Hotel-König hinterlässt unvollendetes Werk

 

Aktualisierter Text 

Es sollte sein letztes Hotel sein. Seine Eröffnung hat er nun nicht mehr erlebt. Den Hotel-Koloss an der polnischen Ostseeküste in Pobierowo hinterlässt er als unvollendetes Werk. Im Alter von 79 Jahren plötzlich verstorben ist der als ,,Hotel-König“ bezeichnete Tadeusz Gołębiewski jetzt in seinem Heimatort Radzymin unter großer Teilnahme der Bevölkerung beigesetzt worden.
Mit Gołębiewski verlässt einer der Letzten jener Generation die Lebens-Bühne, die den Begriff ,,polnisches Unternehmertum“ im positivsten Sinne des Wortes prägten. Anders als die Oligarchen in Russland oder der Ukraine, die sich das als ,,Volkseigentum“ titulierte staatliche Eigentum mit ihrem politischen Beziehungs-Geflecht und ominösen Börsen-Geschäften unter den Nagel rissen, haben polnische Unternehmer wie Gołębiewski in den 1970er bis 80er Jahren aus dem Nichts heraus nur mit ihrer eigenen Hände Arbeit und ihrer unternehmerischen Initiative ohne staatliche Beihilfe ein Imperium geschaffen.

Vom Waffelbäcker zum Hotel-Magnaten

Seinen Aufstieg begründete der Hochschul-Absolvent als Waffel-Bäcker. Die dafür notwendigen Öfen soll er dem Vernehmen nach selbst gebaut und die Backformen aus Altteilen einer Fabrik geschweißt haben. Auch wurde der Teig in der Anfangszeit in der heimischen Waschmaschine getrommelt.

Aus diesem Improvisations-Konstrukt entwickelte er im Lauf der Jahre die nach seinen Namenskürzel benannte Firma Tago mit zeitweise 400 Beschäftigten, deren feinstes Gebäck in hochwertiger Qualität und Waren-Originalität jedem internationalen Marken-Hersteller Stand halten konnte.

Mit deren ersten Gewinnen widmete er sich Anfang der 90er Jahre einem neuen Geschäftsfeld. In Mikołajki (Masuren) baute er sein erstes Hotel. Mit Aqua-Park, Wellness- und Fitnessbereichen und einem all inclusive -Konzept war er dazumal weit seiner Zeit voraus. Nicht nur beim Komfort setzte er im Vergleich zu den damals üblichen Übernachtungsherbergen neue Maßstäbe. Für die seinerzeitigen Einkommens-Verhältnisse in Polen waren die Preise gepfeffert. Es waren vor allem Unternehmen, die dort als Benefits für ihre Mitarbeiter Firmen-Schulungen durchführten. Was fehlte, war ein zahlungskräftiges privates Kunden-Klientel, das im ausreichenden Maße die Kosten des mondänen Baus in der masurischen Seenlandschaft deckt. Wie Gołębiewski uns gegenüber bei einem Besuch seiner Baustelle in Pobierowo im vergangenen Jahr noch selbst einräumte, haben ihm seinerzeit ,,die Deutschen den A… gerettet“. Nach Messe-Besuchen und Werbeaktionen bei bekannten deutschen Reiseveranstaltern rollten dann die Busse aus Deutschland an. Bis zu 50 Busse pro Tag.

Das alles ist aber schon längst Vergangenheit. Mit der sich an Wohlstand entwickelnden Mittelschicht in Polen und dem dynamisch gewachsenen Durchschnittseinkommen (aktuell bei 6400 Złoty – rund 1400 Euro) bildet heute die polnische Kundschaft das Gros seiner Gäste.

Nach Mikołajki hat Gołębiewski weitere 5-Sterne-Hotels gebaut. Die Gołębiewski-Kette zählt derzeit nur vier Hotels. Seinen Ruf als ,,Hotel-König“ wurde jedoch damit begründet, dass jedes neugebaute Hotel noch größer war als sein Vorgänger und für Schlagzeilen sorgte. Behördliche Vorgaben des Landschaftsschutzes und der Baugenehmigungen wurden nicht eingehalten. Allen Hotelbauten waren von Auseinandersetzungen mit den Genehmigungsbehörden und gerichtlichen Instanzen begleitet. So wurden z.B. bei dem überdimensionierte Hotelbau in Karpacz unterhalb der Schneekoppe statt der in den Genehmigungs-Unterlagen vorgegebenen 630 Zimmer, 2 Etagen mehr mit 880 Zimmern gebaut. Wegen der Verunstaltung des Landschaftsbildes forderten Politik und Behörden deshalb den Abriss von zwei oberen Etagen. Gołębiewski ließ sich davon nicht besonders beeindrucken. Für eine weitere Nutzung ließ er eine Gesetzeslücke nutzend einen Teil der oberen Etagen verglasen.

Betonierte Gigantomanie in der Küstenlandschaft

Von zahlreichen Kontroversen und Kritiken war und ist auch der Bau seines Hotel-Giganten in Pobierowo begleitet. Der Standort befindet sich westlich des bekannten Ostseebades Rewal 150 Meter vom Meer entfernt. Umweltschützer kritisierten, dass dafür 1500 Bäume des Küstenwaldes im Landschaftsschutzgebiet abgeholzt wurden. Gemeindevertreter wiesen dies als unbegründeten Vorwurf zurück. An dem Standort war früher eine Einheit der polnischen Luftverteidigungs-Streitkräfte stationiert, die um die Jahrtausend-Wende dort abgezogen wurde. Allerdings sprechen die unmittelbar im Walddickicht am Rande der Baustelle heute noch stehenden Schilder mit der Warnung ,,Landschaftsschutz-Gebiet“ eine andere Sprache.

Gołębiewski hatte das 30 Hektar große Terrain für rund 50 Mio Złoty von der Gemeinde Rewal gekauft. Der Verkauf des Geländes erfolgte über den früheren Bürgermeister der Gemeinde. Der wurde später von Gołębiewski zum Geschäftsführer des in Bau befindlichen Hotels bestellt, was dem Geruch von Korruption anhaftete.

Groß, größer, gigantisch – Dieser Steigerungsform folgten auch die Planungen für den Hotel-Koloss in Gestalt eines Kreuzfahrtschiffes an der Ostseeküste.. Mit 1100 Zimmern, das mit Zustellbetten Platz für 3000 Gäste bietet, Konferenz-Sälen, Out- und Indoor-Poollandschaften, Spa-Zonen und anderen touristischen Attraktionen sollte es das größte Hotel in Polen und eines der größten in Europa werden. .
Der schnelle Bau-Fortschritt wurde jedoch 2020 jäh von der Corona-Pandemie unterbrochen. Mit den Corona-Beschränkungen im Hotel-Gewerbe und den Absturz der Belegungsquoten in den anderen Hotel der Gołębiewski-Kette versickere auch der Geld-Fluss für den Hotel-Neubau. Das ging auch an die finanzielle Substanz von deren Eigentümer Tadeusz Gołębiewski. Dem nicht genug folgte nach der Corona-Krise mit dem Ausbruch des Ukraine-Kriegs die nächste Katastrophe. Wie auf nahezu allen Baustellen in Polen waren beim Bau des Hotel-Riesens an der Ostseeküste Hunderte Arbeitskräfte aus der Ukraine eingesetzt. Nach der im April von der Regierung in Kiew angeordneten Verfügung, die jeden männlichen ukrainischen Bürger im Alter von 18 bis 60 Jahre unter Androhung einer langjährigen Haftstrafe verpflichtet, aus dem Ausland zurückzukehren und für die Heimat zu kämpfen, leerte sich auch die Baustelle von Pobierowo. Auch verzögerte sich die Lieferung von notwendigen Baumaterialien aus der Ukraine.
Die ohnehin schon auf den 1.Juni dieses Jahres verschobene Eröffnung des Hotels ist nun erneut verschoben. Einen neuen Termin gibt es noch nicht. Kurz vor seinem Tod hatte Gołębiewski noch in einem Presse-Interview erklärt, dass er im Fall einer Wahl-Möglichkeit nicht noch einmal eine solche Investition in Angriff nehmen würde.
Der Tod von Tadeusz Gołębiewski hat die seit langer Zeit bestehenden Spekulationen um eine Übernahme des gigantischen Hotels und der gesamten Hotelkette neu angefacht. An vorderster Front stand dabei die staatliche Hotel-Holding PHH. Die hatte im vergangenen Jahr mehr als zehn Hotels, darunter an der Ostsee-Küste, erworben. Mit einem Bestand von mehr als 40 Hotels ist sie die größte Hotel-Kette in Polen. Für Gołębiewski wäre die Übernahme durch eine Hotelkette, die dem Staat gehört, ein Gräuel. Allerdings hat die staatliche Hotel-Holding den Medien-Spekulationen eine Absage erteilt. Niemals waren und sind wir an dem Kauf der Hotels von Tadeusz Gołębiewski interessiert, heißt es in einer offiziellen Erklärung der Staats-Holding, in der gleichzeitig das Mitgefühl zum Ableben von Gołębiewski zum Ausdruck gebracht wird, der ,,eine Ikone des polnischen Hotelwesens war und immer bleiben wird“.
Auch im Ostsee-Badeort Rewal herrscht tiefe Bestürzung über den Tod ihres Groß-Investors gepaart mit der Ungewissheit über die Fertigstellung und Eröffnung des Hotels.

