Kraków führt als erste polnische Stadt Umwelt-Fahrverbot ein

Foto: PL-Agentur

Kraków hat jetzt als erste Stadt in Polen eine Umwelt-Fahrverbotszone für ältere Diesel und Benziner beschlossen. Im Unterschied zu vielen westeuropäischen Städten wird das Fahrverbot nicht nur für einzelnen Straßen, sondern für das gesamte Stadtgebiet gelten.

Polen nimmt beim Fahrzeugbestand in Europa einen Spitzenplatz ein. Bei der Fahrzeug-Anzahl pro 1000 Einwohner liegt Polen sogar noch vor Deutschland und Frankreich. Dies merkt man besonders in den Großstädten. Zur Rush Hour sind die nicht nur mit Autos vollgestopft, sondern auch vollgequalmt. Das Kommunal-Parlament von Kraków hat jetzt als erste polnische Großstadt die Notbremse gezogen und die Einführung eines Fahrverbots für ältere Fahrzeuge beschlossen. Nicht nur für Dieselfahrzeuge, auch für Benziner.
Das Fahrverbot ist nicht nur auf einzelne Straßen in der Innenstadt beschränkt. Es wird das gesamte Stadtgebiet betreffen.
Eingeführt wird es zwei Stufen. Ausschluss-Kriterium für das Fahrverbot ist das Fahrzeug-Alter in Verbindung mit der Schadstoff-Norm. Zunächst sollen Benziner, die älter als 31 Jahre sind, und Dieselautos, die älter als 27 Jahre sind, von den Straßen ausgesperrt werden. Ab dem Jahre 2026 sind dann nur noch Dieselfahrzeuge, die mindestens die Schadstoffklasse Euro 5 erfüllen und Benziner mit der Euro Norm 3 für den Fahrzeug-Verkehr in Kraków zugelassen.
Die Regelungen sollen nicht nur für einheimische Fahrzeugbesitzer, sondern generell für alle Fahrzeuge gelten, einschließlich Fahrzeuge mit ausländischen Kennzeichen. Durchgesetzt werden sie von der Stadtpolizei, die beispielsweise im Vergleich zu deutschen Ordnungsämtern mehr Befugnisse hat.
Ausgenommen von den Beschränkungen sind die Fahrzeuge der Rettungsdienste und Autofahrern, die älter als 70 Jahre sind sowie Oldtimer.
Das Fahrverbot findet nicht nur Zuspruch. Vor der Beschluss-Fassung kam es zu Protest-Kundgebungen vor dem Rathaus. Betroffen sind vor allem Menschen, die sich kein neueres Fahrzeug leisten können.
Polen ist seit vielen Jahren der Lagerplatz für ausgediente Fahrzeuge aus Westeuropa. Seit 2004 wurden stellenweise jährlich bis zu 1 Mio. Gebrauchtwagen aus Deutschland und Westeuropa nach Polen eingeführt. 60 Prozent der Fahrzeugbestands ist älter als 10 Jahre.
Nach Schätzungen der Kommunalpolitiker der inzwischen knapp 1 Mio. Einwohner zählenden Stadt erfüllt rund 25 Prozent des Fahrzeug-Bestands von Kraków nicht die Anforderungen, die aus dem Fahrverbots-Beschluss hervorgehen.
In ihrer Argumentation bei der Verteidigung des beschlossenen Fahrverbots verweisen die Kommunalpolitiker darauf, dass der Strassenverkehr im hohen Maß für die Belastung der Einwohner mit Feinstaub der Schadstoff-Klassen PM10 und PM2,5 sowie mit Stickoxid-Emissionen verantwortlich ist. Diese von Autos ausgestoßenen Verschmutzungen können Atemwegsinfektionen und chronische Lungenerkrankungen verursachen. Die Stadtverwaltung rechnet damit, dass im Ergebnis der Fahrverbote der Stickoxid-Ausstoß im Vergleich zu 2019 um bis zu die Hälfte gesenkt wird. Bei den Feinstaub-Emissionen wird der Rückgang mit rund 80 Prozent sogar noch höher ausfallen.

Polen mit den höchsten Luftverschmutzungswerten in Europa

Polen hat seit Jahren die schlechteste Luft in Europa. Neben dem Autoverkehr ist die Kohle-Verbrennung zum Beheizen der Häuser die größte Ursache für die Luftverschmutzung. Die Ausrufung von Smog-Alarm in Ballungsräumen und die Aufforderung an die Bevölkerung sich möglichst nicht im Freien aufzuhalten, ist die Folge. Kraków an der Talsohle des Riesengebirges gelegen, ist bei stehender Luft davon besonders gefährdet.
Mit über 300 Mikrogramm/m3 war die Stadt zuletzt im Dezember vergangenen Jahres vor Lahore in Pakistan der Ort mit den weltweit höchsten Luftverschmutzungs-Wert. Die Stadtverwaltung hat zwar bereits vor längerer Zeit schon die Kohle-Heizung in alten Öfen verboten. Dies nützt aber nur wenig, wenn in den umliegenden Gemeinde-Regionen weiter die Schlote qualmen.

Quelle. Airly

So nahm Kraków in den vergangenen Heiztagen in der Live-Rangliste der am stärksten verschmutzten Großstädte der Welt kurzzeitig wieder einen vorderen Platz ein. Während nahezu ganz Europa im grünen Bereich liegt, hebt sich Polen nun schon seit Jahren mit warnenden Rot-Leuchten aus der Airly-Karte hervor. Neben den Städten und Regionen im oberschlesischen Revier und Warschau sind es neuerdings auch zunehmend Orte im Südwesten Polens. Zu befürchten ist, dass es in den nächsten Wochen noch schlimmer kommt. Nach dem Import-Stopp für russische Steinkohle und der Einfuhr von überteuerter Steinkohle aus Übersee, die qualitativ oft minderwertiger ist, hat die Regierung die bisher geltenden Qualitäts-Standards für Heizkohle in Privat-Haushalten ausgesetzt. Hinzu kommt die im kürzlich beschlossenen Energiepreis-Gesetz enthaltene Regelung, die abhängig von Versorgungs-Situation mit Ammoniak Kohle-Kraftwerke von der Pflicht befreit, ihre Rauchgas-Emissionen von Stickoxiden zu reinigen. Und wenn dann noch die Bevölkerung im ländlichen Raum, die das Stamm-Wahlklientel der regierenden PiS-Partei ist, den Empfehlungen von deren Vorsitzenden Jarosław Kaczyński folgt « mit allem zu heizen, was brennbar ist, außer mit Reifen», dann liegen große Teile Polens in den nächsten Wochen unter einer großen Rauch-Dunstglocke.

© André Jański / infopol.PRESS

Superfood Kimchi künftig aus ,,Polens Kraut-Hauptstadt“

 

Nabak Kimchi Foto: Flickr (unter CC BY-NC-ND 2.0)

Das Superfood Kimchi für den europäischen Verbraucher kommt künftig aus Polen. Für die Herstellung des koreanischen Nationalgerichts will der südkoreanische Konzern Daesang 11 Mrd. Dollar in den Bau einer Fabrik in Kraków investieren.

Kimchi gehört seit Jahrhunderten zum National-Heiligtum der koreanischen Küche. Für seine Herstellung werden verschiedene Gemüsearten zusammen mit Gewürzen einer Milchsäurefermentation ausgesetzt. Am bekanntesten ist die Herstellung mit Chinakohl, Rettich, Frühlingszwiebeln und Gurken. Das traditionelle koreanische Gericht hat inzwischen auch außerhalb von Asien Einzug in die internationale Küche gehalten. Kimchi ist besonders auf den Speiseplan von von Profi-Sportlern, Models und Promis zu finden, was auf die gesunde Wirkung und Heilkraft des fermentierten Produkts zurückzuführen ist.
Die zunehmende Beliebtheit von Kimchi im Westen spiegelt sich auch in den Exportzahlen wird. So hat der Lebensmittel-Hersteller Daesang als größter Kimchi-Produzent in Südkorea in den vergangenen fünf Jahren jährlich seinen Export nach Europa um über 20 Prozent gesteigert. Schwerpunkt waren dabei Großbritannien und die Niederlande. Der Konzern-Vorstand hat daher entschieden, außerhalb von Asien nach den USA auch eine erste Fabrik für die Kimchi-Produktion in Europa aufzubauen. Dass die Entscheidung dabei auf Polen fiel, ist kein Zufall. Polen hat in diesem Jahr mit Milliarden-Aufträgen zur Ausrüstung seiner Armee mit koreanischen Kampfflugzeugen, 1000 K2-Panzern und Hunderten von Artillerie-Systemen sowie einer vertraglichen Vereinbarung zum Bau eines Kernkraftwerkes mit koreanischer Atom-Technologie unweit von Poznań Südkorea zum neuen strategischen Partner gemacht. Für den koreanischen Lebensmittelkonzern Daesang dürfte bei seiner Entscheidung auch eine Rolle gespielt haben, dass Polen der größte Kohl-Produzent in Europa ist. Insbesondere ist es der Weißkohl, der für die polnischen Küchenklassiker Bigos und Gołąbki (Krautrouladen mit oder ohne Hackfleisch) unentbehrlich ist.

