnung des Europäischen Gerichtshofes vom Mai nicht Folge geleistet habe, den Braunkohle-Abbau im Dreiländer-Eck Polen-Tschechien-Deutschland zu stoppen.

In einer ersten Reaktion bezeichnet der Vorstandschef des staatlichen Energiekonzerns PGE, Wojciech Dąbrowski, zu dem der Braunkohlen-Tagebau gehört, die Entscheidung des Gerichtshofes als ,,kurios“. Man werde nicht die Kohleförderung stoppen. Auch Regierungssprecher Piotr Müller wies die Entscheidung des EuGH als nicht gerechtfertigt und unverhältnismäßig zur Situation zurück. Eine Schließung des Tagebaus gefährde die Stabilität des polnischen Energieversorgungssystems. Das Kraftwerk Turów, das von dem nahegelegenenTagebau mit Braunkohle versorgt wird, sichert bis zu 7 Prozent der polnischen Energie-Erzeugung. Keine Entscheidung des Europäischen Gerichtshofes könne in Bereiche eingreifen, die mit der grundsätzlichen Sicherheit von EU-Mitgliedstaaten in Verbindung stehen, unterstrich Müller.

Grafik: PL-Agentur, Openstreetmap

Was aber auf den ersten Blick als Zwangsmaßnahme des übergriffigen EU-Verwaltungsapparates zur beschleunigten Durchsetzung der Klimaziele und dem Kohle-Ausstieg erscheint, ist tatsächlich die Reaktion auf einen Nachbarschaftsstreit und auf eine Klage der Tschechischen Republik gegen Polen. In der EU, wo man in der Regel bei  Differenzen und Meinungsverschiedenheiten auf Verständigung und Verhandlungen setzt, kommt es relativ selten vor, dass ein EU-Staat gegen einen anderen EU-Staat klagt. Nach jahrelangen Auseinandersetzungen mit Polen und dessen Blockadehaltung setzte Tschechien aber auf dieses Instrument, weil es überzeugt war, dass Polen mit der Verlängerung  der Abbau-Lizenz für den Tagebau Turów ohne eine Umweltprüfung gegen EU-Recht verstoße. Durch den Bergbau seien akute Bodenbewegungen und Grundwasserprobleme, die die Trinkwasser-Versorgung der Bevölkerung in der benachbarten tschechischen Region Liberec beeinträchtigen, aufgetreten. Hinzu komme die Staub- und Lärm-Belastung.

Im Rahmen der Klage beantragte Tschechien beim EuGH eine vorläufige Anordnung, dass Polen den Abbau im Tagebau Turów bis zu einer endgültigen Entscheidung des Europäischen Gerichtshofes aussetzen solle. Der EuGH folgte diesen Antrag und erließ am 21. Mai dieses Jahres die einstweilige Anordnung zur Schließung des Tagesbaus.  Polen befolgte die Anordnung allerdings nicht und setzte den Kohle-Abbau im Tagebau fort. Tschechien beantragte daraufhin am 7. Juni zur Durchsetzung der einstweiligen Anordnung eine Geldstrafe für Polen in Höhe von 5 Mio. Euro pro Tag.  Polen beantragte dagegen die  Aufhebung der Anordnung mit dem Verweis auf die geänderten Umstände. Diese wurden aber mit den gleichen Punkten begründet, die schon gegen den ursprünglichen Antrag Tschechiens vorgebracht wurden. Nach Ansicht des EuGH handelte es sich dabei nur um eine Wiederholung von Argumenten, mit denen keine geänderten Umstände begründet werden. Polens Antrag wurde zurückgewiesen

Opposition: Schuld trägt die Regierung

Nach Ansicht der Opposition, die vor dem Hintergrund der wirtschaftlichen Auswirkungen die vom EuGH angeordnete sofortige Schließung des Tagebaus auch als überzogen betrachtet, trägt die Regierung in Warschau die alleinige Verantwortung für die jetzt verhängte Geldstrafe, für die letztlich der Steuerzahler aufkommen muss. Bereits einige Tage nach der einstweiligen Anordnung der EU hatte Ministerpräsident Mateusz Morawiecki, der im Volksmund ,,Pinocchio“ genannt wird, noch laut in der Öffentlichkeit getönt, dass man kurz vor dem Abschluss einer Vereinbarung mit dem tschechischen Nachbarn steht und Tschechien bereit sei, seine Klage vor dem Europäischen Gerichtshof zurückzuziehen. Die Reaktion aus Prag erfolgt prompt. Er wisse nichts von einer solchen Vereinbarung, erklärte der tschechische Regierungschef Babisz.

Seit dem sind bereits über 100 Tage vergangen. Der von der tschechischen Seite vorbereitete Entwurf eines bilateralen Vertrages, der eine finanzielle Beteiligung Polens an Investitionen im Wert von 40 bis 45 Mio. Euro  an Bau-Maßnahmen zur Verhinderung der weiteren Grundwasser-Senkung durch den Tagebau auf tschechischer Seite und Eindämmung der Staub und Asche-Belastung vorsieht, wartet noch weiterhin auf eine Unterschrift von der polnischen Seite. Polen, das immer vorneweg ist, wenn es um die Milliarden aus den EU-Töpfen geht, sträubt sich, der Vereinbarung in dieser Form zuzustimmen. Mit der jetzt verhängten Geldstrafe wird der Druck auf die Regierung zum Handeln erhöht.

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Swine-Tunnel zur Insel Usedom am Ziel