Fotos: PL-Agentur

Die Gemeinde-Vertretung verbindet mit der Eröffnung der ,,Touristenfabrik“ in dem Küsten-Wald vor ihrer Haustür einen Schub für die gesamte Region, eine Ausweitung der kurzzeitigen Urlaubs-Saison in den Sommer-Monaten auf das gesamte Jahr, eine Entwicklung des Konferenz-Tourismus, der viele neue Gäste und Investoren anzieht. Und natürlich die entsprechenden Einnahmen.
Der staubige Schotter-Straße, die durch den Küstenwald zum Hotel-Bau führt und bei Google überhaupt nicht als Straße aufgeführt ist, will die Gemeindevertretung jetzt zu Ehren des Verstorbenen den Namen von Tadeusz Gołębiewski geben.

© Andreas Höfer / infopol.PRESS

Warschauer Brauereien mit Robert Lewandowski ,,am Bierhahn“

Foto: PL-Agentur

In Polens Hauptstadt sind die Browary Warszawskie (Warschauer Brauereien) dabei, sich zu einem neuen Szene-Quartier von Warschau zu etablieren. Monatelang durch die Corona-Pandemie verschoben, öffnete im September eine Lokalität nach der anderen ihre Pforten. Als eines der letzten Event-Lokale hat nun auch Robert Lewandowskis NINE’s Restaurant & Sports Bar auf 1300 m² auf vier Etagen eröffnet. Das Etablissement des smarten Bayern-Stürmers war bereits im Vorfeld der Eröffnung wegen der ,,Hungerlöhne“ für das Personal in die Schlagzeilen geraten.

Auf den ersten Blick wirkt das neue Kultobjekt im Warschauer Stadtteil Wola wie ein Fremdkörper in den von modernen Büro-, Geschäfts- und Wohnimmobilien geprägten Quartier. Nur wenige Meter entfernt, ragt mit dem Warsaw Spire Polens größter Büro-Turm mit 220 Metern in den Himmel.
Auf der oberen Ebene werden die Browary Warszawskie auf dem 4,5 Hektar großen Terrain flankiert von in Glas- und Aluminium-Fassaden gesetzten Lokalitäten wie den ,,Munja“, wo Balkan-Spezialitäten und Meeresfrüchte serviert werden, dem ,,Mykonos“ (Griechische Küche) und verschiedenen Cafés. Die Ebene über eine mit Graffiti besprühte Betontreppe nach unter gestiegen, kommt man dann zum Herzstück der Browary Warszawskie: die alten und umgebaute Gewölbe der Brauerei aus einer Zeit, als diese noch ,,Haberbusch i Schiele S.A.“ hieß.
Gegründet wurde sie im 19.Jahrhundert von Konstantin Schiele, Sohn eines thüringischen Einwanderers und Blasius Haberbusch, der Braumeister in München war. Sie und ihre Nachkommen, die inzwischen polonisiert waren, bauten die Brauerei, in der neben Porter-Bieren auch Pilsner und bayrisches Bier gebraut wurden, zu eine der größten Brauereien ihrer Art in Europa auf. Ihre Blütezeit erlebte sie zwischen den beiden Weltkriegen. Nach dem teilweisen Wiederaufbau nach 1945 mussten die deutschen Namen verschwinden. Die Brauerei wurde in Browary Warszawskie (Warschauer Brauereien) umfirmiert. Und das, obwohl während der deutschen Besatzungszeit vom Betriebsgelände Lebensmittel in das angrenzende Jüdische Ghetto geschmuggelt wurden, die Brauerei eine der Untergrund-Stützpunkte der Heimatarmee Armia Krajowa im Kampf gegen die deutschen Okkupanten war und der Sohn von Betriebsdirektor Schiele wegen des Widerstands auf Befehl von Heinrich Himmler erschossen wurde.

Foto: Echo Investment / Archiv

Nach der Privatisierung in den 90er Jahren wurde noch bis 2004 in der Brauerei Bier gebraut, zunächst von der österreichischen Brauunion und zuletzt von Heineken. Internationale Immobilien-Entwickler und –fonds haben danach große Flächen aufgekauft und diesem Viertel des Stadtteils Wola mit den Bau von Hotels, Büro und Geschäfts- und modernen Wohngebäuden sowie Wolkenkratzern ein neues Gesicht gegeben. Die Warschauer sind darauf stolz, doch die moderne Fassaden-Architektur unterscheidet sich nur wenig von der in Houston/Texas oder anderen internationalen Städten mit heruntergerasterten, in Glas und Aluminium verkleideten Gebäude-Strukturen und Strassen-Zügen, in denen sich kaum ein angenehmes Stadtgefühl einstellen will.
Einen Kontrapunkt wollte das polnischen Bauunternehmen Echo Investment setzen, dass die Fragmente der Brauerei wieder ausgrub, tiefer setzte, umbaute und in ein Gebäude-Ensemble setzte, in dem historische Architektur mit modernen Büro- und Wohnbauten verbunden wird. Mit ihren vielfältigen Gastronomie und Event-Locations soll die Brauerei dabei weit über den Stadtteil hinausstrahlen.

Foto: PL-Agentur

Das Herzstück sind dabei die zur ,,Food-Hall“ umgebauten Kellergewölbe mit 11 offenen Küchen. Von ,,Silk&Spicy“ über ,,VietNem“ bis hin zu „Boston Burger“ werden zumeist internationale Spezialitäten als Street Foood angeboten. An manchen Abenden drängen sich bis zu Tausenden Besucher auf dem Gelände. Der über 20 Meter lange Rundtresen ist überfüllt. Für deutsche Gäste mag es in diesen Zeiten hier wie der Besuch auf einen fremden Planeten anmuten. Nach G2 oder G3 fragt hier niemand. Hier wird gefeiert als hätte es Corona nie gegeben. Die Food-Hall wird durch eine Gartenfrei-Fläche mit anderen Lokalitäten verbunden. Dazu gehört das ,,Baila“ mit einem Show & Dinning-Konzept, wo Austern, Salsas und Guacamole zu Bühnen-Auftritten serviert werden, oder die ,,Sobremesa Tapas Bar“. Den Charme und die Einfachheit und Urigkeit einer Tapas-Bar, wie man sie aus Spanien kennt, findet man hier allerdings nicht, genauso wenig wie die Vitrinen, aus denen man sich Tapas oder Pinchos auswählen kann. Tapas bestellt man sich hier von der Speisekarte. Vieles ist hier overstyled und auf ein wohlhabendes Publikum ausgerichtet. Dies trifft auch auf die Brauerei in der Brauerei zu, wo aus der Brauanlage Craft-Biere und aus Fässern ungefiltertes und unpasteurisiertes Bier angeboten werden. In den darüberliegenden Etagen befinden sich Loungen, darunter eine völlig mit eleganten roten Sesseln ausgestattet. Dazu werden traditionelle Gerichte aus der Warschauer und Lemberger Küche serviert. Alles auf höchsten Niveau und das Interieur vom Feinsten. Nur die Atmosphäre und Stimmigkeit einer Brauerei stellt sich hier kaum ein.

Das Malt-House: Lange musste man auf die Eröffnung von Robert Lewandowskis Sports-Bar warten. Foto: PL-Agentur

Wenn man aus den Kellergewölbe hinaufsteigt, erhebt sich auf der anderen Seite etwas abgelegen von dem unten tosenden Trubel das von zwei modernen Bürogebäuden eingekeilte Malz-Haus. Den Bürokomplex zusammen mit dem ,,Malt House“ hatte erst im Sommer die Deka Immobilien, Investment- und Asset Manager der deutschen Sparkassen, für 152 Mio. Euro gekauft. In dem Malz-Haus hat jetzt der Goal-Getter von Bayern München Robert Lewandowski seine lange von der Öffentlichkeit erwartete NINE’s Restaurant & Sports Bar als eine der letzten Lokalitäten der Browary Warszawskie eröffnet. Dabei hatte er schon im Vorfeld für Schlagzeilen gesorgt, als im Sommer in Stellenanzeigen Personal für seine Location mit Stundenlöhnen gesucht wurde, die unterhalb des Warschauer Gastronomie-Niveaus liegen, für Kellner z.B. 15 Złoty pro Stunde (rund 3,30 Euro). Für Warschauer Verhältnisse ist dies ein Hungerlohn. Selbst Studenten bekommen in Neben-Jobs mehr.
Lewandowski neuestes ,,Biznes“ erstreckt sich über 4 Etagen auf rund 3000 Quadratmeter. Seine Geschäftspartner sind diesmal einer der Gebrüder Krzanowski, Eigentümer des Büromöbel-Herstellers Nowy Styl, die laut Forbes zu den 100 reichsten Polen gehören, sowie der in der Gastronomie-Branche erfahrene Manager Jacek Trybuchowski. Das Etablissement ist ganz auf Lewandowski ausgerichtet.