,,Kraut-Hauptstadt Polens“ mit eigenen Museum

„Heute ist ein großer Tag! Wir haben eine Vereinbarung mit der Daesang Corporation in Seoul über den Bau der ersten Kimchi-Fabrik in Polen unterzeichnet“, hat jetzt das polnische Unternehmen Charsznickie Pola Natury (ChPN) vermeldet. Die Vereinbarung beinhaltet die Gründung eines Joint Ventures, dessen Anteile zu 76 Prozent vom koreanischen Kimchi-Hersteller und zu 24 Prozent vom polnischen Bio-Produzenten gehalten werden. Ziel des Joint Ventures ist der Bau einer ersten Kimchi-Fabrik in Europa.
Das Unternehmen Charsznickie Pola Natury bietet sich dabei für den koreanischen Lebensmittelkonzern als idealer Partner an. ,,Charsznickie Pola Natury „ heißt übersetzt so viel wie ,,Natur-Felder von Charsznica“. Die gleichnamige Land-Gemeinde nördlich von Kraków nimmt für sich den Titel in Anspruch, ,,Kraut-Hauptstadt Polens“ zu sein. Jedes Jahr im September finden dort die ,,Kraut-Tage“ statt. Wie bei der Wahl der ,,Wein-Königin“ in den traditionellen Weinanbau-Regionen wird dort dann das ,,Kraut-Königspaar“ gekürt. Der Ort hat sogar ein Kohl-Museum, das wohl einzige in der Welt.

11 Millionen Dollar in erste europäische Kimchi-Fabrik

Auf den Feldern rund um den Ort baut das Unternehmen ChPN auf 2500 Hektar Weißkohl an. Das entspricht etwa 10 Prozent der gesamten polnischen Kohl-Anbaufläche. Verarbeitet wird er neben zahlreichen Kraut-Salatsorten in der Region vor allem zu Sauerkraut. Das Unternehmen ChPN hat nicht nur Erfahrungen mit der Fermentierung einheimischen Gemüses. Es produziert auch das aus Asien stammenden fermentierte Teegetränk Kombucha nach Original-Rezepturen in verschiedenen Geschmacks-Richtungen. Aus diesem Sortiment hebt sich ,,Kombucha Karate Kurashikku“ heraus.
Der Ort mit dem für die deutsche Zunge schwierig auszusprechenden Namen wird auch der Standort für die erste europäische Kimchi-Fabrik in Polen sein. Der koreanische Konzern Daesang wird fast 11 Millionen US-Dollar in die Fabrik investieren. 2024 soll sie eröffnet werden. Jährlich bis zu 3 000 Tonnen Kimchi sollen dort dann unter der Marke Jongga produziert werden. Daesang und ChPN wollen die beliebten koreanischen Beilagen dann über die großen Handelsketten wie Carrefour oder Lidl Deutschland in ganz Europa vertreiben.
Nach den Aufbau einer Kimchi-Fabrik in den USA sei das Joint-venture mit ChPN zum Aufbau einer Fabrik in Polen ein weiterer Versuch, ,,Kimchi weltweit zu globalisieren“, sagte Lim Jung-bae, CEO von Daesang gegenüber dem ,,Korea Herald“.

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© Magda Szulc / infopol.PRESS

Modehaus ,,„zur größeren Ehre Gottes“ in der Pleite

Das polnische Modehaus Marie Zélie ist bankrott. Mit über 12 Mio. Złoty Schulden hinterlässt das an christliche Werte anknüpfende Mode-Label über Tausende Kundinnen, die vergeblich auf die Rückzahlung ihrer Geldbeträge für nicht gelieferte Kleidung warten.

Das katholische Modehaus aus Danzig (Gdańsk) war anders als die meisten christlichen Modehäuser, wie man sie in Deutschland und anderen westeuropäischen Ländern kennt. Profane T-Shirts, Sweater und andere Mode-Utensilien mit plakativ bedruckten biblischen Sprüchen, christlichen Symbolen und Aufschriften a la ,,Jesus is my king“ sucht man in der Kollektion der Danziger Modemacher vergeblich.

Fotos: Marie Zélie

Benannt nach der im 19. Jahrhundert in Frankreich lebenden und von Papst Franziskus heiliggesprochenen Näherin, war der Name Marie Zélie Programm. Im konservativen Verständnis konnte die Mode aus Danzig als klassisch bewertet werden. Kleider und Röcke über das Knie, ohne ausgeprägten Dekolleté und die in allen Kollektionen immer wiederkehrenden abgetönten Blümchen–Motive waren ihr charakteristisches Merkmal. Die damit vermittelte Botschaft war klar: Eine Mode für die sich modern gebende, aber brav sittsame Frau und Hausmutter, für den Gang in die Kirche, die Taufe, Konfirmation und andere christliche Feste.

Eingenähtes Label ,,A.M.D.G.“

Dies wurde auch mit dem in jeden Kleidungsstück eingenähten Label ,,A.M.D.G.“ unterstrichen. A. M.D.G. steht für den Wahlspruch des Jesuitenordens ,,Ad maiorem Dei gloriam“, zu deutsch ,,zur größeren Ehre Gottes“.
Es ist wohl auch kein Zufall, dass sich das Modehaus Marie Zélie als start up im Jahre 2016 gründete, unmittelbar nachdem die nationalkonservative PiS-Partei das Regierungsruder übernahm und im Gleichklang mit dem katholischen Klerus die Werte propagierte, die sich auch die Modeschöpfer in Danzig zur Vermarktung ihrer Mode zu eigen machte.
Für große Resonanz beim Klientel sorgte aber vor allem, das die Kleidung in hoher Qualität vor Ort in Polen genäht wurde und dafür feinste Garne und hochwertige Stoffe verwendet wurden. Entsprechend hoben sich auch die Preise von der Billig-Ware der Mode-Discounter ab. In der Kollektion 2022, die immer noch online ist, sind für Jacken und Mäntel über 2500 bis 4500 Złoty zu zahlen, also umgerechnet mehr als 500 Euro bis knapp 1000 Euro. Auch Röcke, Kleider und Blusen bewegen sich in der Preis-Größenordnung von umgerechnet rund 100 Euro.
Die Preise haben der Nachfrage keinen Abbruch getan. Seit dem Gründungsjahr stieg der Umsatz des Modehauses von Jahr zu Jahr kontinuierlich an. Doch mit ihm auch die Kosten. Dem musste das Modehaus Tribut zollen. Statt der Produktion in Polen, womit das Unternehmen immer warb und was ein wesentlicher Kaufanreiz für die Kundschaft war, wurde nun ein Teil der der Modekollektion in Bangladesh und der Türkei gefertigt. Bei der Verbraucherschutz-Behörde UOKiK gingen dann auch bald  erste Klagen von unzufriedenen Kundinnen ein, die auf die Rücküberweisung der von ihnen geleisteten Geldzahlungen für zurückgegebene Ware warteten. Bei Facebook bildeten sich Gruppen von mehr als 2000 Kundinnen, die um die Rückgabe ihrer Gelder kämpfen. Vergeblich. Im Oktober meldete das Modehaus Konkurs an.

Katholischer Klassiker ohne Happy-End

Im gewissen Sinne erinnert die Entwicklungsgeschichte mit dem selbstgewählten Wahlspruch ,,zur größeren Ehre Gottes“ an den Kultfilm ,,Blues Brothers“, der in der Zeitung des Heiligen Stuhles als ,,katholischer Klassiker“ bezeichnet wurde. Auch hier waren die Schauspieler John Belushi und Dan Akroyd als Jake und Elwood für eine gute Sache ,,im Auftrag des Herren“ unterwegs, eine Spur der Verwüstung hinter sich lassend. Doch während Jake und Elwood am Ende die Steuerschuld für ein Waisenhaus bezahlen konnten, hinterlässt das Modehaus ,,zur größeren Ehre Gottes“ nur Tausende Kundinnen, die vergeblich auf ihr Geld und ihre Ware warten.

© Magda Szulc / infopol.PRESS

1 Tonne Kohle als Hauptpreis in Speedway-Lotterie



Foto: Montage PL-Agentur / ROW Rybnik



Im ,,Kohle-Land“ Polen droht Kohle im Winter zur Mangelware zu werden. Der Speedway-Klub im oberschlesischen Rybnik kam deshalb auf die Idee, eine Tonne Heizkohle als Hauptpreis in seiner Lotterie zum 90jährigen Vereins-Jubiläum auszuschreiben.

Speedway ist eine der beliebtesten Sportarten in Polen. Nahezu in jeder Großstadt gibt es ein Speedway-Stadion. Die Begeisterung für den Motor-Sport kommt nicht von ungefähr. Die polnische ,,Ekstra-Liga“, die von zwei Unter-Ligen flankiert wird, gilt als die stärkste Liga der Welt. Dies belegen auch zahlreiche Titel im Speedway-Europa-Cup.
Zu den Traditions-Klub der polnischen Speedway-Szene gehört auch der ROW Rybnik. Den gibt es bereits seit 1932. Zahlreiche Rennfahrer-Legenden sind aus dem Klub hervorgegangen wie z.B. Andrzej Wyglenda, der dreimal den Speedway World Pairs Championship und den Speedway World Team Cup gewann.

