Saudis übernehmen Anteile an Raffinerie in Danzig

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Der größte Erdölproduzent der Welt, Saudi Aramco, wird 30 Prozent der Anteile an der Lotos-Raffinerie in Danzig (Gdansk) erwerben. Der Verkaufswert in dem jetzt unterschriebenen Vorvertrag wurde auf 1,15 Mrd. Złoty, umgerechnet rund 255 Mio. Euro, festgelegt. Wie der polnische Mineralölkonzern PKN Orlen mitteilt, ist die Transaktion Bestandteil der Paket-Lösung zur Erfüllung der Bedingungen, die die EU-Kommission für die Erteilung einer Genehmigung zur Übernahme der polnischen Lotos-Gruppe durch den Mineralölkonzern PKN Orlen gestellt hatte.

,,Mega-Fusion“ von zwei Staatsunternehmen

Sowohl PKN Orlen wie auch die Lotos-Gruppe werden bei den Stimmrechten durch den polnischen Staat kontrolliert. Bereits 2018 wurden die ersten Schritte zu der als ,,Mega-Fusion“ apostrophierten Übernahme der Lotos-Gruppe durch den Mineralölkonzern PKN Orlen eingeleitet. Da PKN Orlen durch den Zusammenschluss eine absolute Monopolstellung bei den Raffinerie-Kapazitäten, der Kraftstofflager und Tankstellen und bei der Produktion von Asphalt und Flugbenzin sowie anderer Erdölverarbeitungsprodukte erlangen würde, die den Wettbewerb in Polen nahezu ausschalten, stellte die EU-Kommission zahlreiche Bedingungen an die Übernahme.

Saudis werden knapp die Hälfte des  Erdölbedarfs in Polen decken

Zu den zur Erfüllung der EU-Auflagen unterzeichneten Vorverträgen der PKN Orlen mit Saudi Aramco gehört auch der Verkauf des Lotos-Großhandelsvertrieb für Kraftstoffe im Wert von 1 Mrd. Zloty. Bestandteil des Vertragswerks mit Saudi Aramco ist auch die langfristige Lieferung von saudi-arabischen Erdöl nach Polen in der Größenordnung von täglich 200 000 bis 370 000 t Barrel. Die Saudis erhalten damit eine mächtige Position auf dem polnischen Markt, der bisher von russischen Erdöl-Lieferungen dominiert war. Mit den bereits früher unterzeichneten Lieferverträgen werden damit 45 Prozent des polnischen Erdölbedarfs pro Tag durch Aramco gedeckt.
Aramco wird auch alle Anteile kaufen, die Lotos an der Lotos-Air BP Polska besitzt (Produktion von Flugbenzin).
Weiterhin hat PKN Orlen mit Saudi Aramco und Saudi Basic Industries Corporation (SABIC) einen Vertrag über die Zusammenarbeit bei der Analyse und Entwicklung gemeinsamer Investitionen unterzeichnet. Der Mehrheitlich im Besitz von Saudi Aramco befindliche Konzern SABIC gehört zu den weltweit führenden Petro-Chemieproduzenten, der u.a. die im Prozess der Erdölverarbeitung entstehenden Kohlenwasserstoffgase für die Produktion von Polymeren und Chemikalien nutzt. Vor dem Hintergrund der schwachen Margen im Kraftstoff-Sektor und den im Zusammenhang mit der Entwicklung der E-Mobilität sich abzeichnenden Nachfrage-Rückgang bei Diesel und Benzin sehen die Saudis in der Petrochemie eine glänzende Zukunft. Der polnische Konzern hofft als Trittbrettfahrer an dieser Entwicklung teilhaben zu können. So erklärte der Vorstandschef von PKN Orlen Daniel Obajtek, dass der Vertrag über strategische Zusammenarbeit und der Erdöl-Liefervertrag mit den Aramco wichtiger seien als der Verkauf von 30 Prozent der Anteile an der Lotos-Raffinerie.

Fotos: Lotos/Orlen

Neben den Vorverträgen mit Saudi Aramco hat PKN Orlen zur Erfüllung der EU-Auflagen weitere Vorverträge mit internationalen und nationalen Vertragspartnern unterzeichnet.
So wird der ungarische Konzern MOL Hungarian Oil knapp 610 Mio. Dollar für den Erwerb von 412 Lotos-Tankstellen in Polen bezahlen. Die Tankstellen machen rund 80 Prozent des gegenwärtigen Bestandes des Tankstellen-Netzes von Lotos aus. Gleichzeitig erhält der ungarische Konzern von PKN Orlen 259 Mio. Dollar für den Kauf von 144 Tankstellen in Ungarn und 41 Tankstellen in der Slowakei. Mit den über 600 Tankstellen, die der vom Staat und damit von der PiS-Regierung kontrollierte Konzern in Deutschland besitzt (Orlen/Star), erhöht sich der gesamte Tankstellen-Bestand von PKN Orlen auf rund 2 700 Tankstellen.
Weiterhin wurde mit dem privaten polnischen Energie-Trader Unimot eine vertragliche Vereinbarung zum Verkauf der Lotos-Treibstoffterminals und Treibstofflager getroffen.
Darüber hinaus werden 100 Prozent der Anteile an Lotos Biopaliwa (Produktion von Bio-Kraftstoffen) an das Unternehmen Rossi Biofue veräußert. Rossi Biofuel gehört zu den auf Malta registrierten Unternehmen Envien, das von dem slowakischen Geschäftsmann und früheren Staatsbeamten Robert Spišak geführt wird.

Fusion im politischen Kreuzfeuer

Der aus dem Zusammenschluss von PKN Orlen und Lotos resultierende Verkauf von Staatseigentum ist bei der Opposition in Polen auf Kritik gestossen. Dabei tat sich der ehemalige EU-Ratsvorsitzende und sich als Oppositionsführer aufspielende Donald Tusk mit der unsachlichen Bemerkung hervor , dass der ,,ungarische MOL-Konzern politisch mit Moskau verbunden“ sei, was bedeute, dass ,,Kaczyńskis Formation mehr russisch ist, als es die größten Pessimisten glauben“.
Der ehemalige Wirtschaftsminister der AWS-Regierung Janusz Steinhoff bewertete die von PKN Orlen getroffenen Vereinbarungen als ,,schwarzen Tag“ der Transformation der polnischen Volkswirtschaft nach 1989. Mit Verweis auf das im vergangenen Frühjahr realisierte Investitionsprogramm im Wert von 2,3 Mrd. Złoty zum Aufbau eines modernen Anlagenkomplexes in der Lotos-Raffinerie mit Anlagen für das thermische Cracken (DCU) , Hydrotreating (Entschwefelung) und der Destillation von Hydrowax werde jetzt die ,,von den Vorgängern des früheren Ortsvorstehers“ geschaffene moderne Petrochemie ausverkauft. Steinhoff bezieht sich mit dieser Aussage auf die steile Karriere des jetzigen Vorstandschefs von PKN Orlen, Daniel Obajtek. Noch vor einigen Jahren war der Ortsvorsteher einer kleiner Gemeinde in Südpolen. Als erfolgreicher Wahlkämpfer, protegiert von PIS-Parteichef Kaczyński wurde er trotz laufender gerichtlicher Klagen gegen ihn nach dem Wahlsieg der PiS-Partei auf den Sitz des Vorstandschefs von Polens größten Unternehmens PKN Orlen mit 22 000 Beschäftigten katapultiert. Dabei zog er auch seine Bekannte Zofia Paryła aus seiner Ortsgemeinde mit. Die war 17 Jahre Hauptbuchhalterin. Seit dem Frühjahr vergangenen Jahres ist sie Vorstandsvorsitzende von Lotos und damit Verhandlungspartnerin für Obajtek bei den Übernahme-Verhandlungen.