Foto: PL-Agentur

Schon über der Eingangstür thront groß die Nine 9, assoziierend zu RL 9, der Rücken-Nummer von Robert Lewandowski in der polnischen Nationalmannschaft, mit der seit Jahren alles von der Unterhose, über Kaffee bis hin zum eigenen Fitness-Getränk vermarktet. Es ist eben diese Werbe- und Vermarktungsmaschinerie im Profi-.Fußball, die mit David Beckham ihren Anfang nahm und mit CR 7 von Cristiano Ronaldo neue Höhen erreichte. RL 9 von Robert Lewandowski ist davon nur eine Kopie, dafür aber mit konsequent durchdachten Geschäftssinn.
In der ersten Etage befindet sich die Sportbar mit 115 Plätzen, darüber die ,,Fan-Zone“ mit zahlreichen Telebeamern und Bildschirmen und einer Tribüne für 65 Personen. Neben seinen Club-Trikots und denen der Nationalmannschaft präsentiert Lewandowski dort auch die Fußballschuhe, mit denen er mit dem 41. Tor den Bundesliga-Rekord aufgestellt hat. Es gibt auch Brezeln an einem Stand, der hier mit ,,Pretzel-Bar“ bezeichnet wird. Ob sie im Gebäck und Geschmack dem Original gleichkommen, das kann nur ein echter Bayer beurteilen. In der Form her jedenfalls nicht. Sie sind in Form einer Neun gestaltet.

Foto: Nine`s / Instagram

Die Neun findet sich auch in allen Preis-Angaben, was allgemein in polnischen Preis-Angaben unüblich ist, hier aber kein Zufall ist. Die RL9-Vermarktungsmaschinerie zieht sich durch das gesamte Haus durch. In der dritten und vierten Etage werden im Restaurant Speisen aus der internationalen, amerikanischen und polnischen Küche a la Street Food angeboten.
Die Gerichte sind in der Speisekarte englisch ausgeschrieben. Dazu gehören Nine`s Smash – Oklahoma Fried onion burger inspired by George Motz für 42,90 zł. oder Sloppy Goal für 44,90 zł. Das macht Eindruck! Klein darunter ist dann in polnischer Sprache gesetzt, worum es sich bei der Speise eigentlich handelt. Zum Angebot gehören auch grünes Kokos-Curry oder golden knusprige Kalmare und Shrimps – eben alles was ein Fußball-Fan beim Spiel seiner Mannschaft zu sich nimmt! Zumindest hat Lewandowski dabei an die Zuschauer in den Stadion-VIP-Logen gedacht.
Bei den Bier-Preisen ist Lewandowski noch vom Preis-Niveau des München Oktoberfest entfernt. Mit 14 bis 18 Złoty (~ 4 Euro), abhängig von der bestellten Biermarke, liegen die jedoch auch über den üblichen Preis-Niveau anderer Sport-Pubs und Fußball-Kneipen in Warschau und anderen polnischen Großstädten. Was soll`s? Den Besucher-Andrang wird es keinen Abbruch tun. In den ersten Tagen nach der Eröffnung warteten Hunderte Gäste bis zu anderthalb Stunden auf den Eintritt. Lewandowskis Etablissement ist bereits jetzt schon zur einer Touristen-Attraktion in Warschau geworden, die die Kassen klingeln lässt.

© Magda Szulc / infopol.PRESS

Militärfahrzeug-Rallye für ,,Steel Buddys“ an polnischer Ostsee

Schrauber von ,,Fort Marian“ seit über 20 Jahren Organisator des Spektakels

In dem östlich von Koszalin gelegenen Küstenort Darłowo hat die 23. Internationale Militärfahrzeuge-Rallye begonnen. Sie ist die größte Show von militärhistorischen Fahrzeugen in Polen und in Mittelosteuropa.
Höhepunkte sind am Sonnabend (21.August) die Parade der historischen Militärfahrzeuge (Beginn 11 Uhr in Darłowo) und die Inszenierung von Kampfhandlungen bei der Landung der Alliierten 1944 in der Normandie. Das Spektakel mit der Nachstellung des D-Days beginnt am Sonnabend am Strand von Darłowo-West (Zachód) um 18 Uhr. ´
Der Zlot in Darłowo, wie die Militärfahrzeuge-Rallye im Polnischen bezeichnet wird, ist mit den erwarteten 3000 Teilnehmern aus ganz Europa nicht nur für passionierte Sammler und Händler von militärhistorischen Utensilien und Fahrzeugen seit über 20 Jahren ein festgebuchtes Ereignis. Für die Verwaltung des Ostsee-Bades Darłowo ist das jährlich mehrere Tage am Ostsee-Strand stattfindende Spektakel auch ein Höhepunkt in der Sommer-Saison an der polnischen Ostsee-Küste, das Tausende Urlauber anzieht.
Die Militärfahrzeuge-Rallye wird eingerahmt von zahlreichen Ausstellungen und Wettbewerben, in diesem Jahr u.a. um das beste Diorama einer militärischen Schlacht, einem Basar mit zahlreichen Ständen, auf denen mit militärhistorischen Utensilien gehandelt wird sowie anderen Attraktionen. ,,Wir organisieren für Touristen auch Fahrten mit Ketten-Fahrzeugen und Militär-Jeeps. So kann man mit großen Amphibien-Fahrzeugen oder amerikanischen Lastwagen wie z.B. dem REO-Truck fahren. Mit einem solchen Truck war Rambo auch im Hollywood-Klassiker unterwegs“, informiert Marian Laskowski, der seit über 20 Jahren das Groß-Ereignis organisiert.

Letzte Schweißarbeiten an einem Schwimmpanzer. Foto: PL-Agentur

Marian Laskowski ist auch deutschen Zuschauern der Doku-Soap ,,Steel Buddys“ beim Fernseh-Sender DMAX bestens bekannt. Als ,,Meisterschrauber Marian“ restauriert er für Michael Manousakis und seinem Gebrauchtwarenhandel Morlock Motors den legendären Geländewagen Ford Mutt. Morlock Motors bietet die aufgearbeiteten Fahrzeuge in Deutschland zum Verkaufspreis ab 27 000 Euro an. Auf dem Firmengelände von Marian in Malechowo einige Kilometer südlich von Darłowo warten noch zahlreiche Karossen des ,,Mutt“ auf ihre Aufarbeitung. Die beiden großen Werkshallen an der Schnellstraße S6 sind in großen Lettern mit ,,Fort Marian“ beschriftet und schon von weiten sichtbar.
Neben der Restaurierung und Instandsetzung von militärhistorischen Fahrzeugen steht Fort Marian auch Besuchern als privat geführtes Museum offen. Zu der Ausstellung mit über 500 Exponaten auf dem Freigelände und in der Halle gehören u.a. Panzer, amerikanische Truppentransporter und Jeeps, Flakgeschütze, Motorräder aus der Vorkriegszeit und Überreste des weltgrößten Stahlbunkers für Munitionstests und des ,,Kugelbunker“. Sie stammen von der Küsten-Batterie ,,Schwerin“ und dem unweit gelegenen Schießplatz, der vor Kriegsende Rügenwalde-Bad hieß und wo die Wehrmacht Geschütze für die schwere Artillerie, u.a. auch das weltgrößte Bahn-Geschütz ,,Dora“ und seinem Zwilling ,,Gustav“ erprobte.

Foto: PL-Agentur

Inmitten und unbeeindruckt von der Besucherschar führen die Mechaniker von Marian letzte Schweißarbeiten an einem Schwimmpanzer PT 76 sowjetischer Bauart durch, der bei der ,,Zlot“ am Sonnabend zum Einsatz kommen soll. Auf dem Freigelände neben der untypischen Fahrzeug-Reparaturwerkstatt werden gerade die Rotorblätter auf einen Helikopter Mi-2 montiert. Es wird aber noch mindestens anderthalb Monate dauern, bis der aus Bestände der polnischen Armee gekaufte Hubschrauber wieder flugfähig ist, erklärt einer der Helikopter-Mechaniker.
Gleich neben dem Montageplatz ist eines der neuesten Errungenschaften von Marian Laskowski abgestellt: Ein auf den ersten Blick nicht näher definierbares riesiges stählernes Ungetüm auf Rädern. Dabei handelt es sich um ein für schwieriges Gelände projektierten Tankwagen, der für die US-Armee für den Korea-Krieg Anfang der 50er Jahre entwickelt wurde. Er wurde nur als Prototyp gebaut und in Deutschland getestet. Das Fahrzeug ist das einzige seiner Art weltweit. Wahrscheinlich wurde nur dieses eine Exemplar gebaut. ,,Ist Fort Marian der Spielplatz für einen Waffen-Narr?“, fragen wir den Mann, der hier alles verantwortet und dem man die 67 Jahre überhaupt nicht ansieht.