Der Klub hat jetzt sein 90jähriges Jubiläum gefeiert. Dazu gab es ein Rennen, aus dem der dänische Rennfahrer Niels Kristian Iversen als Sieger hervorging. Auch für Tausenden Speeway-Fans im Stadion gab es etwas zu gewinnen. Für sie hatte der Klub eine große Lotterie vorbereitet. Zwar wird Speedway in Polen die Bezeichnung ,,Schwarzer Sport“ gegeben, wohl wegen der aufstiebenden schwarzen Staubwolken und des Belags, auf den die Biker ihre halsbrecherischen Runden drehen. Dennoch war der Haupt-Preis, den die Veranstalter für die Lotterie auslobten, absolut ungewöhnlich: ein Tonne Heizkohle!
Den Hauptpreis gab es gleich zweimal. Schön verpackt auf einer Palette. Natürlich gab es auch andere Preise, wie z.B. Uhren oder Haushaltsgeräte. Eine Tonne Kohle erachteten die Veranstalter jedoch als besonders attraktiv. Es genügte, das Eintritts-Ticket in die Tombola einzuwerfen. Das kostete nur 5 Złoty, also umgerechnet knapp 1 Euro. Dagegen kostet eine Tonne Heizkohle bei der staatlichen Bergbaugesellschaft PGG 1770 Złoty. Im privaten Kohle-Handel ist sie sogar um das 2,5fache teurer. Vorausgesetzt man bekommt sie überhaupt. Im ,,Kohle-Land“ Polen ist Kohle zum Heizen in Privat-Haushalten inzwischen zu einer Mangel-Ware geworden. Immerhin heizen noch über 35 Prozent aller Privathaushalte in Polen im Winter mit Steinkohle.
Bisher setzten sie dafür vor allem Steinkohle aus Russland ein. Mit dem seit August verhängten Einfuhr-Embargo auf russische Steinkohle klaffte plötzlich eine Versorgungslücke von 4 Mio. t Heizkohle für Privathaushalte. Die polnischen Steinkohle-Bergwerke können diese Lücke nicht schließen. Nach Angaben der Agentur für Industrieentwicklung (ARP) in Katowice betrugen die bei den Steinkohle-Bergwerken angelegten Kohle-Vorräte Ende August nur 1,024 Mio. t. Das sind knapp 80 Prozent weniger als im gleichen Zeitraum des Vorjahres.
Im Kontrast zu den Kohle-Vorräten stehen die Kohle-Förderquoten. So wurden im August laut der Agentur lediglich 3,83 Mio. t Steinkohle gefördert. Das waren 10 Prozent weniger als im gleichen Zeitraum des Vorjahres.

,,Heizen mit allem, was brennbar ist“

Die Regierung in Warschau hat erst sehr spät auf die Defizite reagiert und im Juli die Einfuhr von Stein-Kohle aus anderen Ländern angeordnet, wie z.B. Indonesien, Kolumbien, Australien und selbst aus den USA. Die ist aber wesentlich teurer als die russische Steinkohle. Laut einer der letzten Umfragen des Meinungsforschungsinstituts CBOS haben deshalb 75 Prozent der Privathaushalte, die mit Kohle heizen, sich noch nicht mit Kohle für den Winter eingedeckt. Die Morawiecki-Regierung versucht dagegen seit Wochen mit dem Versprechen zu beruhigen, dass es im Winter nicht an Heizkohle fehlen wird. Auch soll eine Tonne Heizkohle nicht mehr als 2000 Złoty kosten (~415 EUR).
Nur dauert es eben mehr als nur einige Wochen Zeit, Millionen Tonnen von Steinkohle vom anderen Ende der Welt in die polnischen Häfen zu shippern, dort umladen und im gesamten Land an die Endverbraucher zu verteilen. Polens mächtigsten Mann, der großen weise Vorsitzenden der nationalkonservativen PiS-Partei, Jarosław Kaczyński, hatte deshalb schon einmal einen Rat an seine Wählerschaft für den vor der Tür stehenden Winter parat: Heizen mit allem, ,,was brennbar ist, außer mit Reifen und ähnlich schädlichen Dingen, damit Polen gewärmt ist“.

© André Jański / infopol.PRESS

Städte sagen wegen Energiekosten Silvester 2022 ab



Foto: UMW Wrocław



Breslau (Wroclaw) hat als erste polnische Großstadt die traditionelle Silvester-Feier auf dem Marktplatz abgesagt. Als Grund werden die explodierenden Energiepreise und die galoppierende Inflation genannt, die das städtische Budget erdrücken.

Der Rynek um das alte und neue Rathaus in Breslau gehört zu den flächenmäßig größten Marktplätzen in Europa. Traditionell findet dort jedes Jahr die große Sylvesterparty mit Konzerten statt, auf der bis zu einer Viertel Millionen Besucher das neue Jahr begrüßen. Dieses Jahr nicht. Nach Corona hat die Stadtverwaltung jetzt das Event auch für dieses Jahr abgesagt. „Die Situation ist so ernst, dass sie die Umsetzung und Erbringung von Dienstleistungen für die Einwohner von Wrocław und vielen anderen Städten bedroht“, erklärte Breslaus Bürgermeister Jacek Sutryk vor der Presse. Zahlte die Stadt für ihre öffentlichen Verkehrsmittel, Schulen, Sozialeinrichtungen und andere städtische Liegenschaften bisher eine Stromrechnung von 66 Mio. Złoty (~ 15 Mio. Euro), so soll sie künftig dafür 405 Mio. Złoty ( 90 Mio. Euro) zahlen. Dies bot ihr zumindest ein Stromversorger des staatlichen Energiekonzerns PGE an. Der Betrag ist sechsfach höher als die gegenwärtigen Kosten.
Bei der Absage des Sylvester-Events bleibt es nicht. Auch die Weihnachtsbeleuchtung wird eingeschränkt. Entsprechend dem Energiespar-Programm der Regierung, dass u.a. kommunale und regionale Verwaltungen verpflichtet, ab 1.Oktober den Stromverbrauch um 10 Prozent zu senken, wird in den öffentlichen Gebäuden der Stadt Breslau die Temperatur auf maximal 19 Grad Celsius und die Wärme des Leitungswasser abgesenkt. Die Beleuchtung der Brücken wird ab 22 Uhr abgeschalten.

Abschaltung der Strassen-Beleuchtung

Auch prüft die Stadtverwaltung die Straßenbeleuchtung überall dort abzuschalten, wo keine Gefährdung für Anwohner und Passanten besteht. Dies hat bereits die Regierung auf den Plan gerufen. «Das Abschalten der Straßenbeleuchtung durch lokale Behörden ist etwas, das wir uns nicht leisten können», sagte Entwicklungsminister Buda der Nachrichtenagentur PAP. «Wir können nicht zulassen, dass Polen dunkel ist.»
Die Regierung selbst hat bisher einen Strompreisdeckel für Privathaushalte beschlossen, die nicht mehr als 2000 KWh im Jahr verbrauchen. Für Städte und Gemeinden sind zur Entlastung bei den Energiekosten Zuschuss-Zahlungen von insgesamt 14 Mrd. Złoty geplant. Laut Ankündigung von Ministerpräsident
Morawiecki soll jede Kommunalverwaltung mindestens 2,8 Mio. Złoty erhalten. Der Betrag reicht nicht ansatzweise für die Kommunen aus, um die exorbitanten Energiepreise ab dem neuen Jahr deckeln zu können.
Da die Kommunen ohnehin durch Einnahmen-Verluste in Folge der zu Jahresanfang von der nationalkonservativen PiS-Regierung eingeleiteten Steuerreform gebeutelt sind, müssen sie bei allen Ausgaben auf die Bremse drücken. Nach Breslau hat jetzt auch die Stadtverwaltung von Warschau eine massive Einschränkung ihrer Silvester-Party angekündigt. Weitere Großstädte werden folgen.

Zur Kostenbeschränkung Hotel-Schließung in der Wintersaison

Der Kostendruck lastet auch auf der Hotelbranche. Es sei zu erwarten, dass viele Hotels den Wettlauf mit den Kosten nicht überstehen werden, erklärte kürzlich der Generalsekretär der polnischen Wirtschaftskammer für das Hotelwesen. Nach seinen Kenntnisstand gibt es bereits Hotels, die eine Schließung in der Wintersaison erwägen, um auf diese Weise ihre Kosten zu beschränken.
Touristen sind also gut beraten, sich in kommenden Winter bei der Hotel-Buchung über diverse Tourismus-Portale bei der Bezahlung abzusichern.