 

 

Schon jetzt gibt es erste Unkenrufe, dass die intransparenten Vorgänge um die Übernahme nach einem Regierungswechsel in Warschau Gegenstand eines parlamentarischen Untersuchungsausschusses sein werden.
Obajtek wie die Regierung argumentieren dagegen, dass die Fusion von PKN Orlen und Lotos ein wichtiger Schritt zur Schaffung eines international wettbewerbsfähigen Multienergie-Konzerns sei.

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Hamburger TAG: Aufstieg zum größten polnischen Wohnungsvermieter

Warschauer Appartements an der Weichsel. Foto: PL-Agentur

In Kombination mit ihren bereits 2019 übernommenen polnischen Immobilien-Entwickler Vantage Development S.A. ist die Hamburger TAG Immobilien AG auf dem Weg, zum größten Wohnungsvermieter in Polen aufzusteigen. Der MDax-Konzern hat dazu jetzt einen Vertrag zum Kauf des polnischen Wohnungs-Entwicklers Robyg unterzeichnet. Robyg hat rund 23 000 noch nicht verkaufte Wohnungen in der Pipeline. Davon würden nach derzeitiger Planung bis zu rund 12 000 Einheiten nach Fertigstellung langfristig im Bestand gehalten, um das Mietportfolio der TAG in Polen zu ergänzen, teilte das Unternehmen in Hamburg mit. .
Robyg war eine lange Zeit an der Warschauer Börse notiertes Unternehmen, das 2018 von dem mittelbar zur US-Investmentbank Goldman Sachs gehörenden Unternehmen Bricks Acquisitions Limited übernommen und von der Börse genommen wurde.
Auf umgerechnet rund 550 Mio. Euro beläuft sich den Angaben zufolge der Kaufpreis, den die Hamburger TAG für Robyg bezahlen wird. Der Abschluss der Übernahme von Robyg ist für das erste Quartal 2022 geplant.
Mit dem Wohnungs-Portfolio des bereits vor zwei Jahren übernommen Immobilien-Entwickler Vantage Development in Breslau (Wrocław) kann TAG künftig nach ihrer Fertigstellung auf 20 000 Wohn-Einheiten in den polnischen Großstädten aufbauen. Das deutsche Unternehmen wird damit der größte private Wohnungs-Vermieter in Polen. Dem Unternehmen kommt damit eine Vorreiter-Rolle bei der Entwicklung einer Institutionalisierten Wohnungsvermietung zu.

Mietwohnungs-Markt: Chaotisch und unreguliert

Beim Wohn-Eigentum nimmt Polen einen europäischen Spitzenwert ein. Über 75 Prozent der polnischen Familien wohnt in eigenen Immobilien. (Vergleich Deutschland – nur 44 Prozent). Der polnische Mietwohnungs-Markt ist dagegen durch ein hohes Angebots-Defizit gekennzeichnet und ist nahezu unorganisiert. Im Regelfall mietet man eine Wohnung von einer Privatperson, die die Wohnung als Kapitalanlage mit einem Hypotheken-Kredit gekauft oder geerbt hat. Nicht ungewöhnlich ist daher, dass z.B. in einem Mehrfamilienhaus die sechs vermieteten Wohnungen verschiedene, im Extremfall sechs verschiedene Eigentümer haben. Entsprechend gelagert sind die Probleme bei der Bewirtschaftung und Pflege der Treppenhauses, der Gemeinschaftsanlagen, Müllabfuhr. Von notwendigen Reparaturen an Dach, Haus-Fassade oder Medien-Zufuhr oder rechtlichen Sicherheiten der Mieter überhaupt nicht zu reden. Da kann es schon passieren, dass plötzlich der Eigentümer in der angemieteten Wohnung steht und den Mieter aus der Wohnung schmeißt, weil er die Mietwohnung für seine Großmutter braucht. Laut Experten-Schätzungen werden für 30 Prozent der Vermietungen überhaupt keine Mietverträge abgeschlossen. Verlässliche amtliche Angaben über die Anzahl der vermieteten Wohnungen in Polen gibt es nicht. Einzige Bezugsquelle sind die Steuererklärungen. 2019 wurden rund 800 000 Steuererklärungen eingereicht, in denen Einnahmen aus der Vermietung angegeben wurden. Das waren fast doppelt soviel wie noch vor fünf Jahren. Darauf aufbauend schätzt das Warschauer Immobilien-Consulting-Unternehmen ThinkCo die Zahl der gegenwärtig zur Vermietung angebotenen Wohnungen zu Marktbedingungen auf 1,3 Mio (ohne Wohnungsgenossenschaften, Sozialwohnungen).

Wohnsiedlung Warschau-Wola. Foto: PL-Agentur

In diesen chaotischen und unregulierten Wohnungsmiet-Markt steigen zunehmend nationale und internationale Unternehmen und Immobilienfonds ein. Neben TAG gehört dazu auch der schwedische Immobilien-Konzern Heimstaden Bostad, der Eigentümer von über 100 000 Wohnungen in Nord- und Mitteleuropa ist, darunter in Deutschland. Das skandinavische Unternehmen hatte erst zu Jahresbeginn rund 1300 Wohnungen in Warschau gekauft.
Auch das polnische Unternehmen Resi4Rent rechnet aufbauend auf seine gegenwärtig im Bau und in der Planungsphase befindlichen Projekte damit, bis zum Jahre 2025 rund 10 000 Mietwohnungen in den polnischen Großstädten zur Verfügung zu haben. Neben seinen Mietwohnungen in neuen Gebäuden in Breslau und Łódź bietet das Unternehmen seine 450 Miet-Wohnungen bei der Warschauer Brauerei mit einem Service auf einem ganz anderem Niveau an als bei der Vermietung durch Privatpersonen. Die Wohnungen und Häuser werden komplex durch eine Hausverwaltung betreut, deren Dienste sofort abrufbar sind.

,,Zivilisierung der Wohnungsvermietung“

Neue moderne Wohnungen in guter Großstadt-Lage, die von Unternehmen vermietet und verwaltet werden, könnten in Zukunft eine starke Konkurrenz zu den traditionell zersplitterten Mietwohnungsmarkt sein, der bisher von Privatpersonen als Vermieter dominiert wird. Nach Auffassung von Experten des Preis-Portals Cenatorium besteht das große Plus der verstärkten Aktivitäten von in- und ausländischen Immobilienfonds in deren Beitrag zur ,,Zivilisierung des polnischen Mietwohnungs-Marktes. Dafür spricht auch, dass die Aufnahme von Hypotheken-Krediten zum Kauf von Eigentums-Wohnungen schwieriger geworden ist. Die Banken verlangen jetzt in der Regel einen Eigenanteil des Kreditnehmers an der Finanzierung von mindestens 10 Prozent und mehr Sicherheiten wie eine stabile Beschäftigung. Für eine 50 qm große Wohnung betrug die monatliche Kreditrate bei 10 Prozent Eigenanteil bisher in diesem Jahr im Durchschnitt umgerechnet rund 580 Euro in Warschau und 450 Euro in Breslau. Entsprechend sind auch die Wohnungs-Mietpreise gestiegen. Nach Warschau ist Breslau dabei mit einer Durchschnitts-Miete von 2400 Złoty (rund 530 Euro) das teuerste Pflaster unter den polnischen Großstädten.