Marian Laskowski Foto: PL-Agentur

In einer englischsprachigen Publikation wurde Marian, der sich mit täglichen Hantel-Training und Eisbaden, u.a. in Sibirien, fit hält, einmal als der ,,polnische Terminator“ bezeichnet. Doch mit dem über den durchtrainierten Oberkörper gestreiften Shirt mit der Aufschrift ,,Army“ erinnert er mit seinem Erscheinungsbild eher an den Prototyp des gnadenlosen Militär-Ausbilders á la dem Gunnery Sergeant Hartman in Stanley Kubricks Film-Klassiker „Full Metal Jacket“. Dabei ist Marian alles andere als ein sadistischer Menschen-Schinder, der Rekruten quält. Er ist außerordentlich hilfsbereit und herzlich und zieht mit seiner persönlichen Aura sofort alle Sympathien der Gesprächspartner auf sich.
Marian Laskowski war auch nie Ausbilder bei der polnischen Armee oder Angehöriger der international geschätzten polnischen Spezial-Einheit ,,Grom“. Seine Lebenserfahrungen wurden auf See geprägt. Mit Anfang 20 arbeitete er auf einen Fisch-Kutter. Dabei hätte ihn die Liebe zum Meer fast das Leben gekostet. Das war vor knapp 40 Jahren. ,,Trotz Sturm-Warnungen wollten wir die Netze einziehen“, erinnert er sich. Auf dem Rückweg brach dann der Sturm und die Wellen über die Fischer herein. ,,Der alte noch aus der deutschen Vorkriegszeit stammende Kutter war nur noch ein Ruine. Der Boden unter dem Steuerrad brach ein, die Steuerkette war gerissen“ Der Kutter begann zu sinken. Der Skipper und die Fischer wechselten in ein Rettungsfloß. Marian als der jüngste und kräftigste Mann wurde angewiesen, in das tosende Wasser zu springen und das Floß an das sich nähernde Ufer zu ziehen. Zum Glück hatte jemand an Land das Drama auf See bemerkt und die Rettungswacht alarmiert, die im letzten Moment die Männer vor dem Ertrinken retten konnte. Kurze Zeit später nach dem lebensgefährlichen Einsatz stand er bereits wieder auf einen Fischkutter.

Foto: PL-Agentur

Nach einigen Jahren wechselte Marian dann zur Handels-Marine, wo er als Mechaniker im Maschinen-Raum arbeitete. Auch bei der Handels-Marine hatte er eine lebensbedrohliche Situation im Suez-Kanal bestehen müssen. Nach einigen Jahren zurück auf Land machte er sich mit dem bei der Marine gut verdienten Geld als Unternehmer selbständig. Zunächst als Handelsvertreter mit Spezial-Reinigungsmitteln aus westlicher Produktion. Das Geschäft lief aber schlecht, da diese Reinigungsmittel zehnfach teurer waren als einheimische Produkte. Marian konzentrierte sich darauf auf das, was seine Leidenschaft war – auf Motoren und deren Klang. Schon auf hoher See hatte er sich in der dienstfreien Zeit Kassetten-Tonbänder mit verschiedenen anlassenden Motoren-Geräuschen angehört. Er begann altes Kriegsgerät zu sammeln. Besonders faszinierte ihn die Technik der Fahrzeuge aus dem 2. Weltkrieg. ,,Für extreme Bedingungen entwickelt, wurden sie solide und gleichzeitig einfach gebaut. Ohne jede Elektronik wie heute“. Aus seiner Technik-Leidenschaft ist er zu einem Maniac, einem von Militärfahrzeugen Besessenen geworden, einer Leidenschaft, die er mit vielen anderen Teilnehmern und Besuchern der Rallye für historische Militärfahrzeuge in Darłowo teilt.

© André Jański / infopol.PRESS

Fort Marian ist an den Wochentagen von Montag bis Freitag ab 9 Uhr für Besucher geöffnet. Das Besucher-Ticket kostet 20 Złoty pro Person. Auf Vorbestellung sind auch Fahrten mit amerikanischen Truppen-Transportern und Jeeps auf den 30 Hektar großen Gelände gegen Entgelt möglich. Auf den Firmengelände wurde auch ein ,,Battlefield“ eingerichtet. Auf Vorbestellung und gegen Bezahlung werden dort für Besucher auch Schieß-Übungen mit Pistolen und Karabiner angeboten.
Fort Marian liegt direkt an der Schnellstrasse S6 in Malechowo. Von Stettin/Goleniów kommend, benötigt man auf der gegenwärtig bis Koszalin als Autobahn ausgebauten S6 ca. 2 Stunden.

Ferienwohnungen an der Ostsee – Kaufpreise im Höhenflug

Foto: PL-Agentur

Die Preis-Entwicklung beim Kauf von Ferienwohnungen und Appartements an der polnischen Ostseeküste hat auch in der Corona-Krise keine Pause gemacht und neue Rekordhöhen erreicht.
Nach Angaben des auf die Preisentwicklung spezialisierten Immobilien-Consulters Cenatorium wurden im vergangenen Jahr für den Kauf von Ferienwohnungen an der polnischen Ostseeküste abhängig von der Lage im Durchschnitt zwischen 8 900 bis 11 735 Złoty pro Quadratmeter (1970 bis 2600 Euro) bezahlt. Der höchste Verkaufspreis für ein Appartement mit 56 700 Złoty pro Quadratmeter (rund 12 600 Euro) wurde in Jurata notiert. Das Strandbad liegt auf der Halbinsel Hel, die in der Wahrnehmung des polnischen Tourismus-Gewerbes einen hohen Prestige-Wert hat. Bereits im Jahr zuvor wurden hier für eine 62 Quadratmeter große Ferienwohnung mit Blick auf die Danziger Bucht 3,5 Mio. Złoty gezahlt.
Der etwas abseits der üblichen Rummel- und Basar-Atmosphäre polnischer Ostseebäder gelegene Ort gilt als besonders nobel und ist auf ein gehobeneres Klientel ausgerichtet. Einst war die Halbinsel Hel nur von kleinen kaschubischen Fischerdörfern besiedelt. In den 20er Jahren des vorigen Jahrhunderts erfolgte dann dort der touristische Aufschwung, als in Jurata Villen und mondäne Hotels mit Tennisplätzen und Spielhallen gebaut wurden, die auf die wohlhabenden Schichten aus Warschau und bekannte Persönlichkeiten aus Politik und dem Kulturleben ausgerichtet waren. Von diesem Image lebt noch heute der Ort, dessen Prestige-Wert auch noch dadurch verstärkt wird, dass der polnische Staatspräsident hier seine Sommer-Residenz hat.
Ähnliche Rekordpreise wie in Jurata hat Cenatorium auch in dem rund 50 Kilometer entfernten Sopot registriert. Das inmitten der Dreistadt (Gdynia-Sopot-Danzig) gelegene Seebad hat noch weitgehend seinen mondänen Charme bewahrt. Für den Kauf von Ferienwohnungen im Umfeld des zur Mole führenden Monciuk-Boulevards wurden als Rekord-Wert 51 000 Złoty pro m² notiert. Allerdings sind dies absolute Rekordwerte, die durch die Lage und die Ausstattung geprägt sind. Jedoch sind auch die Durchschnitts-Preise für den Kauf von Ferienwohnungen auch seit Beginn der Corona-Krise im vergangenen Jahr weiter um 16 Prozent gestiegen. Dieses Wachstum ist doppelt so hoch wie der Anstieg der Preise für Eigentumswohnungen in den polnischen Großstädten (7,4 Prozent).

Größte Preis-Unterschiede in Kołobrzeg

Das wichtigste Kriterium, was die Preis-Höhe beeinflusst, ist die Lage der Ferienwohnung oder des Appartements am Meer. Für Standorte in der Entfernung von bis zu 500 Metern zum Meer notierte Cenatorium einen durchschnittlichen Verkaufspreis von 11 735 Złoty. Bei einer Entfernung von mehr als 500 Metern bis 1500 Metern zum Meer lag der Durchschnittspreis mit 8 900 Złoty bereits deutlich niedriger.
Die größten Preisunterschiede treten dabei in den wegen seiner Sole-Quellen besonders auch bei deutschen Senioren beliebten Kołobrzeg (Kolberg) auf. Dort muss man für den Kauf von Ferienwohnungen, die am Meer liegen, im Durchschnitt bis zu 60 Prozent mehr bezahlen als für Immobilien, die mehr als 500 Meter davon entfernt sind. Der geringste Unterschied trat in Swinemünde (Świnoujście ) auf der Insel Usedom auf. Ohnehin liegen die Durchschnittspreise in Swinemünde mit 8000 bis 8300 Złoty pro m² (1770 bis 1840 Euro) am unteren Preis-Level beim Kauf von Ferienwohnungen an der gesamten polnischen Ostsee-Küste. Dies mag daran liegen, dass sich das Interesse der polnischen Inlandstouristen mehr auf die Ostseebäder zwischen Ustronie Morskie und Władysławowo fokussiert als auf das westlich entferntest gelegene Swinemünde mit seiner gegenwärtig noch umständlichen Anfahrt über die Autofähre mit langen Wartezeiten. Auch das weitaus größere Angebot der Immobilien-Entwickler und der intensivere Wettbewerb im Umfeld der deutschen Kaiserbäder dürften dabei eine Rolle spielen.