© Magda Szulc / infopol.PRESS

 

Hotel-König hinterlässt unvollendetes Werk

 

Aktualisierter Text 

Es sollte sein letztes Hotel sein. Seine Eröffnung hat er nun nicht mehr erlebt. Den Hotel-Koloss an der polnischen Ostseeküste in Pobierowo hinterlässt er als unvollendetes Werk. Im Alter von 79 Jahren plötzlich verstorben ist der als ,,Hotel-König“ bezeichnete Tadeusz Gołębiewski jetzt in seinem Heimatort Radzymin unter großer Teilnahme der Bevölkerung beigesetzt worden.
Mit Gołębiewski verlässt einer der Letzten jener Generation die Lebens-Bühne, die den Begriff ,,polnisches Unternehmertum“ im positivsten Sinne des Wortes prägten. Anders als die Oligarchen in Russland oder der Ukraine, die sich das als ,,Volkseigentum“ titulierte staatliche Eigentum mit ihrem politischen Beziehungs-Geflecht und ominösen Börsen-Geschäften unter den Nagel rissen, haben polnische Unternehmer wie Gołębiewski in den 1970er bis 80er Jahren aus dem Nichts heraus nur mit ihrer eigenen Hände Arbeit und ihrer unternehmerischen Initiative ohne staatliche Beihilfe ein Imperium geschaffen.

Vom Waffelbäcker zum Hotel-Magnaten

Seinen Aufstieg begründete der Hochschul-Absolvent als Waffel-Bäcker. Die dafür notwendigen Öfen soll er dem Vernehmen nach selbst gebaut und die Backformen aus Altteilen einer Fabrik geschweißt haben. Auch wurde der Teig in der Anfangszeit in der heimischen Waschmaschine getrommelt.

Aus diesem Improvisations-Konstrukt entwickelte er im Lauf der Jahre die nach seinen Namenskürzel benannte Firma Tago mit zeitweise 400 Beschäftigten, deren feinstes Gebäck in hochwertiger Qualität und Waren-Originalität jedem internationalen Marken-Hersteller Stand halten konnte.

Mit deren ersten Gewinnen widmete er sich Anfang der 90er Jahre einem neuen Geschäftsfeld. In Mikołajki (Masuren) baute er sein erstes Hotel. Mit Aqua-Park, Wellness- und Fitnessbereichen und einem all inclusive -Konzept war er dazumal weit seiner Zeit voraus. Nicht nur beim Komfort setzte er im Vergleich zu den damals üblichen Übernachtungsherbergen neue Maßstäbe. Für die seinerzeitigen Einkommens-Verhältnisse in Polen waren die Preise gepfeffert. Es waren vor allem Unternehmen, die dort als Benefits für ihre Mitarbeiter Firmen-Schulungen durchführten. Was fehlte, war ein zahlungskräftiges privates Kunden-Klientel, das im ausreichenden Maße die Kosten des mondänen Baus in der masurischen Seenlandschaft deckt. Wie Gołębiewski uns gegenüber bei einem Besuch seiner Baustelle in Pobierowo im vergangenen Jahr noch selbst einräumte, haben ihm seinerzeit ,,die Deutschen den A… gerettet“. Nach Messe-Besuchen und Werbeaktionen bei bekannten deutschen Reiseveranstaltern rollten dann die Busse aus Deutschland an. Bis zu 50 Busse pro Tag.

Das alles ist aber schon längst Vergangenheit. Mit der sich an Wohlstand entwickelnden Mittelschicht in Polen und dem dynamisch gewachsenen Durchschnittseinkommen (aktuell bei 6400 Złoty – rund 1400 Euro) bildet heute die polnische Kundschaft das Gros seiner Gäste.

Nach Mikołajki hat Gołębiewski weitere 5-Sterne-Hotels gebaut. Die Gołębiewski-Kette zählt derzeit nur vier Hotels. Seinen Ruf als ,,Hotel-König“ wurde jedoch damit begründet, dass jedes neugebaute Hotel noch größer war als sein Vorgänger und für Schlagzeilen sorgte. Behördliche Vorgaben des Landschaftsschutzes und der Baugenehmigungen wurden nicht eingehalten. Allen Hotelbauten waren von Auseinandersetzungen mit den Genehmigungsbehörden und gerichtlichen Instanzen begleitet. So wurden z.B. bei dem überdimensionierte Hotelbau in Karpacz unterhalb der Schneekoppe statt der in den Genehmigungs-Unterlagen vorgegebenen 630 Zimmer, 2 Etagen mehr mit 880 Zimmern gebaut. Wegen der Verunstaltung des Landschaftsbildes forderten Politik und Behörden deshalb den Abriss von zwei oberen Etagen. Gołębiewski ließ sich davon nicht besonders beeindrucken. Für eine weitere Nutzung ließ er eine Gesetzeslücke nutzend einen Teil der oberen Etagen verglasen.

Betonierte Gigantomanie in der Küstenlandschaft

Von zahlreichen Kontroversen und Kritiken war und ist auch der Bau seines Hotel-Giganten in Pobierowo begleitet. Der Standort befindet sich westlich des bekannten Ostseebades Rewal 150 Meter vom Meer entfernt. Umweltschützer kritisierten, dass dafür 1500 Bäume des Küstenwaldes im Landschaftsschutzgebiet abgeholzt wurden. Gemeindevertreter wiesen dies als unbegründeten Vorwurf zurück. An dem Standort war früher eine Einheit der polnischen Luftverteidigungs-Streitkräfte stationiert, die um die Jahrtausend-Wende dort abgezogen wurde. Allerdings sprechen die unmittelbar im Walddickicht am Rande der Baustelle heute noch stehenden Schilder mit der Warnung ,,Landschaftsschutz-Gebiet“ eine andere Sprache.

Gołębiewski hatte das 30 Hektar große Terrain für rund 50 Mio Złoty von der Gemeinde Rewal gekauft. Der Verkauf des Geländes erfolgte über den früheren Bürgermeister der Gemeinde. Der wurde später von Gołębiewski zum Geschäftsführer des in Bau befindlichen Hotels bestellt, was dem Geruch von Korruption anhaftete.

Groß, größer, gigantisch – Dieser Steigerungsform folgten auch die Planungen für den Hotel-Koloss in Gestalt eines Kreuzfahrtschiffes an der Ostseeküste.. Mit 1100 Zimmern, das mit Zustellbetten Platz für 3000 Gäste bietet, Konferenz-Sälen, Out- und Indoor-Poollandschaften, Spa-Zonen und anderen touristischen Attraktionen sollte es das größte Hotel in Polen und eines der größten in Europa werden. .
Der schnelle Bau-Fortschritt wurde jedoch 2020 jäh von der Corona-Pandemie unterbrochen. Mit den Corona-Beschränkungen im Hotel-Gewerbe und den Absturz der Belegungsquoten in den anderen Hotel der Gołębiewski-Kette versickere auch der Geld-Fluss für den Hotel-Neubau. Das ging auch an die finanzielle Substanz von deren Eigentümer Tadeusz Gołębiewski. Dem nicht genug folgte nach der Corona-Krise mit dem Ausbruch des Ukraine-Kriegs die nächste Katastrophe. Wie auf nahezu allen Baustellen in Polen waren beim Bau des Hotel-Riesens an der Ostseeküste Hunderte Arbeitskräfte aus der Ukraine eingesetzt. Nach der im April von der Regierung in Kiew angeordneten Verfügung, die jeden männlichen ukrainischen Bürger im Alter von 18 bis 60 Jahre unter Androhung einer langjährigen Haftstrafe verpflichtet, aus dem Ausland zurückzukehren und für die Heimat zu kämpfen, leerte sich auch die Baustelle von Pobierowo. Auch verzögerte sich die Lieferung von notwendigen Baumaterialien aus der Ukraine.
Die ohnehin schon auf den 1.Juni dieses Jahres verschobene Eröffnung des Hotels ist nun erneut verschoben. Einen neuen Termin gibt es noch nicht. Kurz vor seinem Tod hatte Gołębiewski noch in einem Presse-Interview erklärt, dass er im Fall einer Wahl-Möglichkeit nicht noch einmal eine solche Investition in Angriff nehmen würde.
Der Tod von Tadeusz Gołębiewski hat die seit langer Zeit bestehenden Spekulationen um eine Übernahme des gigantischen Hotels und der gesamten Hotelkette neu angefacht. An vorderster Front stand dabei die staatliche Hotel-Holding PHH. Die hatte im vergangenen Jahr mehr als zehn Hotels, darunter an der Ostsee-Küste, erworben. Mit einem Bestand von mehr als 40 Hotels ist sie die größte Hotel-Kette in Polen. Für Gołębiewski wäre die Übernahme durch eine Hotelkette, die dem Staat gehört, ein Gräuel. Allerdings hat die staatliche Hotel-Holding den Medien-Spekulationen eine Absage erteilt. Niemals waren und sind wir an dem Kauf der Hotels von Tadeusz Gołębiewski interessiert, heißt es in einer offiziellen Erklärung der Staats-Holding, in der gleichzeitig das Mitgefühl zum Ableben von Gołębiewski zum Ausdruck gebracht wird, der ,,eine Ikone des polnischen Hotelwesens war und immer bleiben wird“.
Auch im Ostsee-Badeort Rewal herrscht tiefe Bestürzung über den Tod ihres Groß-Investors gepaart mit der Ungewissheit über die Fertigstellung und Eröffnung des Hotels.