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Entscheidung gefallen: Polen baut erstes AKW an der Ostseeküste

Für den Bau des ersten polnischen Atomkraftwerks ist jetzt als bevorzugter Standort die Doppel-Ortschaft Lubiatowo-Kopalino an der Ostsee-Küste ausgewählt worden. Dies teilte der Investor, die staatliche Gesellschaft Polnische Atomkraftwerke PEJ (Polskie Elektrownie Jądrowe) mit. Im ersten Quartal sollen dazu der obersten Umweltbehörde die Unterlagen für die Umweltverträglichkeits-Prüfung vorgelegt werden.
Nach langjährigen Untersuchungen von 92 potenziellen Standorten habe sich das rund 80 Kilometer östlich von Słupsk gelegene Lubiatowo-Kopalino als der am bestens geeignete Standort erwiesen, der ,,alle an einen solchen Objekt-Typ gestellten Umwelt-Anforderungen erfüllt und der für die Anwohner sicher ist“, heißt es in der Mitteilung der PEJ.
Lubiatowo-Kopalino liegt direkt am Meer. Nur der Küstenwald trennt die beiden kleinen Ortschaften vom weitläufigen Sandstrand. Die Orte gelten als Geheimtipp unter polnischen Touristen, die abseits von der üblichen Rummelplatz-Atmosphäre an polnischen Ostsee-Badeorten einen Sommerurlaub in einer unberührten Natur schätzen.

Ruine des in den 80er Jahren unvollendeten Atomkraftwerks Żarnowiec. Fotos: PL-Agentur

Als zweiter Standort wurde das 30 Kilometer südlich von Lubiatowo-Kopalino entfernte Kartoszyno am malerischen Żarnowiec-See ausgewählt. Dort liegen noch die Bauwerks-Ruinen des AkW, dessen Bau in den 80er Jahren nach der Reaktor-Katastrophe von Tschernobyl eingestellt wurde.
Polens Umwelt- und Klimaministerin Anna Moskwa kommentierte die Standort-Entscheidung der PEJ mit den Worten: ,,Polen braucht die Kernenergie. Der Bau des ersten Kraftwerks dieses Typs ist von wesentlicher Bedeutung für das gesamte Land, sowohl aus Sicht der Energie-Transformation wie auch der Energie-Sicherheit“.
Laut den Absichtserklärungen der Regierung erfolgt der Kohle-Ausstieg schrittweise bis 2049. Bis dahin soll Kohle als Energie-Quelle neben der Offshore-Windenergie durch Kernkraft ersetzt werden. Im Regierungsprogramm für die polnische Energie-Politik bis zum Jahre 2040 ist dazu die Inbetriebnahme des ersten Atom-Energieblocks mit einer Leistung von 1 bis 1,6 GW im Jahre 2033 vorgesehen. In den Jahren danach sollen schrittweise im Abstand von zwei bis drei Jahren weitere fünf Atom-Energieblöcke dazu kommen und die Gesamtleistung auf bis zu 9 GW ausgebaut werden. Soweit die Theorie. Wer die Atomkraftwerke bauen und wie viel sie kosten werden, sind weiterhin Fragen, die auf eine konkrete Antwort warten.
Lange Zeit galten die Amerikaner als Favoriten für den Bau des ersten polnischen Atomkraftwerkes, nachdem Warschau im vergangenen Jahr mit der Trump-Regierung einen 30-Jahre-Vertrag zur Entwicklung des polnischen Atomenergie-Programms unterzeichnet hatte, der eine Finanzierung einschloss. Noch im Juni dieses Jahres hatte der US-Konzern Westinghouse eine finanzielle Zusage von der amerikanischen Handels- und Entwicklungsagentur USTDA für die Aufnahme von Ingenieur- und Projektierungsarbeiten für den Bau von Atomkraftwerken in Polen erhalten. Inzwischen sind die polnisch-amerikanischen Beziehungen jedoch deutlich abgekühlt. Das eben vom polnischen Parlament als Lex TVN bezeichnete Mediengesetz, das die Pressefreiheit und die Existenz des Fernseh-Senders TVN gefährdet, der bislang größten amerikanischen Investition in Polen (Medienkonzern Discovery, könnte allerdings Befürchtungen der Amerikaner zur Investitions-Sicherheit und politischen Zuverlässigkeit Polens als Bündnispartner noch verstärken.

Französisches Angebot für EPR-Druckwasserreaktoren

In diese Lücke ist die französische Atom-Lobby gestoßen. Im Herbst hat der französische Energiekonzern EDF der polnischen Regierung ein Angebot für den Bau von vier bis sechs Kern-Reaktoren mit einer Leistung von 6,6 bis 9,9 GW für 150 bis 220 Mrd. Złoty (rund 33 Mrd. bis 50 Mrd. Euro) unterbreitet. Dabei sichert die EDF auch eine finanzielle Unterstützung durch die französischen Regierung zu, die sich auf bis zu 50 Prozent der Kosten der gesamten Investition belaufen soll. Das französische Angebot stützt sich auf die EPR-Druckwasserreaktoren. Deren Bau in Großbritannien, Finnland und am Heimat-Standort Flamanville ist allerdings von langjährigen Verzögerungen und einer sich daraus ergebenden Kosten-Explosion verbunden.

15 000 Euro-Scheck aus Südkorea als vertrauensbildende Maßnahme. Foto: Gmina Choczewo

Ein mindestens 30 Prozent günstigeres Angebot als das französische verspricht der südkoreanische Konzern KHNP mit seinem Atom-Reaktor APR1400. Auch hier wird eine finanzielle Unterstützung durch die Regierung in Seoul zugesagt. KHNP will dazu Anfang des neuen Jahres der polnischen Regierung ein detailliertes Angebot unterbreiten. Die Koreaner haben bereits vorgefühlt und im Rahmen einer offensiven Lobby-Arbeit vor Ort nach der Devise ,,Mit Speck fängt man Mäuse“ der Gemeinde Choczewo, zu der Lubiatowo-Kopalino gehört, einen Scheck von 15 000 Euro überreicht.
Nicht nur die staatliche Energiewirtschaft, auch große polnische Privat-Unternehmen planen den Aufbau von kleinen Atom-Reaktoren. So hat u.a. die Synthos-Unternehmensgruppe, die vom polnischen Milliardär Michał Sołowow kontrolliert wird. Synthos hatte bereits vor zwei Jahren mit GE Hitachi Nuclear Energy eine Vereinbarung zur Anwendung der Technologie von kleinen Atomreaktoren vom Typ BWRX-300 getroffen. In einem Folge-Vertrag mit dem Energiekonzern OPG und den Produzenten von Zulieferkomponenten für diesen Reaktor-Typ BWXT Canada hat das Unternehmen Synthos Green Energy die Bestellung von mindestens 10 kleinen Atom-Reaktoren vom Typ BWRX-300 angekündigt. Im Unterschied zu großen Kernkraftwerken verspricht man sich von den kleinen Atom-Reaktoren mit einer Leistung von 300 MW eine kürzere Bauzeit bei geringeren Kosten.