Einkauf in Condohotels im Trend

Das wachsende Interesse an privaten Investitionen in die Ostseebäder führen Immobilien-Experten auf den gestiegenen Wohlstand des sich herausbildenden polnischen Mittelstands und dem Interesse an sicheren Kapital-Anlagen bei anhaltenden Niedrigzinsen zurück. Ferienwohnungen werden sowohl für den Eigennutz gekauft wie sie auch als Investition betrachtet werden. Deutlich zugenommen hat dabei das Interesse an sogenannte Condohotels, also der Kauf von Wohnungen, Studios und Appartements in Immobilien, die als Hotel geführt werden. In den zumeist hochwertigen Anlagen müssen sich die Käufer nicht selbst um Vermietung, Service und Reinigung kümmern, aber auch den Gewinn teilen.

In diesem Segment treten auch verstärkt Ausländer, insbesondere Deutsche, als Kauf-Interessenten auf. Das Interesse richtet sich dabei besonders auf den Ostsee-Kurort Kołobrzeg. Zu den größten Entwicklungsprojekten im Premium-Segment gehört dort das unter der Marke Crown Plaza projektierte 5-Sterne-Hotel ,,Baltic Wave“, in dem Appartements in der Größenordnung von 29 bis 130 m² zum Kauf angeboten werden oder das ,,Solny Ressort“. In dem hochmodernen Komplex mit Spa- und Beautyzone, der integraler Bestandteil des in die in die Jahre gekommenen ,,Solny-Hotel“ werden soll, werden 150 Appartements zum Verkauf angeboten.

Geplante Beton-Türme am Strand von Międzyzdroje. Projektfoto: Siemiaszko

In das Condohotel-Modell steigen immer mehr Immobilienentwickler auch in anderen Küstenorten ein. Das umstrittenste Projekt sind dabei die zwei 112 Meter hohen Betontürme mit 33 Etagen, für die der Stettiner Bau-Unternehmer Siemaszko die Baugenehmigung in Międzyzdroje (Misdroy) erhalten hat. Eine ,,atemberauschende Aussicht“ verspricht der Bau-Unternehmer auch in seinem deutschsprachigen Werbeprospekt für die 345 zum Kauf angebotenen Wohnungen in den zwei gigantischen Türmen. Diese liegen direkt am Strand und überragen das benachbarten Landschaftsschutzgebiet mit einen der imposantesten Küstenwälder Europas um ein Vielfaches.

Eine ganz andere Niveauklasse in Międzyzdroje ist die Baltic Luxury Residence, mit der eine ehemalige architektonische Perle an der westpommerschen Küste wieder ihren alten Glanz erhält. Das 1870 erbaute und als Hotel ,,Seeblick“ genutzte Objekt war die Visitenkarte von Misdroy, das im Schatten der Kaiser-Bäder auf Usedom um wohlhabende Kundschaft warb. Nach dem Krieg zunächst als Offiziers-Casino und später als Hotel „Bałtyk“ verfiel das nur 50 Meter vom Strand entfernte Objekt zusehends. In den vergangenen 25 Jahren vielfach zum Verkauf angeboten, hatten sich mehrere Interessenten, darunter auch aus Spanien, erfolglos um das Objekt bemüht. 2017 wurde schließlich das völlig baulich heruntergekommene Objekt für rund 3 Mio. Złoty von der polnischen Gesellschaft Meritum aus Stettin (Szczecin) gekauft. Seitdem wird das Objekt einer aufwändigen und originalgerechten Sanierung unterzogen. Die Fertigstellung ist 2023 geplant. Die das Objekt verwaltende Asset Investment bietet hier 37 hochwertige individuell gestaltete Appartements an.

Risiko-Faktor Atomkraftwerk an der Ostseeküste

Generell ist auch in den nächsten Jahren an der polnischen Ostsee-Küste mit einem weiteren Anstieg der Kaufpreise zu rechnen. Allerdings gibt es auch Risiko-Faktoren. Dazu zählen auch die von der Regierung forcierten Wirtschaftsprojekte in Tourismus-Regionen wie der Bau eines Container-Hafens in Swinemünde auf Usedom. Bereits vor Jahren hat sich dort eine Bürger-Iniative gebildet, die gegen eine Abholzung des Küstenwaldes und eine industrielle Verödung der Küstenlandschaft protestiert, wenn Tausende Lkw künftig das an den Container-Hafen angeschlossene Logistik-Center anfahren werden.
Proteste gibt es auch in Lubiatowo, einem Örtchen mit einer vorgelagerten idyllischen Küstenlandschaft. Lubiatowo ist als Standort für das erste polnische Atomkraftwerk in der Ostsee-Region in die engere Auswahl genommen worden. Eine endgültige Standort-Entscheidung ist noch nicht getroffen worden. Sie soll bis Ende kommenden Jahres fallen. Fest steht jedoch, dass kaum jemand im Schatten eines Atomkraftwerks seinen Ostsee-Urlaub verbringen will. Entsprechend werden dann auch die Preise für Immobilien fallen.

© André Jański / infopol.PRESS

 

Diplom-Affäre um Schmiergeld und den Namen Lewandowski

Robert Lewandowski ist wieder in die Schlagzeilen geraten. Nicht etwa wegen eines abgezockten Torschusses. In den Unterlagen der Staatsanwaltschaft nach der Verhaftung eines Hochschul-Lehrers, der gegen Schmiergeld Hochschul-Diplome verkauft hat, ist jetzt auch sein Name aufgetaucht.

Der Mann war auf frischer Tat geschnappt worden. Er war Kanzler der Hochschule für Sozial-Wissenschaften in Łódź. Diese ist eine private Hochschule. Davon gibt es in Polen viele, über 220. Leistungs-Kriterien spielen dort kaum eine Rolle. Für ein Studium reicht ein Abitur. Und man muss das notwendige Kleingeld haben.
Ums Geld ging es auch den Wissenschaftler. Er bot gegen Bezahlung die Ausstellung von Diplomen an ohne die Notwendigkeit der Teilnahme am Studienbetrieb und der Ablegung eines Examens. Eine der Studentinnen, der er das Diplom für spottbillige 2500 Złoty anbot (550 Euro), brachte die Sache zur Anzeige. Demnach klickten in dem Moment, als er das Diplom übergeben wollte, die Handschellen.

25 000 Złoty für MBA-Diplome

Wie Polens größtes Internet-Nachrichtenportal onet berichtet, hatte der Handel mit gefälschten Hochschul-Diplomen noch weit aus größere Dimensionen. In den Akten der Ermittler tauchten auch die Namen von bekannten polnischen Fußballern auf, darunter der von Bayern-Stürmer und Kapitän der polnischen Nationalmannschaft Robert Lewandowski und seiner Ehefrau Anna. So soll der verhaftete Hochschul-Kanzler, der u.a. auch Manager des bekannten Sportklubs ŁKS Łódź war, den Lewandowskis zwei MBA-Diplome für 25 000 Złoty angeboten haben. Laut onet fanden die Ermittler im Zuge ihrer Ermittlungen und einer Hausdurchsuchung in den beschlagnahmten Unterlagen auch den Abzug eines Magister-Diploms für Robert Lewandowski mit dem Bild des Bayern-Stürmers.
Um eine Stellungnahme gebeten, erklärte die PR-Managerin der Lewandowskis, Monika Bonadrowicz, dass weder Robert Lewandowski noch Anna Lewandowska Kenntnis von einem staatsanwaltschaftlichen Ermittlungsverfahren haben. Zu einem Verfahren, von dem man nicht weiß, ob es überhaupt existiere, könne man daher keine Erklärung abgeben.
Inzwischen hat die Rektorin der Hochschule in Łódź, die übrigens die Ehefrau des verhafteten Hochschul-Lehrers ist, aber bestätigt, dass Lewandowski Absolvent der Hochschule in Łódź mit einem Magister-Titel in Pädagogik ist. Der berechtigt ihn, nach Abschluss seiner Fußballer-Karriere als Trainer zu arbeiten.
Diese Aussage, die Fragen aufwirft, hat in der polnischen Öffentlichkeit für Irritationen gesorgt. Europas Fußballer des Jahres ist demnach zweifacher Akademiker – Wow! Über den Abschluss eines zweiten akademischen Titels hat er allerdings in der Öffentlichkeit den Mantel des Schweigens gehüllt, was überhaupt nicht zu seiner Selbstvermarktungs-Strategie passt.