Fotos: PL-Agentur

Die Gemeinde-Vertretung verbindet mit der Eröffnung der ,,Touristenfabrik“ in dem Küsten-Wald vor ihrer Haustür einen Schub für die gesamte Region, eine Ausweitung der kurzzeitigen Urlaubs-Saison in den Sommer-Monaten auf das gesamte Jahr, eine Entwicklung des Konferenz-Tourismus, der viele neue Gäste und Investoren anzieht. Und natürlich die entsprechenden Einnahmen.
Der staubige Schotter-Straße, die durch den Küstenwald zum Hotel-Bau führt und bei Google überhaupt nicht als Straße aufgeführt ist, will die Gemeindevertretung jetzt zu Ehren des Verstorbenen den Namen von Tadeusz Gołębiewski geben.

© Andreas Höfer / infopol.PRESS

Warschauer Brauereien mit Robert Lewandowski ,,am Bierhahn“

Foto: PL-Agentur

In Polens Hauptstadt sind die Browary Warszawskie (Warschauer Brauereien) dabei, sich zu einem neuen Szene-Quartier von Warschau zu etablieren. Monatelang durch die Corona-Pandemie verschoben, öffnete im September eine Lokalität nach der anderen ihre Pforten. Als eines der letzten Event-Lokale hat nun auch Robert Lewandowskis NINE’s Restaurant & Sports Bar auf 1300 m² auf vier Etagen eröffnet. Das Etablissement des smarten Bayern-Stürmers war bereits im Vorfeld der Eröffnung wegen der ,,Hungerlöhne“ für das Personal in die Schlagzeilen geraten.

Auf den ersten Blick wirkt das neue Kultobjekt im Warschauer Stadtteil Wola wie ein Fremdkörper in den von modernen Büro-, Geschäfts- und Wohnimmobilien geprägten Quartier. Nur wenige Meter entfernt, ragt mit dem Warsaw Spire Polens größter Büro-Turm mit 220 Metern in den Himmel.
Auf der oberen Ebene werden die Browary Warszawskie auf dem 4,5 Hektar großen Terrain flankiert von in Glas- und Aluminium-Fassaden gesetzten Lokalitäten wie den ,,Munja“, wo Balkan-Spezialitäten und Meeresfrüchte serviert werden, dem ,,Mykonos“ (Griechische Küche) und verschiedenen Cafés. Die Ebene über eine mit Graffiti besprühte Betontreppe nach unter gestiegen, kommt man dann zum Herzstück der Browary Warszawskie: die alten und umgebaute Gewölbe der Brauerei aus einer Zeit, als diese noch ,,Haberbusch i Schiele S.A.“ hieß.
Gegründet wurde sie im 19.Jahrhundert von Konstantin Schiele, Sohn eines thüringischen Einwanderers und Blasius Haberbusch, der Braumeister in München war. Sie und ihre Nachkommen, die inzwischen polonisiert waren, bauten die Brauerei, in der neben Porter-Bieren auch Pilsner und bayrisches Bier gebraut wurden, zu eine der größten Brauereien ihrer Art in Europa auf. Ihre Blütezeit erlebte sie zwischen den beiden Weltkriegen. Nach dem teilweisen Wiederaufbau nach 1945 mussten die deutschen Namen verschwinden. Die Brauerei wurde in Browary Warszawskie (Warschauer Brauereien) umfirmiert. Und das, obwohl während der deutschen Besatzungszeit vom Betriebsgelände Lebensmittel in das angrenzende Jüdische Ghetto geschmuggelt wurden, die Brauerei eine der Untergrund-Stützpunkte der Heimatarmee Armia Krajowa im Kampf gegen die deutschen Okkupanten war und der Sohn von Betriebsdirektor Schiele wegen des Widerstands auf Befehl von Heinrich Himmler erschossen wurde.

Foto: Echo Investment / Archiv

Nach der Privatisierung in den 90er Jahren wurde noch bis 2004 in der Brauerei Bier gebraut, zunächst von der österreichischen Brauunion und zuletzt von Heineken. Internationale Immobilien-Entwickler und –fonds haben danach große Flächen aufgekauft und diesem Viertel des Stadtteils Wola mit den Bau von Hotels, Büro und Geschäfts- und modernen Wohngebäuden sowie Wolkenkratzern ein neues Gesicht gegeben. Die Warschauer sind darauf stolz, doch die moderne Fassaden-Architektur unterscheidet sich nur wenig von der in Houston/Texas oder anderen internationalen Städten mit heruntergerasterten, in Glas und Aluminium verkleideten Gebäude-Strukturen und Strassen-Zügen, in denen sich kaum ein angenehmes Stadtgefühl einstellen will.
Einen Kontrapunkt wollte das polnischen Bauunternehmen Echo Investment setzen, dass die Fragmente der Brauerei wieder ausgrub, tiefer setzte, umbaute und in ein Gebäude-Ensemble setzte, in dem historische Architektur mit modernen Büro- und Wohnbauten verbunden wird. Mit ihren vielfältigen Gastronomie und Event-Locations soll die Brauerei dabei weit über den Stadtteil hinausstrahlen.

Foto: PL-Agentur

Das Herzstück sind dabei die zur ,,Food-Hall“ umgebauten Kellergewölbe mit 11 offenen Küchen. Von ,,Silk&Spicy“ über ,,VietNem“ bis hin zu „Boston Burger“ werden zumeist internationale Spezialitäten als Street Foood angeboten. An manchen Abenden drängen sich bis zu Tausenden Besucher auf dem Gelände. Der über 20 Meter lange Rundtresen ist überfüllt. Für deutsche Gäste mag es in diesen Zeiten hier wie der Besuch auf einen fremden Planeten anmuten. Nach G2 oder G3 fragt hier niemand. Hier wird gefeiert als hätte es Corona nie gegeben. Die Food-Hall wird durch eine Gartenfrei-Fläche mit anderen Lokalitäten verbunden. Dazu gehört das ,,Baila“ mit einem Show & Dinning-Konzept, wo Austern, Salsas und Guacamole zu Bühnen-Auftritten serviert werden, oder die ,,Sobremesa Tapas Bar“. Den Charme und die Einfachheit und Urigkeit einer Tapas-Bar, wie man sie aus Spanien kennt, findet man hier allerdings nicht, genauso wenig wie die Vitrinen, aus denen man sich Tapas oder Pinchos auswählen kann. Tapas bestellt man sich hier von der Speisekarte. Vieles ist hier overstyled und auf ein wohlhabendes Publikum ausgerichtet. Dies trifft auch auf die Brauerei in der Brauerei zu, wo aus der Brauanlage Craft-Biere und aus Fässern ungefiltertes und unpasteurisiertes Bier angeboten werden. In den darüberliegenden Etagen befinden sich Loungen, darunter eine völlig mit eleganten roten Sesseln ausgestattet. Dazu werden traditionelle Gerichte aus der Warschauer und Lemberger Küche serviert. Alles auf höchsten Niveau und das Interieur vom Feinsten. Nur die Atmosphäre und Stimmigkeit einer Brauerei stellt sich hier kaum ein.

Das Malt-House: Lange musste man auf die Eröffnung von Robert Lewandowskis Sports-Bar warten. Foto: PL-Agentur

Wenn man aus den Kellergewölbe hinaufsteigt, erhebt sich auf der anderen Seite etwas abgelegen von dem unten tosenden Trubel das von zwei modernen Bürogebäuden eingekeilte Malz-Haus. Den Bürokomplex zusammen mit dem ,,Malt House“ hatte erst im Sommer die Deka Immobilien, Investment- und Asset Manager der deutschen Sparkassen, für 152 Mio. Euro gekauft. In dem Malz-Haus hat jetzt der Goal-Getter von Bayern München Robert Lewandowski seine lange von der Öffentlichkeit erwartete NINE’s Restaurant & Sports Bar als eine der letzten Lokalitäten der Browary Warszawskie eröffnet. Dabei hatte er schon im Vorfeld für Schlagzeilen gesorgt, als im Sommer in Stellenanzeigen Personal für seine Location mit Stundenlöhnen gesucht wurde, die unterhalb des Warschauer Gastronomie-Niveaus liegen, für Kellner z.B. 15 Złoty pro Stunde (rund 3,30 Euro). Für Warschauer Verhältnisse ist dies ein Hungerlohn. Selbst Studenten bekommen in Neben-Jobs mehr.
Lewandowski neuestes ,,Biznes“ erstreckt sich über 4 Etagen auf rund 3000 Quadratmeter. Seine Geschäftspartner sind diesmal einer der Gebrüder Krzanowski, Eigentümer des Büromöbel-Herstellers Nowy Styl, die laut Forbes zu den 100 reichsten Polen gehören, sowie der in der Gastronomie-Branche erfahrene Manager Jacek Trybuchowski. Das Etablissement ist ganz auf Lewandowski ausgerichtet.