Foto: UM Świnoujście

Vor sechs Monaten wurden die Bohrarbeiten aufgenommen. Nach der Durchbohrung eines knapp 1,7 Kilometer langen Tunnels unter dem Meeresarm Swine hat die über 2700 t schwere Tunnelbohrmaschiene jetzt bereits ihr Ziel erreicht: die Herstellung eines Strassen-Tunnels, der die Insel Usedom mit dem polnischen Festland verbindet.
Wie die staatliche polnische Strassen- und Autobahnagentur GDKKiA meldet, ist die TBM-Tunnelbohrmaschine an der Wand der Aufnahmekammer am finalen Endpunkt des Tunnelbaus angelangt. Die Aufnahmekammer wurde bereits mit Wasser gefüllt, um den Druck beim Bohren durch die Wand und dem Einfahren des Bohrkopfes in die Kammer auszugleichen. Nach dem Durchbruch bedarf es laut GDKKiA etwa zwei Monate, um die 100 Meter lange und rund 2700 t schwere Tunnelbohrmaschine abzubauen. Zeitgleich beginnen dann bereits die ersten Arbeiten zur Ausstattung des Tunnels mit einem Entlüftungs-, Brandschutz- und Überwachungssystems. Im Tunnel wird dann auch eine Platte verlegt, auf der die zweispurige Auto-Fahrbahn aufgebaut wird. Die Freigabe für den Autoverkehr ist allerdings erst im Oktober kommenden Jahres geplant, also erst nach Ende der Urlaubssaison, die in Polen traditionell bis Ende August währt.
Mit einer Länge von 1780 Metern ist der Tunnel unter dem Ostsee-Arm Swine nach seiner Freigabe die längste Unterwasser-Tunnelverbindung Polens. Dieses Rekord hält gegenwärtig noch der 2016 fertiggestellte Tunnel unter der Martwa Wisła, einem Nebenarm der Weichsel in Danzig (Gdańsk) mit einer Länge von 1377 Metern. Im Unterschied zu den Danziger Tunnel mit seinen beiden Röhren wird der Autoverkehr durch den Swine-Tunnel nur durch eine Röhre mit jeweils zwei Spuren pro Fahrtrichtung fließen. Mit der Strassen-Anbindung auf der polnischen Festlands-Seite (Halbinsel Wolin) mit Kreisverkehr und auf der Insel Usedom hat das Bauwerk eine Gesamtlänge von 3,2 Kilometern. Sein tiefster Punkt befindet sich rund 11 Meter unter der Sohle der Swine, die an dieser Stelle eine Tiefe von 13 bis 15 Metern hat.

Polnische Wunschvorstellung: Einführung einer Maut

Die Ausführung des gesamten Bauprojekts liegt in der Hand des österreichischen Baukonzerns Porr im Konsortium mit der türkischen Gülermak. Projekt-Ingenieur für den Tunnelbau sind die polnischen Tochtergesellschaften von Lafrentz und Sweco.
Die Baukosten betragen zum jetzigen Stand rund 220 Mio. Euro (914 Mio. Złoty). 85 Prozent der Mittel kommen von der EU. Die restlichen 15 Prozent finanziert die Stadtverwaltung von Swinemünde. Vor dem Hintergrund des hohen Anteils der EU-Gelder an dem Bauprojekt ist es daher wenig wahrscheinlich, dass die Durchfahrt durch den Tunnel mit einer Maut belegt wird, wie es sich der Stadtpräsident von Swinemünde (Świnoujście) Janusz Żmurkiewicz wünscht. Solche Pläne, mit europäischen Steuergeldern zu bauen und dann damit eigene Einnahmen zu erzielen, sind schon bei anderen fertiggestellten Bauprojekten in Polen am Widerstand der EU gescheitert.
Ab Oktober kommenden Jahres sollen dann die ersten Autos durch den Tunnel rollen. Zu dem Zeitpunkt wird auch die gegenwärtig zur Autobahn umgebaute Schnellstrasse S 3 nördlich von Goleniów zu den Ostsee-Badeorten in Westpommern fertiggestellt sein. Die Insel Usedom, die von polnischer Seite bisher nur mit Fähren erreichbar ist, was bisher im Sommer und zu anderen saisonalen Höhepunkten stundenlanges Warten nach sich zieht, ist dann an eine Autobahn angebunden.
Zu erwarten ist, dass dann der Durchgangsverkehr über die Insel Usedom deutlich zunehmen wird. Für den gewerblichen Verkehr aus Nordpolen ist nach Fertigstellung des Tunnels der Weg über Usedom dann die kürzestes und schnellste Verbindung zum Wirtschaftsstandort Hamburg. Die Umsetzung des von der polnischen Regierung geplanten Baus des milliardenschweren Containerhafens am Ostsee-Strand des Swinemünder Stadtteils Warszów wird diese Entwicklung noch beschleunigen.
Die klapprigen, ein halbes Jahrhundert alten Fähren, die bisher auf der Swine ihren Dienst verrichten, sollen auch nach Inbetriebnahme des Tunnels weiter shippern, hat bereits die Stadtverwaltung von Swinemünde entscheiden. Dann aber nur noch als ,,Touristen-Attraktion“.

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Ostsee-Erdgasleitung Baltic Pipe in Polen angelandet

Die rund 275 Kilometer lange Gas-Pipeline Baltic Pipe ist jetzt aus der Ostsee auf das polnische Land geführt worden. Damit kann ab 1.Oktober kommenden Jahres norwegisches Erdgas nach Polen fließen, ist sich der Sonderbeauftragte der polnischen Regierung für strategische Energie-Sicherheit, Piotr Naimski, sicher. Gleichzeitig kündete er an, dass Polen den langfristigen Erdgas-Liefervertrag mit der russischen Gazprom auslaufen lässt und der Vertrag nicht verlängert wird. Russisches Erdgas werde durch Erdgas aus Norwegen ersetzt.

Der letzte Abschnitt der Unterwasser-Leitung ist aus dem Pipelinelege-Schiff Castoro Sei am Strand östlich von Niechorze an Land gezogen, meldet der polnische Gasnetz-Betreiber Gaz System. Dafür wurde ein 1,5 Kilometer langes und 119 mm starkes Stahlseil zu Hilfe genommen. Zuvor wurde bereits unter dem Strand ein rund 600 Meter langer Tunnel vorbereitet. Wie Gaz System betont, wurde bei den Tunnelarbeiten durch die Anwendung der Mikrotunneling-Technologie nicht optisch in die Ufer-Linie eingegriffen. Beim Mikrotunneling werden die Rohre im Rohrvortriebsverfahren grabenlos verlegt.
Nach Verschweißen der Rohrenden bleiben nach Angaben von Gaz System bis zur Fertigstellung der Gas-Pipeline Baltic Pipe jetzt nur noch ein Strecken-Segment auf der dänischen Insel Seeland, wo die Pipeline bei Faxe in die Ostsee nach Polen geführt wird. Der Sonder-Beauftrage der polnischen Regierung für strategische Energie-Sicherheit, Piotr Naimski, ist sich aber sicher, dass die Ostsee-Pipeline Baltic Pipe zum 1. Oktober kommenden Jahres betriebsbereit ist und dann norwegisches Erdgas nach Polen fließt. Auf dem katholischen Radio-Sender Siodma9 bekräftigte Naimski den langfristigen Vertrag zur Lieferung von russischen Erdgas mit Gazprom nicht zu verlängern und russisches Erdgas durch norwegisches Erdgas zu ersetzen.
Bei einem Gesamt-Absatz von 31,6 Mrd. m³ Erdgas des staatlichen polnischen Erdgasversorger PGNiG hatte Polen im vergangenen Jahr über 8 Mrd. m³ russisches Erdgas von Gazprom über die auf Land verlaufende Jamal-Pipeline bezogen.
Mit dem direkten Bezug von norwegischen Erdgas über die neue Ostsee-Pipeline Baltic Pipe nach Polen ist die strategische Zielstellung verbunden, sich von russischen Erdgas-Lieferungen unabhängig zu machen.