Beim Abschluss seines ersten wissenschaftlichen Titels war dies völlig anders. Den hatte er auch an einer anderen Hochschule erworben, an der Sport-Hochschule in Warschau. Dies war 2017. Ein Tag nach einem Länderspiel, bei dem er mit einem Tor brillierte, verteidigte er vor der Prüfungs-Kommission seine Bachelor-Arbeit. Deren Titel wie auch deren Inhalt mutete wie das Thema eines Schüler-Aufsatzes an: „RL9 – Der Weg zum Ruhm“. RL steht für Robert Lewandowski. Die 9 für die Rücken-Nummer seines Trikots in der polnischen Nationalmannschaft. Lewandowski konnte als seine wissenschaftliche Arbeit einfach über sich selbst schreiben, was bei jeder Studentin und jeden Student in Polen, die sich jahrelang mit ihren Abschluss-Arbeiten herumquälen müssen, für Empörung sorgte.

In der Arbeit erzählt Lewandowski seine Geschichte, wie er als kleiner Junge vom Straßen-Bolzer zu einem Star im internationalen Fußball aufgestiegen ist. Auch die Prüfung erinnerte an eine Show-Veranstaltung. Die Prüfungs-Kommission war in den Trikots der polnischen National-Mannschaft gekleidet. Einzig Robert Lewandowski erschien in korrekter Prüfungs-Kleidung. Die Verteidigung des Titels wurde seinerzeit ausführlich in den Medien gefeiert. Umso verwunderlicher ist jetzt, dass die Vermarktungs-Maschinerie von RL9 den zweiten akademischen Titel von Lewandowski an der Hochschule völlig ausgespart hat. Warum?

©Magda Szulc / infopol.PRESS

Iggi Pop – Nur eine Werbung für polnisches Bier?

Für die Bewerbung ihres Bieres hat die Privat-Brauerei Tenczynek die Punkrock-Legende Iggy Pop gewinnen können. Der ,,Godfather of Punk“ ist das Gesicht der Werbekampagne ,,Schäm Dich nicht“, in der die Brauerei, die schon mit ihrem Hanf-Bier ,,BUH“ für Aufsehen gesorgt hat, jetzt ihr neues Bier mit Maracuja-Geschmack bewirbt. Iggi Pop soll dabei helfen, Stereotype in Verbindung mit Geschmacks-Bieren zu brechen. Der Werbeclip mit Iggy Pop ist mit einem Fragment aus seinen Song ,,The Passenger“ aus dem Album ,,Lust for Life“ unterlegt. Iggi Pop hatte die Inspiration für diesen Song nach einem Gedicht von Jim Morrison (The Doors) einst bei seinen Fahrten durch Berlin mit der S-Bahn.
Die Einspannung der internationalen Punkrock-Legende in eine polnische Bier-Werbung kann als kleine Sensation gewertet werden. Schließlich ist die Brauerei Tenczynek alles andere als einer der großen finanzkräftigen Bierproduzenten in Polen wie der japanische Bierkonzern Asahi (u.a. ,,Lech“), Heinecken (u.a. ,,Żywiec“) oder Carlsberg (u.a. Okocim).  Das in dem beschaulichen Örtchen Tenczynek (bei Kraków) in einem historischen Gebäude produzierende Unternehmen kommt über eine Jahresproduktion von 50 00 Hektoliter nicht hinaus. Dass es der Brauerei trotzdem gelungen ist, Iggi Pop für ihre Produkt-Werbung zu gewinnen, ist vor allem auf ihren Eigentümer Janusz Palikot und dem Profil der Brauerei zurückzuführen.

Vom Alkohol-Business in die Politik und zurück

Ähnlich wie Iggi Pop ist Palikot eine schillernde Figur mit spektakulären Auftritten – in der polnischen Politik! Palikot, der u.a. an der Katholischen Universität Lublin studiert hatte, machte in den 90er Jahren mit den von ihm gegründeten Schaumwein- und Wodka-Unternehmen ein dreistelliges Millionenvermögen. Nach der Jahrtausend-Wende wechselte er in die Politik. Zunächst für die Bürgerplattform PO, der Partei des Ex-EU-Ratsvorsitzenden Donald Tusk, für die er ein Mandat im Parlament holt. Als Sejm-Abgeordneter setzte er sich für die Liberalisierung der polnisches Abtreibungs-Regelungen und die Rechte von sexuellen Minderheiten ein. Palikot gehört zu den Verfechtern eines antiklerikalen Kurses, einer klaren Trennung von Staat und Kirche und der Zurückdrängung des Einflusses der Katholischen Kirche auf die Politik und die Gesellschaft. Mit spektakulären politischen Happenings und Aussagen in der Öffentlichkeit verstörte er auch immer wieder die konservativen Kreise in der Bürgerplattform. So trat Palikot, selbst Vater von mehreren Kindern, bei einer Presse-Konferenz der Bürgerplattform mit einem T-Shirt mit der Aufschrift ,,Ich bin schwul“ auf. In seinen persönlichen Blog warf er die Frage auf, ob PiS-Parteichef Jarosław Kaczyński , der noch im hohen Alter bei seiner Mutter wohnte, homosexuell sei. Für Verstörung in der politischen Landschaft sorgte er auch immer wieder mit Fernsehauftritten mit einen abgehauen Schweinekopf, einer Spielzeug-Pistole oder einem Dildo, die er als Symbole für die von der PiS-Partei propagierten Politik von Recht und Gerechtigkeit, für Polizei-Gewalt und sexuellen Mißbrauch in der Gesellschaft präsentierte.

Eintritt für Legalisierung weicher Drogen

Janusz Palikot – Skandal-Politiker und Spirituosen-Millionär

2010 trat Palikot aus der Tusk-Partei aus und gründete eine eigene nach ihm benannte politische Gruppierung, die auf Anhieb bei den Wahlen 2011 drittstärkste Kraft im Parlament wurde. Neben den Einsatz für die Rechte von sexuellen Minderheiten und heftigen Angriffen auf die Katholische Kirche versuchte er mit seiner Partei einen Gesetzentwurf zur Legalisierung von Marihuana für den Eigen-Gebrauch durchzubringen. Palikot selbst hat sich in der Öffentlichkeit nie seine Sympathie für einen Joint zum Relaxen verhehlt.

Wie allen anderen Parteien in Polen, die von Einzelpersonen gegründet wurden und auf die Führungs-Persönlichkeiten fixiert sind, zerfiel die Partei von Janusz Palikot an innerparteilichen und persönlichen Streitigkeiten genauso schnell wie sie aufgestiegen war. 2015 verabschiedete sich Palikot aus der Politik und stieg wieder ins Alkohol-Geschäft ein. 2018 erwarb er die Brauerei Tenczynek, in deren Modernisierung er nach eigenen Aussagen 40 Mio. Zloty investierte. Vergangenen Herbst sorgte Janusz Palikot dann wieder für ein starkes mediales Interesse als er gemeinsam mit Stars aus der polnischen Medienwelt die Gründung der Aktien-Gesellschaft ,,Przyjazne państwo“ bekanntgab. ,,Przyjazne państwo“ heißt so viel wie freundlicher oder freundschaftlicher Staat. Mit Politik hat dies aber nichts zu tun. Ihre Mission sieht die Gesellschaft in der Produktion und Vermarktung von alkoholischen und alkoholfreien Getränken mit CBD-Zusätzen, also Cannabidiole aus dem weiblichen Hanf (Cannabis). Den Anfang machte das im Januar dieses Jahres von der Brauerei Tenczynek gebraute Bier der neukreierten Marke ,,BUH“. Verkauft wird es im Direktvertrieb der Brauerei. Der ist besonders ausgerichtet  auf die Investoren des speziell für die Brauerei aufgelegten Crowdfundings. Nach Angaben von Janusz Palikot hat der 5500 Investoren, die gleichzeitig auch ein nach ihrem Geschmack gut gebrautes Bier zu schätzen wissen.

,,Alkotheken“ und ,,Trinkhäuser“ zum Mieten geplant

Bis kommenden Jahr sollen vier ,,Trinkhäuser“ zum Mieten an der Brauerei gebaut werden. Foto: Tenczynek – Temam S.C.