Auch der staatlich kontrollierte Mineralölkonzern PKN Orlen verbindet mit den kleinen Atomreaktoren große Erwartungen. Er hat jetzt mit Synthos Green Energy einen Vertrag zur Gründung eines joint ventures für die Kommerzialisierung der Technologie von kleinen Atom-Reaktoren unterzeichnet. Der Reaktortyp ist zwar in Europa noch nicht zugelassen. Dessen ungeachtet hat der von PiS-Parteichef Jarosław Kaczyński protegierte Vorstandschef von PKN Orlen, Daniel Obajtek, bereits vollmundig angekündigt, dass man mit der Technologie der kleinen Atomreaktoren BWRX-300 auch außerhalb Polens gehen wird. Konkrete Angaben machte er dazu nicht, verwies jedoch auf Länder, in denen Orlen bereits geschäftlich tätig ist. Dazu gehört auch Deutschland, wo PKN Orlen ein Netz von über 600 Tankstellen betreibt.

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Produktions-Start für Glas, das Strom erzeugt

Foto: ML System

Das polnische Unternehmen ML System hat eine Produktionslinie für Quantenbeschichtetes Glas in Betrieb genommen, das aus Sonnenlicht elektrischen Strom erzeugt. Wie das Unternehmen betont, ist es weltweit die erste Produktionslinie dieser Art.

Bei dem als Q-Glas bezeichneten Produkt handelt es sich um ein scheinbar gewöhnliches Glas, das neben seiner grundlegenden Funktion, Wärme und Lärm zu isolieren, auch elektrische Energie erzeugt. Dies wird möglich gemacht durch seine Quanten-Beschichtung. Bei den Quantenpunkten handelt es sich um für das menschliche Auge nicht sichtbaren kleinen Halbleitern in der Größe von wenigen Nanometern. Das Q-Glas wirkt dadurch wie ein Filter, der Lichtstrahlen in der sichtbaren Länge durchlässt und uv- und Infrarotstrahlen in Elektrizität umwandelt.
ML-System hat bereits solche Glasscheiben in der Hausfassade eines Touristenzentrums in Norwegen und im eigenen Firmengebäude installiert. Darüber hinaus hat das Unternehmen nach eigenen Angaben auch schon Partnerschaftsverträge mit Pilkington und Guardian Glass unterzeichnet
Mit der Aufnahme der Produktion von voll transparenten Glas mit Quantenbeschichtung bringt sich ML-System in idealer Weise in die Bedürfnisse und Anforderungen des Marktes ein, sagte Vorstandschef Dawid Cycon bei der Inbetriebnahme mit Verweis auf die EU-Direktive für Niedrigstenergie-Gebäude (NZEB), die einen sehr geringen Energiebedarf für Gebäude bei gleichzeitiger Nutzung Erneuerbarer Energien vorgibt. Besonders bei Investoren aus skandinavischen Ländern bestehe ein großes Interesse an innovativen BIPV-Lösungen für Fassadengläser (BIPV – building integrated photovoltaiks).
Die Jahreskapazität der von ML-System in Betrieb genommenen Produktionslinie ist zunächst auf 60 000 m² Glas ausgelegt. Das Unternehmen plant im Rahmen seines Investitionsprogrammes ,,Neue Quanten-Ära“ bis 2023 seine jährliche Produktionskapazität im Rahmen von drei Produktionslinien auf rund 200 000 m² zu erhöhen. Nach Angaben des ML-Vorstandes ist auch die Einführung von aktiven Scheiben mit Quantenbeschichtung für die Automobil-Industrie möglich.

ML-System ist ein seit 2018 an der Warschauer Börse notiertes Privatunternehmen mit Sitz in Zacziernie (bei Rzeszów).

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Letzter Opel aus Polen – Pkw-Produktion in Gliwice eingestellt

Foto: PSA

Nach knapp einem Vierteljahrhundert ist heute der letzte Opel Astra in Gliwice vom Band gerollt. Damit wird die Pkw-Produktion in der polnischen Opel-Fabrik eingestellt. Ab kommenden Frühjahr wird an dem jetzt zum Stellantis-Automobilkonzern gehörenden Produktionsstandort die serienmäßige Produktion von Kleintransportern aufgenommen.
Es war ein roter Astra der fünften Generation, der als letztes Fahrzeug vom Band rollte, bevor die Produktionslinie endgültig abgeschalten wurde. Damit endet ein Kapitel der Autoproduktion an dem oberschlesischen Standort.
Angefangen hatte es im August 1998. In Polen wurden seinerzeit die ersten Sonderwirtschaftszonen gegründet, die internationale Investoren mit Steuervorteilen zur Ansiedlung lockten. Der GM-Konzern griff zu und baute in Gliwice, das zur Sonderwirtschaftszone Katowice gehörte, das seinerzeit modernste Opel-Werk im Konzernverbund. Die Opel-Fabrik in Gliwice war damals eine der größten und wichtigsten Investitionen in Schlesien, die zahlreiche internationale Investoren nach sich zog.
Seitdem wurden in dem Werk 2,775 Mio. Pkw verschiedener Fahrzeug-Modelle hergestellt. Das Flaggschiff war dabei der Opel-Astra, der dort in fünf fortlaufenden Generationen produziert wurde. Insgesamt wurden in dem Opel-Werk rund 1,814 Mio. Opel Astra hergestellt. Weit über 90 Prozent der Fahrzeuge blieben nicht in Polen, sondern wurden in alle Welt exportiert.
Der Höhepunkt der Produktion in Gliwice war das Jahr 2016, als über 200 000 Pkw im Opel-Werk Gliwice hergestellt wurden. Seitdem ging es kontinuierlich bergab, von 90 000 im vergangenen Jahr auf rund 25 000 in diesem Jahr. Mit dem letzten roten Astra sind es nach Werksangaben genau 25 213. Bereits im vergangenen Jahr hatte der französische Autokonzern PSA, zu dem Opel gehört, bereits vor der Fusion mit FCA (Fiat-Chrysler) zum Automobilkonzern Stellantis entschieden, dass der Opel Astra der sechsten Generation nur noch in Deutschland produziert wird.

Beginn einer neuen Ära am Standort Gliwice

Testproduktion des Transporters Peugeot Boxer in Gliwice Foto: Stellantis

Damit gehen am Automobil-Standort Gliwice aber nicht die Lichter aus. Gleich neben der Opel-Fabrik wurde ein neues Werk gebaut, in dem für den Fahrzeug-Standort ein neues Kapitel aufgeschlagen wird. Ab dem kommenden Jahr werden dort Transporter in verschiedenen Modell-Varianten, Höhen und Längen auf einer Plattform gebaut. Dazu gehören der Peugeot Boxer, Citroen Jumper, Fiat Ducato und der Opel Movano.
Bereits in diesem Sommer wurde eine erste Testproduktion durchgeführt.