Jährlich 10 Mrd. m³ norwegisches Erdgas über Baltic Pipe nach Polen

Foto: Energinet

Die Baltic Pipe ist auf eine Liefermenge von jährlich 10 Mrd. m³ norwegisches Erdgas nach Polen ausgelegt. Bei der Baltic Pipe handelt es sich um eine Anschluss-Leitung an die schon seit Jahren bestehende Erdgas-Leitung Europipe II, über die norwegisches Erdgas nach Deutschland/Westeuropa gebracht wird. Die Baltic Pipe schließt westlich der dänischen Küste an die Europipe II an und führt quer über Dänemark bis zur größten dänischen Insel Seeland, wo sie nahe der östlichen Stadt Faxe in die Ostsee überführt wird. Ihr weiterer Weg durch die Ostsee führt südlich der Insel Bornholm vorbei bis zur polnischen Ostsee-Küste, wo sie jetzt beim Seebad Niechorze an Land geführt wurde.
Bei einer Gesamtlänge von 900 Kilometern entfallen rund 275 Kilometer auf den Meeresverlauf zwischen Dänemark und Polen. Investoren und Bauträger sind der polnische Gasnetzbetreiber Gaz-System und der dänische Gas- und Stromnetzbetreiber Energinet.
Die Pipeline durch die Ostsee wurde von dem italienischen Unternehmen Saipem mit seinen drei Pipe-Verlegeschiffen Castorone, Castoro Sei und Castoro10 verlegt. Das italienische Unternehmen war bereits Generalauftragnehmer des LNG-Gashafens in Swinemünde (Świnoujście), der 2015 mit Verspätung fertiggestellt wurde. Daher hatte die Auswahl von Saipem durch den polnischen Netzbetreiber Gaz System bereits bei der Entscheidungsfindung einige Unruhe ausgelöst. Dabei blieb es nicht. Da der Bau der Baltic Pipe von der polnische Regierung als strategische Investition für die Energiesicherheit Polens eingestuft war, hatten weitere Auswahl-Entscheidungen des Netzbetreibers Gaz System für politische Emotionen bezüglich der geringen Beteiligung polnischer Unternehmen an dem Projekt ausgelöst. So wurde mit dem Bau der Anschlussleitung an die Baltic Pipe zwischen Goleniów und Lwówek das niedersächsische Unternehmen PPS Pipeline Systems GmbH (Habbau-Gruppe) im Joint venture mit dem litauischen Unternehmen UAB MT Group beauftragt.

Auftragsvergabe mit politischen Kontroversen

Die größte politische Kontroverse löst jedoch das bayrische Unternehmen Max Streicher mit den durch seine italienische Niederlassung Max Streicher S.P.A abgegebenen Geboten für den Bau und Ausbau von drei Kompressoren-Stationen aus. Max Streicher verfügte zwar über jahrzehntelange internationale Erfahrungen in Großprojekten für den Pipeline- und Stationsbau. Das Unternehmen war aber auch an dem den Bau einer 220 Kilometer langen Trasse der Erdgasleitung EUGAL im Osten Deutschlands beteiligt, über die russisches Erdgas von Nord Stream 2 weitergeleitet wird. Noch Ende des vergangenen Jahres wurde in einer parlamentarischen Anfrage im Interesse der nationalen Sicherheit eine Verifizierung der Auftragsvergabe gefordert. Man solle nicht einem Unternehmen Verdienst-Möglichkeiten an Baltic Pipe geben, ,,das Nutznießer einer solch schädlichen Investition wie Nord Stream 2 ist“, hieß es auch von der Opposition.
Da dem polnischen Netzbetreiber Gaz System aber die Zeit weglief, war die Möglichkeiten einer Korrektur nur beschränkt. Am 31. Dezember kommenden Jahres läuft der Vertrag mit der russischen Gazprom aus. Bis dahin muss norwegisches Erdgas über die Baltic Pipe fließen.

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Polnische Milliardäre bauen Atomkraftwerk im Braunkohle-Revier

Foto-Montage: PL-Agentur / PAK Pątnów

Die polnischen Privat-Unternehmer Michał Sołowow und Zygmunt Solorz haben einen Vertrag zur Gründung eines gemeinsamen Unternehmens unterzeichnet, das ein Atomkraftwerk in Pątnów nahe der zentralpolnischen Stadt Konin bauen wird.
Das Atomkraftwerk soll auf der Basis von kleinen modularen Kernreaktoren vom Typ BWRX-300 arbeiten, die von General Electric und Hitachi entwickelt wurden. Dabei handelt es sich um Siedewasser-Reaktoren, die sowohl Strom, wie auch Wärmeenergie erzeugen. In der Planung sind vier bis sechs SMR-Reaktoren mit einer Leistung von jeweils 300 MW.
,,Die globale Erwärmung ist leider ein Fakt. Der Kohle-Ausstieg ist eine Notwendigkeit, die nicht nur aus der Sorge um den Planeten hervorgeht, sondern auch aus den realen Bedürfnissen der Wirtschaft und der Kosten-Effektivität“, sagte der Milliardär Michał Sołowow bei der Vertragsunterzeichnung. Nach seiner Auffassung sei die natürliche Antwort auf diese Krise moderne Atom-Technologien, ,,die sich jedoch stützen auf in der Vergangenheit geprüfte Lösungen. Wenn wir uns weiter im schnellen Tempo entwickeln und eine immer vermögendere Gesellschaft werden wollen, die weitere ausländische Investitionen nach Polen zieht, dann brauchen wir den Zugang zu einer preislich attraktiven Energie“, setzte Sołowow mit Blick auf die Strompreise im polnischen Großhandel hinzu, die inzwischen zu den höchsten in Europa gehören und für die die Unternehmen aufkommen müssen.
Die gemeinsame Unternehmung der Milliardäre Sołowow und Solorz baut auf die Aktiva der Kraftwerks-Gruppe ZE PAK auf. Der von Solorz kontrollierte Energie-Produzent war bisher der zweitgrößte Braunkohle-Verstromer in Polen. Im vergangenen Jahr hatte der Aufsichtsrat der Unternehmensgruppe beschlossen, vorfristig und endgültig aus der Kohle auszusteigen.
Vertragspartner der PAK für das gemeinsame Unternehmen ist die Innovation Impulse GMBH mit Sitz in Wien, deren alleiniger Eigentümer Michał Sołowow ist. An der Unternehmung ist auch die die Argumenol Investment Company Limited mit Sitz in Nicosia und die Synthos Green Energy S.A. mit Sitz in Warschau beteiligt. Auch diese Unternehmen gehören jeweils zu Solorz und Sołowow.
Die beiden Privat-Unternehmer nehmen seit Jahren im Forbes-Ranking der reichsten Polen eine der vordersten Plätze ein. Neben Beteiligungen an Industrie-Unternehmen wie der ZAK-Kraftwerke hatte sich Solorz vor allem mit dem Aufbau der Unternehmensgruppe Polsat Plus in Polen einen Namen gemacht. Zu der Unternehmensgruppe gehören u.a. der private Fernsehsender Polsat und der Betreiber des Mobilfunknetzes Plus.
Zum Firmen-Portfolio von Sołowow gehören dagegen neben Beteiligungen in der Verpackungs- und Immobilienbranche und Investitionen in der Keramik- und der Parkettboden-Industrie (Barlinek) die Synthos-Gruppe, die der größte Hersteller von synthetischen Kautschuk und von aufgeschäumten Polystyrol (EPS) in Europa ist.