Bei dem jetzt von Iggi Pop in den sozialen Medien beworbenen Maracuja-Bier wurde der Vertriebskreis größer gezogen. Seit Anfang April gibt es dieses Lager-Bier auch in der Supermarkt-Kette Żabka. Und natürlich geht es bei dieser Art der Werbung nicht allein nur um das Maracuja-Bier. Es ist in erster Linie eine Werbung für die Brauerei und ihre Produkte.
In der Vertriebs- und Marketing-Strategie mangelt es Janusz Palikot und seinen Gesellschaftern nicht an Ideen. In Kürze sollen sogenannte ,,Alkotheken“ landesweit gegründet werden. Auch ,,Trinkhäuser“ sind in der Planung. Bis nächstes Jahr sollen zunächst vier ,,Trinkhäuser“ oberhalb des Brauerei in Tenczynek gebaut werden. Dabei handelt es sich um vollausgestattete Häuser mit Bad, Küche , Schlafräumen und Lounge, die wie ein Ferienhaus gemietet werden können. Der Clou sind im ,,Trinkhaus“ installierte Bierhähne, die direkt an die Bier- Tanks und –fässer der Brauerei angeschlossen sind und aus denen man das Bier seiner Wahl zapfen kann. Ähnlich dem Zähler einer Wasser-Leitung werden die gezapften Biermengen über einem an den Bierhähnen angeschlossenen Zähler abgerechnet.

© André Jański / infopol PRESS

Robert Lewandowski geht unter die Bauern – Geschäftlich!

Noch fließen die Millionen. Völlig ungewiss ist aber, ob der Fußball-Commerz nach Corona wieder den gleichen Stellenwert einnehmen wird wie vordem. Bayern-Star Robert Lewandowski baut jedenfalls mit weiteren Investitionen seinem Karriere-Ende vor. Der Kapitän der polnischen Fußball-Nationalmannschaft präsentierte sich jetzt mit der Geschäftsführung der Firma Bio-Gen als Investor in deren Schwestergesellschaft Bio-Lider. Die Firmen haben nichts gemeinsam mit den unter gleichen oder einer ähnlichen Namensbezeichnungen auf westlichen Märkten auftretenden Unternehmen wie z.B. einen Produzenten von Hauptpflege-Produkten oder dem renommierten US-amerikanischen Biotechnologie-Konzern. Nein. Die polnische Firma Bio-Gen produziert Bio-Präparate für die Landwirtschaft. Und das schon seit 30 Jahren nach ihrer Gründung im Oppelner Land (Namysłów). Zum Sortiment gehören u.a. Probiotika für die Tierernährung, biologische Präparate zur Stimulierung des Pflanzenwachstum und zur Schädlingsbekämpfung sowie Produkte zur Humusanreicherung des Bodens. Selbst medizinische Blut-Ekel gehören zu dem rund 300 Produkte umfassenden Sortiment. Für vier Produkte besitzt das Unternehmen eine Zertifizierung für die ökologische Landwirtschaft, die über die Schwestergesellschaft Bio-Lider, in die Robert Lewandowski investiert, vertrieben werden. Das Sortiment wird jetzt schrittweise erweitert.

,Diversifizierung meines Investitions-Portfolios“

,,Mich haben Innovationen schon immer interessiert. Bei der Diversifizierung meines Investitions-Portfolios unterstütze ich Branchen, die Einfluss auf unser tägliches Leben haben. Deshalb habe ich in Bio-Präparate investiert“, erklärte der Bayern-Stürmer. Wieviel Kapital er in die Firma investiert hat und wie viel Anteile er übernommen hat, wurde in der offiziellen Bekanntmachung allerdings nicht mitgeteilt, lediglich, dass er einer der Hauptinvestoren sei.

Robert Lewandowski hatte erst vor einigen Wochen in Aktien der Firma Hymon investiert, die Solar-Anlagen installiert. Die Solar-Branche erlebt gegenwärtig in Polen einen Boom. Die Installation von häuslichen Solar-Kleinanlagen wird vom Staat gefördert. Die Firma Hymon ist eine von mehr als 1000 Firmen in Polen, die Solaranlagen montieren.

Zu Lewandowskis geschäftlichen Aktivitäten in Polen gehören u.a. auch Investitionen in Immobilien und Restaurants, in die Fondsgesellschaft Protos Venture Capital, die in Internet-startups wie wedding.pl oder lokalnyrolnik.pl (lokaler Bauer für Bio-Lebensmittel) investiert. Europas Fußballer des Jahres ist auch Eigentümer von zwei Marketing-Agenturen (RL Media und stor9 ) und an der Gesellschaft RL9sport Game beteiligt.
RL9 steht für das Namenskürzel und die Rücken-Nummer von Lewandowski. Ähnlichkeiten im Auftritt zu CR7 von Christiano Ronaldo sind nicht zufällig. Eben der übliche Fußball-Commerz !
Mit einem geschätzten Vermögen von einer halben Milliarde Złoty platzierten sich Robert Lewandowski und seine Frau Anna in der zuletzt von der Zeitschrift ,,Wprost“ herausgegebenen,,Liste der 100 reichsten Polen“ auf dem Platz 80.

© André Jański / infopol.PRESS

Erstes Lockdown-Opfer in polnischer Textilbranche

Wie die Adler-Modemärkte in Deutschland hat jetzt auch die polnische Textilbranche ihr erstes prominentes Opfer durch den Corona-Lockdown. Das Bezirksgericht von Łódź hat gegen den Eigentümer der bekannten polnischen Mode-Marke Gatta, dem Unternehmen Ferax, die Insolvenz eröffnet. Nach Korrektur einer fehlerhaften Informationsübertragung durch das Gericht unterliegt das Unternehmen jetzt einem Sanierungs-Verfahren.

Einer der letzten Textil-Produzenten in Europa

Gatta-Kalender mit der Popmusikerin Justyna Steczkowska

Die Marke Gatta steht für qualitativ hochwertige Damen-Unterwäsche, Strumpfhosen und Strümpfe, die auch in deutschen Mode-Boutiquen und Shops verkauft wird. Der Produzent aus Zduńska Wola (bei Łódź) produziert auch Fashion und Sportswear, darunter Shirts, Leggins, Blusen und Röcke. Vor über 25 Jahren gegründet ist er einer der wenigen großen Hersteller in Europa, die ihre Betriebe nicht nach China, Bangladesh oder in ein anderes Land Asiens verlegt haben.
Neben dem weltweiten Export werden die in Zduńska Wola gefertigten Textilien in der Gatta-Ladenkette in Polen verkauft. Dazu gehören 130 Läden. Die meisten davon befinden sich in den großen Verkaufs-Galerien und Handelszentren der Großstädte. Und hier liegen auch die Gründe für die Einleitung des Insolvenzverfahrens. Die hohen Kosten für die Anmietung der Lokale in den großen Handelszentren in Verbindung mit dem Umsatz-Rückgang durch die Lockdown-Maßnahmen haben das Unternehmen an den Rande der Zahlungsfähigkeit gebracht.

Zwar konnte das Unternehmen den ersten Lockdown im vergangenen Frühjahr mit den zuvor erwirtschafteten Eigenkapital-Reserven (238 Mio. Złoty Umsatz 2019) noch überstehen und danach durch den Anstieg des online-Verkaufs sogar noch einen kleinen Gewinn erwirtschaften. Der zweite Lockdown mit den amtlich angeordneten Ladenschließungen im November und Dezember haben dem Unternehmen jedoch den Rest gegeben. Von der jetzt eingetretenen Situation sind 1300 Mitarbeiter bedroht, die in der Produktion und dem Gatta-Vertriebsnetz beschäftigt sind.

Durch das eingeleitete Sanierungsverfahren ist das Unternehmen Ferax momentan vor der Durchsetzung der Gläubiger-Ansprüche geschützt, insbesondere von den Eigentümern der Handelszentren und den Mietforderungen. Mit den Insolvenzverwalter an der Seite kann das Unternehmen weiterhin seinen Geschäftsbetrieb fortführen. Allerdings sind die Läden weiterhin geschlossen und es ist bislang noch völlig ungewiss, ob die polnische Regierung die Lockdown-Maßnahmen mit der Schließung der Läden in den Februar hinein verlängert. Branchen-Experten sind sich jedoch einig, dass Gatta erst der Anfang einer Pleite-Welle und symptomatisch für die finanzielle Situation der gesamten Textil-Branche in Polen ist.

© Magda Szulc /infopol.PRESS

Luxus-Hotel von Robert de Niro in Warschau eröffnet

In Warschau ist gestern das erste Hotel der Luxus-Marke Nobu in Polen offiziell eröffnet worden. Hollywood-Star Robert De Niro als einer der Gründer und Eigentümer von Nobu war selbst bei der Eröffnung nicht anwesend. Auch sonst ließ die Eröffnung den Glanz der Prominenz vermissen. Dies lag auch daran, dass die ursprünglich für den Juni geplante Eröffnung wegen den Corona-Beschränkungen verschoben werden musste. Dessen ungeachtet nahm das japanische Restaurant im Hotel von Robert de Niro bereits ab Mitte Juli die ersten Reservierungen an.

Beim Nobu-Hotel handelt es sich um einen komplexen Umbau des früheren sehr populären Hotels Rialto im südlichen Warschauer Stadtcentrum (ul. Wilcza), das um einen futristischen Flügel ergänzt wurde.