Mit der Aufnahme der Serienproduktion im Frühjahr sind nach Angaben von Stellantis im kommenden Jahr 40 000 bis 50 000 Lieferwagen geplant. Nach Erreichen der vollen Produktionskapazität soll dann die Produktion verdoppelt werden. Die Produktion von Fahrzeugen mit Elektro-Antrieb in Gliwice soll dabei ein wesentliches Element bei der Elektrifizierung der Lieferfahrzeug-Palette des Stellantis-Konzerns werden.
Für die Mitarbeiter des Opelwerks sei damit in den nächsten Jahren eine stabile-Arbeitsplatz-Perspektive gesichert, heißt es in einer Mitteilung des Automobil-Konzerns.

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Anschubfinanzierung für Containerhafen auf Usedom

Der Hafenverwaltung Szczecin-Świnoujśćie (Stettin-Swinemünde) sind im Rahmen von Änderungen am Corona-Gesetzpaket 360 Mio. Zloty aus dem Staatshaushalt zugewiesen worden. Damit ist nach Angaben von Staatssekretär Marek Gróbarczyk vom Infrastrukturministeriums die Finanzierung des Wellenbrechers als ersten Schritt für den Bau des Container-Terminals in Swinemünde auf der Ostsee-Insel Usedom gesichert. Die Hafenverwaltung hatte dafür bereits im vergangenen Jahr 320 Mio. Zloty erhalten. Dies ist der ,,Anfang einer sich erfüllenden Vision“, dass der Hafen-Verbund Szczecin-Świnoujśćie mit einem neuen Container-Terminal modern und international wettbewerbsfähig für die Zukunft aufgestellt wird, twitterte Gróbarczyk.
Der Bau des Container-Hafens in Swinemünde ist Bestandteil des von der nationalkonservativen Regierung beschlossenen Entwicklungs-Programms für die polnischen Häfen bis zum Jahre 2030. Seine jährliche Umschlag-Kapazität soll auf 2 Mio. TEU ausgelegt werden. Dies ist in etwa die gleiche Größenordnung, die der DCT in Danzig (Gdańsk) als Polens größter Containerhafen an der Ostsee-Küste hat.

Als Tiefwasser- und Außenhafen angelegt, sollen an den 1300 Meter langen Kais jeweils zwei Container-Riesen mit einer Länge von 400 Meter und ein Container-Schiff mit 200 Metern Länge mit einem Tiefgang von 15,5 Metern anlegen können. Der Containerhafen in Swinemünde ist als Drehkreuz für den Ostseeraum konzipiert. Ministerpräsident Mateusz Morawiecki (PiS) äußerte im Sommer die Überzeugung, dass es mit dem Bau des Tiefwasser-Containerterminal gelingen wird, den deutschen Seehäfen in der Nordsee (Hamburg, Bremerhaven, Wilhelmshaven u.a.) und dem Rotterdamer Hafen einen Teil ihrer Fracht- und Umschlagaufträge abzunehmen.
Als Standort wurde das Gebiet in unmittelbarer (östlicher) Nachbarschaft des LNG-Gashafens festgelegt, der dessen Kapazität gegenwärtig ausgebaut wird. Zu Land wird der Hafen mit einer Park- und Logistikinfrastruktur ergänzt. Die gegenwärtige Betonplatten-Straße wird durch eine Schnellstraße mit jeweils zwei Spuren in Fahrtrichtung ersetzt und an die gegenwärtig als Autobahn ausgebaute Schnellstrasse S 3 von Stettin über Goleniów nach Swinemünde angebunden.
Die Investition wird auf 3,5 Mrd. Złoty geschätzt. Diese Schätzung beruht jedoch noch auf den Planungen von 2017. Vermutlich werden die tatsächlichen Kosten um das Doppelte auf über 1 Mrd. Euro höher ausfallen.

,,Ghetto von Container-Lager und Parkflächen im Ostseebad?

Bei der einheimischen Bevölkerung ist das Hafenprojekt umstritten. Bereits vor Jahren hatte sich eine Initiative von Bürgern und Umweltschützern gegen den Bau des Container-Hafens gegründet. Sie fürchtet, das mit dem Container-Hafen ein ,,Ghetto von Container-Lager- und Parkflächen” geschaffen wird, dem 20 Hektar Küstenwald und der Ostsee-Badestrand zum Opfer fallen. Schon jetzt ist der vorgelagerte Raum vor dem Fährhafen östlich des Ostsee-Arms Swine im Ortsteil Warszów mit Stellflächen für die auf die Abfertigung wartenden Lkw zugestellt. Świnoujście, das unmittelbar neben den deutschen ,,Kaiser-Bädern” Ahlbeck, Heringsdorf und Bansin auf der Insel Usedom liegt, würde damit zunehmend seinen Status als Ostsee-Bad verlieren.
Kritik kommt auch aus Kreisen des Verkehrswirtschaft, vornehmlich von Experten aus Danzig (Gdansk), die durch den Containerhafen in Swinemünde als Konkurrenz-Objekt zum DCT-Containerterminal in Danzig und dem Ausbau des Containerhafens in Gdynia eine ,,Kannibalisierung” des Container-Verkehrs an der polnischen Ostseeküste befürchten. Im Corona-Vorkrisenjahr 2019 wurden in allen polnischen Häfen 3,05 Mio. TEU Containerfracht umgeschlagen. Davon entfielen nahezu 97 Prozent auf die Containerhäfen Danzig und Gdynia.

Von der Hafenverwaltung Szczecin-Świnoujśćie wird dagegen als Gegen-Argument, das den Bau des Containerhafens in Swinemünde rechtfertigt, auf Prognosen von einem ständig steigenden Wachstum des Containerverkehrs an der polnischen Ostsee-Küste auf bis zu 8 Mio. TEU verwiesen. Allerdings wirft sich die Frage auf, ob solche auf dem Papier aufgestellten Prognosen von einem ständigen Wachstum des Containerverkehrs noch mit der Realität und Überlegungen in der europäischen Wirtschaft vereinbar sind, in Konsequenz aus der Corona-Krise Korrekturen an der Lieferketten-Abhängigkeit aus China und Asien vorzunehmen.

Bereits dritte Ausschreibung zur Investorensuche

In ihren Untersuchungen und Analysen, die den Nutzen und die Wirtschaftlichkeit des Containerhafens in Swinemünde belegen sollen, verweist die Hafenverwaltung Szczecin-Świnoujśćie auch auf die Experten-Autorität des in den Ruhestand versetzten Professor Horst Linde von der Technischen Universität Berlin. Nach Auffassung des emeritierten Professors füllt der Containerhafen in Swinemünde eine Lücke zwischen Hamburg und Danzig aus. Der Standort würde auch kürzere Transportverbindungen nach Berlin-Brandenburg und Schlesien herstellen. Von besonderer Bedeutung sei dabei der direkte Zugang zum Fluß-System der Oder (über das Oder-Haff).Voraussetzung dafür ist allerdings, dass die Oder mit ihren Niedrigwasserständen als Wasserstrasse erster Ordnung wieder schiffbar gemacht werden wird. Dies setzt einen Ausbau voraus, gegen die sich die Umweltverbände wenden.
Auf der Suche nach einem Partner für den Bau und künftigen Betreiber des Containerhafens hatte die Hafenverwaltung bereits zwei Verfahren ausgeschrieben, die ergebnislos endeten. In dem jetzt im Oktober erneut ausgeschriebenen Verfahren wurden drei Angebote abgegeben: von der britischen Baltic Gateway, der belgischen Unternehmensgruppe Deme Concessions sowie der polnischen Agentur für Industrieentwicklung ARP. Die ARP ist ein Investitionsvehikel des polnischen Staates, das der nationalkonservativen PiS-Regierung vorrangig zur Überführung von Wirtschaftsvermögen in Staatsbesitz dient.
Nach Angaben der Hafenverwaltung soll Ende Februar die Entscheidung zur Auswahl des künftigen Investors für den Hafenbau fallen.