Exklusiv-Vertrag mit GE Hitachi Nuclear Energy Americas LLC 

Die Synthos Gruppe hatte bereits 2019 mit der GE Hitachi Nuclear Energy Americas LLC eine Absichtserklärung zur Einführung des Baus von Kernreaktoren vom Typ BWRX-300 in Polen unterzeichnet, der im Sommer vergangenen Jahres eine strategische Kooperations- und Exklusivitätsvereinbarung folgte. In der gemeinsamen Unternehmung kommt der Synthos Green Energy auch die Aufgabe zu, mit der Nationalen Atomenergiebehörde (PAA) Polens den Dialog mit der Zielstellung zu führen, den Bau eines Kernkraftwerks in Polen auf Basis der BWRX-300-Technologie im Zeitraum von 2025 bis 2030 zu ermöglichen.
Größtes Hindernis für die Einhaltung dieses Zeitplanes sind die die notwendigen Zertifizierungs-Verfahrens. Bisher ist die SMR-Technologie in den USA noch nicht zertifiziert. Am schnellsten ist mit einer Zertifizierung in Kanada zu rechnen. Danach müsste aber die Technologie in Europa zertifiziert werden, bevor die polnischen Behörden in die Genehmigungsverfahren einsteigen können.

Staat plant drei Kernkraftwerke

Die ambitionierten Pläne der polnischen Unternehmer bringen auch die Regierung in Warschau in Zugzwang. Seit nunmehr über zehn Jahren wird in Warschauer Regierungskreisen an Analysen, Konzeptionen und Plänen zum Bau des ersten Atomkraftwerks in Polen gearbeitet. Die neueste Version des Atomenergieprogramms der Regierung sieht den Bau von sechs Kernreaktoren mit einer Leistung von 6 bis 9 GW vor, die in 20 Jahren rund 20 bis 25 Prozent der polnischen Energie-Erzeugung sicher stellen sollen.
Als Standorte für die drei Kernkraftwerke wurde die Gegend um Żarnowiec an der Ostseeküste sowie die Braunkohle-Standorte Belchatow und eben auch Pątnów in die engere Auswahl genommen. Entscheidungen und Beschlüsse sind aber bis heute noch nicht getroffen worden. In einer Mitteilung des neuen Unternehmens beeilte sich deshalb der Vorstandschef von ZE PAK, Piotr Woźny, zu erklären: ,,Unsere Pläne stehen nicht in Konkurrenz zu den Plänen des Staates. Die SMR-Kernreaktoren ersetzen nicht die große staatliche Energiewirtschaft. Sie können aber dazu eine großartige Ergänzung darstellen“.

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Erdgasversorger PGNiG kauft ukrainisches Gas-Unternehmen

Foto: PGNiG

Der staatlich kontrollierte polnische Erdgasversorger PGNiG hat eine Mehrheits-Beteiligung an dem ukrainischen Unternehmen Karpatgazvydobuvannia erworben, das über eine Förder-Lizenz für ein an Polen angrenzendes Gebiet besitzt. Ab 2023 ist dort die Aufnahme der Erdgasförderung geplant.

Im Rahmen der Transaktion habe die PGNiG 85 Prozent der Aktien von Karpatgazvydobuvannia gekauft, teilte der polnische Erdgasversorger mit. Bisheriger Eigentümer des ukrainischen Unternehmen war die in den USA registrierte ERU Management Services, von der die PGNiG die Anteile erwarb. Angaben über den Kaufpreis wurden nicht gemacht.

Bereits Kooperation bei Flüssiggas-Lieferungen aus den USA in die Ukraine

Die PGNiG und ERU arbeiten bereits seit einigen Jahren bei der Lieferung von Erdgas aus Polen in die Ukraine zusammen. So hatte die ERU bisher Flüssig-Gas-Lieferungen aus den USA über den LNG-Hafen Swinemünde (Świnoujśćie) in die Ukraine kontraktiert. Das mit Tankschiffen aus den USA zum polnischen LNG-Hafen auf der Insel Usedom gelieferte Flüssig-Gas wird dabei nach der Regasifizierung in das Fernleitungs-Netz der PGNiG eingespeist und über den Interkonnektor in Hermanowice in Südostpolen in die Ukraine weitergeleitet. Bereits 2019 hatten beide Unternehmen auch einen Vertrag über die Erdgasförderung in der Ukraine unterzeichnet.

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Polen erhöht Bezug von Flüssig-Erdgas aus den USA

Die Förder-Lizenz, über die das vom polnischen Erdgasversorger übernommene ukrainische Unternehmen verfügt, bezieht sich auf ein 200 km² grosses Gebiet in der Region um Lwów (Lemberg).
Bereits in den 20er Jahren des vergangenen Jahrhunderts hatte angloamerikanische Unternehmen in diesem Gebiet, das vor 1939 zu Polen gehörte, Erdöl-Bohrungen durchgeführt. In den angrenzenden Gebiet bei Przemyśl (Karpaten-Vorland) fördert der polnische Erdgas-Versorger PGNiG selbst seit 60 Jahren Erdgas – bisher 65 Mrd. m³. Polnische Geologen hatten seit langen vermutet, dass das auf polnischer Seite ausgebeutete Erdgas-Feld bei Przemyśl bis in die Ukraine weiterreicht, da dort die gleichen geologischen Strukturen vorliegen.