Foto: Nobu Hospitality

Das Lifestyle-Hotel hat 117 luxuriöse Zimmer und Suiten, die in unterschiedlichen Design, von klassisch bis modern, je nach Geschmack des Hotelgastes gestaltet wurden. Die Hotelpreise beginnen in der B&B-Option bei 199 Euro/Zimmer und gehen bis 850 Euro hoch.

Neben Wellness und einen exklusiven event-Bereich mit 450 m², bietet das 5-Sterne-Hotel ein Nobu Cafe. Im Mittelpunkt des Gastronomie-Angebots steht aber das Nobu Restaurant. Natürlich steht der japanische Herd-Künstler Nobu Matsuhisa nicht selbst am Herd. Geführt wird das Restaurant von Yannick Lohou, der bisher im Nobu Barcelona als Küchen-Chef das Zepter führte. ,,Wir glauben daran, dass unser Hotel und Restaurant zu einem kulinarischen und touristischen Pflichtpunkt auf der Stadtkarte von Warschau wird, durch den der Aufenthalt an diesem Ort attraktiver gestaltet wird“, sagte Anthony Campaniaris, Chef des Nobu in Polen.

12. Hotel der Luxus-Marke

Das Nobu Hotel in Warschau ist das 12.Objekt dieser Luxus-Marke weltweit.. Das erste Nobu Hotel wurde 2013 im Caesar’s Palace in Las Vegas eröffnet.
Die SignatureDishes des japanischen Meister werden seit der Eröffnung des ersten Nobu Restaurants in New York inzwischen weltweit in über 40 Nobu-Restaurants zelebriert.

Die Geschichte der globalen Marke Nobu Hospitality begann in den 80er Jahren in Los Angeles. Hollywood Star Robert de Niro war bei einem Besuch einem Restaurant, das Küchenmeister Nobu Matsuhisa gehörte so begeistert, dass er einige Jahre später mit dem japanischen Chef-Koch und dem Film-Regisseur Meir Teper die Lifestyle-Marke gründete.
Nobu Hotel hat bisher zahlreiche Auszeichnungen im Segment der Luxus-Hotelmarken erhalten, darunter u.a. den Luxury Travel Advisor’s Award of Excellence.

Im Zeichen der Corona-Pandemie gelten jedoch auch im Nobu Hotel und –Restaurant in Warschau einige Einschränkungen und an die Erfordernisse angepasste Bedingungen. Um die Abstands-Regelungen einzuhalten, gelten Personen-Limits beim Besuch des Restaurants und Cafés. Das Personal trägt Schutz-Masken. Die Aufzüge dürfen nur von Personen gleichzeitig genutzt werden, die auch gemeinsam übernachten. Die Zimmer selbst werden nach der Reinigung mit uv-Licht desinfiziert.

© Magda Szulc / infopol.PRESS

Minister: Schluss mit ,,Lumpen-Tourismus“ in Kraków

Wie in anderen Tourismus-Hotspots  sind  auch in Kraków die ausländische Touristen von Corona vertrieben worden. Für Krzysztof Mazur ist der Lockdown deshalb ein guter Moment, um über ein neues Tourismus-Leitbild für die Stadt Kraków nachzudenken.

Krzysztof Mazur ist stellvertretender Minister im Entwicklungs-Ministerium. Schon vergangenen Herbst  hatte er bei den Parlamentswahlen  auf sich aufmerksam gemacht,  als er die Auswüchse des Alkohol-Tourismus in Kraków in den Mittelpunkt seines Wahlkampfes mit der Frage stellte: Kraków – die Hauptstadt des billigen Wodka-Saufens? Diese Schlagzeile eines seiner Wahl-Plakate war illustriert mit einem Foto von nahezu splitternackten Touristen, die sich auf einer der prachtvoll ausgeschmückten Pferde-Droschken, die für Kraków typisch sind, mit sich mit der Flasche in der Hand zur Schau stellten. Im Hintergrund die Fassaden der Altstadt mit den zum Unesco-Weltkulturerbe gehörenden Bauten der Sukiennice, der Tuchhallen, und der Marienkirche, in deren Innern sich der berühmte Hochaltar von Veit Stoß befindet.

Mit diesem ,,Lumpen- und Alkoholtourismus“ muss Schluß sein, forderte jetzt wieder Mazur bei einem Presse-Briefing, bei dem es vor einigen Tagen um die Vorbereitung eines neuen Tourismus-Bildes für die auf das nächste Jahr verschobene Expo-Weltausstellung in Dubai ging. Unter ,,Lumpentourismus“ versteht der Minister dabei die negativen Auswirkungen des Overtourism, unter denen Kraków wie auch andere europäische Städte zu leiden hat.

Seit dem EU-Beitritt 2004 sind die Besucher-Zahlen in der alten Königsstadt kontinuierlich gestiegen.  Im vergangenen Jahr kamen auf die 775 000 Einwohner der Stadt 14,5 Mio. Touristen, teilte die Stadtverwaltung mit. Davon 3,5 Mio. aus dem Ausland. Doch viele von ihnen, die mit den Billigfliegern Ryanair oder Easyjet  in Kraków landeten, hatten mit den Kulturgütern der Stadt wenig im Sinn. Insbesondere im anglo-amerikanischen Sprachraum wurde Kraków als Party-Stadt mit billigen Saufgelagen und wilden Partys angepriesen. Besonders populär bei jungen Engländern die Junggesellen-Abschiedspartys in Kraków.

American Airlines bewirbt Kraków mit der Wodka-Flasche

Nicht nur die Anwohner, auch einheimische Touristen fühlten sich zunehmend von den Saufgelagen in Krakóws historischer Altstadt mit ihren die nationale Identität und Souveränität repräsentierenden Bauten und Symbolen genervt und brüskiert. Als besonders verletzend wurde die Werbekampagne der Fluggesellschaft American Airlines (AA) im vergangenen Jahr empfunden. Bei der Ankündigung ihrer neuen Flugziele präsentierte sich AA-Vizechef Vasu Raja im Werbe-Film mit der Wodka-Flasche  in der Hand und das Flug-Ziel Kraków als Stadt empfehlend, in der man gut mit Freunden Wodka trinken kann.

6mal in der Woche  wollte American Airline von Chicago nach Kraków fliegen. Davon hat man jetzt Abstand genommen. Wegen der  Corona-Pandemie  sei die Nachfrage sehr gering. Doch aufgeschoben ist nicht aufgehoben.  American Airlines kündigte jetzt an, im kommenden Frühjahr den Linienverkehr von Chicago nach Kraków aufzunehmen.

Staatlicher Tourismus-Bon soll Impuls für Familien-Tourismus geben

Anstelle seines auf Alkohol gestützten ,,Lumpen-Tourismus“ sollte Kraków an einem Tourismus-Konzept arbeiten, dass sich an Familien mit Kindern orientiert, meint Mazur. Ein Impuls dafür gebe der  von der Regierung vorgeschlagene Tourismus-Bon. Der Tourismus-Bon ist ein Instrument aus dem Programm der PiS-Regierung, mit dem der von der Corona-Pandemie schwer angeschlagenen heimischen Tourismus-Branche wieder auf die Beine geholfen werden soll. Der Bon in Form eines elektronischen Vouchers hat einen Wert von 500 Zloty pro Kind. Mit dem Betrag können ausschließlich nur touristischen Dienstleistungen auf  polnischem Territorium bezahlt werden.

Der Tourismus-Bon, der frühestens Ende Juli ausgeteilt werden soll, hat in der Tourismusbranche, die eigentlich der Adressat dieser Hilfsprogramm sein sollte, ein sehr geteiltes Echo hervorgerufen. Während Hotels und andere Ferieneinrichtungen an der Ostsee und in den Bergen jetzt davon profitieren, sind die Hotels in den Städten praktisch davon ausgeschlossen. Im März und April vollständig geschlossen, hat die Lockerung der Corona-Schutzbestimmungen seit Anfang Mai nur im geringen Maße dazu beigetragen, die Besucher-Frequenz  in den Hotels der großen Städte zu beleben. Dies wird sich auch in der jetzt beginnenden Urlaubs-Hochsaison nicht ändern.

Ausländische Touristen geben viermal mehr aus als einheimische Touristen

Auch über das Ansinnen des Entwicklungs-Ministerium, die Tourismus-Politik stärker auf  den Familien- und Kulturtourismus auszurichten, überwiegt in Branchenkreisen die Skepsis. So verweist die Stadtverwaltung von Kraków darauf, dass eine Auswahl und Segmentierung von Touristen für die Stadt nicht hilfreich sei. Dies belegen allein schon die Höhe der Ausgaben ausländischer Touristen im Jahre 2019. Nach Angaben der Stadtverwaltung geben Touristen aus Irland das meiste Geld Kraków aus  – rund 2000 Złoty am Tag. Polnische Touristen geben dagegen bei ihrem Besuch in Kraków viermal weniger aus – durchschnittlich 500 Złoty pro Tag. Bei solchen Unterschieden ist man schnell wieder bei der Tagesordnung.

© infopol.PRESS

7. Juli 2020