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SK investiert 650 Mio. Euro in Kupferfolien für EV-Batterien in Polen

Foto: SK nexilis

Das südkoreanische Unternehmen SK nexilis wird 650 Mio. Euro in den Bau einer Kupferfolienfabrik in dem in Südpolen gelegenen Industriepark Stalowa Wola investieren.
SK Nexilis ist eine hundertprozentige Tochtergesellschaft des an der Börse in Südkorea notierten Mischkonzerns SKC, der zu den weltweit größten Herstellern von Kupferfolie gehört. Kupferfolie ist ein wesentlicher Bestandteil von Antriebs-Batterien für Elektrofahrzeuge.
Ministerpräsident Mateusz Morawiecki (PiS), der seit Jahren wegen nachlassender privater Investitionen in seiner Wirtschaftspolitik in der Kritik von Wirtschafts-Experten steht, äußerte bei der Vorstellung des Projektes die Hoffnung, dass sich Stalowa Wola zum Zentrum der E-Autoindustrie in ganz Europa wird. ,,Schon jetzt ist Polen ein Marktführer der Elektromobilität in Europa“, sagte Morawiecki in der für ihn typischen Selbstüberschätzung.
Nach Angaben von Wan-Jae Lee, CEO des SKC-Konzerns, sollen nach Abschluss der ersten Investitionsphase jährlich rund 50 000 t Kupferfolie in dem neuen Werk produziert werden.
Noch vor dem Jahresende soll der erste Spatenstich ausgeführt werden. Nach einer zweijährigen Bauzeit ist die Produktionsaufnahme 2024 geplant. Mit der Investition ist die Schaffung von 330 Arbeitsplätzen verbunden.
In einer zweiten Investitionsphase soll dann die Produktionskapazität verdoppelt werden. Der CEO von SKC kündigte auch an, in Zukunft in Stalowa Wola in eine neue Generation von Anoden-Materialien für EV-Batterie zu investieren. Wan-Jae Lee versicherte, dass das neue Werk in Polen zu 100 Prozent auf der Basis von Erneuerbaren Energien arbeiten wird.
Kupferfolie ist ein Kernbestandteil von Lithium-Ionen-Batterien für Elektrofahrzeuge. Deren Anode (Minuspol) besteht aus einer Kupferfolie Sie fungieren als Minuspol, auf den Lithium-Ionen vom Pluspol (Kathode) zufließen, wenn die Batterie Strom freisetzt.
SK Nexilis hat vier Kupferfolienfabriken in Südkorea. Ein weiteres Werk wurde mit dem annähernd gleichen Investitionswert wie in Südpolen in Malaysia errichtet.
Die Produkte von SK Nexilis werden an zahlreiche Hersteller von EV-Batterien für Elektrofahrzeuge geliefert, darunter auch an den südkoreanischen Konzern LG (LG Chem), der in Breslau (Wrocław) Antriebsbatterien für europäische Automobilhersteller produziert.
Stalowa Wola liegt im Südosten Polens nahe dem Karpaten-Vorland. Vor dem 2. Weltkrieg wurde dort der ,,Zentrale Industrie-Bezirk“ für die Entwicklung der Rüstungs-Industrie errichtet. Noch heute werden in und um Stalowa Wola Rüstungsgüter hergestellt.

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881 Mio. Euro-Deal – Allegro zeigt Amazon die Nase

Allegro, Polens Nr. 1 im Online-Handel, kauft für 881 Mio. Euro die Mall Group und den Logistikdienstleister WE|DO. Mit der Übernahme verschafft sich Allegro Zugang zu den Märkten in Tschechien, der Slowakei, Ungarn, Slowenien und Kroatien.

Knapp ein Jahr nach seinem erfolgreichen Börsen-Start hat sich Polens führendes Online-Auktionshaus Allegro jetzt mit der Übernahme der Mall-Group wieder etwas Luft gegenüber seinem Verfolger und Konkurrenten Amazon verschafft. ,,Gemeinsam mit der Mall Group können wir jetzt mit unserem Angebot zu anderen Teilen Europas vordringen“, sagte François Nuyts, Vorstandschef von Allegro nach Abschluss des Kaufvertrages. Für 135 000 Händler biete sich jetzt die Möglichkeit, ihre Produkte auf einer Plattform in Polen, Tschechien, der Slowakei, Ungarn, Slowenien und Kroatien und weiteren Ländern Mittelosteuropas anzubieten und zu verkaufen.
Die Mall Group mit Hauptsitz in Prag ist im Bereich digitaler E-Commerce-Services für internationale Märkte aufgestellt. Zu ihren Geschäftsfeldern gehören traditionelle Online-Shops mit integrierter Logistik, ein eigener Internet-TV-Sender und Consumer-Finance-Services für Online-Shopping. Das Unternehmen beschäftigt 4000 Mitarbeiter in zehn Ländern. 2020 betrug der Umsatz über 1 Mrd. Euro. Der Logistikdienstleister WE|DO ist auf Paket-Zustellungen in Tschechien und der Slowakei spezialisiert.
Der Preis der von der Investmentgruppe Rockaway Capital als Hauptaktionär und der PPF Group sowie der EC Investments erworbenen Vermögenswerte der Mall Group und der WE|DO wurde auf 881 Mio. Euro festgelegt. Wie die Mall Group mitteilt, könne sich der Preis beim Erreichen bestimmter kurzfristiger Ziele um weitere 50 Mio. Euro erhöhen.
Nach offizieller Bekanntmachung der Übernahme schnellte der Aktienkurs von Allegro an der Warschauer Börse um über 10 Prozent nach oben. Der Aktien-Kurs von Allegro kam zuletzt ins Trudeln, nachdem Amazon am 12. Oktober sein Prime-Programm in Polen mit halbjähriger Verspätung zugänglich machte. Der Online-Riese Amazon, der seit 2014 über 10 Vertriebszentren in Polen aufgebaut hatte, die vorrangig den deutschen Markt bedienten, war im Frühjahr dieses Jahres mit einer eigenständigen polnischen Handelsplattform gestartet.

Zuwächse trotz Amazon-Konkurrenz

Erwartungen und Prognosen, dass Amazon Polens beliebtester Handelsplattform Allegro den Boden unter den Füssen wegziehen wird, haben sich allerdings bislang noch nicht bestätigt. Allegro verzeichnete im zweiten Jahresquartal einen Anstieg des Gesamtwertes der verkauften Produkte (GMV) um knapp 11 Prozent auf 10,4 Mrd. Złoty (im gesamten Geschäftsjahr 2019/2020: 28,4 Mrd. Złoty). Der Netto-Gewinn stieg auf 296 Mio. Złoty gegenüber 185 Mio. Złoty im gleichen Quartal des Vorjahres.
Auch bei den Kunden hat Allegro zugelegt. Nach Angaben von Mediapanel Gemius kam Allegro im September auf 17,622 Mio. Nutzer. Im gleichen Zeitraum erzielte amazon.pl 2,758 Mio. Nutzer. Zwischen den beiden Rivalen im polnischen E-Commerce-Markt ist allerdings mit dem chinesischen aliexpress noch ein dritter Anbieter platziert. Die Zahl der polnischen Nutzer von aliexpress.com betrug im September 5,052 Mio. Im August waren es dort noch über 6 Mio.