Foto: PL-Agentur

Schon über der Eingangstür thront groß die Nine 9, assoziierend zu RL 9, der Rücken-Nummer von Robert Lewandowski in der polnischen Nationalmannschaft, mit der seit Jahren alles von der Unterhose, über Kaffee bis hin zum eigenen Fitness-Getränk vermarktet. Es ist eben diese Werbe- und Vermarktungsmaschinerie im Profi-.Fußball, die mit David Beckham ihren Anfang nahm und mit CR 7 von Cristiano Ronaldo neue Höhen erreichte. RL 9 von Robert Lewandowski ist davon nur eine Kopie, dafür aber mit konsequent durchdachten Geschäftssinn.
In der ersten Etage befindet sich die Sportbar mit 115 Plätzen, darüber die ,,Fan-Zone“ mit zahlreichen Telebeamern und Bildschirmen und einer Tribüne für 65 Personen. Neben seinen Club-Trikots und denen der Nationalmannschaft präsentiert Lewandowski dort auch die Fußballschuhe, mit denen er mit dem 41. Tor den Bundesliga-Rekord aufgestellt hat. Es gibt auch Brezeln an einem Stand, der hier mit ,,Pretzel-Bar“ bezeichnet wird. Ob sie im Gebäck und Geschmack dem Original gleichkommen, das kann nur ein echter Bayer beurteilen. In der Form her jedenfalls nicht. Sie sind in Form einer Neun gestaltet.

Foto: Nine`s / Instagram

Die Neun findet sich auch in allen Preis-Angaben, was allgemein in polnischen Preis-Angaben unüblich ist, hier aber kein Zufall ist. Die RL9-Vermarktungsmaschinerie zieht sich durch das gesamte Haus durch. In der dritten und vierten Etage werden im Restaurant Speisen aus der internationalen, amerikanischen und polnischen Küche a la Street Food angeboten.
Die Gerichte sind in der Speisekarte englisch ausgeschrieben. Dazu gehören Nine`s Smash – Oklahoma Fried onion burger inspired by George Motz für 42,90 zł. oder Sloppy Goal für 44,90 zł. Das macht Eindruck! Klein darunter ist dann in polnischer Sprache gesetzt, worum es sich bei der Speise eigentlich handelt. Zum Angebot gehören auch grünes Kokos-Curry oder golden knusprige Kalmare und Shrimps – eben alles was ein Fußball-Fan beim Spiel seiner Mannschaft zu sich nimmt! Zumindest hat Lewandowski dabei an die Zuschauer in den Stadion-VIP-Logen gedacht.
Bei den Bier-Preisen ist Lewandowski noch vom Preis-Niveau des München Oktoberfest entfernt. Mit 14 bis 18 Złoty (~ 4 Euro), abhängig von der bestellten Biermarke, liegen die jedoch auch über den üblichen Preis-Niveau anderer Sport-Pubs und Fußball-Kneipen in Warschau und anderen polnischen Großstädten. Was soll`s? Den Besucher-Andrang wird es keinen Abbruch tun. In den ersten Tagen nach der Eröffnung warteten Hunderte Gäste bis zu anderthalb Stunden auf den Eintritt. Lewandowskis Etablissement ist bereits jetzt schon zur einer Touristen-Attraktion in Warschau geworden, die die Kassen klingeln lässt.

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Militärfahrzeug-Rallye für ,,Steel Buddys“ an polnischer Ostsee

Schrauber von ,,Fort Marian“ seit über 20 Jahren Organisator des Spektakels

In dem östlich von Koszalin gelegenen Küstenort Darłowo hat die 23. Internationale Militärfahrzeuge-Rallye begonnen. Sie ist die größte Show von militärhistorischen Fahrzeugen in Polen und in Mittelosteuropa.
Höhepunkte sind am Sonnabend (21.August) die Parade der historischen Militärfahrzeuge (Beginn 11 Uhr in Darłowo) und die Inszenierung von Kampfhandlungen bei der Landung der Alliierten 1944 in der Normandie. Das Spektakel mit der Nachstellung des D-Days beginnt am Sonnabend am Strand von Darłowo-West (Zachód) um 18 Uhr. ´
Der Zlot in Darłowo, wie die Militärfahrzeuge-Rallye im Polnischen bezeichnet wird, ist mit den erwarteten 3000 Teilnehmern aus ganz Europa nicht nur für passionierte Sammler und Händler von militärhistorischen Utensilien und Fahrzeugen seit über 20 Jahren ein festgebuchtes Ereignis. Für die Verwaltung des Ostsee-Bades Darłowo ist das jährlich mehrere Tage am Ostsee-Strand stattfindende Spektakel auch ein Höhepunkt in der Sommer-Saison an der polnischen Ostsee-Küste, das Tausende Urlauber anzieht.
Die Militärfahrzeuge-Rallye wird eingerahmt von zahlreichen Ausstellungen und Wettbewerben, in diesem Jahr u.a. um das beste Diorama einer militärischen Schlacht, einem Basar mit zahlreichen Ständen, auf denen mit militärhistorischen Utensilien gehandelt wird sowie anderen Attraktionen. ,,Wir organisieren für Touristen auch Fahrten mit Ketten-Fahrzeugen und Militär-Jeeps. So kann man mit großen Amphibien-Fahrzeugen oder amerikanischen Lastwagen wie z.B. dem REO-Truck fahren. Mit einem solchen Truck war Rambo auch im Hollywood-Klassiker unterwegs“, informiert Marian Laskowski, der seit über 20 Jahren das Groß-Ereignis organisiert.

Letzte Schweißarbeiten an einem Schwimmpanzer. Foto: PL-Agentur

Marian Laskowski ist auch deutschen Zuschauern der Doku-Soap ,,Steel Buddys“ beim Fernseh-Sender DMAX bestens bekannt. Als ,,Meisterschrauber Marian“ restauriert er für Michael Manousakis und seinem Gebrauchtwarenhandel Morlock Motors den legendären Geländewagen Ford Mutt. Morlock Motors bietet die aufgearbeiteten Fahrzeuge in Deutschland zum Verkaufspreis ab 27 000 Euro an. Auf dem Firmengelände von Marian in Malechowo einige Kilometer südlich von Darłowo warten noch zahlreiche Karossen des ,,Mutt“ auf ihre Aufarbeitung. Die beiden großen Werkshallen an der Schnellstraße S6 sind in großen Lettern mit ,,Fort Marian“ beschriftet und schon von weiten sichtbar.
Neben der Restaurierung und Instandsetzung von militärhistorischen Fahrzeugen steht Fort Marian auch Besuchern als privat geführtes Museum offen. Zu der Ausstellung mit über 500 Exponaten auf dem Freigelände und in der Halle gehören u.a. Panzer, amerikanische Truppentransporter und Jeeps, Flakgeschütze, Motorräder aus der Vorkriegszeit und Überreste des weltgrößten Stahlbunkers für Munitionstests und des ,,Kugelbunker“. Sie stammen von der Küsten-Batterie ,,Schwerin“ und dem unweit gelegenen Schießplatz, der vor Kriegsende Rügenwalde-Bad hieß und wo die Wehrmacht Geschütze für die schwere Artillerie, u.a. auch das weltgrößte Bahn-Geschütz ,,Dora“ und seinem Zwilling ,,Gustav“ erprobte.

Foto: PL-Agentur

Inmitten und unbeeindruckt von der Besucherschar führen die Mechaniker von Marian letzte Schweißarbeiten an einem Schwimmpanzer PT 76 sowjetischer Bauart durch, der bei der ,,Zlot“ am Sonnabend zum Einsatz kommen soll. Auf dem Freigelände neben der untypischen Fahrzeug-Reparaturwerkstatt werden gerade die Rotorblätter auf einen Helikopter Mi-2 montiert. Es wird aber noch mindestens anderthalb Monate dauern, bis der aus Bestände der polnischen Armee gekaufte Hubschrauber wieder flugfähig ist, erklärt einer der Helikopter-Mechaniker.
Gleich neben dem Montageplatz ist eines der neuesten Errungenschaften von Marian Laskowski abgestellt: Ein auf den ersten Blick nicht näher definierbares riesiges stählernes Ungetüm auf Rädern. Dabei handelt es sich um ein für schwieriges Gelände projektierten Tankwagen, der für die US-Armee für den Korea-Krieg Anfang der 50er Jahre entwickelt wurde. Er wurde nur als Prototyp gebaut und in Deutschland getestet. Das Fahrzeug ist das einzige seiner Art weltweit. Wahrscheinlich wurde nur dieses eine Exemplar gebaut. ,,Ist Fort Marian der Spielplatz für einen Waffen-Narr?“, fragen wir den Mann, der hier alles verantwortet und dem man die 67 Jahre überhaupt nicht ansieht.