Die Ergebnisse der bisher durchgeführten geophysikalischen und geologischen Untersuchungen im Gebiet sind laut PGNiG vielversprechend. Ab kommenden Jahr will die PGNiG in dem Gebiet Probe-Bohrungen und Fördertests vornehmen. ,,Wenn die Ergebnisse der Analysen sich bestätigen und wir Gas finden, wird die Erdgas-Förderung im Jahr 2023 beginnen“, sagte PGNiG-Vorstandschef Paweł Majewski. Das Erdgas soll im wesentlichen in das ukrainische Erdgas-Netz eingespeist werden. Möglich sei nach Aussage von Majewski jedoch auch eine Weiterleitung nach Polen.
Die Ukraine, die bisher aufgrund eigener Förder-Defizite ein Drittel ihres jährlichen Erdgasverbrauchs durch Importe abgedeckt hat, verfügt über die zweitgrößten Erdgasreserven in Europa.

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PepsiCo investiert 1 Mrd. Złoty in neue polnische Chips-Fabrik

Der US-amerikanische Getränke- und Nahrungsmittelhersteller PepsiCo wird 1 Mrd. Złoty (~225 Mio. Euro) in den Bau einer neuen Fabrik für die Snack-Herstellung in Polen investieren. In der unweit von Breslau (Wrocław) gelegenen niederschlesischen Ortschaft Święte wurde dafür jetzt der Grundstein gelegt.
Der Betrieb auf einer Fläche von 30 Hektar wird der fünfte Produktionsstandort von PepsiCo in Polen und zugleich der größte Betrieb des Konzerns in Europa werden. Seine Inbetriebnahme ist zum Jahreswechsel 2022/2023 geplant. Durch die Investition werden 450 neue Arbeitsplätze in der Region geschaffen. PepsiCo beschäftigt gegenwärtig an seinen vier Produktionsstandorten in Polen, von denen der gesamte europäische Markt beliefert wird, insgesamt 3600 Arbeitskräfte.
Neben seinen bekannten Knabbergebäck-Marken, darunter u.a. Lay’s-Kartoffelchips, die in Polen auch für den deutschen Markt produziert werden, soll in dem neuen Werk nach seiner Fertigstellung auch Doritos Tortilla-Chips hergestellt werden. Die Agrar-Produkte für die Snack-Herstellung werden von polnischen Bauern im Rahmen des von PepsiCo in den 90er Jahren initiierten Agrarprogramms geliefert. Gegenwärtig arbeitet der Konzern mit 80 Landwirtschaftsbetrieben in Polen direkt zusammen, die jährlich über 230 000 t Kartoffeln für die Chips und extrudierte Snacks liefern. Nach Angaben des Konzern wird diese Menge nach Inbetriebnahme des neuen Werkes um 60 000 t bis zum Jahre 2023 steigen. Zusätzlich will PepsiCo für die Herstellung seiner Doritos Tortilla-Chips bis 2027 Mais-Produzenten für die Lieferung von jährlich 30 000 t Mais unter Vertrag nehmen.
Die an dem neuen Produktionsstandort hergestellten Snacks werden nicht nur allein in Polen, sondern vor allem in 20 Ländern Europas vertrieben.

Erklärung der Regierungschefs im Kontrast zur Realität

An der Grundsteinlegung nahm auch Ministerpräsident Mateusz Morawiecki (PiS) teil, der die Investition von PepsiCo als Beweis für das Vertrauen amerikanischer Investoren in Polen interpretierte. ,,Wir schaffen das weltweit bestmöglichste Klima für Investoren“, lobte Morawiecki seine Regierung und die PiS-Partei. Diese Behauptung steht im scharfen Kontrast zu der national und international geübten Kritik an der von der nationalkonservativen PiS-Partei initiierten Gesetznovelle zum Mediengesetz, die weitverbreitet in Polen nur noch als Lex TVN bezeichnet wird, weil sie auf die Ausschaltung des populären privaten Nachrichten-Fernsehsenders TVN24 gerichtet ist. Dessen Eigentümer ist der amerikanische Medienkonzern Discovery.
Nach der Abstimmung des Sejms zur Annahme des Gesetzes Anfang August hatten Mitglieder des US-Repräsentantenhaus die polnische Führung in einer gemeinsamen -Erklärung aufgefordert, freie und unabhängige Medien sowie den Schutz amerikanischer Investitionen in Polen zu gewährleisten. Auch US-Aussenminister Antony Blinken hatte gewarnt, dass mit der Verabschiedung des Gesetzes die Medien-Freiheit verletzt und das Investitionsklima in Polen geschädigt wird.
Der Gesetzentwurf wird gegenwärtig vom Senat , der zweiten Kammer des polnischen Parlaments, verhandelt. 52 Senatoren, das ist die Mehrheit in der Kammer, haben eine Erklärung abgegeben, dass die Gesetz-Novelle, insofern sie in Kraft tritt, ,,dramatisch die Beziehungen zu den USA verschlechtern wird“.

,,Goldene Schweiß-Naht“ für neue Pipeline Polen-Slowakei

Die Gasnetz-Betreiber Gaz System und Eustream haben die symbolische ,,Goldene Schweiß-Naht“ für eine neue Gas-Pipeline gesetzt, die das polnische Erdgasversorgungs-System mit dem Gasnetz der Slowakei verbindet.
Mit der Anfang kommenden Jahres geplanten Inbetriebnahme können jährlich bis zu 4,7 Mrd. m³ Erdgas aus Polen in die Slowakei durchgeleitet werden. Auch umgekehrt ist ein Durchfluss in etwa der gleichen Menge möglich. Die Verbundleitung ermögliche die Realisierung eines kühnen Projektes, erklärte Minister Piotr Naimski, Sonder-Beauftrage der polnischen Regierung für strategische Energie-Sicherheit. Damit könne von der polnischen Ostsee-Küste über die Berge der Karpaten und weiter bis nach Südeuropa Erdgas aus Norwegen über die im Bau befindliche Ostsee-Pipeline Baltic Pipe oder das an den LNG-Gashafen in Swinemünde (Świnoujście) angelieferte verflüssigte Erdgas aus den USA, dem Emirat Katar und anderen Ländern strömen.
Seit Jahren ist es ein erklärtes Ziel der polnischen Regierung, mit Hilfe des Erdgases aus Norwegen und dem verflüssigten Erdgas (LNG), das ab 2023 russisches Erdgas ersetzen soll, Polen zu einem Haupt-Lieferanten im Regional-Markt und als Drehscheibe für Erdgas-Lieferungen in die Ukraine, die Slowakei sowie das Baltikum zu entwickeln. In der Überzeugung von Tomasz Stępień, des Vorstandschefs von Gaz System, trägt die neue Pipeline auch ,,zur Erhöhung der regionalen Sicherheit von Erdgas-Lieferungen bei“.
Die Verbundleitung (Interkonnektor) mit einem Nenndurchmesser von 1 Meter (DN 1000) hat eine Gesamtlänge von 164 Kilometern. Auf polnischer Seite beginnt sie bei Sanok und endet nach einem Verlauf von 103 Kilometern auf slowakischer Seite an der Verdichter-Station Veľké Kapušany. Die Bauarbeiten begannen auf slowakischer Seite schon 2018. Ein Jahr später wurden die Arbeiten in Polen aufgenommen. Nach Darstellung beider Seiten ist die Pipeline zu über 90 Prozent fertiggestellt. Die Kosten belaufen sich auf ca. 270 Mio. Euro. Rund 108 Mio. werden davon aus EU-Mitteln finanziert.
Der polnische Gas-Netzbetreiber Gaz System plant in seinem Zehnjahres-Investitionsprogramms bis 2025 den Bau von 2000 Kilometer neuen Gasleitungen in Polen, darunter auch Pipelines im Rahmen des europäischen ,,Nord-Süd-Korridors“ In der Projektierung befindet sich auch eine Pipeline nach Litauen sowie Gas-Leitungen, die das in der Danziger Bucht geplante stationäre Schwimm-Terminal (FSRU) für LNG-Gas mit dem nationalen Gas-Netz verbinden. Das Unternehmen realisiert auch das z.Z. größte polnischen Infrastruktur-Projekt im Energie-Sektor – den Bau der Baltic Pipe. Die Pipeline führt als Abzweig einer bereits bestehenden Pipeline, durch die Erdgas aus Norwegen nach Westeuropa geleitet wird, über das dänische Festland durch die Ostsee bis zum polnischen Festland.