Allegro startet eigenes Paketstations-Netz. Fotos: Allegro

Inwieweit das von Amazon im Oktober geschaltete Premium-Programm beim polnischen Internet-Kunden Wirkung zeigt, bleibt abzuwarten. Allegro selbst hat mit der Absenkung des Mindestbestellwertes für kostenlose Lieferungen im Rahmen seines Smart-Programmes darauf reagiert.
Unter der Bezeichnung ,,on Box by Allegro“ hat das Unternehmen jetzt auch in der ersten November-Woche die ersten eigenen Paket-Automatenstationen eröffnet. Mit der Auslieferung von Paketen an Paket-Stationen ist Polen ohnehin europaweit führend (über 14 000 Stationen landesweit). Allegro will darüber hinaus ein eigenes Stations-Vertriebsnetz aufbauen. Gegenwärtig stehen den Käufern von Allegro 600 grüne Abhol-Automaten vorrangig in den Großstädten zur Verfügung. Bis Ende kommenden Jahres soll deren Zahl landesweit auf 3000 erhöht werden.

© André Jański / infopol.PRESS

Franzosen wollen Atomkraftwerke in Polen bauen

Proteste gegen Atomkraft an den Rest-Segmenten des Atomkraftwerks Żarnowiec, dessen Bau in den 80er Jahren nach der Tschernobyl-Katastrophe gestoppt wurde. Foto: PL-Agentur

 

Der französische Energiekonzern EDF hat der polnischen Regierung ein Angebot für den Bau von vier bis sechs Kern-Reaktoren unterbreitet. In dem Angebot wird die Zielstellung betont, eine strategische polnisch-französische Partnerschaft beim Kohle-Ausstieg Polens in Übereinstimmung mit den EU-Klimazielen zu schaffen.

Das Angebot des vom französischen Staat kontrollierten Energiekonzerns Électricité de France (EDF) kommt jetzt nicht zufällig und lässt eine langfristige Strategie erkennen. Ein Tag zuvor hatte Frankreichs Staatschef Emmanuel Macron in einer vielbeachteten Rede die Bedeutung und Entwicklung der Atomkraft beim Erreichen der EU-Energie- und Klimaziele hervorgehoben. Frankreich deckt über 70 Prozent seines Strom-Bedarfs aus 58 Atom-Reaktoren und ist damit der zweitgrößte Atomstrom-Produzent der Welt.

Angebot für EPC-Vertrag für vier bis sechs Atomreaktoren

Das jetzt von dem französischen Konzern unterbreitete Angebot an die polnische Regierung beinhaltet einen schlüsselfertigen EPC-Vertrag für vier bis sechs Atom-Reaktoren mit einer Leistung von 6,6 bis 9,9 GW an zwei bis drei polnischen Standorten. Der EPC-Vertrag (EPC – Engineering, Procurement, Construction) umfasst den Entwurf, die notwendigen Lieferungen und den Aufbau von lokalen Lieferketten, den Bau selbst und die Organisation. In der Bauphase können lokal bis zu 25 000 Arbeitsplätze pro Erzeuger-Blockpaar entstehen, verspricht EDF. Die Investitionskosten werden im Fall von vier Reaktoren mit 33 Mrd. Euro angegeben. Bei sechs Reaktoren mit 9,9 GW würden sie 48,5 Mrd. Euro betragen.
Die Atom-Reaktoren können mindestens 60 Jahre bis zu 40 Prozent des polnischen Strombedarfs decken, heißt es in einer Erklärung von EDF. Atomenergie sei eine ,,sichere, zuverlässige und von Co2-Emissionen freie Energiequelle, die wesentlich zur Erreichung der Kohle-Neutralität beiträgt, die es erlaubt, jährlich bis zu 55 Mio. t Co2 zu vermeiden“, erklärt EDF mit Hinweis auf die EPR-Reaktoren der neuen Generation, auf die sich das französische Angebot stützt.
Allerdings sind die EPR-Druckwasserreaktoren (EPR- „Europäischer Druckwasserreaktor“) bisher in der Praxis keine Erfolgsgeschichte. Die einzigen nach mehrjährigen Verzögerungen in Betrieb befindlichen EPR-Reaktoren befinden sich in China, wo die EPR-Reaktoren unter der Bezeichnung ,,Evolutionary Power Reactor“ laufen. Am französischen Heimat-Standort Flamanville ist der ERP-Reaktor seit seinem Baubeginn 2007 wegen zahlreichen Verzögerungen und Baumängeln immer noch nicht am Netz. Seine Kosten haben sich seitdem vervielfacht. Zum Milliarden-Grab sind auch die zwei ERP-Reaktoren im britischen Kernkraftwerk Hinkley Point geworden. Zur ewigen Baustelle mit extrem gestiegenen Baukosten ist auch das ERP-Projekt im finnischen Olkiluoto generiert.

Für den Ausstieg aus der Kohle setzt die polnische Regierung neben der Entwicklung des Offshore-Windenergiesektors in der Ostsee vor allem auf die Atomenergie. Im aktualisierten Regierungsprogramm für den Energie-Sektor ist dazu der Bau von sechs Kernreaktoren vorgesehen. Der Baubeginn wurde auf das Jahr 2026 gesetzt. Der erste Meiler soll 2033 in Betrieb gehen. Experten halten jedoch die Termine bereits für unrealistisch. Bis jetzt ist noch nicht einmal eine endgültige Standort-Entscheidung getroffen worden. Als mögliche Standorte sind seit langem der Ostsee-Badeort Lubiatowo-Kopalino und das rund 30 Kilometer entfernte Kartoszyno am Żarnowiec-See, wo in den 80er Jahren der Bau des ersten polnischen AKW nach Tschernobyl eingestellt wurde, im Gespräch. Entgegen zahlreicher Falschaussagen in deutschen Medien befinden sich diese Standorte jedoch nicht nur 150 Kilometer von Berlin entfernt. Zuletzt wurden auch Standorte in den Braunkohle-Revieren von Konin und bei Bełchatów in Erwägung gezogen.

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EDF hatte bereits 2015 zusammen mit Areva eine Interessen-Erklärung zur Teilnahme am integrierten Verfahren für den Bau des ersten polnischen Kernkraftwerks abgegeben. Zu den Wettbewerbern in diesem Verfahren gehörten auch Westinghouse, GE Hitachi, Korea Electric Power Corporation sowie der kanadische Konzern SNC-Lavalin.
Die Amerikaner schienen zuletzt favorisiert, nachdem Warschau mit der Trump-Regierung noch im vergangenen Jahr einen 30-Jahre-Vertrag zur Entwicklung des polnischen Atomenergie-Programms unterzeichnet hatten, der eine Finanzierung einschloss. Nach dem Wechsel von Donald Trump auf Joe Biden sind die Beziehungen des PiS-regierten Polens zu Washington jedoch deutlich abgekühlt. Die französische Atom-Lobby hat hier sofort ihre Chancen gewittert. Unmittelbar nach dem Wechsel in Washington wurde im Februar mit Philippe Crouzet ein hoher Vertreter für die Zusammenarbeit mit Polen in der Kernenergie in Warschau bestellt und danach eröffnete die EDF in Warschau ihr Büro. Frankreich will sich mit Polen die führende Rolle bei der Kernenergie in der Europäischen Union teilen, sagte dazu Crouzet der polnischen Nachrichtenagentur PAP.