Marian Laskowski Foto: PL-Agentur

In einer englischsprachigen Publikation wurde Marian, der sich mit täglichen Hantel-Training und Eisbaden, u.a. in Sibirien, fit hält, einmal als der ,,polnische Terminator“ bezeichnet. Doch mit dem über den durchtrainierten Oberkörper gestreiften Shirt mit der Aufschrift ,,Army“ erinnert er mit seinem Erscheinungsbild eher an den Prototyp des gnadenlosen Militär-Ausbilders á la dem Gunnery Sergeant Hartman in Stanley Kubricks Film-Klassiker „Full Metal Jacket“. Dabei ist Marian alles andere als ein sadistischer Menschen-Schinder, der Rekruten quält. Er ist außerordentlich hilfsbereit und herzlich und zieht mit seiner persönlichen Aura sofort alle Sympathien der Gesprächspartner auf sich.
Marian Laskowski war auch nie Ausbilder bei der polnischen Armee oder Angehöriger der international geschätzten polnischen Spezial-Einheit ,,Grom“. Seine Lebenserfahrungen wurden auf See geprägt. Mit Anfang 20 arbeitete er auf einen Fisch-Kutter. Dabei hätte ihn die Liebe zum Meer fast das Leben gekostet. Das war vor knapp 40 Jahren. ,,Trotz Sturm-Warnungen wollten wir die Netze einziehen“, erinnert er sich. Auf dem Rückweg brach dann der Sturm und die Wellen über die Fischer herein. ,,Der alte noch aus der deutschen Vorkriegszeit stammende Kutter war nur noch ein Ruine. Der Boden unter dem Steuerrad brach ein, die Steuerkette war gerissen“ Der Kutter begann zu sinken. Der Skipper und die Fischer wechselten in ein Rettungsfloß. Marian als der jüngste und kräftigste Mann wurde angewiesen, in das tosende Wasser zu springen und das Floß an das sich nähernde Ufer zu ziehen. Zum Glück hatte jemand an Land das Drama auf See bemerkt und die Rettungswacht alarmiert, die im letzten Moment die Männer vor dem Ertrinken retten konnte. Kurze Zeit später nach dem lebensgefährlichen Einsatz stand er bereits wieder auf einen Fischkutter.

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Nach einigen Jahren wechselte Marian dann zur Handels-Marine, wo er als Mechaniker im Maschinen-Raum arbeitete. Auch bei der Handels-Marine hatte er eine lebensbedrohliche Situation im Suez-Kanal bestehen müssen. Nach einigen Jahren zurück auf Land machte er sich mit dem bei der Marine gut verdienten Geld als Unternehmer selbständig. Zunächst als Handelsvertreter mit Spezial-Reinigungsmitteln aus westlicher Produktion. Das Geschäft lief aber schlecht, da diese Reinigungsmittel zehnfach teurer waren als einheimische Produkte. Marian konzentrierte sich darauf auf das, was seine Leidenschaft war – auf Motoren und deren Klang. Schon auf hoher See hatte er sich in der dienstfreien Zeit Kassetten-Tonbänder mit verschiedenen anlassenden Motoren-Geräuschen angehört. Er begann altes Kriegsgerät zu sammeln. Besonders faszinierte ihn die Technik der Fahrzeuge aus dem 2. Weltkrieg. ,,Für extreme Bedingungen entwickelt, wurden sie solide und gleichzeitig einfach gebaut. Ohne jede Elektronik wie heute“. Aus seiner Technik-Leidenschaft ist er zu einem Maniac, einem von Militärfahrzeugen Besessenen geworden, einer Leidenschaft, die er mit vielen anderen Teilnehmern und Besuchern der Rallye für historische Militärfahrzeuge in Darłowo teilt.

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Fort Marian ist an den Wochentagen von Montag bis Freitag ab 9 Uhr für Besucher geöffnet. Das Besucher-Ticket kostet 20 Złoty pro Person. Auf Vorbestellung sind auch Fahrten mit amerikanischen Truppen-Transportern und Jeeps auf den 30 Hektar großen Gelände gegen Entgelt möglich. Auf den Firmengelände wurde auch ein ,,Battlefield“ eingerichtet. Auf Vorbestellung und gegen Bezahlung werden dort für Besucher auch Schieß-Übungen mit Pistolen und Karabiner angeboten.
Fort Marian liegt direkt an der Schnellstrasse S6 in Malechowo. Von Stettin/Goleniów kommend, benötigt man auf der gegenwärtig bis Koszalin als Autobahn ausgebauten S6 ca. 2 Stunden.

Ferienwohnungen an der Ostsee – Kaufpreise im Höhenflug

Foto: PL-Agentur

Die Preis-Entwicklung beim Kauf von Ferienwohnungen und Appartements an der polnischen Ostseeküste hat auch in der Corona-Krise keine Pause gemacht und neue Rekordhöhen erreicht.
Nach Angaben des auf die Preisentwicklung spezialisierten Immobilien-Consulters Cenatorium wurden im vergangenen Jahr für den Kauf von Ferienwohnungen an der polnischen Ostseeküste abhängig von der Lage im Durchschnitt zwischen 8 900 bis 11 735 Złoty pro Quadratmeter (1970 bis 2600 Euro) bezahlt. Der höchste Verkaufspreis für ein Appartement mit 56 700 Złoty pro Quadratmeter (rund 12 600 Euro) wurde in Jurata notiert. Das Strandbad liegt auf der Halbinsel Hel, die in der Wahrnehmung des polnischen Tourismus-Gewerbes einen hohen Prestige-Wert hat. Bereits im Jahr zuvor wurden hier für eine 62 Quadratmeter große Ferienwohnung mit Blick auf die Danziger Bucht 3,5 Mio. Złoty gezahlt.
Der etwas abseits der üblichen Rummel- und Basar-Atmosphäre polnischer Ostseebäder gelegene Ort gilt als besonders nobel und ist auf ein gehobeneres Klientel ausgerichtet. Einst war die Halbinsel Hel nur von kleinen kaschubischen Fischerdörfern besiedelt. In den 20er Jahren des vorigen Jahrhunderts erfolgte dann dort der touristische Aufschwung, als in Jurata Villen und mondäne Hotels mit Tennisplätzen und Spielhallen gebaut wurden, die auf die wohlhabenden Schichten aus Warschau und bekannte Persönlichkeiten aus Politik und dem Kulturleben ausgerichtet waren. Von diesem Image lebt noch heute der Ort, dessen Prestige-Wert auch noch dadurch verstärkt wird, dass der polnische Staatspräsident hier seine Sommer-Residenz hat.
Ähnliche Rekordpreise wie in Jurata hat Cenatorium auch in dem rund 50 Kilometer entfernten Sopot registriert. Das inmitten der Dreistadt (Gdynia-Sopot-Danzig) gelegene Seebad hat noch weitgehend seinen mondänen Charme bewahrt. Für den Kauf von Ferienwohnungen im Umfeld des zur Mole führenden Monciuk-Boulevards wurden als Rekord-Wert 51 000 Złoty pro m² notiert. Allerdings sind dies absolute Rekordwerte, die durch die Lage und die Ausstattung geprägt sind. Jedoch sind auch die Durchschnitts-Preise für den Kauf von Ferienwohnungen auch seit Beginn der Corona-Krise im vergangenen Jahr weiter um 16 Prozent gestiegen. Dieses Wachstum ist doppelt so hoch wie der Anstieg der Preise für Eigentumswohnungen in den polnischen Großstädten (7,4 Prozent).

Größte Preis-Unterschiede in Kołobrzeg

Das wichtigste Kriterium, was die Preis-Höhe beeinflusst, ist die Lage der Ferienwohnung oder des Appartements am Meer. Für Standorte in der Entfernung von bis zu 500 Metern zum Meer notierte Cenatorium einen durchschnittlichen Verkaufspreis von 11 735 Złoty. Bei einer Entfernung von mehr als 500 Metern bis 1500 Metern zum Meer lag der Durchschnittspreis mit 8 900 Złoty bereits deutlich niedriger.
Die größten Preisunterschiede treten dabei in den wegen seiner Sole-Quellen besonders auch bei deutschen Senioren beliebten Kołobrzeg (Kolberg) auf. Dort muss man für den Kauf von Ferienwohnungen, die am Meer liegen, im Durchschnitt bis zu 60 Prozent mehr bezahlen als für Immobilien, die mehr als 500 Meter davon entfernt sind. Der geringste Unterschied trat in Swinemünde (Świnoujście ) auf der Insel Usedom auf. Ohnehin liegen die Durchschnittspreise in Swinemünde mit 8000 bis 8300 Złoty pro m² (1770 bis 1840 Euro) am unteren Preis-Level beim Kauf von Ferienwohnungen an der gesamten polnischen Ostsee-Küste. Dies mag daran liegen, dass sich das Interesse der polnischen Inlandstouristen mehr auf die Ostseebäder zwischen Ustronie Morskie und Władysławowo fokussiert als auf das westlich entferntest gelegene Swinemünde mit seiner gegenwärtig noch umständlichen Anfahrt über die Autofähre mit langen Wartezeiten. Auch das weitaus größere Angebot der Immobilien-Entwickler und der intensivere Wettbewerb im Umfeld der deutschen Kaiserbäder dürften dabei eine Rolle spielen.

Einkauf in Condohotels im Trend

Das wachsende Interesse an privaten Investitionen in die Ostseebäder führen Immobilien-Experten auf den gestiegenen Wohlstand des sich herausbildenden polnischen Mittelstands und dem Interesse an sicheren Kapital-Anlagen bei anhaltenden Niedrigzinsen zurück. Ferienwohnungen werden sowohl für den Eigennutz gekauft wie sie auch als Investition betrachtet werden. Deutlich zugenommen hat dabei das Interesse an sogenannte Condohotels, also der Kauf von Wohnungen, Studios und Appartements in Immobilien, die als Hotel geführt werden. In den zumeist hochwertigen Anlagen müssen sich die Käufer nicht selbst um Vermietung, Service und Reinigung kümmern, aber auch den Gewinn teilen.