Gaz System ist auch Eigentümer des LNG-Gashafens in Swinemünde, dessen Verarbeitungs-Kapazität von verflüssigten Erdgas (LNG) gegenwärtig ausgebaut wird. Neben langfristig vereinbarten LNG-Gaslieferungen aus dem Emirat Katar sollen ab dem Jahre 2023 die LNG-Gaslieferungen aus den USA nach Swinemünde auf insgesamt 29 Mio. t LNG bis zum Jahre 2042 aufgestockt werden. Dies entspricht nach der Regasifizierung des LNG in Swinemünde 39 Mrd. m³ Erdgas.

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Foto: PL-MVI-Agentur

Polen erhöht Bezug von Flüssig-Erdgas aus den USA

LNG-Gashafen Swinemünde Foto: PL-Agentur

Polen wird mehr verflüssigtes Erdgas (LNG) aus den USA zum Ersatz von russischen Erdgas beziehen. Der staatliche polnische Gas-Versorger PGNiG hat dazu jetzt einen Vorvertrag mit der US-amerikanischen Venture Global LNG über den Kauf von jährlich zusätzlichen 2 Mio. t verflüssigtes Erdgas unterzeichnet.
Der polnische Erdgas-Versorger hatte bereits 2019 mit Venture Global einen Vertrag über den Bezug von 3,5 Mio. t verflüssigtes Erdgas unterzeichnet. In einem Nachtrag (Annex) zu dem seinerzeit unterzeichneten Vertrag wurde jetzt eine Aufstockung des gesamten Einkauf-Volumens auf 5,5 Mio. t LNG pro Jahr vereinbart. Nach seiner Regasifizierung, also der Überführung aus dem flüssigen in den gasförmigen Zustand durch Verdampfung, entspricht diese Menge LNG jährlich 7,4 Mrd. m³ Erdgas. Die Vereinbarung wurde für den Zeitraum ab 2023 für 20 Jahre geschlossen.
Das verflüssigte Erdgas wird über das im Bau befindliche Exportterminal Calcasieu Pass (1,5 Mio. t LNG) geliefert, das sich im US-Bundesstaat Louisana am Golf von Mexiko befindet. Jährlich 4 Mio. t LNG sollen über den ebenfalls in Louisana befindlichen Exportterminal Plaquemines (südlich von New Orleans) abgenommen werden.
Gleichzeitig informierte der polnische Erdgasversorger, dass er einen 2018 mit dem amerikanischen Energiekonzern Sempra abgeschlossenen Liefervertrag über jährlich 2 Mio. t LNG aufgelöst habe. PGNiG beruft sich dabei auf Verspätungen bei der von Sempras geplanten Export-Anlage Port Arthur. Der amerikanische Energiekonzern hatte im Mai bekanntgegeben, dass sich eine endgültige Investitionsentscheidung für das Port Arthur LNG-Projekt , über die das LNG an den polnischen Erdgasversorger geliefert werden sollte, bis 2022 verzögern werde. Die 2 Mio. t LNG, die die PGNiG mit dem amerikanischen Konzern vertraglich gesichert hatte, sollten aber bereits ab 2023 von der noch nicht existierenden Export-Anlage Port Arthur geliefert werden. Dies ist nun hinfällig. PGNiG-Vorstandschef Paweł Majewski erklärte jedoch, dass man die Zusammenarbeit mit dem US-Konzern Sempra weiter fortsetzen wolle und deshalb eine gemeinsame Absichtserklärung über den möglichen Kauf von 2 Millionen Tonnen pro Jahr aus dem nordamerikanischen LNG-Portfolio von Sempra unterschrieben habe. Die jährliche Lieferung der 2 Mio. t LNG soll anstelle von Port Arthur aus einer anderen Anlage von Sempra geliefert werden. Eine konkrete Aussage, an welches Terminal die Lieferung gebunden sein könnte, wurde jedoch nicht getroffen.

Vereinbarungen mit 3 US-Anbietern von LNG-Gas

Neben der Vereinbarung mit Sempra und dem Vertrag mit Venture Global hat der polnische Erdgas-Versorger schon 2018 mit einem dritten US-Anbieter einen langfristigen Vertrag über die Lieferung von LNG-Gas unterzeichnet. Dabei geht es um den US-Energiekonzern Cheniere. Der Vertrag sieht vor, dass Cheniere bis kommendes Jahr mit Tankschiffen insgesamt 0,52 Mio. t verflüssigtes Erdgas an den LNG-Gashafen Swinemünde (Świnoujście) auf der Ostsee-Insel Usedom liefert. Seit 2018 haben bereits einige Tanker mit verflüssigten Erdgas aus den USA den LNG-Hafen von Swinemünde angelaufen. Ab dem Jahre 2023 bis wird dann das Liefer-Volumen aus den USA bis zum Jahre 2042 deutlich auf insgesamt 29 Mio. t LNG aufgestockt. Nach der Regasifizierung entspricht dies 39 Mrd. m³ Erdgas. Dies bedeutet, dass der polnische Erdgasversorger ab dem Jahre 2023 pro Jahr durchschnittlich 1,45 Mio. t LNG (nach der Regasifizierung ca. 1,95 Mrd. m³ Erdgas) allein von Cheniere kaufen wird.
In allen Vereinbarungen mit den US-Anbietern handelt es sich bei dem LNG um Schiefergas, das in den USA im Fracking-Verfahren mit Hilfe von Druck und Chemikalien in den in Hunderten Metern Tiefe unter der Erdoberfläche liegenden Gesteinsschichten herausgelöst wird, was Gefahren für die Umwelt, insbesondere für das Grundwasser, birgt.
Dies ist nicht die einzige Gemeinsamkeit in allen Vereinbarungen mit den LNG-Anbietern aus den USA. Eine weitere Gemeinsamkeit ist die Festlegung des Jahres 2023 als Zeitpunkt für das Anlaufen des Gas-Lieferungen bzw. für eine deutliche Erhöhung des Liefer-Volumens. Der festgelegte Zeitpunkt fällt mit dem Auslaufen des langfristigen Liefer-Vertrages für russisches Erdgas nach Polen (31.Dezember 2022) zusammen. Polen hat nicht die Absicht, den Vertrag mit der russischen Gazprom zu verlängern. Das russische Erdgas soll ab 2023 durch LNG aus den USA und anderen Liefer-Ländern sowie durch Erdgas aus Norwegen ersetzt werden.