Forderung nach EU-Geldern für Kernkraftwerke

Im Sommer haben denn auch der französische Präsident Emmanuel Macron gemeinsam mit polnischen Ministerpräsidenten Mateusz Morawiecki und den Regierungschefs von fünf weiteren EU-Staaten ein Schreiben an die EU-Kommission mit der Forderung aufgesetzt, neue Atomkraftwerke als nachhaltig und förderwürdig einzustufen. Bislang war im EU-Beihilferecht eine direkte Förderung von Atomkraftwerken mit EU-Fördermitteln ausgeschlossen. Macron setzt darauf, die Atomkraft als Co2-freie Energie zum Bestandteil der EU-Klimastrategie zu machen.

Wenn dies gelingt, könnten dann auch Gelder aus Brüssel für die Atomenergie fließen. Polen dürfte dabei als eines der größten EU-Länder ein starker Partner sein. Es ist daher auch kein Zufall, dass zeitgleich mit dem Angebot des vom französischen Staat beherrschten Konzerns EDF das polnische Klima-Ministerium die Forderung nach einer Möglichkeit der Kofinanzierung der Atomenergie mit EU-Geldern erhebt.

© Andreas Höfer / infopol.PRESS

 

Neues Maut-System auf Autobahnen und Schnellstraßen

In Polen ist das bisherige Maut-System viaTOLL des österreichischen Unternehmens Kapsch abgeschalten worden. Seit dem 1.Oktober werden die Maut-Gebühren vollständig von der zentralen Steuerverwaltung KAS über das neue Maut-System e-Toll erfasst und eingezogen.
Das neue e-TOLL-System basiert auf Satellitenpositionierungstechnologie. Dadurch kann die Maut für das Fahren auf den staatlich verwalteten Autobahnabschnitten, Schnellstraßen und Nationalstraßen elektronisch verrechnet werden. Das System deckt das mautpflichtige Straßennetz für Fahrzeuge von über 3,5 t zulässigen Gesamtgewichts sowie für Busse mit mehr als 9 Sitzplätzen unabhängig vom zulässigen Gesamtgewicht auf ca. 3.700 km Straßen-Kilometer ab.
Die Gebührenerfassung erfolgt über die OBU-Einrichtung oder externe Ortungsgeräte (ZSL-Bordgeräte) an Bord von Fahrzeugen über 3,5 t. ist Die Registrierung ist online unter etoll.gov.pl und in stationären Kundendienststellen sowie über einen ausgewählten Flottenkartenanbieter möglich. Dank des Einsatzes der Satellitenortungstechnologie ist das e-TOLL-System offen für verschiedene GPS-Geräte. Insgesamt sind 89 Lieferanten von OBU- und ZSL-Geräten zum e-TOLL-System zugelassen.
Mit der Einrichtung des neuen Maut-Systems werden auch die Einrichtungen zur Übertragung von Ortungsdaten für das elektronische Überwachungssystem SENT für die Beförderung betrugsanfälliger Warengruppen (u.a. Treibstoffe, Fette und Öle, Alkohol) vereinheitlicht. Wie die zentrale Steuer-Verwaltung KAS mitteilt , ist ab 1.November die einzige App zur Übertragung der Ortungsdaten die e-TOLL PL.

Pkw-Fahrer: Kauf von Autobahn-Ticket vor Fahrtantritt

Pkw-Fahrer können auf den gebührenpflichtigen Abschnitten der staatlichen Autobahntrassen (A-2 – Konin-Stryków/ A-4 – Wrocław – Sośnica) die Maut vorübergehend traditionell oder mit Hilfe einer kostenlosen App auf Smartphone und Tablets (nach vorheriger Kontoeröffnung) entrichten. Ab Dezember werden dann die Maut-Stationen auf den Autobahn-Abschnitten, die von der staatlichen Generaldirektion für National-Straßen und Autobahnen GDKKiA verwaltet werden, abgebaut. Insofern sich Pkw-Fahrer kein Pre-Paid-Konto über das Internet (e-TOLL PL App) oder einem SB-Terminal aufladen, müssen sich die Fahrer von Pkw oder Motorrädern dann vor Fahrtantritt ein Autobahn-Ticket an Tankstellen oder Kiosken kaufen. In der Praxis werden insbesondere ausländische Fahrer davon Gebrauch machen, die nur gelegentlich oder nur einmalig im Urlaub die Streckenabschnitte befahren.
Die Steuerverwaltung KAS hat bereits schon die Vorbereitungen für ein dichtes Kontroll- System zur Einhaltung der Gebührenpflicht getroffen. Für 120 Mio. Złoty wurden 70 Klein- Transporter und 32 Kombi-Pkw mit Kameras und elektronischen Monitoring-Einrichtungen angeschafft, die dann auf den Autobahnen und Express-Straßen rund um die Uhr Kontroll-Fahrten unternehmen.
Bislang bleiben die Mautgebühren unverändert. Derzeit kostet ein Kilometer auf Autobahnen (A) und Schnellstraßen (S) je nach Schadstoffkategorie 20 bis 40 Cent für Fahrzeuge zwischen 3,5 Tonnen und 12 Tonnen. Über 12 Tonnen werden 27 bis 53 Eurocent Gebühr pro Kilometer fällig.
Für Pkw beträgt die Maut auf dem Streckenabschnitt der Autobahn A-2 zwischen Konin bis Stryków 9,90 Złoty. Auf der Autobahn A-4 werden auf dem Abschnitt Bielany Wrocławskie – Sośnica 16,20 Złoty fällig.

Ob und wie sich die Maut-Gebühren im kommenden Jahr verändern, ist bislang noch völlig offen. Die staatlichen Straßen-Agentur GDDKiA hat allerdings bereits angekündigt, dass im kommenden Jahr weitere 1700 Straßen-Kilometer in das gebührenpflichtige Maut-System einbezogen werden.

Unabhängig von der Einführung des neuen e-Toll-Systems auf den staatlich verwalteten Autobahnen und Straßen bleiben die drei privaten Maut-Systeme auf den polnischen Autobahnen weiterhin bestehen. So müssen Autofahrer auf der der Autobahn A-2 (Verlängerung der deutschen Autobahn A9 ab Frankfurt/Oder bis Warschau) neben den Gebühren im E-Toll-Mautsystem auch an den Maut-Stationen des privaten Autobahn-Konsortiums Autostrada Wielkopolska löhnen. Die Fahrt mit dem Pkw nach Warschau und zurück kostet damit umgerechnet rund 40 Euro. Die polnische Autobahn A-2 gehört damit zu den teuersten Autobahnen Europas.

© André Jański / infopol.PRESS