In diesem Segment treten auch verstärkt Ausländer, insbesondere Deutsche, als Kauf-Interessenten auf. Das Interesse richtet sich dabei besonders auf den Ostsee-Kurort Kołobrzeg. Zu den größten Entwicklungsprojekten im Premium-Segment gehört dort das unter der Marke Crown Plaza projektierte 5-Sterne-Hotel ,,Baltic Wave“, in dem Appartements in der Größenordnung von 29 bis 130 m² zum Kauf angeboten werden oder das ,,Solny Ressort“. In dem hochmodernen Komplex mit Spa- und Beautyzone, der integraler Bestandteil des in die in die Jahre gekommenen ,,Solny-Hotel“ werden soll, werden 150 Appartements zum Verkauf angeboten.

Geplante Beton-Türme am Strand von Międzyzdroje. Projektfoto: Siemiaszko

In das Condohotel-Modell steigen immer mehr Immobilienentwickler auch in anderen Küstenorten ein. Das umstrittenste Projekt sind dabei die zwei 112 Meter hohen Betontürme mit 33 Etagen, für die der Stettiner Bau-Unternehmer Siemaszko die Baugenehmigung in Międzyzdroje (Misdroy) erhalten hat. Eine ,,atemberauschende Aussicht“ verspricht der Bau-Unternehmer auch in seinem deutschsprachigen Werbeprospekt für die 345 zum Kauf angebotenen Wohnungen in den zwei gigantischen Türmen. Diese liegen direkt am Strand und überragen das benachbarten Landschaftsschutzgebiet mit einen der imposantesten Küstenwälder Europas um ein Vielfaches.

Eine ganz andere Niveauklasse in Międzyzdroje ist die Baltic Luxury Residence, mit der eine ehemalige architektonische Perle an der westpommerschen Küste wieder ihren alten Glanz erhält. Das 1870 erbaute und als Hotel ,,Seeblick“ genutzte Objekt war die Visitenkarte von Misdroy, das im Schatten der Kaiser-Bäder auf Usedom um wohlhabende Kundschaft warb. Nach dem Krieg zunächst als Offiziers-Casino und später als Hotel „Bałtyk“ verfiel das nur 50 Meter vom Strand entfernte Objekt zusehends. In den vergangenen 25 Jahren vielfach zum Verkauf angeboten, hatten sich mehrere Interessenten, darunter auch aus Spanien, erfolglos um das Objekt bemüht. 2017 wurde schließlich das völlig baulich heruntergekommene Objekt für rund 3 Mio. Złoty von der polnischen Gesellschaft Meritum aus Stettin (Szczecin) gekauft. Seitdem wird das Objekt einer aufwändigen und originalgerechten Sanierung unterzogen. Die Fertigstellung ist 2023 geplant. Die das Objekt verwaltende Asset Investment bietet hier 37 hochwertige individuell gestaltete Appartements an.

Risiko-Faktor Atomkraftwerk an der Ostseeküste

Generell ist auch in den nächsten Jahren an der polnischen Ostsee-Küste mit einem weiteren Anstieg der Kaufpreise zu rechnen. Allerdings gibt es auch Risiko-Faktoren. Dazu zählen auch die von der Regierung forcierten Wirtschaftsprojekte in Tourismus-Regionen wie der Bau eines Container-Hafens in Swinemünde auf Usedom. Bereits vor Jahren hat sich dort eine Bürger-Iniative gebildet, die gegen eine Abholzung des Küstenwaldes und eine industrielle Verödung der Küstenlandschaft protestiert, wenn Tausende Lkw künftig das an den Container-Hafen angeschlossene Logistik-Center anfahren werden.
Proteste gibt es auch in Lubiatowo, einem Örtchen mit einer vorgelagerten idyllischen Küstenlandschaft. Lubiatowo ist als Standort für das erste polnische Atomkraftwerk in der Ostsee-Region in die engere Auswahl genommen worden. Eine endgültige Standort-Entscheidung ist noch nicht getroffen worden. Sie soll bis Ende kommenden Jahres fallen. Fest steht jedoch, dass kaum jemand im Schatten eines Atomkraftwerks seinen Ostsee-Urlaub verbringen will. Entsprechend werden dann auch die Preise für Immobilien fallen.

© André Jański / infopol.PRESS

 

Diplom-Affäre um Schmiergeld und den Namen Lewandowski

Robert Lewandowski ist wieder in die Schlagzeilen geraten. Nicht etwa wegen eines abgezockten Torschusses. In den Unterlagen der Staatsanwaltschaft nach der Verhaftung eines Hochschul-Lehrers, der gegen Schmiergeld Hochschul-Diplome verkauft hat, ist jetzt auch sein Name aufgetaucht.

Der Mann war auf frischer Tat geschnappt worden. Er war Kanzler der Hochschule für Sozial-Wissenschaften in Łódź. Diese ist eine private Hochschule. Davon gibt es in Polen viele, über 220. Leistungs-Kriterien spielen dort kaum eine Rolle. Für ein Studium reicht ein Abitur. Und man muss das notwendige Kleingeld haben.
Ums Geld ging es auch den Wissenschaftler. Er bot gegen Bezahlung die Ausstellung von Diplomen an ohne die Notwendigkeit der Teilnahme am Studienbetrieb und der Ablegung eines Examens. Eine der Studentinnen, der er das Diplom für spottbillige 2500 Złoty anbot (550 Euro), brachte die Sache zur Anzeige. Demnach klickten in dem Moment, als er das Diplom übergeben wollte, die Handschellen.

25 000 Złoty für MBA-Diplome

Wie Polens größtes Internet-Nachrichtenportal onet berichtet, hatte der Handel mit gefälschten Hochschul-Diplomen noch weit aus größere Dimensionen. In den Akten der Ermittler tauchten auch die Namen von bekannten polnischen Fußballern auf, darunter der von Bayern-Stürmer und Kapitän der polnischen Nationalmannschaft Robert Lewandowski und seiner Ehefrau Anna. So soll der verhaftete Hochschul-Kanzler, der u.a. auch Manager des bekannten Sportklubs ŁKS Łódź war, den Lewandowskis zwei MBA-Diplome für 25 000 Złoty angeboten haben. Laut onet fanden die Ermittler im Zuge ihrer Ermittlungen und einer Hausdurchsuchung in den beschlagnahmten Unterlagen auch den Abzug eines Magister-Diploms für Robert Lewandowski mit dem Bild des Bayern-Stürmers.
Um eine Stellungnahme gebeten, erklärte die PR-Managerin der Lewandowskis, Monika Bonadrowicz, dass weder Robert Lewandowski noch Anna Lewandowska Kenntnis von einem staatsanwaltschaftlichen Ermittlungsverfahren haben. Zu einem Verfahren, von dem man nicht weiß, ob es überhaupt existiere, könne man daher keine Erklärung abgeben.
Inzwischen hat die Rektorin der Hochschule in Łódź, die übrigens die Ehefrau des verhafteten Hochschul-Lehrers ist, aber bestätigt, dass Lewandowski Absolvent der Hochschule in Łódź mit einem Magister-Titel in Pädagogik ist. Der berechtigt ihn, nach Abschluss seiner Fußballer-Karriere als Trainer zu arbeiten.
Diese Aussage, die Fragen aufwirft, hat in der polnischen Öffentlichkeit für Irritationen gesorgt. Europas Fußballer des Jahres ist demnach zweifacher Akademiker – Wow! Über den Abschluss eines zweiten akademischen Titels hat er allerdings in der Öffentlichkeit den Mantel des Schweigens gehüllt, was überhaupt nicht zu seiner Selbstvermarktungs-Strategie passt.

Beim Abschluss seines ersten wissenschaftlichen Titels war dies völlig anders. Den hatte er auch an einer anderen Hochschule erworben, an der Sport-Hochschule in Warschau. Dies war 2017. Ein Tag nach einem Länderspiel, bei dem er mit einem Tor brillierte, verteidigte er vor der Prüfungs-Kommission seine Bachelor-Arbeit. Deren Titel wie auch deren Inhalt mutete wie das Thema eines Schüler-Aufsatzes an: „RL9 – Der Weg zum Ruhm“. RL steht für Robert Lewandowski. Die 9 für die Rücken-Nummer seines Trikots in der polnischen Nationalmannschaft. Lewandowski konnte als seine wissenschaftliche Arbeit einfach über sich selbst schreiben, was bei jeder Studentin und jeden Student in Polen, die sich jahrelang mit ihren Abschluss-Arbeiten herumquälen müssen, für Empörung sorgte.

In der Arbeit erzählt Lewandowski seine Geschichte, wie er als kleiner Junge vom Straßen-Bolzer zu einem Star im internationalen Fußball aufgestiegen ist. Auch die Prüfung erinnerte an eine Show-Veranstaltung. Die Prüfungs-Kommission war in den Trikots der polnischen National-Mannschaft gekleidet. Einzig Robert Lewandowski erschien in korrekter Prüfungs-Kleidung. Die Verteidigung des Titels wurde seinerzeit ausführlich in den Medien gefeiert. Umso verwunderlicher ist jetzt, dass die Vermarktungs-Maschinerie von RL9 den zweiten akademischen Titel von Lewandowski an der Hochschule völlig ausgespart hat. Warum?

©Magda Szulc / infopol.PRESS