Foto: Baltic Pipe

Bis Oktober kommenden Jahres soll die-Ostsee-Pipeline Baltic Pipe fertiggestellt werden. Über die Pipeline will Polen jährlich 10 Mrd. Kubikmeter Erdgas aus Norwegen beziehen. Foto: Baltic Pipe

Für das Erdgas aus Norwegen wird gegenwärtig die Pipeline Baltic Pipe gebaut, die als Anschluss-Leitung an das dänische Versorgungssystem mit norwegischen Erdgas vom Zealand südlich der Insel Bornhorm durch die Ostsee bis zum polnischen Festland beim Ostsee-Küstenort Niechorze führt. Auch hier ist der Zeitplan enorm eng geschnürt. Im Oktober kommenden Jahres soll die Pipeline fertiggestellt sein. Verzögerungen, wie sie jetzt durch ein durch die dänischen Behörden im Juni veranlasstes Stopp der Bauarbeiten an einzelnen Abschnitten der Pipeline auf dem dänischen Festland eingetreten sind, weil bestimmte Aspekte des Artenschutzes im Umweltgenehmigungs-Verfahren nicht berücksichtigt wurden, könnten den polnischen Zeitplan völlig ins Wanken bringen. Ab dem Jahreswechsel 2022/2023 will Polen über die Baltic Pipe jährlich 10 Mrd. m³ Erdgas aus Norwegen beziehen. Zusammen mit dem LNG aus den USA soll dann russisches Erdgas vollständig ersetzt werden.

Bei der Zusammenrechnung aller von der PGNiG vereinbarten Liefermengen von LNG aus den USA und anderen Ländern sowie dem Erdgas aus Norwegen über die Pipeline Baltic Pipe ergibt sich ein Überschuss an Erdgas über den bisherigen Landesbedarf an Erdgas. Das Vertrags-Portfolio der PGNiG mit LNG aus den USA und Erdgas aus Norwegen ist mehr, als Polen bisher jährlich Erdgas aus Russland importiert hat. Polen hofft hier mit Hilfe des LNG-Gases aus den USA zu einem ,,Big Player“ bei der Gasversorgung des Nachbarländern wie der Ukraine oder Tschechien und ganz Mittelosteuropa aufsteigen.

Für den LNG-Transport aus den USA hat der polnische Erdgasversorger vier Tankschiffe von der Reederei Knutsen gechartert. Foto: Knutsen OAS

Auch bei Spot-Geschäfte im globalen Maßstab will der staatliche polnische Erdgasversorger groß mitmischen. So sind im Unterschied zu den vertraglichen vereinbarten Lieferungen mit dem US-Konzern Cheniere, der das LNG direkt an den LNG-Gashafen in Swinemünde liefert, die Lieferungen von Venture Global aus den Export-Terminals Calcasieu Pass und Plaquemines auf Basis der FOB-Formel (free-on-board ) vereinbart. Das bedeutet, dass der Käufer, also der polnische Erdgasversorger PGNiG für den Abtransport verantwortlich ist. Er hat damit die Möglichkeit, das LNG noch während des Transports über die Weltmeere an einen anderen LNG-Importterminal in der Welt zu verschicken oder an den LNG-Gashafen in Swinemünde zu liefern. Dazu sind eigene Transport-Kapazitäten notwendig. Da die PGNiG darüber nicht verfügt, hat sie jetzt mit der norwegischen Reederei Knutsen OAS Shipping einen Chartervertrag über zwei weitere Tankschiffe geschlossen. Bereits im vergangenen Jahr hatte der polnische Gas-Konzern zwei Tankschiffe bei Knutsen gechartert. Mit der jetzigen, auf 10 Jahre abgeschlossenen Vereinbarung stehen der PGNiG vier Tankschiffe von Knutsen zur Verfügung, von denen jedes rund 70 000 t verflüssigtes Erdgas zum Gashafen nach Swinemünde oder zu einem anderen LNG-Importterminal in einem anderen Land transportieren kann.

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450 Mio. Euro für 3.Terminal des Containerhafens Danzig

 

Foto> DCT Gdańsk

Der Containerhafen Danzig (DCT Gdańsk) soll beim Umschlag von Containern zu den zehn führenden Containerhafen Europas aufsteigen. Der Hafenbetreiber hat dazu jetzt in einem Wettbewerbs-Verfahren den Zuschlag für den Bau eines dritten Terminals erhalten, mit dem die Verlade-Kapazität auf jährlich 4,5 Mio. TEU erhöht wird. Die Investition beläuft sich auf rund 450 Mio. Euro.
Der Tiefwasser-Hafen von Danzig ist gegenwärtig das größte Container-Terminal im Ostsee-Raum. Seit seiner Inbetriebnahme im Jahre 2007 und dem zwischenzeitlichen Ausbau 2015 ist seine Verlade-Kapazität kontinuierlich gestiegen. Auch im Corona-Krisenjahr 2020 wurden 1,9 Mio. TEU umgeschlagen. Im Danziger Containerhafen werden z.Z. jährlich 600 Container-Schiffe ent- bzw. beladen, darunter 100 der größten Container-Riesen der Welt.
,,Mit dem Bau des neuen Terminals Baltic Hub 3 kann Polen weiter mit den größeren Containerhäfen in Westeuropa wie Hamburg oder Rotterdam konkurrieren“, meint Charles Baker, Geschäftsführer des Danziger Containerhafens DCT. Damit könne nicht nur der polnische Markt bedient werden, sondern auch die gesamte Ostsee-Region und die Binnenland-Nachbarn Polens.
Das Kai von Baltic Hub 3 wird eine Länge von 717 Metern haben. Die gesamte Fläche des dritten Container-Terminal umfasst 36 Hektar. Die Tiefe des Wasserbeckens wird 18 Meter haben. Im Rahmen des Investitions-Projektes werden 7 neue Container-Brücken und zusätzlich 20 automatische schienengebundene RMG-Portalkräne aufgebaut.

Bereits 2010 hat die weltgrößte Containerschiffsreederei Maersk eine direkte Service-Verbindung zwischen Fernost und dem Containerhafen Danzig eingerichtet. Foto: PL-Agentur

Die Inbetriebnahme des dritten Terminals ist ab 2024 geplant. Unabhängig vom Investitionsprojekt wird die Schienen-Infrastruktur im Containerhafen von 4 auf 7 Gleise ausgebaut.
Gegenwärtig hat der Containerhafen Danzig über 1000 Beschäftigte. Jährlich generiert er 12 Mrd. Złoty an Steuern und Zöllen für den polnischen Staatshaushalt.
Langjähriger Eigentümer des DCT Gdansk war die von der australischen Macquarie Group of Companies verwaltete Fondsgesellschaft Global Infrastructure Fund II. 2018 hat der staatliche Entwicklungsfonds PFR im Zuge der von der PiS-Regierung eingeleiteten Politik der ,,Repolonisierung“ 30 Prozent der Eigentümer-Anteile übernommen. Die anderen Gesellschafter-Anteile verteilen sich aktuell auf den IFM Global Infrastructure Fund (30 Prozent) sowie auf die PSA International (40 Prozent). Die PSA, die auch den weltgrößten Container-Hafen von Singapur betreibt, ist auch der Betreiber des Danziger Containerhafens DCT.
Der Bau des neuen Container-Terminals ordnet sich auch in die von der polnischen Regierung geplanten Umgestaltung des Danziger Hafens in einen ,,Zentral-Hafen“ in der Danziger Bucht ein. Das Projekt sieht Investitionen im Wert von umgerechnet 2,5 Mrd. Euro in den Bau von zehn Terminals, ein Offshore-Terminal, Flächen für neue Werften, und ein Passagier-Terminal sowie drei Einfahrten und vier Manövrier-Drehscheiben für Wendemanöver großer Schiffe vor. Der Zentral-Hafen soll damit zu einen der zehn größten Häfen Europas und gleichzeitig den größten Hafen im gesamten Ostsee-Raum entwickelt werden. ,,Der Hafen von Gdańsk ist ein Fenster zur Welt, nicht nur für Polen, sondern auch für die anderen Staaten der Region”, verkündete Ministerpräsident Mateusz Morawiecki seinerzeit bei der Vorstellung des Projektes. Mit dem neuen Zentralhafen werde künftig das gesamte Potenzial der polnischen Volkswirtschaft ausgespielt.

Experten warnen vor Kannibalisierung des Container-Marktes 

Setzt man allerdings internationaler Vergleichs-Maßstäbe an, dann verkürzt sich der Blick durch die nationale Brillen-Optik auf das Mega-Projekt: Im Vergleich mit anderen Meeresanrainer-Ländern haben die polnischen Seehäfen laut EU-Statistik den geringsten Anteil der Umschlags-Kapazität pro Kopf der Bevölkerung in Europa. Während der EU-Durchschnitt hier bei 7,6 t/pro Kopf der Bevölkerung liegt, waren es in Polen in den Jahren vor der Corona-Krise nur 1,6 Tonnen pro Kopf der Bevölkerung. Um auf den EU-Durchschnitt zu kommen, müsste die Umschlagskapazität in den nächsten zehn Jahren um das Dreifache in den polnischen Häfen erhöht werden.
Unabhängige Experten warnen denn auch vor einer Überdimensionierung und Fehl-Bewertung des tatsächlichen Bedarfs an Umschlag-Kapazitäten. Dies wird insbesondere im Kernbereich der Schifffahrt – dem Container-Transport – deutlich. So ist in unmittelbarer Nachbarschaft zum Danziger Hafen auch der Bau eines Außenhafens mit Container-Terminals in Gdynia geplant. Ein weiterer Container-Hafen befindet sich auch bereits in Swinemünde (Świnoujście) auf der Insel Usedom in Vorbereitung. Die Hafenverwaltung hat bereits Anfang des Jahres die Angebote dafür eingesammelt. Seine jährliche Umschlag-Kapazität soll auf 2 Mio. TEU ausgelegt werden.
Branchen-Experten warnen deshalb auch vor einer Kannibalisierung des Marktes, bei der die Terminal-Betreiber in den polnischen Häfen untereinander um jeden Container kämpfen.

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Volkswagen stoppt in Polen erneut die Produktion

Foto: Volkswagen Poznań

Nach einem dreiwöchigen Produktions-Stopp im April  müssen die Bänder der polnischen Autofabriken von VW Nutzfahrzeuge erneut  angehalten werden. Wie der polnische Brancheninformationsdienst AutomotiveSuppliers berichtet, wird die Produktion bei Volkswagen wegen der Lieferengpässe von elektronischen Komponenten auf der Basis von Halbleitern ab morgen  für einige Tage ruhen. Dies bestätigte auch die Sprecherin von Volkswagen Poznań. ,,Die Produktion wird ab morgen zunächst  bis zum 25. Juni ruhen“

Der Produktions-Stopp betrifft beide Autofabriken von VW in Polen: in Września, wo der Lieferwagen VW Crafter und der MAN TGE produziert werden als auch die Autofabrik in Poznań. Neben der Herstellung des Transporters T6.1 ist das Werk in Poznań-Antoninek der einzige  Produktionsstandort im weltweiten VW-Verbund, wo der Stadt-Lieferwagen Caddy produziert wird.

Wegen der Liefer-Engpässe bei Halbleitern musste das Werk in Września bereits im April für drei Wochen die Produktion unterbrechen.

Die durch die Halbleiter-Engpässe erzwungenen Produktionspausen betreffen nicht nur die polnischen Autofabriken von Volkswagen. Auch die Autofabriken in Deutschland sowie in der Slowakei (großer SUV) und in Tschechien (Skoda) sind davon betroffen. Ihre Ursachen liegen in den Auswirkungen der Corona-Pandemie begründet. Mit dem weltweiten Rückgang der Autoproduktion  im zweiten Quartal des zurückliegenden Jahres um 32 Prozent war die Nachfrage der Automobil-Hersteller nach Mikrochips zunächst eingebrochen.  Die Halbleiter-Hersteller suchten sich darauf andere Abnehmer. Als  dann die Fahrzeug-Produktion wieder ansprang , traten massive Liefer-Engpässe auf, die alle Auto-Hersteller trifft.

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